Konolfingen Kiesen

Konolfingen
Ich muss endlich mal wieder raus, der Winter sperrt mich ein. Nicht nur, dass ich die entsprechenden Schritte in der Arbeit getan hab, dass ich den ganzen Sommer wandern gehen kann und jetzt muss ich doch noch meine Frist absitzen. Auch das gruusige Wetter die letzten Wochen haben mich nicht wirklich rausgelockt. Aber heute wieder, ich hab meine Winterpause unterbrochen:

Neues Jahr, neues Glück

Sonnenuhr

Nach meiner Frühschicht bin ich nach Konolfingen gefahren. Unter dem Bahnhof hindurch durchs Dorf, an der Kirche vorbei hinaus Richtung Stalden gelaufen. Links von mir die ersten Hügel des Emmental, rechts von mir der letzte Hügel, der mich vom Aaretal trennt. Das Wetter ist ruhig und kühl, grau der Himmel bedeckt, aber nicht unfreundlich.

Blick zum Cholholz

Kaum ein Wind zu spüren und trotzdem zu kalt für meine Ohren. Zur Sicherheit setze ich meine Mütze auf. Das Land ist grün, für Schnee ist es hier viel zu warm. Als ich Konolfingen verlassen habe, laufe ich im ruhigen Winternachmittag, auch wenn überall in der Umgebung Autos fahren, Kinder rufen, Hunde bellen, Büezer chrampfe, Sägen sägen, empfinde ich es ruhig. War wohl wieder ein lauter Arbeitstag…

Richtung Stockhornkette

Es führt ein Wanderweg, hab ich schon geschaut, nach Oberdiessbach, der Station, bei der ich mal „zu früh“ abgebrochen habe. Ein Lückenfüller quasi, ein Häppchen zum Aufwärmen für dieses Jahr. Danach will ich weiter nach Kiesen, hinunter an die Aare und die S-Bahn. Sollte so ungefähr mit dem Dunkelwerden hinkommen…

Blick zurück nach Konolfingen
Den Bach hinauf, die äußere Schicht Zwiebel, äh Kleidung, kann ich schon abschälen, die erste Steigung führt zum Schulhaus von Freimettingen hinauf. Was ein Lachen und Kreischen, Schreien und Toben! Welch eine Freude muss das sein, hier in die Schule zu gehen. Die Schulglocke klingelt und schon ein paar Minuten später ist es wieder ruhig. Der Bach plätschert wieder und ich laufe ihn weiter aufwärts. Auf halber Höhe bog die Strasse in die Waagerechte, davon ein Waldweg ab, der mich schön das Tal überblicken lässt. Im Hintergrund die schneebedeckten Berge der Stockhornkette, das Stockhorn selber ragte mit seiner Spitze in die niedrige Wolkendecke hinein. Die menschlichen Geräusche aus dem Dorf verschwinden langsam, nur die Strasse rauscht noch aus dem Tal hinauf. Im Wald wird es ruhig, nichtmal Vögel sind zu Hause, sind wohl in den Ferien…

Morsches Holz

So führte mich der Wald an viel Holz vorbei, die Ernte scheint wohl grad im Gange. Grosse, mächtige Stämme lagen da, die Motorsägespuren lassen vermuten, dass das eine gewisse Zeit gedauert hat, bis er endlich fiel. Viel Kleinholz, nach Größe sortiert, gibt bestimmt gutes Brennholz ab. Und einiges an verfaultem Holz, welches aus dem Wald auf einem Fleck gesammelt wurde.

Linde am Haselfeld

Ich kam zu der großen Linde im Haslifeld oberhalb von Oberdiessbach, jetzt im Winter und nackt ohne ihr Blätterkleid, kam sie mir doch etwas dürrer vor als im Herbst. Die Aussicht ist toll, wenn auch nicht so farbenfroh wie im Herbst. Unter mir das Dorf Oberdiessbach, dahinter öffnet sich das Tal zur Aare hin, die Wälder und Hügel nach Seftigen und zum Stockental und eine schwarz-weiß gemusterte Wand der Stockhornkette begrenzt das Bild. Darüber die Wolkendecke, damit der Rahmen gewahrt bleibt und alles zusammengehalten wird.

Blick über Oberdiessbach

Ich wollte aber nicht ins Dorf hinunter (kannte ich schon), sondern hab mir einen Weg oben herum, im Bogen um das Dorf gesucht und bin dabei am Diessbach und am Schloss vorbeigekommen. Irgendwann kam ich im Wohnquartier nicht mehr um Asphaltstraßen herum. So musste ich zum Schloss und daran vorbei auf der Strasse laufen und mit ihr nun doch hinein ins Dorf. Somit hatte ich zwar die Wanderwegweiser wieder gefunden, aber keiner zeigte zur Aare hinunter…

Schloss Oberdiessbach

Und so stand ich wieder in Oberdiessbach und hatte keinen Weg nach Kiesen oder Wichtrach. Viertel vor Fünf, etwa eine halbe Stund wird es noch hell sein. Soll ich wirklich auf der Strasse nach Kiesen hinunter laufen? Jetzt, wo der Feierabend-Verkehr anfängt? Hier in den Zug steigen wollte ich aber auch nicht, deswegen zog ich nun doch los.

Wenn ich mich leicht links halte, so hatte ich auf der Karte gesehen, müsste ich zu einem Campingplatz kommen, dort führt dann ein kleinerer Weg zur Aare und vielleicht auch nach Kiesen. Sicherheitshalber noch meine knallrote Regenjacke mit den Reflektorstreifen angezogen und auf ins Getümmel der Landstrasse.

Kein Schnee

War gar nicht so schlimm, es geht ein breiter Radweg an der Strasse entlang und bald kam die Abzweigung, an der ich mich links gehalten hab. Schon war ich auf der ruhigen Nebenstraße durch Helisbüel und Brenzigkofen. Gemütliche kleine Dörfer in der Abenddämmerung. In einer Einfahrt war ein großer Schwarzer Hund, gleich dort wo die kleinen Geissböcklein die Hörner ineinander geschlagen haben. Aber statt mit lautem Gebell auf mich zuzurennen, kam er langsamen Schrittes den Hof hinaus, stellte sich mitten auf die Strasse und beobachtete mich neugierig. Als ich vorbei war und mich nochmal umschaute, saß er doch mitten auf der Strasse. Seelenruhig, als ob die Strasse auch ihm gehören würde. Gott sei Dank war es noch hell genug, dass die Autofahrer ihn gesehen haben. Weiter in Richtung Dunkelheit, an der Schule rechts nach Oppligen, hindurch und über die große Feierabendverkehrstrasse hinüber, durchs Quartier hinter nach Kiesen, den Ort entlang und eine halbe Stunde nach dem Dunkelwerden kam ich zum Bahnhof in Kiesen. Just die S-Bahn verpasst und etwas knapp für das Spielchen „Gegenrichtung fahren und weniger lang warten müssen“ hab ich die halbe Stunde bis zum nächsten Zug bloggend am Bahnsteig verbracht.

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