Autofreier Sonntag in Bern

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Wie ruhig die Stadt ist, ohne Autos. Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren zwar, aber sonst ist der Verkehr mit vielen Pferdekutschen realisiert.

In den Kirchen wird noch gesungen, die Freude und Inbrunst der Gemeinden schallt bis auf die Gassen heraus.

Weltlich laut wurde es dann am Bundesplatz, wo diverse Musikkonzerte und erfrischender Wasserspass am Brunnen geboten war. Es ist ein herrlicher Sommertag in der Stadt und die Menschen nehmen sich Zeit. Zeit zum Schlendern, Schauen, Geniessen, eifach e chli si…

Die Fontänen des Bundesplatzbrunnen spritzen im Takt der Musik, fröhlich quietschende Kinder springen in Badehosen im Wasser herum, eine Leute tanzen mit ihren Kindern auf dem erfrischenden Bundesplatz. Herrlich. Diese Ausgelassenheit und Lebensfreude zu erleben, der Sänger auf der Bühne singt gerade „hier bin ich daheim“.

Überall in der Stadt sind „Aktionsinseln“ aufgebaut, Thema Mobilität am Hirschengraben, Thema Bewegung am Eigerplatz. Und zwischen diesen Aktionsinseln fährt ein Rikscha-Fahrservice. Ganz autofrei, ganz im Sinne der sportlichen Fortbewegung, zumindest für den Chauffeur.

Mobilität für die Kinder, Spiel und Spaß für die Erwachsenen. Ein buntes Treiben, Lachen und Schreien erfüllt die Strassen, auch wenn Autos fahren würden, würden sie locker übertönt vom Leben in der Stadt.

Ich bin weiter gezogen, habe meiner Lust zu laufen stattgegeben und bin gemütlichen Schrittes durch Bern gezogen. Hier mal rechts abgebogen, dort mal links abgebogen, durch Länggass-Quartier, einfach der Nase nach. Einen Schritt vor den anderen, die Richtung hat sich selbst bestimmt. Nicht schnell, nicht hektisch, kein Ziel vor Augen, kein Hindernis, welches überwunden werden muss. Zumindest keine Hindernis, welches ich durch Laufen überwinden könnte. Die Stadt ist ruhig, langsam, gediegen. Es ist Sommer, Fenster stehen weit offen, das Gemütliche Leben quillt aus den Wohnungen auf die Strassen, Kinder spielen, Mütter kochen Mittagessen, Männer sitzen in der Sonne und lesen Zeitung. Die Vögel zwitschern und sie werden kaum gestört vom Verkehrslärm. Ab und zu mal ein Mofa, welches durch die Straßen kurvt, aber die meisten Verkehrsteilnehmer sind Velos, Dreiräder und Kinderwagen.

So bin ich aus der Stadt herausgekommen und in Beutels gelandet. Hier ist ein großes Park&Ride Zentrum, direkt an der Autobahn, um die Autofahrer hier abzuholen und mit dem Öffentlichen Verkehr in die Innenstadt zu bringen. In dem Wald nebenan fand ich einen Wanderwegweiser, fast schon reflexartig bin ich diesem gefolgt und am Rande der Stadt entlang zur Engehalbinsel gegangen. Auf dem Weg kam ich noch an der ganz und gar nicht autofreien Autobahnbrücke, dem Felsenauviadukt, vorbei, welches gerade im Laufenden Betrieb verbreitert wird. Aber heute ist Sonntag, die Baumaschinen stehen still und es sind nur die heruntergebremsten Autos, die hier Lärm machen. Auf der Engehalbinsel angekommen, bin ich dem Archäologischen Pfad gefolgt, der hier die Geschichte der frühen Besiedlung und deren Spuren darstellt und erklärt. Aber die Überbauung am Rossfeld so dermaßen betonzentriert, dass es mir schwerfällt, mich auf Menschheitsgeschichte einzulassen. Doch schon kurz dahinter beginnt der Reichenbachwald, der neben einem starken Kontrast zu den Betonbauen auch noch Schatten und Kühle in der Mittagssonne bietet. Neben dem Archäologie Pfad wird noch ein Waldlehrpfad angeboten, genug Möglichkeiten, sich mit diesem Fleck Erde auseinanderzusetzen.

Eingetaucht in Erzählungen und Erklärungen über der Römer Siedlung in diesem Wald wurde ich zum restaurierten Badehaus der Römer geleitet. Dieses wurde 1937/38 ausgegraben, teilrestauriert und unter ein Schutzdach gebracht, eine ganze Reihe an Informationstafeln erklären jeden Raum des Bades, wie die Doppelböden und die Mauern aufgebaut waren. Alles im Schatten der Bäume und des Daches, ich hab mir viel Zeit genommen, dieses Badehaus zu erkunden und zu entdecken, wieviele Kleinigkeiten es damals schon gegeben hat. Und das sind nur diese Kleinigkeiten, die die Archäologen bis heute schon herausgefunden (oder besser: zusammengereimt) haben.

Weiter entlang des Wegs, hoch über der Aare, konnte ich noch etwas über längst vergangene Kelten-Siedlung erfahren, das Siedlungsgebiet hat damals die gesamte Engehalbinsel ausgemacht. Und mit dem Rundweg stand ich dann wieder am Eingang des Reichenbachwaldes. Diesmal wollte ich noch einmal hindurch, diesmal aber nicht am römischen Bad abbiegen, sondern geradeaus der Länge der Halbinsel entlang. Zwischendrin habe ich von den süßen Früchten des Waldes genascht, die Himbeeren sind reif. Lecker süss und warm von der Sonne haben sie meinen Gaumen gekitzelt.

Von unten, aus der Aare tönte laute Freude und Ausgelassenheit zu mir herauf, als ich, am Nördlichen Ende der Halbinsel angekommen, den Weg hinunter zur Tiefenau nahm. Es ist immernoch heiß und ich bin froh, im dichten Wald laufen zu können, damit ich im Schatten bin.

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