Lützelflüh Horben

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Und wieder ist schönstes Frühlings-Wanderwetter. Auch wenn ich das Ausschlafen genieße, meistens wache ich nach acht Stunden Schlaf von selber auf, noch vor dem Wecker. Und schon scheint die Sonne, lockt mich nach draußen. Ein Kaffee zu Hause, noch ein paar Blog-Kommentare gelesen und genehmigt, dann aber los. Nach Lützelflüh und weiter die Emme aufwärts. Wär doch gelacht, wenn mein Sandlatschen mich heute nicht wenigstens nach Signau bringen sollte. Oder gar nach Eggiwil? Mal schauen…

In Lützelflüh angekommen bin ich erstmal einkaufen gegangen, hab meinen Proviant aufgefüllt. Noch gleich beim coop hab ich meinen Rucksack neu gepackt, die Einkäufe einfach oben drauf zu schmeißen, hat mir schon mal eine leidvolle Erfahrung beschert. Dann ging’s vor zur Brücke, die Sonne lacht und ich hab den Fluss wieder an meiner Seite.

Guten Morgen, Emme. Gibt es hier Sehenswürdigkeiten in der Nähe? Um diese Frage zu klären, hab ich nach Geocaches in der Umgebung gesucht. Eine Burgruine, etwas zurück des Wegs den Berg hinauf und eine Holzbrücke, nur den Fluss weiter aufwärts. Die Burg hab ich sein lassen, bin dafür zur Gohlhausbrücke vor.

Hier hab ich bestimmt eine Stunde lang das Versteck gesucht, aber trotz Hinweisen hab ich es nicht gefunden. Dafür hab ich die Brücke von oben bis unten betrachtet, jeden Winkel abgesucht. Naja, wohl doch nicht jeden… Irgendwann wollte ich nicht weiter im Schatten herumsuchen, hab mit etwas Enttäuschung meinen Rucksack wieder geschultert und bin weiter die Emme hinauf gewandert. Hier ist der Fluss schon lebhafter, nicht so breit und träge wie weiter unten. Hier rauscht und murmelt er, schwillt und glucksert. Und er glitzert in der Sonne, die schön warm vom Himmel scheint. Es ist so warm, ich überlege mir, ob ich meinen Faserpelz ausziehen und nur im T-Shirt wandern soll. Aber im Schatten ist’s dann doch noch etwas kühl… Wobei… In der Sonne ist’s doch recht warm…

So geht’s entlang der Emme, meistens im Auenwald, so dass ich kaum sehe, was um mich herum ist. Ich hab mir noch den Knick in der Emme eingeprägt, den hab ich auch wieder erkannt. Die Emme fließt in ihrem Kiesbett dahin, daneben geht mein Weg entlang. Und ich laufe und laufe, meine Beine tun weh, das rechte Bein fühlt sich so an, als ob ich mir einen Nerv eingeklemmt hätte. Bei jedem Schritt. Und die Füße tun weh, nicht so schlimm wie gestern, aber immerhin kostet es mich viel Anstrengung und Überwindung, weiter zu laufen. Aber irgendwie bekomme ich eine Regelmäßigkeit hin, in der ich weiterlaufe. Hier unten in den Auen bekomme ich nicht wirklich mit, wo ich mich gerade befinde. Bei der nächsten Brücke bin ich erstaunt, dass ich schon an Ramsei vorbei bin.

In Zollbrücke schaue ich der Holzverarbeitung zu. Schon noch interessant, wie die Baumstämme voll automatisch einzeln genommen werden, rundum komplett entrindet und dann nach innen zur Säge weiter gereicht werden. Und nach jedem Baumstamm kommt ein Haufen Rindenschnitzel aus der einen Öffnung geblasen. Und der nächste Baumstamm. Etwas weiter vorne ist gerade ein Camion-Chauffeur damit beschäftigt, die Baumstämme von seinem Lastwagen abzuladen. Wenn er die auch nur aus ein paar Zentimetern Höhe fallen lässt, bebt der Boden bis zu mir. Und ich stehe weit genug weg, nichtmal auf dem Grundstück. Schon noch ein ordentliches Trumm Holz, so ein Baum. Auch wenn das mit den Maschinen und ihrem Greifarm so einfach und leicht aussieht.

Und weiter geht’s. Zähne zusammenbeißen und Schritt für Schritt weiterlaufen. Ich ändere nochmal die Einstellungen am Rucksack, Hüftgurt etwas lockerer, dafür Schultergurte mehr angezogen und das Gewicht näher an den Körper geholt. Das lindert zwar das „Eingeklemmter Nerv“ Gefühl etwas, aber im Endeffekt müssen immer noch meine Beine all das Gewicht tragen.

Bei der nächsten Brücke realisiere ich, dass ich gar nicht mehr an der Emme laufe. Da hat sich doch glatt die Ilfis eingeschoben, ich bin jetzt am Eck, wo die Ilfis in die Emme fließt. Hier könnte ich nach Langnau abbiegen, aber ich nehm lieber den Weg Richtung Schüpbach. Den bin ich zwar letztens erst gelaufen, aber ich will nicht oben über die Flue auf der anderen Emme-Seite. Ich komme an einem Angler vorbei, der mich fragt, ob ich mit meinem Wanderstab auch etwas fange. Ich bin etwas verdutzt, ich hab das Ding nicht als Angel oder als Hieb- oder Stichwaffe dabei. Nein, sage ich ihm, ich geh lieber einkaufen. Außerdem braucht man ein Patent, wenn man in der Schweiz angeln gehen will. Aber das brauche ich ihm wohl nicht zu erzählen.

So ziehe ich weiter, auf der Suche nach einem geeigneten Rastplatz. Auf einer Kiesbank in der Emme finde ich einen schönen Stein zum draufsitzen, stell meinen Rucksack ab und sammle mir Feuerholz. Als das schnell zusammengetragen war, hab ich meinen kleinen Hobo-Stove angefeuert, die Schuhe ausgezogen und gemütlich Pause gemacht. Heute gibts Nudelsuppe mit einem Stück Brot, danach einen Kaffee und ein Stück Schokolade. Die Emme rauscht gemütlich vor sich hin. Als ich das letzte Mal hier war, war noch alles voller Eis und Schnee. Aber heute ist Frühling, allein in den Dauer-Schatten-Stellen liegen die allerletzten Flecken Restschnee. Zum Abwasch geht’s in den Fluss, aber ohne Fettlöser ist das nichts, im kalten Wasser. Das Öl der Nudelsuppe verschmiert nur die Schale weiter… Muss ich wohl zu Hause mal warm spülen. Noch schnell den iPhone Akku gewechselt, der erste von heute ist leer und kommt in die Seitentasche zum Laden.

Als ich meinen Rucksack wieder gepackt hatte und aufbrechen wollte, hatte ich schon gar keine Lust mehr. Vielleicht noch bis Schüpbach, zur Not noch bis Signau, wo es einen Zug hat. Ich sollte, glaub, mal einen Tag Pause einlegen. Den ganzen Tag draußen an der frischen Luft und 20 bis 30 Kilometer wandern, das ist doch eine größere Umstellung für den Körper, erst recht, wenn man aus einer sitzenden und denkenden Aufgabe herauskommt.

Doch nach so einer Pause geht vieles wieder einfacher. Der Rucksack sitzt anders, gut, ich hab die Rückenlänge um einen Zentimeter verkürzt, die Schulterriemen entsprechend verlängert, jetzt sitzt dieser auch wieder bequem. Schön kompakt am Rücken fühlt er sich jetzt an. Die Füße sind auch wieder ausgeruht, den Muskelkater in den Pobacken hätte ich sowieso.

Ich komm zu dieser Wippel-Brücke in Schüpbach, den Cache hier hab ich schon gefunden. Nach Eggiwil sind’s noch zwei Stunden. Ob ich das noch schaffe? Ein kurzer Check am Handy bestätigt mir, dass ich dann sogar noch heim käme. Und wenn ich zwischendrin schlapp machen sollte, so meinte ich gesehen zu haben, dass ich plus minus an der Linienbus-Strecke entlang laufe. Und die Abendsonne scheint grad so schön, ich kann doch jetzt nicht schon heimfahren…

So laufe ich weiter, bis ich an die Bubeneibrücke komme. Hier ist auch ein Geocache versteckt, den hab ich recht schnell gefunden und geloggt. Danach ging’s weiter in den Wald, zur Abwechslung hab ich jetzt die Emme zu meiner Rechten. Die Mittagspause hat gut getan, ich komme wieder gut voran. Auf dem Weg die Emme entlang stehen ab und an Schilder über den „Lebensraum Emme“. Es geht um Fische und Vögel, Insekten und Fliegenfischen, Leben auf den Kiesbänken, Nutzung der Wasserkraft und sonst allerlei Informationen. Sehr unterhaltsam, das lockert meine Wanderung auf. Es soll sogar Eisvögel hier geben.

In Aeschau überkommt mich ein Gefühl, was ich aus meiner Kindeheit kenne. Abend-werden auf dem Land. Als Stadtkind war es für mich immer ein Highlight, wenn wir ins Niederbayerische oder Richtung Bodensee zu unseren Bekannten gefahren sind, die aus meiner Sicht „auf dem Land wohnen“. Und wenn es gegen Abend ging, so wie jetzt, und wir nicht zurück in die Stadt gefahren sind, dann waren das immer tolle Abende in der Natur draußen. Die Dorfkinder sind es gewöhnt, in Maisfeldern Verstecken zu spielen oder barfuß über die Wiesen zu rennen. Und für die Zeit des Besuchs gehörten wir Stadtkinder auch dazu, wir waren aufgenommen in dieser Dorfkindergemeinschaft. Genauso fühlt sich das hier gerade an.

In Aeschau muss ich die Emme für ein Stückchen verlassen, der Wanderweg biegt auf die andere Talseite ab. Und prompt war es ruhig um mich herum, nicht mehr das allgegenwärtige Rauschen der Emme. Plötzlich hab ich wieder Vögel zwitschern hören und auch dass mein Rucksack quietscht. Bei jedem einzelnen Schritt. Aber dummerweise nur, wenn ich ihn auf dem Rücken hab. Einmal abgenommen, wollte ich das Quietschen untersuchen, habe es aber nicht gefunden. Und beim Weiterlaufen war’s wieder da… Ich laufe, endlich mal nicht im Auenwald, auf den Hohgant zu, der, schneebedeckt zu dieser Zeit, das Emmental begrenzt. Mein Ziel sozusagen. Die Sonne ist inzwischen untergegangen, es wird grad frisch und kühl am Kopf. Beim nächsten Hof, durch den ich musste, gab sich noch ein besonderes Bild: der Hofhund umringt von zehn oder fünfzehn Katzen. Alle friedlich miteinander gedöst. Ich wollte noch ein Foto machen, um zu zeigen, dass Hund und Katze doch nicht so feindselig zueinander sind. Doch da hat mich der Hund entdeckt und musste gleich loskläffen. So ein Appenzeller Alarmbeller. Da sind die Katzen aufgescheucht in alle Richtungen gestoben und aus dem Bild ist dann nichts geworden. Als ich weiterzog auf dem Weg nach Horben kam mir der Bauer von eben diesem Hof mit den Traktor hinterher gefahren. Er hatte Milchkannen geladen, die er wohl noch zur Käsi bringt. Als ich auf Seite stand um ihm Platz zu machen, hat er mich winkend und lachend begrüßt.

Und weiter ging’s durch den kühlen Abend. Ich sehe schon die nächste Holzbrücke über die Emme, dort ist auch wieder ein Geocache. Aber auf der Brücke ist es jetzt schon zu dunkel zum suchen und entdecken. Außerdem kommt der Bus in ein paar Minuten. Ich beende hier meine Tour und freue mich schon auf die Holzbrücke morgen früh. Hat sich doch noch gelohnt, nach der Mittahspause weiter zu laufen. Ist zwar nicht ganz Eggiwil geworden, aber immerhin weiter als Schüpbach. Und 20 Kilometer waren’s heute dann auch, ich lieg also gar nicht so schlecht in meiner Planung. Nur schlaucht mich die Wanderung mehr als ich mir vorgestellt hab. Aber das kommt schon gut mit der Zeit.

 

 

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