Boll Hasle

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Zweiter Schachzug meines „Emmental Angriffs“, heute von Boll aus das Lindental entlang, auf der Hälfte rechts abbiegen und durch die Wälder nach Hasle bei Burgdorf. Es ist kühl, es regnet. Ich hab zwar ein langes Hemd an und meinen Poncho dabei, aber ich glaube, heute wird mir zu kühl. Aber ich kann mich ja nicht davon abhalten lassen, wenn doch jetzt jeder meine aktuelle Position im Internet sehen kann. Also fahre ich vom Büro aus mit dem Bus nach Bolligen, steige in die S-Bahn nach Boll und starte ins Lindental hinein.

Es fängt an zu regnen, als ich grad anfangs Lindental hinter einem Baum stehe. Ich werfe mir meinen Poncho über und es hört wieder auf zu regnen. Die Initialzündung für meine heutige Kleidung. Ich suche einen Weg dem Bach entlang, den gibt’s aber nicht, stattdessen gehe ich ein Stück auf der Wiese entlang und hab auch gleich nasse Füße. Dann haben wir das auch gleich geklärt…

Es führt durchs Lindental tatsächlich nur die Straße. Naja, wenigstens ist es noch hell, damit die Autofahrer wenigstens eine Chance haben, mich zu sehen und mir wenigstens ein Stückchen auszuweichen… Aber kaum einer, der diese Chance ergreift. Es ist kein Spaß, auf der Straße zu laufen, ich kann mir auch gut vorstellen, dass ich recht schlecht zu erkennen bin… Irgendwann kam ich an die Stelle, kurz vor dem Ort Lindental, die ich mir mit Google Streetview eingeprägt hab. Hier muss ich abbiegen und werde am Waldrand einen Wanderweg Richtung Krauchthal finden. Dem war auch so, dieser Wanderweg führte mich bergan auf den Hügel hinauf, der Regen wurde stärker und mein Poncho von außen wie von innen nass. Aber mein iPhone ist recht gut geschützt, wenn ich es nicht immer mit nassen Händen bedienen wollen würde 😉 Der Rest ist eh schon nass, da macht der Regen kaum noch etwas aus. Ich steige bergan durch den Wald und plötzlich hör ich es knacken. Ein Rehbock mit Hörnern springt von rechts nach inks über den Weg und mitten im Flug bemerkt er mich, dreht seinen Kopf zu mir, schaut mich an und ist auch schon wieder im Gebüsch verschwunden. Fasziniert gehe ich weiter und bin bald auch die Anhöhe erklommen. Auf dem nassen Weg bin ich mehrmals ausgerutscht und auf die Knie gefallen, auch die neuen MBT Schuhe haben nicht viel Profil. Aber die Hose kann ich mir nicht schmutzig machen, ich hab ja die Regenhose drüber. Und die macht die Sache auch nochmal extra warm. Wie im Poncho staut sich darunter die Feuchtigkeit, was den Tragekomfort nicht gerade erhöht. Aber, so finde ich mir immer wieder den Vorteil, es ist innen halt nur feucht, und nicht klatschnass wie aussen.

Oben komme ich vom rutschigen und steilen Wanderweg auf eine Waldstrasse. Hier ist es angenehmer und einfacher zu laufen, dafür wird der Regen jetzt noch stärker. In meinem mobilen Zelt ist’s aber fast schon gemütlich, wenn ich mal an die Feuchtigkeit gewöhnt hab. Aber der Poncho gibt mit das Gefühl eines Daches, das Gefühl vor Regen geschützt zu sein und wenn ich die Arme und Hände noch reinnehme, kann ich mit gefalteten Händen wandern und der Regen perlt nur so an mir ab. Einzig die Unterbekleidung ist nicht gut, mein verschwitztes Baumwollhemd ist nass und wird sehr kalt, wenn der Wind in den Poncho kommt und das Hemd wieder trocknet. Ich muss mir doch mal Klamotten kaufen, die die Nässe vom Körper wegbringt, bevor sie wieder trocknet. Die Forststrasse windet sich jetzt um den Hügel herum, bleibt dabei auf ihrer Höhe, durch Wald und über eine Wiese. Dort hab ich das nächste Reh gesehen, eines mit Kitz, und erschreckt und verscheucht. Wie ich nach ein paar Schritten dort vorbeiging, hab ich mich gewundert, wie die beiden den elektrischen Zaun überwunden haben. Denn drübergesprungen sind sie nicht… Der Regen hat Wieder etwas nachgelassen, ich hab den Poncho aufgemacht, damit etwas Wind hineinkam. Aber meine Kleidung war nass und kalt und ich hab gefroren. Ich Finds gut, saß mein iPhone gut geschützt ist. Im Poncho hab ich eine Innentasche, die vom Kondenswasser „weggerichtet“ ist und so auch kein Wasser abbekommt. Allein meine nassen Hände und das Bedienen außerhalb gefährden es mit Wassertropfen. Gerade die Tropfen, wie von meiner Schirmkappe tropfen, landen auf dem Display und im Spalt zwischen Telefon und Akku.

Der Weg bleibt angenehm zu gehen, wenn ich aus dem Wald herauskomme, sehe ich die Wolken tief in den Bäumen hängen, fetzenweise, wie kleine Nachzügler, die zu den Großen aufschliessen wollen. Und zwischen den Wolken fließen die sanften Wellen der Emmentaler Hügel durchs Land, saftig grün und gesättigt vom Regen, zufrieden und voller Leben. So macht es Spaß, hier zu wandern, ich bereue gerade gar nicht, dass ich im Regen aufgebrochen bin. Ich bin alleine unterwegs, ich hab auf dem gesamten Weg niemanden getroffen. Und wenn selbst die Rehe noch am helligten Tag auf den Wiesen stehen, rechnen selbst sie nicht mehr damit, dass noch jemand vorbeikommt.

Dann fängt der Regen wieder an, ich mache mit den Wanderweg einen Bogen und muss von meinem aktuellen Hügel wieder runter. An ein paar Häusern vorbei, geht der Wanderweg mit 2 Std beschildert am nächsten Hügel wieder hinauf. Im Regen. Steil und geradewegs bergan. Nass und rutschig. Aber ich hab ja Zeit und kann so langsam gehen, dass meine Brille nicht beschlägt. Aber trotzdem spüre ich, wie sich mein Poncho in eine mobile Sauna verwandelt. Wenn ich den Kragen aufmachen würde, würde die heiße Luft wahrscheinlich wie bei einem Dampfkochtop entweichen 🙂 irgendwann bin ich oben und ich wundere mich, wieso diese Wege so senkrecht steil die Hügel hinaufführen. Ob das für Pferde gemacht ist? Sonst hat’s doch immer Serpentinen…? Aber bei dem gemütlich langsamen Anstieg hatte ich genug Zeit, mich in diesem tiefen, grünen, nassen Wald umzusehen und ich fand ihn sehr faszinierend. Allein das Grün, also eigentlich die vielen verschiedenen Grün-Töne des Waldes, so sauber gewaschen vom Regen, die Blätter glänzen richtig. Und es ist Laub- oder Mischwald. Deutlich angenehmer, als die z.T. aufgeforsteten Nadelwälder in höheren Lagen. Hier würde ich viel mehr Plätze finden, meine Hängematte aufzuhängen. Und wie dicht der Wald ist, wie sehr ich das Gefühl hab, meilenweit „drin zu stecken“, als würde der Wald weit um mich herum reichen. Und es stehen viele große alte Bäume und viele junge Bäume nebeneiander, nein, vielmehr wild durcheinander. Ich hab sogar Stellen gefunden, an denen der Waldboden noch trocken war, so dicht und abwechslungsreich war das Blätterdach darüber.

Oben an- und aus dem Wald wieder herausgekommen, hat der Regen wieder aufgehört und es bot sich ein Lichtspiel in den Wolken. Die Abendsonne über dem Jura wollte noch einmal heute durch die Wolken scheinen und hat auch ein paar Lücken entdeckt. So waren ein paar andere Wolken ( die Kleinen, die nicht hinterher mochten) hell erleuchtet vor dem Hintergrund der grauen Regenwolken. Und wie ich so staunte und weiterging, traf sogar ein Sonnenstrahl auf mich. Ein letzter für heute. Danach ging es noch eine halbe Stunde lang einen geteerten Weg hinunter nach Hasle.

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