Eggiwil Oberdiessbach

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Nachdem ich gestern bis tief in die Nacht im Pilgerblog gelesen habe, bin ich heute entsprechend spät aufgestanden. Dann hab ich meinen Rucksack gepackt, Hängematte und Isomatte, Regenponcho und Wasservorrat und einen Pulli. Schlafsack lasse ich zu Hause, den brauche ich heute eh nicht. Ich mache mich mit diesem leichten Gepäck auf den gemütlichen Weg nach Eggiwil im Emmental. Mein heutiges Ziel ist die Mittagspause: Hängematte aufhängen, Lagerfeuer machen und entsprechend hab ich auch Proviant eingekauft. Züpfe (weil heute Feiertag ist, zumindest für mich) und Chäs, Cervelat und eine Peperoni (die in DE Paprika heißt), ich hab noch zwei Portionen Waldpilzsuppe dabei und natürlich Tee und Kaffee.

Mit der Bahn und dem Bus bin ich bis Eggiwil gefahren, hier standen zwar viele Wanderwegweiser, aber keiner in meine Richtung. Die anderen gingen mir aber zu weit weg, deswegen bin ich aus Eggiswil raus erstmal an der Straße gelaufen. Den Röthenbach entlang, ich wollte zum Ort Röthenbach. Die Straße war nich stark befahren, die meisten Autofahrer haben mich sogar gegrüßt, als sie mit viel Abstand an mir vorbei sind. Ein wenig Schatten, ein wenig Sonne, ich hab immer geschaut, ob ich nicht einen Weg den Hügel rechts von mir hinauf finde. In der Zilmatt bin ich dann die Straße rechts hoch Richtung Chapf, oben muss ich dann schauen, dass ich wieder Richtung Würzbrunnen abbiege. Ich glaube, heute brauche ich die Wanderkarte mehr als die gelben Wegweiser. Gut hab ich all meine Akkus dabei, einer lädt noch im Rucksack. Als ich dann durch den schattigen Wald den steilen Chnubel hochgestiegen bin und oben auf dem Grad wieder in der Sonne war, kam ich auch auf den Wanderweg. Wahrscheinlich der, den ich auch in Eggiwil hätte nehmen können. Hier oben hab ich wieder eine herrliche Aussicht über die Hügel des Emmental, die Sonne scheint, es ist wenig los, ich hab einen Wanderweg, was soll noch schief gehen? Am Chapfschwand finde ich sogar den Luxus einer Wanderkarte. Heute ist ein sehr guter Tag. Ich orientiere mich und laufe frohen Mutes weiter. Schwitzend ob der warmen Spätsommersonne und des steilen Aufstiegs komme ich oben an, sehe Hügel und Berge, Felder und Wälder, zwischendrin, ganz klein, wo sich zwei Täler zu einem zusammentun, liegt Röthenbach, ein Häufchen Dorf, wie in der Hand geschüttelt und hingewürfelt. Geradeaus luegt der Aussichtsturm Chuderhüsi aus dem Wald, links erstreckt sich der Hügelzug des Naters, auf dem ich mal in einen frühwinterlichen Schnee-Nebel-Sturm gekommen bin. Seit dem hat auch mein Bluetooth Kopfhörer eine Macke… Aber heute ist’s schön, der Wind kühlt mich wieder ab und d’s Chuderhüsi lockt mich weiter. Mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen ziehe ich weiter und übe das Schweizer Ch, dieses hochallemannische Kehlkopfkratzen:

Chnubel achi
Chnubel uechi
Chumme i zum Chuderhüsi
Mit em Chuchichäschtli
(völliger Schwachsinn, aber passt zu meiner ausgesprochen guten Laune)

Beim nächsten Aufstieg inhaliere ich tief den Duft von frisch gemähtem Gras und von Stoppelfeldern. Das Getreide ist wohl schon eingebracht. Es ist ruhig, kaum jemand ist unterwegs, nur den Briefträger hab ich mit seinem kleinen gelben Flitzer schon umherhuschen sehen. Unter der Woche wandern ist deutlich ruhiger als am Wochenende.
Am Chuderhüsi angekommen ist’s immernoch ruhig, sie haben heute Ruhetag. Der Weg zum Aussichtsturm spare ich mir, kenne ich ja schon. Mich würd vielleicht noch interessieren, ob das Stargate noch da ist, aber es war damals schon kaputt. So bleibe ich auf der Seite des Tales mit Röthenbach und Würzbrunnen und laufe den Wegweisern Richtung Oberdiessbach nach. Da bin ich auf der Sonnenseite und komme zudem noch an dem Ort Linden vorbei.

Danach bin ich versunken in meine Gedanken und hab meinen Beinen das Laufen überlassen. Irgendwann bin ich wieder aufgetaucht und kam an einer Feuerstelle vorbei. Zeit zum Mittagessen, Hunger hab ich eigentlich auch schon. Aber die Stelle hat mir nicht gefallen, deswegen hab ich nur einen geraden Stecken mitgenommen, den ich mir auf dem Weiterweg angespitzt habe. Wenn ich mein Werkzeug parat habe, bin ich an der nächsten Feuerstelle schneller. Die kam dann auch irgendwann, wunderschön gelegen mit einer herrlichen Aussicht, das Wetter klart auch mehr und mehr auf und ich kann die Berge sehen. Die Feuerstelle war auch schön ausgebaut, aber leider besetzt. Dummerweise hab ich den Appenzeller Hund erschrocken mit meinem Gruss, so hat er mich ziemlich schräg von der Seite angekläfft. Depp, selber schuld, aber so sind sie halt, die Appenzeller Angstkläffer. Also weiter, Hügel runter und Hügel rauf, irgendwo oberhalb von Linden. Die nächste Feuerstelle war’s dann. Unter Bäumen im Schatten gelegen, Holz in verschiedenen Grössen ist auch da, also hab ich mein Lager aufgeschlagen und erstmal Feuer gemacht. Und dann hab ich geschmaust: Frische Züpfe am Feuer erwärmt, Cervelat und Peperoni Hälften grilliert, nachher einen Kaffee gemacht und zum Dessert ein Stück Schokolade. Und als Beilage die Aussicht auf die Berge, ich kann sogar die steile Felswand des Niederhorns erkennen (nee, muss wohl das Sigriswiler Rothorn sein, ich kann nämlich keine Antenne erkennen), dahinter, schneebedeckt, Eiger Mönch und Jungfrau und Schreckhorn und Wetterhorn und und und… Die Kühe bimmeln ihr Lied dazu, so eine Pause ist schon etwas Angenehmes. Nur die Buche hinter mir bewirft mich mit ihren Eckern, eine traf mich genau auf den Kopf, das hat mich daran erinnert, dass man die ja essen kann. Ich sammle eine Handvoll als Snack zwischendurch. Außer dem Traktor, der zweimal vorbeigefahren ist, und den Kuhglocken höre ich hier nichts. Es ist friedlich und still. Am Anfang meiner Rast kamen zwei Wanderer vorbei, aber da brannte das Feuer noch nicht so richtig und qualmte in die Richtung ihrer Sitzbank. Sie haben sich bald wieder verzogen 😉 als das Feuer dann brannte, qualmte es auch nicht mehr, war sehr trocken das Holz, was hier rumlag.

Gestärkt und ausgeruht mache ich mich dann wieder auf den Weg, das Feuer ist gelöscht, der angespitzte Cervelat-Stecken bleibt hier, das ist scheinbar zu üblich hier. Und wenn man zweierlei „kochen“ mag, ist man eh froh, wenn noch ein paar Stecken bereit liegen.

Weiter ging’s durch den Wald, bis ich am Güggeli nochmal einen Ausblick auf die Voralpen hatte. Die Sonne steht schon weiter im Abend, ihr Licht wird mehr und mehr orangefarbener. Danach kam der Abstieg nach Oberdiessbach, eine Stunde bis dorthin. Und dann wahrscheinlich nochmal eine Stunde bis Wichtrach. Die Stunde hinunter ging auf einer Schotterstrasse durch den Wald. Nichts besonderes, eine Strecke zum Abschalten. Etwas rutschig wegen dem Kies, das hat mich einiges an Kraft gekostet. Dann ging’s über eine Wiese ins Dorf hinunter und dann auf Asphaltwegen zum Bahnhof. Alles mögliche aus der Gegend war gelb angeschrieben, nur Wichtrach nicht. Also bin ich hier in den Zug gestiegen, der auch schon verlockend bereit stand. Muss ich die Lücke halt ein ander Mal schliessen.

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