Boll Ramsei

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Zweiter Rucksacktest Tag. Nachdem ich Nachtschicht hatte, bin ich heute später aufgestanden und deswegen erst um zehn Uhr losgezogen. Von Boll aus wollte ich an Vechingen vorbei und dann ins Emmentaler Hügelland abbiegen. In Boll hat’s ein paar Tropfen geregnet, es wurden bald auch ein paar mehr. Aber für die Regenausrüstung war’s dann doch nicht genug. Ich hab mich hinter Vechingen etwas von dem einfachen Weg verführen lassen und bin fast bis nach Worb gelaufen, bis ich abgebogen bin. In Worb bin ich dann auch noch auf den Weg des lokalen Wanderwettbewerbs „rund um den Eggwald“ geraten, entsprechend sind mir einige „Wanderer“ entgegengekommen. Auf der Suche nach der richtigen Richtung bin ich den langen Berg nach Wattenwil hinauf auf der Strasse gelaufen. Aber das hat mich meinen Rhythmus finden lassen, so dass der noch steilere Aufstieg zum Lüüseberg nicht so schwer war. Dort oben angekommen hatte ich eine tolle Aussicht auf die Berner Voralpen, das meiste davon kenne ich von meinen Wanderungen. Längeberg, Zimmerwald, Riggisberg, Gurnigel, sogar das Guggershörnli konnte ich sehen. So stand ich minutenlang zu Tränen gerührt da und habe die schöne Landschaft bewundert, die mir so vertraut ist. Hier kenne ich mich aus, hier fühle ich mich wohl, hier bin ich zu Hause. Meine Blicke schweiften übers Land, überall hängen Erinnerungen und Geschichten, so intensiv hab ich selten ein Landstrich betrachtet. Ein Biker kam vorbei und machte mich auf den Nachteil aufmerksam, dass es diesig ist und man die hohen Berge nicht sehen könnte. Ich erwiderte, dass ich auch so genug zu schauen hätte, worauf er mir die Richtung des Chasseral gezeigt hat und mir erklärte, dass dahinter schon Frankreich sei. Die Schweiz sei halt schon ein kleines Land. Etwas desillusioniert und an unsere Grenzen erinnert zog ich weiter, wählte den „steilen Anstieg“ zum Mänziwilegg. Zwischendurch machte ich noch Feineinstellungen an meinem Rucksack, die Rückenlängenänderung von heute morgen passt noch nicht so richtig.

Mit einem grossen Bogen bin ich um das volle Ausflugslokal herum gelaufen und hinunter nach Walkringen. Das war zwar etwas um, nein, besser gesagt, wieder ein Bogen mehr, aber dafür wandere ich ja und bin draussen in der Natur. Unten in Walkringen bin ich in zu einem Konvoi historischer Traktoren gekommen. Ganz schön viel Gestank haben diese Dinger gemacht. Nachdem ich inzwischen meinen 2 Liter Vorrat Wasser leergetrunken hatte, suchte ich einen Brunnen, um wieder Wasser zu fassen. Ich hatte auf dem Hinunterweg schon beschlossen, dass ich auf der anderen Seite von Walkringen wieder diesen steilen Hügel hoch will. Dieser typisch emmentalerische, unsagbar steile Hügel… Mit zwei Kilo Wasser mehr auf dem Rücken (bzw. eher auf den Hüften) hab ich mich auf den Weg gemacht. Von unten sah das schon beängstigend steil aus… Es war auch kein Wanderweg, der hier hoch führt, der Weg war einfach nur auf der Topo-Karte eingezeichnet. Mühsam bei sengender Mittagshitze hinauf zu dem ersten Haus, weiter steil bergan zum zweiten Haus, weiter hinauf zum dritten Haus. Kaum war ich oben angekommen, stürmte laut bellend eine große Schäferhund-Rottweiler-Mischung auf mich zu. dem ersten Schreck sah und hörte ich die Kette, die der Hund mitzog, ich hoffte inständig, dass sie irgendwo festgemacht war. Kurz bevor der Hund mich erreichte, war die Kette zu Ende und ich musste mich „nur“ noch ankläffen lassen.

Nach diesem Aufstieg hab ich erstmal Pause gemacht und die Aussicht über Walkringen, das sich Richtung Aare öffnende Tal, den Gurten und das Berner Oberland genossen. Danach musste ich erstmal Wegplanung machen. Ich wollte primär hinter Walkringen wieder hoch, über das Danach hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht. Also Karte studiert, Wanderwege gesucht, Zeiten und Entfernungen abgeschätzt und nach Bahnhöfen als Zielpunkt gesucht. Mein Weg führte mich „oben entlang“ durch Wald über Aspi und Aspiegg, die Straße entlang Richtung Schwanden. Hier hab ich meine Mutter zum Muttertag angerufen, just in dieser Zeit kam mir eine Familie und zwei Biker entgegen, die mich etwas komisch angeschaut haben.

 

 

Von der Strasse wieder runter führte ein Wanderweg auf halber Höhe über die Wiesen, über eine Weide mit einem Bullen, der einen Ring durch die Nase, ein stabiles Geschirr im Gesicht hatte und ziemlich aufgeregt schnaubte. Aber ich wollte da durch, hab als versucht, mich nicht einschüchtern zu lassen. Weiter hinten musste ich noch durch eine Herde Kühe hindurch, die waren allerdings recht ängstlich und sich mir aus dem Weg gesprungen. Noch weiter kam ich über eine Kälberweide, die waren aber ziemlich neugierig und kamen auf mich zu gesprungen und haben mir den salzigen Schweiss von Armen und Händen geschleckt.

Die Wanderwege in diese Richtung hatten allerdings das Ziel Lützelflüh, aber da wollte ich nicht hin, da war ich ja gestern schon. Ich wollte stattdessen versuchen, mich weiter rechts zu halten und nach Ramsei zu laufen. Allerdings musste ich dafür hinunter zum Goldbach und noch den Harschberg hinauf, was nach ein paar Stunden Wanderung ziemlich anstrengend war. Den Harschberg wieder hinunter zur Emme, dort sollte ein gestrichelter Weg gehen, durch den Wald. Als ich an den Elektrozäunen keine Öffner gefunden hatte, sondern unten durchkriechen musste, hab ich mir noch nicht viel dabei gedacht. Als der Weg sich aber in der Wiese verlor und laut Karte in den Wald führen sollte war ich etwas ratlos. So musste ich mir steil bergab durch einen dichten Wald selber einen Weg bahnen. Unten kam ich dann auf eine Schnellstrasse, die ich entlang musste, da hab ich’s wieder verflucht, eigenmächtig vom Wanderweg abgebogen zu sein. Aber ich war fast da, nur noch übers Moos hinunter zur Emme, diese entlang zum Ramseisteg, hinüber und vor zum Bahnhof. Zwischendrin befiel mich noch die panikartige Frage, ob das da auf der Karte auch wirklich ein Bahnhof war, es könnte ja auch ein Tunnel sein. Von Ferne war ausser Grün und dem steilen Sandsteinfelsen nämlich kein Anzeichen von einem Dorf und einer Bahnverbindung zu sehen. Aber die SBB App auf meinem Telefon konnte mich dann beruhigen.

« Deisswil Lützelflüh
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