Mühleberg Kallnach

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Heute mache ich eine Kraftwerkstour, ich starte in Fuchsried bei Mühleberg und lauf erstmal hinunter zum Wohlensee und zum Wasserkraftwerk. Hier lerne ich, was eine Fischtreppe ist und dass diese Art von Flusskraftwerken den Basisstrombedarf decken oder die sog. Bandenergie liefern, immer gleich viel, Tag und Nacht, ohne aber Versorgungsspitzen abfangen zu können.
Den Uferweg der Aare entlang stehen Informationstafeln der BKW, die die verschieden Methoden der Stromerzeugung und deren Verteilung erzählen, wie die SBB und die BLS zu ihrem „anderen“ Bahnstrom kommen und wie der Strom letztlich in unseren Steckdosen landet.
Neben der Erklärung eines Atomreaktors (bzw. das Modell vom Kraftwerk nebenan) werden auch Wasserkraft-, Solar- und (Bio)gas-Kraftwerke erklärt. Damit führt der Weg zum Atomkraftwerk und darum herum.Keine besondere Sache, keine Bannmeile, man kommt an die Gebäude auf ein paar Meter heran, nur ein doppelter, wahrscheinlich elektrischer, Zaun umgibt das Gelände.

Weiter der Aare nach befinde ich mich bald in einer Verlandungszone, das Gehölz wird immer dichter, der Weg immer schmaler und die Mücken immer zahlreicher. Plötzlich ist der Weg überflutet, mehr als knöcheltiefes Wasser, kein Weg rechts dran vorbei, kein Weg links dran vorbei. Also Schuhe ausgezogen, über die Schulter gehängt und barfuß weiter durch den sumpfigen Morast. Immer mehr Mückenschwärme hab ich aufgetrieben und immer matschiger wurde der Durchlass zwischen dem Gehölz, was wohl der Weg sein sollte. Die sumpfige Erde quoll mir zwischen den Zehen hervor, es schmatzte laut bei jeden Schritt und ein paar Mal wäre ich fast ausgerutscht. Bald darauf waren wieder Spuren menschlicher Hilfestellung zu finden, man hatte einen Gitterrost über den sumpfigen Weg gelegt. Das war natürlich das Richtige, was ich jetzt gebrauchen konnte mit meinen nackten und verschlammten Füßen. Aber bald schon hatte ich wieder festen Boden und eine Strasse unter den Füßen und weil es mir grad so gut gefiel, lief ich ein gutes Stück weiter barfuß.

Kurz darauf, ich wollte wieder hinunter zum Wasser ( sollte hier nicht irgendwo die Mündung der Saane sein?), traf ich auf einen absturzgefährdeten Weg, den man, so die Warnung auf dem Schild, gemäß beigefügter Karte doch umgehen sollte. Doch leider sagte mir die Karte nicht viel, so dass ich mich einfach für die dritte Richtung des Wegweisers entschieden hab. Nachher, beim Betrachten in Google Earth, wird mir schon auffallen, wo ich hier war.
Am bewaldeten Ufer des Niederrieder Stausee überkam mich eine gewisse Faszination für Stauseen. Sie sehen aus wie natürliche Seen, zumindest wenn man sie vom Boden aus betrachtet, obwohl man aus der Luft recht gut deuten kann, ob ein See küstlich gestaut wurde, aber von unten aus betrachtet mit ihren schilfbewachsenen Ufern, die so vielen Lebewesen einen Unterschlupf bieten, mit ihren bewaldeten Ufern, an denen die Bäume mit ihren Ästen, Zweigen und Blättern nach dem Wasser greifen, kann man einen Unterschied zum natürlichen See kaum ausmachen. Und dennoch bin ich mir bewusst, dass diese Landschaft so hier nicht existieren würde, hätte der Mensch nicht eingegriffen. So offensichtlich die Umgebung naturbelassen aussieht, so konnte sie erst durch Menschenhand entstehen. Das hat mich an meine Kindheit erinnert, als ich von meinen Grosseltern aus einen neu angelegten Stausee erkundet hatte, wie er nackt, kahl und leer in der frisch überfluteten Landschaft lag, aber irgendwie mit einem vergleichbaren Flair wie diesem hier. Die Gewässerkorrektion fasziniert mich immer mehr und ich hab das Gefühl, dass ich erst langsam ihre Bedeutung und Wirkung zu erkennen beginne.
Doch schon bald war’s vorbei mit der sonnigen Abendstimmung inmitten der Natur, denn ich komme zu den grauen Stahlbetonbauten des Niederrieder Kraftwerks.

Das ist zum Einen ein Flusskraftwerk in der angestauten Aare, zum Anderen wird hier Wasser in den Kanal in Richtung Kallnach abgezweigt.
Der untergehenden Abendsonne entgegen gehts weiter nach Kallnach und ich genieße hier die ruhige Abendstimmung.

Wenn das Tagesgeschäft erledigt ist und die Menschen noch gemütlich im lauen Sommerabend sitzen und plaudern, gibt das dem Städtchen einen gemütlichen Flair, ja fast schon den Charme von Geborgenheit. Ich hab meine Tour zu Ende gebracht und bin noch zum Kraftwerk gelaufen. Außer dem alten, nicht mehr benötigten Gebäude sieht man allerdings nicht viel, der Kanal, die Turbine und der Generator befinden sich unterirdisch. Das freut mich sehr, denn ich habe gesehen, dass man umweltfreundliche Kraftwerke unterirdisch bauen kann, so dass man sie nicht sieht und damit stören sie auch niemanden. Diese Möglichkeit sollten wir öfter wahrnehmen. Das Aarewasser, welches aus dem Kraftwerk herauskommt, fliesst in einem schnurgeraden Kanal in den Hagneck-Kanal, aber die Strecke gehe ich ein anderes Mal.

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