Horben Schangnau

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So, da bin ich wieder. Nach einer Woche Cabrio-Fahren in Bayern und dem tollen Waldfondue mit meinen (ehemaligen Arbeits-) Kollegen geht’s heute weiter die Emme aufwärts. Mit Tram, S-Bahn und Bus ging’s zur Horbenbrücke. Das Wetter ist bedeckt, ich wünsche mir für heute „keinen Regen“, aber zur Not hab ich ja alle Regenklamotten dabei.

An der alten Holzbrücke beim Schulhaus Horben angekommen, kam die Sonne schon fast raus. Es ist ein freundliches Wetter, nicht zu warm, ideal zum Wandern. Nach ein paar Schritten war ich bei der Horbenbrücke. Auch hier ist ein Geocache versteckt, den ich heben wollte. Mit der Taschenlampe hab ich jeden Winkel beleuchtet, jede Ritze untersucht, bin auf und unter der Brücke herumgestiegen, hab mir Hände und Ärmel staubig gemacht, konnte ihn aber einfach nicht finden. Durch die Brücke pfeift der Wind, so kalt, dass ich meine Mütze hab aufsetzen müssen. Ich wollte nicht unverrichteter Suche weitergehen, also nochmal in alle Ecken der Brücke geschaut, auf der Brücke und unter der Brücke weiter gesucht, die Logeinträge der anderen Finder gelesen, nichts… Als ich nach einer Stunde dann doch aufgeben wollte, fiel mir der kleine Schatz dann doch noch ins Auge. Schnell geloggt und mich riesig gefreut. Diese Brücke kenne ich jetzt fast auswendig 🙂 Jetzt ist mir aber kalt geworden, schnell weiter und meine Wanderung fortsetzen.

Der Wind ist auch weiterhin recht kühl, er zieht mir sogar durch meinen Faserpelz hindurch. Bei der nächsten Holzbrücke, diesmal ohne Geocache, wechsle ich die Seite der Emme. Dort ist kein Wind zu spüren und so kann ich mich warm laufen. Hier sind diese typischen steilen, aber nicht hohen, Hügel des Emmental, die rechts und links aus dem noch recht breiten Tal ansteigen. Ein Velofahrer, der sich ganz leise von hinten angeschlichen hat, wünscht mir plötzlich aus voller Kehle „Gut Marsch“, damit hat er mich ganz schön erschreckt. Aber ich schaffe gerade noch, mich zu bedanken, bevor er schon wieder von dannen gezogen ist. So laufe ich an Eggiwil vorbei, ein gelber Wegweiser veranschlagt drei Stunden nach Schangnau. Das hört sich ja locker an. Bei der nächsten Emmenbrücke warte ich eine Kutsche ab, die schnell trabend von einem Pferd gezogen wird, weiter durch die grünen Wiesen der Emmenaue und bald wieder eine Holzbrücke. Ich hab scheinbar den Wanderweg nach Schangnau schon wieder verlassen, ich finde keine gelben Schilder mehr.

Auf der Wanderkarte sehe ich auch keinen Weg mehr an der Emme entlang gehen, jetzt muss ich selber suchen. Durch das Flussbett geht auch nicht, es ist hier hinauf immer schmaler geworden und es sind kaum noch Kiesbänke zum drauf laufen, und wenn doch, dann sind sie nicht lang genug, um wirklich vorwärts zu kommen. Durch die Emme hindurchwaten geht auch nicht, zu tief und zu schnell fließend…

Am Schützenheim vorbei geht noch ein kleiner Weg, der aber nach den 300 Metern zu den Zielscheiben auch im Unterholz aufgeht. Ich weiche auf die Kiesbank aus, wate stellenweise schon durch knöcheltiefes Wasser und kann hier meinen Wanderstab sehr gut als drittes Bein gebrauchen. Aber bald stand ich unter der Nagelflue, die von der Emme schon unterspült wird. Ich hab gedacht bzw. gehofft, dass ich weiter durch Flussbett vorankomme, aber hier ist Schluss zu Fuß. Also wieder umkehren und den Hügel hinauf steigen.

Der Wanderweg zeigt zwar nicht nach Schangnau, aber er lässt mich die Flue zwischen Emme und Geissbach erklimmen. Zur Emme fällt die Nagelfluh steil, ja senkrecht, hinab, als ich dort vorbei war, bin ich den nächsten (gestrichelten) Weg wieder zur Emme hinunter. Ganz schön steil, mein Wanderstab hat mir schon wieder wertvolle Dienste geleistet. Unten angekommen stand ich auf einer Matte, angeschwemmtes Geschiebe, auf dem sich Erde festhalten konnte und Gras und ein paar Bäume gewachsen sind. Und ein Hof steht hier, sogar bewohnt, nur mit dem Auto kommt man nicht hier hin.

Der kleine Weg ging weiter zur oberen Begrenzung der Matte, wieder eine steile Nagelflue. Kurz bevor diese wieder unpassierbar wurde, ging eine alte Hängebrücke über die Emme. Die rostigen Seile und Streben sahen nicht sehr neu aus, die Holzplanken wandten und drehten sich schon. Und als ich hinüber lief, schwang die Brücke mit meinen Schritten mit. Kein Wunder, kommt man da nicht mi dem Auto rüber. Auf der anderen Flussseite erwartete mich schon die nächste Nagelflue, hier ist die Emme sehr eng begrenzt. Bzw. hier hat sie sich tief in dieses Mergelgestein hineingefressen. Aber genau das wollte ich ja erkunden. Über mir kreisen zwei Greifvögel, ihre hellen und schrillen Schreie sind wohl durch das ganze Tal zu hören.

Beim Sorbach weitet sich das Tal der Emme wieder etwas und es gibt einen Weg unten am Fluss entlang. Unter den hohen Fluen hindurch, an deren Fuß liegen Schuttberge, die im Laufe der Zeit hier heruntergerasselt sind. Diese Kegel sind flach genug, dass sich Bäume dran halten können. Das ist der dünne Streifen Auenwald hier an der Emme. Doch bald schon kommen die Fluen wieder näher an den Fluss, bis zur Bächlere komme ich hinter, dann geht kein Weg mehr den Fluss entlang.

Jetzt muss ich wohl oder übel wieder den steilen Hügel hinauf. Nachdem mich ein Rudel Hunde am letzten Hof angebellt hat und ich zur Sicherheit meinen Faserpelz ausgezogen hab, ich will oben ja was trockenes zum Anziehen haben, hab ich mich ganz langsam und gemütlich an den Aufstieg gemacht. Die Sonne kommt wieder raus, ich kann gar nicht anders als schwitzen. Nachdem ich den Weg verloren hab, kämpfe ich mich fast senkrecht den Hügel hinauf. Ich nehme die Stufen, die die Kühe schon in die Wiese getreten haben. Und mein Wanderstab ist wieder mal hilfreich, vor allem lang genug, dass ich mich zwei bis drei Schritte lang aufstützen kann, bevor ich ihn neu platzieren muss.

Oben auf der Strasse angekommen, ging’s noch weiter leicht bergan, aber hier deutlich angenehmer als quer über die Wiese. Ich bin erstaunt, wie tief unten die Emme fließt und bin hin- und her gerissen. Einerseits möchte ich hier oben auf der Strasse bleiben und nicht unten in eine Waldweg-Sackgasse geraten, andererseits wollte ich an der Emme entlang. Immer wieder sehe ich, wie sich das Flussbett wieder weitet und Platz macht für einladende Kiesbänke. Aber von hier oben habe ich eine tolle Aussicht, gegenüber ist der Schallenberg, dort bin ich auch schon gewandert, und vor mir baut sich der verschneite und felsige Hohgant auf, die erste Kette der Kalkalpen. Die Greifvögel ziehen inzwischen unter mir ihre Kreise, so weit bin ich hinaufgeklettert.

Der Himmel ist inzwischen blau, kaum noch Wolken zu sehen und die Sonne strahlt in ihrer ganzen Frühlingspracht. Ich suche mir ein gemütliches Plätzchen zum Rasten, inzwischen habe ich Hunger. Bald gefunden, hier weht auch kaum Wind, trotzdem ziehe ich meinen Faserpelz an und die Schuhe und Socken aus. Wie angenehm das ist, barfuß durch eine Wiese zu laufen. Nachdem ich mein Birchermüesli gegessen hatte, ließ ich mein Haupt in die Wiese sinken und schloss die Augen. Der Wind flüstert ab und an etwas in mein Ohr, die Sonne scheint mit ins Gesicht, eine Ameise kitzelt mich am Ohr. Vom Schallenberg drüben höre ich all die Sonntagsfahrer, die heute die Freude am Fahren auskosten. Vögel zwitschern in der Umgebung, langsam werden die Geräusche leiser und entfernter, die Sonne wärmt und ich schlummere weg.

Als ich wieder aufwache sehe ich gerade noch, wie ein grün glänzender Käfer in meiner Hosentasche verschwindet, direkt zum Geld. Was will er denn da? Vorsichtig räume ich die Tasche aus und werfe den Käfer auch wieder raus. Ich ziehe meine Schuhe wieder an, schultere meinen Rucksack und mache mich auf den Abstieg nach Schangnau.

Das geht jetzt gemütlich, die Strasse führt leicht bergab durchs Pfaffenmoos, ein Hochmoor, wie mir scheint. Recht feuchte Wiesen und viele Amphibien, den langen Zäunen nach zu urteilen. Kaum ein Auto hier unterwegs, frisch ausgeruht macht das Wandern heute Spass. Im Pfaffenmoos zweigt der ausgeschilderte Wanderweg ab, zielt nach Schangnau, ich bin wieder auf dem Weg, der heute Vormittag drei Stunden dauern sollte.

Wieder durch die Wiesen und Wälder der steil abfallenden Flue zur Emme hinunter komme ich an eine mächtige, große Nagelflue, die auch noch von der Sonne beleuchtet wird. Was ein Anblick, diese senkrechte Wand und ich kleines Würmchen stehe ganz unten und guck hoch. Das besondere ist, dass diese Nagelflue unterspült wurde. Sie bildet einen Überhang, unter dem man stehen kann, Feuer entfachen könnte und Schutz vor dem Wetter finden kann. Diese Unterspülung muss allerdings schon ein paar Jahrtausende her sein, denn die heutige Emme fließt nochmal deutlich weiter unten. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, das ist das Räbloch. Zumindest steht’s hier in der Wanderkarte.

Nach dem Staunen und Schauen kam in bald auf den Weg, den ich vom Schallenberg aus kommend schon einmal gelaufen bin. Heute ist herrliches Wetter, verglichen mit dem Schneesturm damals, und ich hab eine bombastische Aussicht auf den Hohgant. Verschneit. Schwarz und Weiss, während das Tal sich langsam in grün kleidet. Und ich sehe den Berg mit dem unverschneiten Fels oben dran, den ich auf meiner Eriz-Wanderung schon nicht benennen konnte. Die herrliche Aussicht vor mir, die Abendsonne im Rücken, komme ich nach Schangnau und sehe, dass das Postauto gerade abgefahren ist. Aber der Chauffeur muss noch Vorfahrt achten und diese Pause nutze ich, mich winkend und rennend bemerkbar zu machen. Lachend wartet er auf mich und nimmt mich noch mit. Puh. Sonst hätte ich hier erstmal z’Nacht essen können.

 

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One response to this post.

  1. Posted by Matthias on 12. April 2012 at 12:26

    „Cabrio-Fahren in Bayern … Mit Tram, S-Bahn und Bus ging’s zur Horbenbrücke“ … klingt nicht nach Wandern! 😉

    Antworten

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