Noiraigue Gorgier

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Nachdem es mir gestern in Yverdon nicht so gut ging, bin ich wieder heimgefahren. Heute geht’s mir scheinbar besser und ich hab mir den Jura-Höhenweg ausgesucht. Dieser startet, zumindest auf der Karte in Yverdon, am Creux du Van. Hier möchte ich heute starten und den anderen Weg, unten herum, an der Quelle vorbei, nehmen. In der Nacht bin ich von heftigen Gewittern geweckt worden, drum bin ich ganz froh, nicht draußen übernachtet zu haben. Heute erstrahlt das Wetter wieder in schönstem Sonnenschein und ich breche auf ins Val des Travers.

Doch mit dem eitel Sonnenschein ist es bald schon wieder vorbei, durchs Mittelland werde ich unter Wolken gefahren, Wolken, so tief, ich kann sie fast anfassen. Und die Luft ist sauber und klar, erschreckend durchsichtig, der Blick so weit und ungetrübt. Ich kann jedes Blatt an den Bäumen und jeden Grashalm auf der Erde erkennen. Jede Pflanze in all den unzähligen geraden Reihen der Felder. Alles grünt und wächst, alles atmet die Feuchtigkeit des Regens. Das Getreide ist inzwischen fast reif, bietet sich zur Ernte an, wartet nur darauf, uns als Backwaren zu dienen.

Nach dem Umsteigen in Neuchâtel fuhr mich der Zug ins Val de Travers. Die Wolken hängen tief und der Zug fährt auf halber Höhe in das Tal ein, ich hatte einen Moment das Gefühl zu fliegen, inmitten den Tals, gegrenzt von den mächtigen Felswänden und von den tiefen Wolken, offen nur gegen unten, wo der Fluss diese Schlucht bildet, jahrmillionenlang eingegraben in die Felsen des Jura.

In Noiraige ausgestiegen, empfing mich das frisch renovierte Bahnhofsgebäude. Und nicht nur mich, es kamen noch andere Wanderer mit Kindern und Hunden aus dem Zug. Aber nicht alle sind Richtung Creux du Van gelaufen. Die Strasse hinauf, diesmal den Wanderweg nach links genommen und erstmal den Anstieg hinauf. Der hat mich schon zum Schwitzen gebracht, da ist’s nicht weiter aufgefallen, dass es zu regnen angefangen hat. Bis ich bei Ferme Robert war, hat es richtig geregnet, im großen Kessel des Creux hat der Gewitterdonner gegrollt. Aber ich war ja nicht alleine hier und die anderen Wanderer sind in ihre Regenklamotten gehüllt weiter gezogen. So auch ich. Jetzt kann ich meinen neuen Poncho mal ausprobieren.

Der Poncho ist eigentlich ganz lustig, ich kann ihn über mich und meinen Rucksack werfen, fast wie ein Zelt zum Anziehen. Dort drinnen kann ich im Trockenen mein iPhone bedienen oder sonst welche Sachen vor Regen geschützt machen. Oder ich steck den Kopf durch das Kapuzenloch und kann rausgucken 🙂 meine Hände und Arme kann ich drinnen lassen oder nach draußen strecken, ganz wie ich will. So in mein wandelndes Zelt gehüllt trotzte ich dem Regen und ignorierte das Donnern und zog los zu der „immerkalten Quelle“ im Kessel des Creux du Van. Eine Kurve rechts, eine Kurve links, es ging etwas bergauf und ich merkte, was es bedeutet, dass der Poncho 100% wasserdicht ist. Von außen geht kein Wasser durch, aber von innen auch nicht. So musste ich mir etwas überlegen, wie ich meine Hitze der Anstrengung wegbekomme, denn sie lässt meine Brille beschlagen. Nach ein paar Kurven kam ich zu einem kleinen Brünneli, mehr zum Spaß hab ich mal auf die Karte geschaut, ob das schon die Fontaine Froide ist. Und tatsächlich… Fast wäre ich dran vorbeigelaufen. Ich hab meinen Rucksack abgezogen und festgestellt, dass dieser nass ist. Mein Hemd ist auch nass, was aber vom Schwitzen kommen wird. Aber der Rucksack nass? Deswegen hab ich doch den Poncho drüber? Vielleicht hab ich ihn falsch angehabt? Hmm. Kurz Pause gemacht, meine Wasserflasche am Brunnen gefüllt, getrunken und nochmal den Poncho angeschaut. Diesmal hab ich ihn erst an den Seiten zugeknöpft und ihn dann über mich geworfen. Doch, er sitzt so wie bei den Trocken(!)übungen heute früh daheim… Wird schon passen… Es regnet und regnet, es will gar nicht mehr aufhören. Es donnert, über mir scheint ein Gewitter zu hängen. Und wie es donnert, in dem Kessel des Creux du Van klingt das nochmal imposanter, lauter, drohender. Aber was solls, mehr regengeschützt als jetzt kann ich gar nicht sein, also weiter. Langsam den Anstieg zum Kraterrand, nicht zu schnell, nicht ins Schwitzen geraten, damit die Brille nicht beschlägt. Pustekuchen. Ich hab die Brille dann abgenommen, ohne sehe ich immernoch mehr als mit. Schritt für Schritt den Berg hinauf, jeden Fußtritt vorsichtig setzen, damit ich bei dem nassen Untergrund und ohne Brille nicht noch ausrutsche. Es regnet und regnet und regnet und donnert. Ich überlege mir, ob es Sinn macht, bei Blitz und Donner oben am Kraterrand anzukommen und auf der Ebene oben zu stehen. Egal, ich gehe weiter. Schritt für Schritt und es regnet und regnet. Aber in meinem mobilen Zelt fühlt sich der Regen gar nicht so schlimm an. Dass ich auch innen nass bin, schiebe ich mal aufs Schwitzen. Mir kommen Wanderer entgegen, die schnellen Schrittes hinunter wollen. Und noch ein paar Schritte, ich erkenne kaum den Weg, muss gut aufpassen, wo ich hintrete. Kaum Blick für meine Umgebung, sehr weit sehe ich eh nicht, ich bin mitten in der Wolke. Nichts mit der riesigen Wand des Kessels und dem riesigen Raum, den sie aufspannt. Und plötzlich hört es auf zu regnen. Der Anstieg hört auch auf, ich bin oben angekommen. Der Weg führt mich an der Kante entlang, oben an dieser riesigen Felswand, doch es ist nichts zu sehen, die Wolke füllt dieses Loch aus. Dort unten regnet es, dort gewittert es, während es hier oben trocken und windig ist. Nicht gerade schönes Wetter, aber zur nächsten Wolkendecke ist einiges an Platz, ich kann über die Ebene blicken und sehe Bäume, Kühe und ein paar Häuser. Ich will mir einen Rastplatz suchen, aber irgendwie… Der Wind wird stärker und bläst mir die nächsten Wolken um die Ohren, die bringen wieder Regen mit und mein Poncho wird wieder nass. Bald schon bin ich wieder von einer Wolke umgeben und etwas desorientiert gelange ich zu einem Wegweiser, der mich links nach St. Aubin bringen will. Bei diesem Wetter und fehlender Aussicht wird das eh nix mit dem Jura Höhenweg, also hinunter zum See. Auf dem Weg hinunter suche ich weiter nach einem Rastplatz, an dem ich mein Dach aufspannen kann, oder zumindest mein Poncho aufspannen, damit ich für einmal nicht im Regen stehe. Aber ich finde kein passendes Plätzchen, so lange und intensiv wie das schon regnet, erst recht kein trockenes. An der Kreuzung mit einer Waldstrasse finde ich einen abgesägten Baumstumpf, hier will ich wenigstens mal meinen Rucksack abstellen und einen Schluck trinken. Kaum hab ich das gedacht, hört der Regen etwas auf und ich kann sogar meinen Poncho ausziehen. Ich wage es sogar, meinen Rucksack zu öffnen und zu untersuchen. Er ist zwar außen feucht, aber ich denke, das ist nur Schwitzwasser. Innen ist alles trocken, mein Pulli ist trocken, mein Schlafsack wohl auch. Und wie ich eh grad im Rucksack bin und der Regen eine Pause macht, schneide ich mir auch grad eine Scheibe Brot und ein Stück Käse ab. Mit dem leckeren Wasser von der Immerkalten Quelle mache ich Brotzeit. Hey, hier wachsen sogar Himbeeren, lecker. Und wie ich so am Genießen bin, kommt doch glatt die Sonne raus. Was für ein Gefühl !! Ich laufe jetzt schon seit Stunden durch den Regen und warte darauf, dass er aufhört, damit ich Pause machen kann. Dabei musste ich Pause machen, damit der Regen aufhört. Überglücklich gerührt stand ich da, Himbeeren auf der Zunge und Sonne im Gesicht. Danke Danke Danke. Danke demjenigen, der Gewitter in den Krater des Creux du Van hängt, Danke demjenigen, der Regen und Sonne schickt, ganz wie es ihm gefällt. Zum Abschluss der Brotzeit hab ich mir noch einen Kaffee gekocht und wie ich diesen geschlürft hab, kam doch glatt einer mit einem Moto-Cross-Bike den Wanderweg hinunter. Nachdem ich aber grad Pause gemacht hab, kamen wir uns nicht in den Weg und ich bin nachher einfach seiner Spur gefolgt. Nach dem Essen wieder alles zusammengepackt, mein Hemd war inzwischen auch wieder trocken, und weiter hinunter. Die Sonne war inzwischen wieder hinter den aufsteigenden Wolken verschwunden, es regnete jetzt nicht mehr, aber die Bäume hatte noch viele Tropfen zum Fallenlassen übrig.

Als ich unten aus dem Wald herauskam, schien die Sonne wieder. Die Spaziergänger hier konnten sich wohl kaum vorstellen, dass ich einen Vormittag lang durch Regen gelaufen bin, sie haben sich etwas gewundert, dass ich noch meine Regenhose anhatte. Die ist mir allerdings zu warm geworden und bei dem schönen Wetter konnte ich auch meine Regenjacke zum Trocknen an den Rucksack hängen. So ging es durch fast reife Getreidefelder dem Neuenburger See entgegen nach Gorgier, wo ein echt schöner Sommer-Sonntag-Nachmittag war, der so gar nichts mit meiner Regenwanderung zu tun hatte.

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