Solothurn Aefligen

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Zwei Tage habe ich mich gefangen gehalten, gefangen zu Hause, im Internet, auf YouTube. Ich hab in den zwei Tagen noch ein paar Kleinigkeiten an meiner Ausrüstung optimiert, noch ein paar Tricks für die Hängematte gefunden und meine Ausrüstung erweitert. Ich hab mir Gurte gekauft, solche aus dem Auto, zwei Stück je zwei Meter lang. Damit möchte ich meine Hängematte an den Bäumen befestigen. Zwei Tage lang habe ich geübt, mein Lager auf- und wieder abzubauen, damit ich meine Handgriffe übe und trainiere. Nach zwei Tagen war dann aber genug der Theorie, ich soll raus in die Praxis. Deswegen gehts ab heute die Emme entlang.

Von Solothurn ans Emme-Eck vor und dann den Fluss hinauf. Etwa 80 Kilometer liegen vor mir, ich hab vier Tage dafür eingeplant. Ich hoffe, das kommt hin, wirklich gut trainiert bin ich nämlich nicht. Auf dem Fußweg zum Bahnhof, heute früh um vier, ist mir mein Rucksack ganz schön schwer vorgekommen. In der Bahn über Burgdorf nach Solothurn konnte ich ihn aber wieder absetzen. Heute muss ich es gemütlich angehen, ich darf nicht ganz k.o. sein heute Abend, damit ich morgen auch noch laufen mag.

In Solothurn gibt’s einen Geocache, der einen kreuz und quer durch die Innenstadt schickt und hier und da und dort auf die Sehenswürdigkeiten aufmerksam macht. Vom Zeitglocketurm, dem ältesten Gebäude der Stadt, muss man zwei Jahreszahlen voneinander abziehen, beim Kunstmuseum muss man eine Quersumme bilden, man wird außen an der imposanten Stadtmauer entlang geschickt, wieder hinein in die Stadt und so weiter. Zwischendrin musste ich mal hinter einen Baum, doch die Stadt wacht langsam auf und ich bin doch lieber zum Bahnhof gegangen.

Und wieder weiter, elf Punkte galt es abzuklappern und aus den verschiedenen Zahlen galt es die jeweils nächsten Koordinaten zu berechnen. So ging ich und schaute mir die Altstadt von Solothurn an, notierte Zahlen, rechnete herum, trug wieder neue Koordinaten in mein iPad ein und ging zum nächsten Punkt.

Als ich alle elf Punkte angeschaut hatte und damit vor der elf-Stunden-Uhr von Solothurn stand, gab’s eine große finale Rechenaufgabe. Diese hab ich in einem nahegelegenen Café bei Kaffee und Gipfeli gelöst. Danach hatte ich die Koordinaten, etwas außerhalb der Stadt. So bin ich dann erst noch nahen St. Niklaus gewandert, um den Cache zu heben. Nach drei Stunden Stadtbesichtigung endlich mal wandern. Und bergauf geht’s auch noch 😉 Bis zu den Koordinaten auf dem Wanderweg, dann ab ins Unterholz und den Cache suchen. Hatte ihn nach einiger Zeit gefunden und mich ins Logbuch eingetragen. Inzwischen ist es zehn Uhr, ich mach mich jetzt mal auf den Weg zur Aare hinunter. Irgendwo kurz vor der Emme-Mündung müsste eine Brücke sein. Mal sehen, ob ich die finden kann, denn zurück nach Solothurn will ich jetzt nicht.

Gefunden. Quer durchs Quartier hinunter zur Aare und über Solothurns rote Brücke auf die rechte Aareseite. Jetzt fange ich mit meiner eigentlichen Wanderung an. Es hat mal aufgehört zu regnen, die Vögel zwitschern und die Kirchturmglocken läuten. Kaum jemand unterwegs, die Hündeler sind wohl schon wieder daheim und die anderen werden ihrem montäglichen Alltag nachgehen. Um elf kam ich am Emmenspitz an, da wo die Emme in die Aare mündet.

Der Spitz ist als Picknick Platz hergerichtet, wenn mal schöneres Wetter ist, kann man hier grillieren und laue Sommerabende verbringen. Jetzt bin ich allein hier, außer den Blesshühnern und den Schwänen sagt hier keiner etwas. Vor mir liegt die Fabrik von Attisholz, hinter mir liegt die Abwasserreinigungsanlage. Nicht sehr hübsch hier, der Himmel ist mit grauen Regenwolken verdeckt und ich höre eine Menge Stadtlärm um mich herum. Da fährt ein Zug über die Stahlbrücke, die Autobahn in der Nähe generiert ein beständiges Rauschen, in der Kläranlage wird gearbeitet, da fährt ein Traktor vorbei. Ich wollte eigentlich hier am Eck Pause machen, aber irgendwie ist das nix… Da suche ich mir eine schönere Stelle an der Emme.

In den Auenwäldern der Emme hab ich dann so langsam meinen Rythmus gefunden. Schritt für Schritt bin ich vor mich her gegangen, immer wieder mit der Ermahnung, dass ich nicht so schnell laufen sollte. Heute ist schließlich mein erster Tag, da sollte ich mich nicht überanstrengen. Und mein Rucksack ist noch ungewohnt, den hab ich schon länger nicht mehr so voll gepackt dabei gehabt. Irgendwann haben mit dann die Schultern geschmerzt. Gut, kann ich das Gewicht auf den Hüftgurt verlagern, schon trägt sich’s wieder angenehmer. Irgendwann kam ich nach Biberist, lauter Industriegebäude hab ich gesehen. Der Damm der Emme entlang ist wohl neu gemacht worden, total kahl sieht er aus. Nicht schön für eine Mittagspause. Also weiter, wobei sich aber langsam meine Füße bemerkbar machen. Langsam merke ich, dass ich doch schon sechs Stunden unterwegs bin. Hinter Biberist musste ich mich entscheiden, rechts oder links am Fluss weiter. Mit meiner Karte konnte ich beide Wege verfolgen und mich für den unteren entscheiden. Der andere geht über die senkrechte Flue, die weiter aufwärts zur Emme abfällt. Weiter also am anderen Ufer, so dass ich die Sandsteinflue gerade vis-a-vis hatte.

Hier wollte ich Picknicken und hab mir eine schöne Stelle am Fluss gesucht, Kaffeewasser aufgesetzt, Socken und Schuhe ausgezogen und bin erstmal barfuß auf den Steinen am Wasser herumgegangen. Leider ist es ziemlich kühl, so dass ich schnell wieder Socken und Schuhe angezogen hab. Einen Apfel zur Vorspeise und wie ich so kauend am Ufer stand und die Emme beobachte, fängt es wieder zu regnen an. Also schnell wieder alles in den Rucksack getan, was nich nass werden soll. Just in diesem Moment kocht auch mein Kaffeewasser, da kommt mal wieder alles zusammen… Also Kaffee aufgegossen, der darf zur Not auch nass werden. Regenhut und -Jacke geschnappt, mein Tarp aus dem Rucksack geholt (gut, dass alles seinen Platz hat) und mir zwei Bäume gesucht, zwischen denen ich das Dach aufgespannt hab. Rucksack und die anderen Sachen vom Ufer geholt und ins Trockene gestellt. Mein Kaffee war jetzt nicht nur nass, sondern auch kalt geworden, aber kein Problem, ich kann ja nach dem Essen noch einen kochen.

Und während ich so im Trockenen saß und mein Brot aß, köchelte das neue Kaffeewasser wieder vor sich hin. Es tauchte – bei Regen – eine Gruppe Studenten auf, die irgendwas beim Fluss gezeigt bekommen. Der Professor kam auf mich zu und fragte, ob ich zufällig hier sei oder zum Projekt gehöre. 🙂 Ich hab’s auf den Zufall geschoben und zur Vorsicht gemahnt, damit mir die Studenten nicht über die Abspannleinen vom Dach stolpern. Sie sind lernend weiter am Ufer entlang gezogen. Bald ist mir beim still sitzen kalt geworden. Deswegen hab ich bald wieder meine Sachen gepackt und regendicht im Rucksack verstaut. Nach dem nassen Regendach und seinen nassen Schnüren waren meine Finger so kalt, dass ich Handschuhe angezogen hab. Aber meine Füße hatten sich etwas erholt, der Rucksack saß auch wieder bequemer, also auf und weiter der Emme entlang. Der Prof wünschte mir noch besseres Wetter, als ich im Regen weiter gezogen bin.

Weiter der Emme entlang, nach einem Kilometer war mir wieder warm. Meine Regenkleidung hält dicht, ich fühle mich gut. Auch der Rucksack ist gut zu tragen, so langsam gewöhne ich mich dran. Es regnet und regnet. Als der Wanderweg einen Schlenker um das Wasserschloss Landshut macht, komme ich mal raus aus dem Auenwald und kann über die weiten Felder des Mittellandes sehen. Viel mehr auch nicht, es ist grau und wolkenverhangen, kein Jura und keine Alpen zu sehen. Ziemlich flach das Land hier und der Regen hat auch etwas von dem berühmten Landregen.

Das Schloss Landshut hat leider montags geschlossen, deswegen musste ich weiter ziehen. Aber Halt… Gibt’s hier vielleicht einen Geocache? Ich stand eh grad unter einem Baum im Trockenen und hatte eh grad mein iPhone in der Hand, also schnell geguckt. Und tatsächlich: ganz hinten im Park liegt eine Schatztruhe. Nachdem montags das Schloss zu ist und es regnet, sind auch keine Muggel unterwegs. Und wieder hat mir ein Geocache eine besondere Ecke gezeigt, denn so kam ich noch an der hölzernen Hängebrücke vorbei. Die war allerdings auch geschlossen. Naja, eigentlich offen… Also, hochgezogen. Die Cache Pause nutzte ich wieder, um meinen Rucksack mal ab zu nehmen. So ganz gewöhnt bin ich das echt noch nicht. Im Schlosspark kam ich dann noch an einem Hirschen vorbei. Zwar nur an einem Brozenen, aber immerhin ein Highlight.

Danach ging der Wanderweg wieder zur Emme und durch die Auen. Es regnet immernoch, plitsch, platsch, es tropft ständig auf meinen Hut, plitsch, platsch. Ich laufe durch Pfützen, plitsch, platsch. Aber meine Kleidung ist gut, der Hut breit genug, wenn mich der Regen stört, dann nur, wenn ich mein iPhone aus der Tasche ziehe und ein Photo schießen will. Blog tippen tu ich heute kaum. Ich gehe gerade so schnell, dass ich nicht zum Schwitzen anfange, mit dem frischen T-Shirt von der Mittagspause hab ich eine gute Kombination an. Aber der Weg wirkt grau, es sind noch keine frischen Blätter an den Bäumen, alles wirkt noch grau und nass wie im Herbst. Also Kopf ausschalten und Beine laufen lassen. Langsam wird’s anstrengend, fast neun Stunden bin ich schon unterwegs. Der letzte Wegweiser hat nach Aefligen noch eine Stunde angezeigt, das werd ich noch machen, aber Burgdorf liegt nicht mehr drin. Es beginnt zu dämmern, wie ein grauer Regentag halt zu dämmern anfängt. Kalt, feucht, einsam und mit einem Gefühl, dass man sich auf die warme Stube und einen Tee freut. Das war der Plan, also bis Aefligen noch laufen (lassen). Der Weg ging schnurgerade an der Emme entlang, fast schon eintönig, wenn das nicht Waldboden gewesen wäre. Viel angenehmer zu laufen als Asphalt, viel weicher, zumindest zwischen den Wurzeln und Steinen. So träume ich den Weg weiter, unter der Eisenbahnbrücke hindurch, den Abzweig über die Autobrücke zum Bahnhof Aefligen. Nach neun einhalb Stunden hab ich keine Lust mehr. 34 Kilometer, mehr als ich mir vorgenommen hatte. Ich hätte doch mehr Zeit für den Cache einplanen sollen, denn nach Burgdorf sind’s nochmal eineinhalb Stunden, was würde ich vor dem Dunkelwerden nicht mehr schaffen.

 

 

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One response to this post.

  1. Posted by Heinz on 21. März 2012 at 19:57

    Hi Frank
    Solothurn — Aefligen, die Route wird sicher eingezeichnet. Wird der Abstecher bis zur Neumattstrasse 39 ebenfalls eingezeichnet, bist du ja schliesslich auch schon gegangen. Es Grüessli us dr Region dr Hene

    Antworten

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