Steffisburg Eriz

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In Steffisburg

Endlich Wochenende und auch wieder herrliches sonniges Wetter. Heute konnte ich mir den Luxus leisten, auszuschlafen, statt um 5 bin ich erst um 8 aufgestanden, und bin trotzdem früh zum Wandern unterwegs. Heute wird’s nicht schon nach zwei Stunden wieder dunkel. Ich fahre nach Steffisburg, möchte über Fahrni nach Eriz laufen. Nach der Mittagspause kann ich mich dann entscheiden, ob ich mit dem Bus oder zu Fuß der Zulg entlang nach Steffisburg zurück will. Mein heimliches Ziel: endlich einen Blick auf die sieben Hengste zu werfen.

oh-oh...

Den Zug teile ich mir mit vielen Wintersportlern, Skiern und Snowboards, ich bilde mit meinen Wanderschuhen und meinem kleinen Rucksack die Ausnahme. Aber es g’luschtet mich gar nich nach Snowboarden, Wandern finde ich beschaulicher, ruhiger und günstiger. Und ich werde wohl eher meine Ruhe haben, meinen Weg nicht mit Hunderten anderen Wintersportlern teilen müssen, ich werde nicht an Liften anstehen müssen und wahrscheinlich auch mehr entdecken können.

Aaretal und Stockhornkette

Von Steffisburg Station über die hölzerne Zulgbrücke musste ich noch ins Dorf laufen. Bahnstationen sind nicht immer auch in dem Dorf, für das sie angeschrieben sind. Durchs Oberdorf weiter habe ich mich links gehalten, ich wollte ja nach Fahrni hinauf. Der Wanderweg ging steil heran durchs Quartier, hat mich aber mit einer tollen Aussicht über Steffisburg, Thun, Aaretal und Stockhornkette belohnt. Die Sonne scheint ziemlich warm darnieder, keine einzige Wolke ist zu sehen. Meine Gedanken kreisen um die Bekanntschaften, die ich hier in Steffisburg haben könnte, aber mich erschreckt die Vorstellung, ihnen übern Weg laufen zu können. So bin ich ganz froh, dass ich hinter dem Quartier wieder alleine auf dem Anstieg nach Fahrni bin.

da oben ist Fahrni

Oben aber, als der Wanderweg auf eine Waldstraße kommt und ich zur Sicherheit nochmal die Karte studiert hab, müsste ich feststellen, dass ich den Katzestyg hochgeklettert bin und noch gar nicht auf dem Hügel von Fahrni. Also wieder runter und einen Weg gesucht. Den gabs es entweder der Strasse entlang, oder aber das Schnittweierbad-Tal hinter und dann durch das Luegholz hinauf nach Lueg. Das gefiel mir besser als über die Strasse und ich hab ja Zeit und die Sonne scheint, was ist da schon ein Umweg?

Blick nach Bleiken

Oben auf der Lueg angekommen hatte ich einen schönen Ausblick auf den Hügel, den ich gestern Abend im Dunkeln herunter gekommen bin. Den Wald, aus dem ich herausgestolpert bin, die Asphaltstraße, Oberbleiken und Niederbleiken. Allerding ist der Lindenhubel im Weg, so dass ich nicht sehen kann, wo ich im stockdunkeln nach Helibüel hinabgestiegen bin. Ich laufe weiter, einen Bogen um meinen heutigen Hügel herum, dass ich wieder auf der Seite der Zulg bin. Hier führt zwar statt dem Wanderweg eine Strasse entlang, aber es kommen nicht viele Autos. So kann ich es mir erlauben, auf der Sonnenseite dieses Hügelzugs zu laufen mit Aussicht auf die verschneiten Berge. Heute ist es still, heute kreischen keine Motorsägen. Dafür höre ich jetzt aus verschiedenen Dörfern die Kirchenglocken und ihr Mittagsläuten, ich sehe immer wieder Raubvögel leise durch die Luft gleiten. Nur ein paar Schläge mit ihren Schwingen und sie können wieder minutenlang schweben, ab und zu pfeifen sie etwas. Wehe aber wenn sie einen Schwarm Raben aufschrecken, was ein Geschrei und Gezeter gibt das! Kaum dass sich die schwarzen Vögel wieder beruhigen mögen, noch minutenlang wird der verscheuchte Raubvogel beschimpft.

Beim Lood, immernoch Gemeinde Fahrni, bin ich auf den Hügel gestiegen, ich hab von der Strasse aus gesehen, dass dort oben gelbe Wegweiser stehen. Oben angekommen, wollte mich der Wanderweg gleich wieder hinunter auf die Strasse schicken, aber mit der Karte hab ich mich doch entschieden, hier oben weiter zu wandeln. Es ist total ruhig hier oben, kaum ein Laut ist zu hören. Herrlich, wie die Sonne scheint, die schneebedeckten Berge liegen groß und mächtig vor mir. Sigriswiler Rothorn und dessen Kette. Die steile Nordflanke der Kette steht imposant, fast senkrecht und wirkt wie die riesige Bruchstelle der Erdplatten. Wie als wenn Gott irgendwo am Brienzer See mit der Faust hineingeschlagen hätte und die mächtigen Erplatten wären aufgebrochen. Der Fuß dieser steilen Wände ist früher mal 1500 Meter tief im Erdmantel gewesen. Fast tun sich hier die Abgründe der Hölle auf. Ach, was bin ich doch für ein glücklicher Wuschel, dass ich das alles hier bestaunen und genießen darf.

Honegg und sieben Hengste

Ich glaub, ich hab auch schon zwei der sieben Hengste entdeckt. Aber ich bin mir nicht sicher, ich kann die unbekannten Berge nicht interpretieren, ich kann auch nicht erkennen, ob der eine Berg vor dem anderen steht. Aber dafür laufe ich ja noch einen Bogen um diese Felsen herum, mit einigen Kilometern Abstand. So ergibt sich in Laufe des Wandertags dann ein dreidimensionales Bild meiner Umgebung. Fast wie in Google Earth drum herum zu fliegen, nur in Schrittgeschwindigkeit und viel eindrücklicher. „in Echt“ halt 🙂

Schwarzegg

Auf dem Weg durch Unterlangenegg kam ein frischer Wind auf, der die eigentlich sehr kalte Luft durcheinander gewirbelt hat. Da konnten dann auch die Sonnenstrahlen nicht mehr viel ausrichten, es war ziemlich kalt. Aber ich hab ja meinen knallroten Windbreaker dabei, mit dem hat das dann wunderbar funktioniert. Durch die Senke hindurch, auf der anderen Seite wieder hinauf zu der Kirche. In Schwarzenegg. Hier hab ich Pause gemacht, mir die Kirche angeschaut. Mir gefallen diese Kirchen, die eine gerade, gezimmerte Decke haben und nicht bis zum Dach hin einen hohen Raum bieten. Auch war hier kein Altar, zentraler Punkt ist das Taufbecken. Schöne Malereien an den Wänden und ein Mosaik-Fenster. Draußen auf der Bank habe ich den Rest von meinem Frühstücks-Müesli gegessen und bin wieder aufgebrochen in Richtung Eriz.

Kirche Schwarzegg

Es ist immernoch herrliches Wetter, immernoch nicht eine einzige Wolke zu sehen. Nur zeitlich habe ich mich verschätzt, Eriz sind eher fünf Stunden von Steffisburg statt drei. Aber ich hab ja Zeit…

zum Honegg hinauf

Zum Honegg geht’s steil bergan. Unten hat noch fies der kalte Wind geblasen, dann gings in den Wald, was schon angenehmer war. Doch oben war dann fertig Wald und ich bin wieder durch den Wind gelaufen. Und ziemlich gerade bergauf, war ziemlich anstrengend. Ich hab wieder einen Wegweiser gefunden, der Zeitangaben enthält. Zum Honegg sind’s noch 2h15. Bis ich also auf dem Gipfel stehe, wird es dunkel sein. Heute hab ich aber keine Lust auf eine Nachtwanderung, deswegen werde ich mich jetzt am halben Hang mit der Karte durchschlagen und beizeiten rechts hinunter auf die Strasse abbiegen, wo der Bus fährt. Stimmt…. Diesen würde ich auch verpassen, wenn ich jetzt noch auf den Honegg Gipfel wollte. 

Ängelberg

Es ist immernoch schönstes Wetter, immernoch keine Wolke zu sehen. Ich bin inzwischen näher an die Berge herangekommen und kann sogar schon den dritten der sieben Hengste sehen. Ob ich heute wohl noch alle sieben zu Gesicht bekomme? Der vierte Hengst hat sich beim Ängelberg gezeigt. Hier musste ich mich entscheiden, welchen der vielen Wege ich nehmen will. Ich hab mich für die Richtung „runter nach Eriz“ entschieden. So langsam bin ich ko und ich hab noch etwas Weg vor mir. Die geteerte Strasse hörte bald auf, sie dezimierte sich zu einer einspurigen Waldstraße. Diese wurde beim nächsten Gehöft nach kleiner und bei der alleinstehenden Linde war es nur noch ein Trampelpfad. Auf der Schattenseite allerdings Schneebedeckt, so dass ich ihn nicht mehr sehen konnte. Im steilen Gelände war das Laufen im Schnee zwar sicher und ich hatte guten Halt. Aber es ist auch anstrengender, durch knöcheltiefen Schnee zu waten. So langsam spüre ich, dass ich schon fünf Stunden unterwegs bin… Ich fand ein paar Tierspuren im Schnee und habe mich daran erinnert, dass die alten Wege sich meistens an Wildwechseln orientieren. Es war allerdings ein Fehler, diesen Spuren zu folgen, die Tiere machen nämlich einen großen Bogen um menschliche Hütten herum und zu solch einer hätte ich hin müssen. Also wieder zurück, über einen Graben, ein Stück den steilen Hang wieder rauf… Ich bin dabei, die meiste Energie meiner heutigen Wanderung zu verbrauchen. Und ich hab schon wieder Hunger, mein Müesli hält nicht mehr vor… Mit Karte und GPS hab ich dann doch noch geschafft, mich durchs steile Gelände nach Stalden durchzuschlagen. Am Bach hab ich noch n Schluck getrunken, gut hatte ich den Deckel vom Müesli noch dabei, zum Schöpfen. Mit den Händen wär mir das Wasser viel zu kalt gewesen.

Eriz Linden

Von Stalden aus ging’s dann einfach nur noch die Strasse hinunter bis Eriz Linde. Ich kann nach wie vor nur vier Hengste sehen, der fünfte hat sich noch nicht blicken lassen. Zwei Minuten nachdem ich in Eriz angekommen bin, kam auch schon der Bus, der mich nach Thun gebracht hat.

War noch ein schöner Abschluss, mit dem Bus durch das verschneite Zulgtal mit der hereinscheinenden Abendsonne gefahren zu werden. Die Hengste verschwanden auch weder hinter den Bergen. Einer nach dem anderen… Bis auf zwei, die man selbst in Steffisburg noch sehen kann.

 

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