Aefligen Lützelflüh

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Nach der gestern doch etwas lang geratenen Wanderung hab ich heute erst einmal ausgeschlafen. Gegen halb acht bin ich dann aufgestanden, ich spüre die Wanderung noch immer in den Knochen. Aber nach dem Kaffee und eMail-checken ging’s recht gut. Meine sieben Sachen vom Trocknen zusammen gesucht, Rucksack gepackt, Wanderschuhe geschnürt und auf nach Aefligen. Das Wetter sieht freundlicher aus, zwar immer noch bedeckt, aber zumindest in Bern nicht wolkenverhangen. Und kein Regen bis jetzt. Die Strassen fangen sogar an, zu trocknen.

Bald schon bin ich wieder in den Auenwald eingetaucht. Der weiche Waldboden, die zwitschernden Vögel, die rauschende Emme und wie ich nach oben blicke, sehe ich die ersten blauen Löcher in der Wolkendecke. Ich gehe gemütlich, versuche, meinen Rythmus zu finden. Bald hab ich ein Schlendertempo gefunden, das mich nicht ins Schwitzen bringt. Ein bisschen langsam vielleicht, aber ich will ja auch 8 Stunden wandern durchhalten. Außerdem hab ich ja Zeit…

Bald war der linke Uferweg gesperrt wegen Holzarbeiten. Also musste ich auf die Kirchberger Seite der Emme. Da wollte ich zwar nicht her, nein, lieber die linke Seite. Aber wenn mir mein Schicksal gerade heute Holzarbeiten beschert, dann halt… Ein paar Meter durch den rechtsufrigen Wald kam ich an ein „Feld“ voller Bärlauch.

Leuchtend grün gegen den braunen Waldboden. Erst ein Test, eine Blattspitze zwischen den Fingern verrieben. Mit was kann man Bärlauch gleich wieder verwechseln? Aber hier bin ich mir sicher, riecht nach Bärlauch, schmeckt nach Bärlauch, also hab ich mir fürs Mittagsessen gleich eine Handvoll mitgenommen. Stoffsäckli sollte ich noch kaufen, die Kräuter im Robidog-Plastik-Sack herumtragen ist nicht so schön. Außerdem trocknen die Tau-gewaschenen Blätter darin nicht.

So langsam bekomme ich Hunger, ich sollte mal frühstücken. Ich hab mir extra dafür ein Birchermüesli mitgebracht, Kaffee und Brot hab ich auch noch. Will ich nur noch eine schöne Stelle an der Emme finden. Kurz vor Burgdorf hab ich sie dann gefunden. Da, wo die drei Wasserstufen hintereinander kommen und wo der grüne Luftballon vom Strudel gefangen gehalten wird. Hier war auch ein Picknick Platz mit Tisch und Bänken, hier konnte ich mich ausbreiten. Müesli, ein Stück Brot und einen Becher Kaffee, zwei Hunde haben mich besucht und die Herrchen freundlich gegrüßt. Ich stand an der Emme, hörte dem Rauschen zu und beobachtete, ob der Luftballoon sich vielleicht aus dem Strudel befreien könnte. Es ist ihm nicht gelungen. Und irgendwie ist es heute kalt. Kaum dass ich nicht mehr laufe, fange ich zu Frieren an, da hilft auch kein Kaffee. Ich setze meine Mütze auf, die Handschuhe hängen noch außen am Rucksack zum Trocknen.

Nach dem Frühstück ging’s weiter, nach Burgdorf hinein. Es muss wohl gerade Schulschluss sein, zeitweise ist es auf der Strasse und der Brücke eng geworden vor lauter Kinder und Eltern. Weiter an der Emme entlang kam ich zur ersten Sandsteinflue, weiter durchs Quartier, über die Strasse zu den Gysnau-Fluen. Imposant senkrechte Wände aus Sandstein. Riesig groß mit ein paar gewaltigen Felsbrocken, die wohl aus der Wand gebrochen sein müssen. Wegen diesem Steinschlag ist hier das Parkieren auf eigene Verantwortung, genauso wie das Begehen des Wanderwegs.

Ich hab die Verantwortung auf mich genommen und hab gestaunt, wie in die Felswand Gänge und Türbögen gehauen wurden, Stufen und Gucklöcher. Ja, dieser Sandstein ist recht leicht zu bearbeitet. Ich kann mir gut vorstellen, wie man hier im Laufe der letzten Jahrhunderte immer wieder Schutz und Verteidigung gesucht hat. Meine Kletterei war bald wieder beendet und ich ging weiter den Uferweg entlang, bis ich zu der kleinen Brücke hinter dem Schwimmbad kam.

Von hier aus wollte ich einen Abstecher zum Schloss Burgdorf machen. Auf der Wiese gastiert zur Zeit der Zirkus Nock, und wie ich plötzlich deren zwei Kamele gesehen hab, kam in mir die Frage auf, was denn wäre, wenn ich mit einem Zirkus mitzöge. Aber ich blieb nicht lange bei diesen Überlegungen, ich hab mich an den Aufstieg zum Schloss gemacht. Inzwischen kommt die Sonne raus und wie ich oben angekommen bin, konnte ich mich nicht nur wärmen sondern auch meine verschwitzten Kleider trocknen. Ich hab ausgiebig gerastet, Photos gemacht, die Sonne genossen, die Krähen bei ihrem Streit im Baumwipfel beobachtet, meine Füße und Schultern ausgeruht und einfach nur die Wärme der Frühlingssonne genossen. Es kamen ein paar Besucher vorbei, die die Aussicht genossen haben und eine Schar Kinder, die von hier oben festgestellt haben, dass Burgdorf doch gar nicht so klein ist. Ich mach es mir auf einer Bank bequem, mein Rucksack ist die Rückenlehne und ich kann die Füße hochlegen. Die Sonne lacht mit ins Gesicht, der Wind streichelt mich sanft im Gesicht und wuschelt mir durchs Haar. Das tut gut, einfach mal nur entspannen und genießen, keine Hektik und keinen Stress, eifach e chli si…

Irgendwann bin ich wieder runter zur Emme gegangen, wieder am Zirkus vorbei und rechts die Emme aufwärts abgebogen. Der Weg hier geht schön breit und eben, für Fußgänger, Velofahrer und Reiter gleichermaßen, recht unspektakulär weiter durch die Auen der Emme. Der Naturschutz hat diverse kleine Trampelpfade gesperrt bzw. unpassierbar gemacht, damit man sich auch ja an den großen Weg hält. Und dafür bekommen die Tiere im Unterholz mehr Ruhe.

Der Weg ist eintönig, einziges Highlight auf diesem Stück sind die Entfernungs-Steine, die die Entfernung der Emme von der Mündung anzeigt. Gerade bin ich am Schild für 20 km vorbeigekommen, doch schon einiges geschafft. Allerdings sind diese Entfernungen von der Kantonsgrenze in Gerlafingen aus berechnet, hilft mir jetzt nicht so viel… Meine Füsse tun weh, ich hab kaum noch Lust zu laufen. Abschalten und einfach laufen lassen klappt irgendwie auch nicht. Wenns nach meinen Füssen ginge, würde ich nur noch zum nächsten Bahnhof gehen.

Kurz vor Oberburg finde ich eine Bank in der warmen Sonne, hier mache ich nochmal Rast. Mir ist eingefallen, dass ich mein Dach mal trocknen sollte, das hab ich gestern ja nass eingepackt und Abends vergessen. Also dieses aufgespannt, Schuhe ausgezogen und nochmal in der Sonne gesessen. Barfuß in der Wiese zu laufen ist angenehm, hier in der Sonne ist es auch fast nicht zu kalt. Aber auch ohne Schuhe schmerzen sie, ich glaube, viel weiter mag ich heute nicht laufen. Hab ich mich gestern doch etwas übernommen.

Ich döse in der Sonne, hänge meinen Gedanken nach, denke an das Video, was mir meine Arbeitskollegen auf den Weg gegeben haben, höre den Vögeln beim Zwitschern zu, lausche dem Rauschen der Emme. Heute ist ein gemütlicher Nachmittag und das ist gut so. Ganz langsam gewöhne ich mich dran, dass ich ja Zeit genug hab. Und dass ich mir jetzt alle Zeit zum Genießen nehmen kann. Vor allem jetzt, wo der Frühling langsam kommt. Vor mir liegen ein paar Schrebergärten, gleich neben den Bahngleisen. Dort wird grilliert, hmm, wie das lecker duftet… Mir gefällt mein Plan, noch zum nächsten Bahnhof zu laufen, nach Hause zu fahren und heute Abend selber zu Grillen, immer besser. Andererseits… Langnau war angedacht, Lützelflüh sollte zumindest noch drin liegen heute. Mal sehen. Ich ziehe meine Wanderschuhe wieder an, packe mein getrocknetes Dach in den Rucksack, schwing diesen auf meinen Rücken und laufe mal weiter.

Kurz nach der Pause kam ich zur ersten hölzernen Brücke, die ich der Emme entlang gesehen habe. Und zudem ist das auch noch die längste Holz-Bogenbrücke Europas, die die beiden Ortsteile Hasle und Rüegsau hier verbindet. Diese schöne und mächtige Brücke riecht ja förmlich nach einem Geocache, kurz im Internet geschaut, ja, es gibt einen. Die Brücke noch genauer inspiziert und ich hatte den Schatz bald gefunden. Ein kleines Erfolgserlebnis. Und zudem: ich bin schon zwischen Hasle und Rüegsau, Oberburg müsste ich demnach schon hinter mir gelassen haben. Geht doch besser voran als sich’s anfühlt 🙂

So motiviert laufe ich weiter, die Pause hat’s echt gebracht. Die Füße sind nicht mehr so schwer, ich kann wieder angenehmer laufen, der Rucksack sitzt wieder anders und drückt nicht mehr. Die Abendsonne scheint schön durch den Auenwald und wie ich zum Bahnhof Hasle-Rüegsau komme, bin ich tatsächlich motiviert, nach Lützelflüh weiter zu laufen.

Mir fällt plötzlich der blaue Himmel auf, keine Wolke mehr zu sehen. Und die Abendsonne scheint schräg in den Auenwald, die dreiviertel Stunde nach Lützelflüh gehen ganz gut. So eine Pause mit Schuhe ausziehen und barfuß rumlaufen ist tatsächlich eine Erholung für die Füße. Als ich in Lützelflüh ankam, wollte ich noch weiter, aber jetzt höre ich auf meine Füße. Jetzt gehts heimwärts, morgen ist auch noch ein Tag.

 

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One response to this post.

  1. Posted by Matthias on 18. April 2012 at 11:26

    very nice! … die Schlucht mit dem Sandstein schau ich mir auch mal an.
    die Schweiz ist schon ein Mini-Elbsandsteingebirge:
    http://www.elbsandsteingebirge.de/ … deshalb wohl auch „Sächsische Schweiz“ 😉

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