Zollbrück Grosshöchstetten

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Nach sechs Wochen Wanderpause durch Ferien, Rückenweh und Fitnessstudio bin ich heute wieder laufen gegangen. Ich hab grad Frühschicht, also kam ich um zwei aus dem Büro raus und konnte mich zum „Füdli der Welt“ ins Emmental nach Lauperswil aufmachen. Gestartet bin ich an der Zollbrücke und bin erstmal den steilen Berg hinauf gestiegen. Ich wollte an der Ruine Wartenstein vorbei, deswegen hab ich den Weg von Lauperswil etwas umverlegt. Die Wanderung heute wird ein Teil meines „Emmental Angriffs“ nur laufe ich nicht vom Aartal Richtung Emme, sondern anders herum, der Nachmittagssonne entgegen.

Von Zollbrück Zentrum (!) ginge etwas der Emme entlang bis Zollbrück Bahnhof, dort über die Brücke und ein Stück weiter die Emme hinab. Als links das Blindebachtal kam, bin ich links abgebogen und gleich gings steil die Flue hinauf, hoch über die Emme und die Kalchmatt. Durch den Wald, es war etwas feucht und etwas rutschig, steil hinauf, was die Hügel des Emmental so an sich haben. Irgendwann weitete sich der Weg zu einer Forststrasse und es ging ein Wegweise links zum „Aufstieg zur Ruine Wartenstein“. Noch ein Aufstieg… Aber nachdem ich extra wegen dieser Ruine meine Wanderung umgeplant habe, konnte ich sie jetzt ja nicht links liegen lassen… Also bin ich die 20 Stufen noch hinaufgestiegen und hab mir eine alte Mauer in U-Form angesehen. Aha. das ist also die Ruine… Oben drauf hat man Betonplatten auf die alte Mauer gelegt, wahrscheinlich, dass sie nicht weiter erodiert. Nicht hübsch, nicht speziell, keine besondere Aussicht, keine Erklärungstafel, kein Hinweis auf den historischen Wert dieser alten Burganlage.

Also wieder hinunter auf den Wanderweg und weiter Richtung Balseflue hinauf, an der Underi Burg und der Oberi Burg vorbei auf den Burgchnubel, immer berga an, durch Spinnweben, die quer durch den Wald gespannt sind und sich teilweise im Wind wiegen. Es ist Spätsommer und entsprechend viele von den klebrigen Fangseilen hängen in der Luft herum. Ab und zu kann ich zwischen den Bäumen die Aussicht auf die Umgebung erkennen, aber es ist dunstig, viel Feuchtigkeit in der Luft. So kann ich heute nur die nächsten Hügelketten erkennen, die Berge dahinter sind kaum auszumachen. Aber die Sonne scheint, ich bade mich in den wärmenden Strahlen, der Aufstieg tut seinen Teil zur Wärme dazu, es geht immer weiter bergauf. Irgendwann muss ich doch mal angekommen sein, aber es geht noch weiter. Und die Aufstiege hier im Emmental sind mitunter recht steil, die Wege gehen oft auch direkt nach oben, kaum Serpentinen.

Aber hier im Emmental sind das ja keine Berge, sondern nur „Chnubel“ und irgendwann hab ichs dann geschafft, auf dem Burg-Chnubel oben angekommen zu sein. Hier hab ich eine herrliche Aussicht über das Emmental, ich kann Zollbrücke und Zollplatz erkennen, Lauperswil und Emmenmatt und bis nach Langnau sehen. Es türmen sich ein paar Wolken, aber das tun die schon seit einiger Zeit, sie drohen mir nicht mit Regen.

Oben angekommen kann ich die Aussicht geniessen, jetzt wird’s gemütlich, jetzt hab ich Zeit und Musse, die Gegend zu bestaunen. Die fingerartigen Bergrücken des Blaseflue-Massivs, die steilen, tiefen Abhänge mit Gras und Wald bewachsen und mit Kühen und Schafen besetzt, der Blick ins Tal der Chise und weiter zum Chuderhüsi. Leider nicht weiter zu den Bergen, die sind im Dunst verschwunden. So laufe ich auf der Moosegg entlang komme ich über Felbach nach Waldhäusern, eines der bekanntesten Ausflugslokale des Emmental (heisst es). Es war auch einiges los hier, man geniesst die Nachmittagssonne und die Hügellandschaft der Umgebung, mich zieht es aber weiter zur Blasenflue. Und schon wieder geht es den Berg hinauf, aber die Hälfte des Weges habe ich schon geschafft. Der Wegweiser nach Grosshöchstetten zeigt noch 2 Stunden an, das passt wunderbar bis zum Dunkelwerden. Durch den Wald mit frisch gefällten Bäumen streune ich weiter Richtung Blasenflue, ich höre den Vögeln des Waldes zu, das Sonnenlicht scheint immer schräger und immer orangefarbener durch die Bäume, Insekten summen, der Wald duftet. Mann, habe ich das vermisst, durch den Schweizer Wald zu streunen. Da kann kein Meer, kein Strand, erst recht keine Stadt und kein Fitness Studio mithalten. Es ist so schön, den Wald zu geniessen und erst recht die Freude, wenn man den anstrengenden Aufstieg zur Blasenflue geschafft hat und kurz Pause macht. Hier gibt es Bänke für die Aussicht zu geniessen, hier hat’s eine Feuerstelle und es finden sich Pilze am Boden. Sogar fertig vorbereitete und angespitzte Stecken für Cervelat drauf zu spiessen stehen an einem Baum bereit. Und es gibt eine Vielzahl von ausgeschilderten Wanderwegen in fast alle Richtungen, so kann man sich gar nicht verlaufen.

  

Danach ging es nur noch Berg ab, die Blaseflue wieder hinunter nach Grosshöchstetten, Das Emmental mit der langsam untergehenden Sonne, die den Nebel von hinten beleuchtet hat, zur Rechten, die Wälder und Berge des Voralpenlandes zur Linken, Kuhglocken in den Ohren und der Wanderweg sehr gut beschildert, so musste ich gar nicht viel suchen oder aufpassen, wo es lang geht. So bin ich ganz gedankenversunken durch den Abend gelaufen, habe die Welt um mich herum genossen und bin mal wieder zur Ruhe gekommen. Kein Urlaubsstress, keine Krisen wie in der Arbeit, keine hektischen Sitzungen oder langweilige Meetings. Nur ich und die Natur um mich herum, Sehen, Fühlen, Riechen, Schmecken, bis ich kurz nach Sonnenuntergang in Grosshöchstetten angekommen bin. Knapp vier Stunden, wie ich es geplant hatte. Mit dem Zug nach Konolfingen, Umsteigen in die S-Bahn und nach Bern zurück.

  

  

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