Le Locle La Brévine

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Vier Grad waren es heute früh, als ich aufgebrochen bin. Als die Stadt noch schläfrig unter der grauen Decke des Nebels lag und sich noch einmal umdrehte und weiter schlief. Ich aber wollte der Wetter Vorhersage trauen und die versprach schönstes Herbst-Wander-Wetter. Also auf nach Le Locle, ganz links am Rand der Schweiz, an der Grenze zu Frankreich.

Le Locle hatte die Decke schon abgestreift und lag in der wärmenden Morgensonne, als ich kurz nach neun dort ankam und mich auf den Wanderweg machte. Es ist bunt hier, die Bäume sind schon viel herbstlicher als im Emmental, und es ist frisch. Fast schon kalt, gut hab ich meine Mütze mitgenommen. Zum Aufwärmen gehts erst mal den Berg hinauf, die Wegbeschilderung ist gut, es geht durch verwinkelte Gassen durch Le Locle hinauf nach Les Monts. Aber das Schönste ist: es ist Jura! Sanft geschwungene Hügel, weich gezeichnet durch den sich lichtenden Nebel, Sonnenstrahlen, die die Bäume bunt anmalen und immer wieder luegt dieses uralte Gestein durch die Wiesen.

Am hinteren Hang, gen Frankreich gerichtet, ging’s dann hinab, um am Col-des-Roches durch den Tunnel wieder ins Tal von Le Locle zu kommen. Hier auf der rechten Seite sind die unterirdischen Mühlen, deren Museum und Führung gerade mit meiner Ankunft geöffnet wurden. Ich hatte eine Führung durch die natürlichen Höhlen und ihre Geschichte mit der menschlichen Nutzung als Mühlen, ganz für mich allein. Ken hat sich richtig Mühe gegeben, mir die alten Wasserräder und Mauern, den Weg des Wassers und der erzeugten Kraft zu erklären. Ich hab gelernt, dass hier vier Mühlen angetrieben wurden, allein von dem Bach, der durch dieses Tal in diese Höhlen versickerte, um sich seinen Weg vier Tage lang durch den Kalkstein zu suchen, bevor er im Le Doubs wieder rauskommt. Er hat mir über den Beruf der Müller erzählt und was am Beruf des Müllers hier in Neuchatel so anders war. Sie hatten eine grosse Macht, schliesslich brachte jeder sein hart erarbeitetes Getreide hier zur Mühle, wer weiss, ob der Müller da nicht mal geschummelt hat? Man sagte ihm nach, dass er besonders grosse Ärmel hatte, wo Getreide verschwinden konnte, oder dass er besonders viele Haare auf den Armen hatte, in denen das Getreide hängenbleiben konnte 🙂 Eine sehr interessante Führung. Nach etwas mehr als einer Stunde stand ich wieder draußen im warmen Sonnenschein und hab mich in Richtung La Brévine aufgemacht. Dem kältesten Ort der Schweiz.

Beim Aufstieg auf diesen Hügel fand ich Unmengen von Bucheckern, sie lagen mir zu Füssen, über den ganzen Boden verstreut. Ich hab mir eine Handvoll davon mit genommen und bin dann naschend weitergezogen.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es immer bergauf geht. Aber so richtig hab ich auch nicht aufgepasst. Es ist ruhig hier und es gibt deutlich weniger Kuhglocken. Da bleibt noch Platz für andere Geräusche. So bin ich durch den Wald, durch ein Dorf hindurch mit einem Gasthof, in dem man zu Mittag gespiesen hat, weiter durch Wald, an einem schönen alten Herrschaftssitz vorbei, über Wiesen weiter gelaufen. Es ist interessant still hier, die Gegend lässt mich ganz anders zur Ruhe kommen. Die Täler sind weit, hinter dem nächsten Hügelzug sieht man nichts, keine Alpen, kein Mittelland, kein herausragender Hügel, den man kennen sollte. Einfach nur Platz, gefüllt mit Wiesen und Wäldern. Sonnig warm ist es, manchmal geht ein leises Lüftchen. Dann gehts mal den Hügel wieder runter, durch einen einsamen Hof hindurch, auf einer Strasse weiter, an Hochlandrindern mit ihren großen Hörnern vorbei. Die Schilder sagen, man soll auf Mutter-Kühe achten, die ihre Kälber beschützen. Bei dieses Hörnern bin ich erst recht vorsichtig… Und weiter, immer der Sonne entgegen. Als ich an zwei Bänke komme, beschließe ich, meine Füße etwas auszuruhen. Und wie die Sonne so schön scheint und mich wärmt, lege ich mich hin und gönne mir einen Mittagsschlaf. Ein vorbeifahrendes Auto weckt mich kurz, aber ich schlafe wieder ein. Zum Schutz vor der Sonne bedecke ich mein Haupt noch mit meinem Hut.

Ich muss länger geschlafen haben, als ich wieder aufwache, ist es drei Uhr. Eigentlich wollte ich um diese Zeit schon in La Brévine sein und mich entscheiden, ob ich noch nach Fleurier laufe. Aber es ist ja nicht zu spät.

Weiter über sonnenbeschienene Felder und an Einzelhöfen vorbei näherte ich mich der französischen Grenze. Optisch kaum zu erkennen, musste ich die Landeskarte zu Rate ziehen, um die Grenze zu erkennen. Verglichen mit der deutsch-deutschen Mauer erschien der Weidezaun als Grenzmarkierung richtiggehend gewaltfrei. Bald bog der Weg wieder in den Wald ab, es ging durch raschelndes Buchenlaub, wieder bergan und bergab, bis ich eine Stunde später dann in La Brévine gelandet bin. Hier hatte ich noch Zeit, das Dorf und die Ausflugsmöglichkeiten zu studieren, bis der Bus nach Le Locle zurück fuhr. Hat zumindest die SBB App behauptet… Aber es gab keinen Linienbus mehr. Gut waren noch zwei französischsprechende Wanderer, die schon vorher den Rufbus bestellt hatten. „da ‚aben Sie aber Gluck ge’abt“, dass der mich für 3.- noch mitgenommen hat.

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