Landquart Haldenstein

Google EarthGPXauf der KarteBilderRunKeeper

Heute wird’s schönes Wetter. Punkt. Basta. Will ich jetzt so. Mich ärgert ein bisschen, dass ich gestern doch nicht an der Burg Grottenstein war. Deswegen mache ich mich heute nochmal auf den Weg nach Landquart. Das heißt wieder früh aufstehen und früh losfahren, denn von Bern aus brauche ich etwa zweieinhalb Stunden bis dorthin.

Jaa, das sieht schon viel besser aus als gestern. Blauer Himmel, Sonnenschein, es paar Rest-Wolken, die aber zügig vom Wind weggeweht werden. Ich laufe Wind und Sonne entgegen, rechts der verschneite Calanda, der noch eine Wolke an seinen Hängen hat, hinter mir leuchtet der Vilan weiß gegen Blau.

Ich komme an rosa blühenden Apfelbäumen vorbei, an weiss blühenden anderen Bäumen, heute schneit es Blütenblätter statt kalten Schneeflocken. Über mir sehe ich ein Rotkehlchen in den Zweigen sitzen, es zwitschert fröhlich vor sich hin, nur übertönt vom vorbeirauschenden Zug.

Bei Zizerz kreuzte mich dann die Autobahn, das war ein Stück Lärm. Aber dahinter ging der Wanderweg am Rhein entlang durch die Auen. Saftiges Grün leuchtete mir entgegen, Vögel trällern vor sich hin, ich begegne ein paar Hündelern. Hier ist ein gemischter Auenwald, ich sehe viele Birken, Lärchen und Föhren, junge Buchen und dichtes Unterholz. Nicht so eintönig bewachsen, wie ich es an der Emme gesehen hab.

Bald ist es wieder laut geworden, ich komme zu der großen Kiesgrube Fenza. Hier herrscht viel Betrieb, schwere Lastwagen fahren ein und aus, hier werden Steine gewälzt und Kies geschüttet. Bagger brechen noch mehr Steine aus dem Berg, ein Helikopter fliegt herum und transportiert Baumaterial. Der Calanda ist jetzt ohne Wolke zu sehen, die Sonne wärmt und der Wind ist eingeschlafen. Ich nutze die Brücke, um rechtzeitig auf die richtige Seite vom Rhein zu kommen.

Der Weg ist ein Reiterweg, schön weich und erdig, kaum nass, sehr angenehm zu gehen. Ich komme an der Rega-Basis vorbei, hier unterhalten von der air grischa. Hier wird gerade ein Heli gestartet und Wartungsarbeiten gemacht, sieht fast so aus wie Ölstandskontrolle oder so.

Ich beobachte die Techniker eine Weile und wie ich mich dabei so umschaue, entdecke ich schon die erste Burgruine im Hintergrund, die Ruine Neuburg. Sie steh am Rande der Talsohle auf einem mächtigen Felsen, der einst den Calanda heruntergestürzt ist. Vier bis fünf Stockwerke Mauer stehen noch, sie macht noch einen imposanten Eindruck. Aber einen Abstecher spare ich mir, ich hab heute noch drei andere Burgen auf dem Programm.

Plötzlich ist der Uferweg gesperrt. Weil dort eine neue Kiesgrube entsteht, um die „Rohmaterialreserven für die nächsten 30 Jahre zu sichern“, heißt es. Der Haselbodenkopf wird also auch bald angebaggert. Die Ausweichroute geht auf der anderen Seite des Rheins entlang, ab der Brücke, über die ich eben die Flusseite gewechselt hab. Hmm. Wieder zurück? Oder das Verbot ignorieren?

Ah, dort steht noch ein gelber Wanderwegweiser Richtung Haldenstein. Ich folge diesem mal. Und so komme ich doch noch an der Ruine Neuburg vorbei. Der Wanderweg führt jetzt schon auf die Hänge des Calanda hinauf, eigentlich dachte ich, dass ich noch ein paar Kilometer am Fluss entlang wandern könnte. Also steige ich hinter der Ruine den Berg hinauf, komme durch einen Tunnel und bin bald auf dem Hasenbodenkopf.

Hier muss ich feststellen, dass die Schilder gar nicht von der Zukunft sprechen, sondern von der Gegenwart. Auch dieser Hügel wird zum Zwecke der Zementherstellung abgebaut. Und die Wunden im Gestein sind schon ziemlich tief. Aufmerksam lese ich die entschuldigenden Schilder, werde aber aus den Erklärungen nicht so ganz schlau.

Der alte Steinbruch, früher auch ein Hügel, ist bald abgetragen, deswegen muss ein neuer Steinbruch eröffnet werden. Am neuen Steinbruch steht dann, dass dieses Gestein die ideale Ergänzung zum ersten ist und deswegen muss man beide bearbeiten. Naja, ich ha nicht viel Ahnung davon. Ein Wanderer aus der Gegend hat seinen Unmut mit einem Bleistift auf die Erklärungstafeln geschrieben. Wenn man gemütlich am Rhein entlang wandern möchte, ist dieser neue Steinbruch nämlich ein ziemlich unschönes Hindernis, welches oben umgangen werden muss. Ich bin gerade oben und folge dem steilen Weg hinunter, enge Septeninen in einem steilen Gelände, in dem sich auch die Bäume kaum halten können. Und bald bin ich wieder auf dem normalen Wanderweg, der als Trampelpfad ein paar Meter über dem Rhein durch die Wälder führt. Wie Grün hier alles ist, an jeder Ecke sprießt neues grünes Leben aus dem Boden und sogar aus dem Fels.

Ich staune wieder, wieviele verschiedene Grün-Töne es gibt. Und zwischen den Bäumen habe ich eine tolle Aussicht über den Rhein und das andere Ufer, über das Rheintal und die begrenzenden Berge.

Und wie ich so stehe und die Aussicht genieße, riecht es plötzlich verbrannt. Nicht brennend, sondern verkohlt. Und kaum biege ich um die nächste Ecke, stehe ich auch schon inmitten einer Waldbrandschneise. Umgestürzte, verkohle Bäume liegen Kreuz und quer durcheinander, bei einigen Bäumen, die noch stehen, ist die Rinde total verbrannt, sie werden wohl auch bald umfallen. Die Stämme sind zwar am Weg entlang abgesägt, aber ich schau trotzdem, dass ich schnell aus diesem Trümmerhaufen weiter komme.

Doch der Weg ist dann mit umgestürzten Bäumen blockiert, ich muss eine ziemliche Kletterpartie hinlegen, damit ich über dieses Hindernis hinüberkomme. Als ich danach meine Hosenbeine abgesucht hab, fand ich auch schon die ersten Zecken in diesem Jahr. Und was für grosse Exemplare… Aber die kann man wenigstens gut erkennen. Auf der nächsten Lichtung mit Aussicht und Sonne hab ich erstmal Rast gemacht nach all der Aufregung. Und mir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Doch nicht lange, denn ich will noch zu den drei Burgen und der Umweg über den neuen Steinbruch hat mich mehr Zeit gekostet als der Weg am Fluss entlang.

Aber die Aussicht ist schon toll. Unter mir der Rhein, mit ein paar Kieselsteinen begrenzt, daneben sein Auenwald, dessen Bäume ihre zarten jungen Blätter im Wind wiegen, bemalt mit den verschiedensten Grüntönen, von tiefgrün bis hellgrün, ein Schuss Gelb mit drin, dann wieder mit weißen Blüten gemischt, ein bräunlich-saftig-grün, dann wieder etwas mehr Richtung Blau… Und alle winken sie langsam, wenn der Wind darüberfährt. Hinter diesem Auenwald erstrecken sich Wiesen und Felder, auch sie mit ihren eigenen Grüntönen. Hohes Gras, weniger hohes Gras, etwas helleres Grün, mit gelbem Raps gemischt oder mit brauner Erde, Kirschbäume mit weißen Blüten, einzeln in der Landschaft. Mittendrin ein gelber Postbus. Vereinzelte Föhren mit ihren sattdunkelgrünen Nadeln, Laubbäume, die noch keine Blätter tragen, umgepflügte Felder in braun und blühende Rapsfelser in einem intensiven Gelb. Dahinter, auf den Schuttkegeln der Berge, der Schutzwald mit einem ähnlichen Farbenspiel, aber tendenziell dunkler, wahrscheinlich mehr Nadelbäume drin. Diese gehen fließend in die bewaldeten Hänge der Berge über, darin mischen sich weiter oben blanker Fels und Schnee. Weißer Schnee, blendend weiß, denn die Sonne scheint darauf. Und weiter oben geht der Schnee in die vereinzelten weißen Wolken über, die so herrlich den blauen Himmel auflockern. Wahrlich, es ist Frühling, die Welt ist im Vergleich zu gestern total verändert, total anders, wie ausgetauscht.

Ich bin weiter durch den frühlingsfrischen Auenwald, hab zwei Zitronenfalter miteinander turteln sehen, kam auf eine grüne Wiese mit gelben Löwenzahntupfen drin, bestanden von blühenden Obstbäumen. Dort kamen zwei Schmetterlinge, weiße Flügel, nur ganz am Rand einen orangenen Streifen, vorbei geflogen. Ich fand das herrlich, über diese Wiese zu laufen, die Sonne schien, ich hab ein paar Löwenzahn genascht und fand es einfach genial, dass Frühling ist.

Nach dieser Wiese kam dann der geplante Aufstieg zu den Burgen. Der war recht steil und ich hab mir Zeit gelassen, dort hinauf zu gehen. Erst den steilen Wanderweg, dann drei Kehren die Forststrasse, dann wieder steiniger Wanderweg. Über mir kreisten ein paar Krähen, schon als ich auf der Wiese unten war. An einer Stelle hab ich etwa zehn von ihnen aufgeschreckt, als hätte ich sie bei etwas gestört. Mit lautem Gezeter hat sich der Schwarm in die Luft erhoben und als in an der Stelle vorüber war, stürzten sie sich wieder an diese Stelle.

Als der Wanderweg wieder abzweigte, war es „nur noch“ um den Berg herum. Ich kann die Höhenlinien immernoch nicht richtig interpretieren, ich bin an der nächsten Weggabelung fälschlicherweise weiter nach oben gelaufen. Der Blick auf der Karte hat mir dann gezeigt, dass ich auf dem falschen Weg bin. Ich musste sogar noch ein Stück hinunter, kam auch bald an der Ruine Lichtenstein an.

Die wird auch Katzenburg genannt, denn von unten, vom Dorf aus betrachtet, sieht die Form so aus wie eine liegende Katze. Die Fenster geben dieser Katze dann noch ein Gesicht. Aber nein, ich wollte zur Ruine Grottenstein, die noch etwas weiter oben unter der riesigen Flue steht. Naja, steht… was halt davon übrig ist. Und das ist etwas weniger als eine Mauer. Der Weg dort hinauf hat mich dann noch ziemlich angestrengt, ich war ziemlich ko, als ich dort ankam.

Also erstmal Rucksack abgestellt und verschwitzte Klamotten getauscht. Danach die Höhle bzw. den Vorsprung erkunden. Fast überall aus den Wänden und der Decke sickerte und tropfte Wasser, an einigen Stellen weniger, so ab und zu mal einer, an anderen Stellen kam fast ein Rinnsal hinunter. Hat natürlich alles gespritzt, als die Tropfen auf den steinernen Boden gefallen sind. Es war also überall feucht in diesem Unterstand. Recht ungeschickte Verhältnisse für eine Burg. Nur ganz außen, auf der Mauer, dort wo die Sonne hinschien, war es so gut wie trocken. Es gab zwar ab und zu auch mal einen Tropfen in den Rucksack und auf mich, aber in der Sonne waren diese schnell wieder getrocknet. Hinsetzen, Füße baumeln lassen, das war eine Wohltat. Ausziehen wollte ich die Schuhe nicht, zu steinig und rutschig der Untergrund. Hier lag so alles rum, was irgendwie aus einer Kalksteinwand herausbrechen kann. Von groben Brocken über kleinere Steine, Kieselgrösse bis hin zu Sand, der sich mit dem herabfallenden Wasser vermischt hat. Die großen Steine waren rutschig, der Sand war matschig, alles dabei, nicht gerade gute Bedingungen, um in meiner Pause barfuß zu laufen. Zum Herumstöbern und Feuerholz sammeln hab ich zur Stütze meinen Wanderstab mitgenommen und hab ihn auch tatsächlich mal gebraucht.

Und wie ich so den Boden nach trockenem Holz absuchte, krachte es plötzlich ziemlich laut über mir. Das Krächen war so laut und so dumpf, das war kein Zweiglein und kein Ästchen, das war was größeres, welches beim herunterkrachen noch andere Äste mitriss und ein paar Meter neben mir krachend und splitternd zu Boden fiel. Wow… Was ein Schreck. Ich sollte doch öfter mal nach oben schauen. Beim Aufhängen der Hängematte achte ich ja drauf, beim Survival-Wochenende hab ich’s auch nochmal gelernt, aber jetzt hab ich’s mal live mitbekommen, wovor man immer gewarnt wird. Nun gut, ich hatte mein Feuerholz gefunden, in handgroße Stücke zerbrochen, zwei Hände voll gesammelt und zum Rastplatz getragen. Ich wollte das Wasser probieren, welches aus dem Fels kam, Schale druntergestellt, selber nass geworden vom Rumgespritzel und probiert. Schmeckt lecker, besser als das Wasser aus dem Bach von unterwegs. ’n Häppchen essen, ein Käfchen hinterher. A propos Käffchen… Ich will noch eine SMS schicken…

Als der Wind sich in der Höhle fing und sie einmal rundherum durchblasen hatte, fand ich das ja noch lustig, erst recht, als er mein Feuer weiter entfacht hat. Als er aber dann Kies in meinen Kaffee wehte, fand ich’s nicht mehr lustig. Der Wind wurde stärker, die Bewölkung hatte sich zugezogen, es wurde grau. Nach dem Abwasch hab ich sogar einen Donner gehört, könnte sich da ein Gewitter zusammenbrauen? Ich packe meine Sachen wieder ein und breche wieder auf. Hinunter zur Abzweigung, noch ein Blick auf die Katzenburg und dann hinunter nach Haldenstein.

Auf dem Weg komme ich noch an der Ruine von Burg Haldenstein vorbei, ein großer Turm auf einem großen Felsen, weithin sichtbar. Verglichen mit der versteckten Grottenstein Ruine. Durch das Dorf Haldenstein, an der Kirche vorbei und am Schloss Haldenstein hab ich einen Blick in den Rosengarten gewagt. Ob Schloss oder Burg, die Mauern waren etwa gleich alt… Unten am Rhein wieder angekommen, bin ich in den Bus gestiegen und über Chur wieder nach Hause gefahren.

 

Werbung

One response to this post.

  1. Posted by Buschang on 26. April 2012 at 10:25

    Endlich mal Fotos mit blau/grün Kontrast drin statt ewig schwarz/weiss/grau! 🙂
    Warst Du hier schon mal?:
    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Bernina_Brusio.jpg&filetimestamp=20081218195305 … sehr schön!

    Antworten

hinterlasse Deinen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: