Cottens Romont

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Um drei Uhr wollte ich heute aus dem Büro gehen, hab mich dann aber noch unterhalten lassen, so dass ich erst um vier in Bern losgekommen bin. Mit Umsteigen in Fribourg war ich erst um fünf an meinem Startpunkt in Cottens. Das würde noch ca. zwei Stunden Helligkeit bedeuten, es sieht so aus, als würde ich heute eine Nachtwanderung machen. Damit mir dabei nicht so kalt wird wie gestern, hab ich heute meine Mütze eingepackt.

Nachdem ich gestern vom Jakobsweg etwas abgekommen bin, habe ich vorher noch den richtigen Weg in mein iPhone einzeichnen lassen. So weit weg bin ich gar nicht, ich könnte sogar behaupten, dass mein Umweg nur der Aufteilung in zwei Abschnitte geschuldet war.

Von Cottens aus ging der Weg hinunter Richtung Glâne, auf der Sonnenseite des Hügels. Heute weht keine Bise, so ist es angenehm warm, ich kann die Ärmel hochkrempeln und zufrieden der Abendsonne entgegenwandern. Irgendwie macht mir die Gegend einen katholischen Eindruck. Ok, ich laufe einen Teil des Jakobswegs, hier gibt es viele Wegkreuze und viele Kirchen. Ich glaub, auf der ganzen Strecke heute gab es keinen Ort, von dem aus ich nicht mindestens zwei Kirchen oder Kapellen sehen konnte. Irgendwie erinnert mich dieses Freiburger Voralpenland an Bayern, da stehen ähnlich viele katholische Kirchen, Kapellen und Wegkreuze, allerdings haben die bairischen Kirchen andere Türme.
Die Kirchenglocken hier spielen eine viel schönere Melodie, selbst „nur“ für die halben Stunden. Nicht einfach nur ein Bing oder zwei Ding Dong, sondern mehrstimmige Melodien. Etwa Bing de dang Dong, und dann die Schläge für die aktuelle Stunde. Ich hab’s leider nicht aufgenommen.

Es ist gemütlich und beschaulich auf meinem Weg durch diese frühabendliche Welt, hier mal ein Kindergeschrei, da ein Sägen und Hämmern, dort ein Kühemelken, ein Hund, der in der Ferne bellt, friedliche Dörfer durch die ich ziehe. In Autigny finde ich einen Wegweiser, der bis Romont noch drei Stunden veranschlagt. Das wäre dann gegen halb neun… Wenn es gegen sieben Uhr dunkel wird, bin ich wohl tatsächlich noch eine gute Strecke im Dunkeln unterwegs. Aber ich bin ja ausgerüstet, Softshell-Jacke gegen den Wind, Mütze für den Kopf, Karte auf dem iPhone und einen Zusatzakku… Was soll da noch schiefgehen?
Ich wandere an einem rauschenden, lachenden und glucksendem Bach entlang, die Sonne scheint mir ins Gesicht, die Vögel zwitschern, trillern und pfeifen, wahrlich, der Frühling ist mit großen Schritten im Anmarsch.

Als ich zur Kapelle von Chavannes-sous-Ordonnens kam, sah ich, dass sie offen stand, deswegen bin ich hineingegangen und hab eine kleine Rast gemacht. Im Inneren sind Malereien vom Hl. St. Andreas und vom „Jakobus Minor“ zu sehen. Ein buntes Mosaikfenster und ein kleiner Altar mit einem grösseren Taufbecken. Nach einer kleinen Entlastung meiner Füße ( bei den Katholiken gibt’s ja immer das Kniebrett ) bin ich dann weitergezogen Richtung Romont.

Bald schon ist die Sonne hinter dem Hügel untergegangen, aber nachdem heute keine Bise ging, konnte ich auch im Schatten immer noch kurzärmelig laufen. Es ging durch das Tal der Neirigue, ein Nebenfluss der Glâne, vorbei an den Kirchen von Orsonnens und Massonnens, die untergehende Sonne spiegelt sich dunkelorange in deren Fenstern, vielleicht um mir zu sagen, dass sie noch da ist, wenn auch hinter dem Hügel.

Bei der nächsten Abzweigung überlege ich, ob ich noch einen Abstecher nach Berlens machen sollte. Berlens liegt auf einem Hügel, von dort aus sollte man eine Aussicht auf den Hügel von Romont haben. Es ist noch früh genug; also: ich fühle mich noch so gut, dass ich diesen Umweg noch gehen könnte. Und es lockt mich die Aussicht, die ich dort erwarte. Aber was hilft die, wenn es in einer halben Stunde dunkel ist? Ich beschliesse also, direkt nach Romont zu gehen, das dauert schließlich auch noch eine Stunde.

„Da vorne, um die Waldecke herum, sollte ich Romont sehen können“. Ja, tatsächlich, zwar nur als Schatten in der einbrechenden Dunkelheit zeichnen sich die spitzen Türme der Festung und Kirchen auf dem nächsten Hügel ab. Noch klein und weit weg, der nächste Wegweiser verspricht mir aber, dass es nur noch 4 km sind. Schritt für Schritt wird es dunkler, vom Abendrot bleiben nur noch ein paar einzelne rote Wölkchen übrig und so langsam wird es feucht und kalt. Kurz bevor es zu dunkel ist, komme ich noch an einem „Minihotel“ vorbei. Irgendwie süss, das kleine Stöckli als Herberge umzubauen. Ich hab allerdings keine Fenster entdecken können… Dafür lag allerdings ein Sack vor der Tür 😉
Im Dunkeln, aber irgendwie eine Stunde zu früh bin ich dann nach Romont gekommen. Statt halb neun war es erst viertel vor acht… Hab aber trotzdem eine halbe Stunde auf den Zug warten müssen. Dabei kann einem ganz schön kalt werden…

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