Haldenstein Felsberg

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Wieder zurück aus dem Bergischen Land zog es mich heute wieder ins Bündner Land. Gestern Abend in Teufels Küche verbracht, wollte ich heute wieder in die Natur der Schöpfung. Es regnet, als ich in Haldenstein ankomme. Eigentlich regnet es schon die ganze Anreise, aber die hab ich größtenteils mit Lesen und Schlafen verbracht. Aber Regen kenne ich ja, also rote Regenjacke an, Regenschutz am Rucksack montiert und meinen Hut aufgesetzt.

Von der RhB Station Haldenstein habe ich den Rhein überquert, durchs Dorf hindurch den Wanderweg genommen, der bergan auf die unteren Hänge des Calanda Bergs führt.

Ich hab einen Kehrplatz gefunden und gleich ein Beweisfoto für Sonja gemacht. Hier heißt das wirklich so, nicht Wendehammer 🙂 In der nächsten Kehre (ich glaub, das nennt sich hier auch so, weil man ja auch die Richtung wechselt) stand ein Pferd und beobachtet mich, wie ich den Berg hinaufsteige. Doch plötzlich bekommt es Angst und flüchtet. War meine rot-blaue Erscheinung mit grossem Rucksack auf dem Rücken doch etwas ungewohnt? Zwei weitere Kehren und ich merke, dass ich hier in den Alpen doch etwas höher bin als letzte Woche und der Rucksack auch etwas schwerer ist als der von letzter Woche. Ich fange unter meiner Regenkleidung das Schwitzen an, mag ich gar nicht. Um mich unterzustellen und kurz zu verschnaufen gehe ich zu dem eingestürzten Stall, der auf einer Wiese steht.

Der Regen wird stärker, aber ich bin erstmal im Trockenen und erkunde den Stall. Ziemlich viele Spinnweben hängen hier von der eh schon niedrigen Decke, unter der ich kaum aufrecht stehen kann. Die Kühe sind nicht ganz so groß wie ich und wenn die Decke niedrig ist, ist’s auch etwas wärmer. Oben im Heuboden liegt noch Stroh, das wird auch nochmal gewärmt haben.

Aber ich traue mich nicht auf den Heuboden zu klettern, eine Ecke ist schon eingebrochen und selbst der mächtige Querbalken hat schon einen Knick. Ich möchte ja nicht selber auch noch einbrechen und gar mein Equipment begraben. Nach der Erkundungstour mit der Taschenlampe optimiere ich meine Regenkleidung. Regenhose noch drüber und statt der leuchtend roten Jacke den grünen Poncho angezogen. Inzwischen hab ich mich wieder aklimatisiert, aber es regnet immernoch. Jetzt sieht’s nicht mehr nach ein paar Tropfen aus, jetzt hab ich das Gefühl, dass es länger dauert. Ich nehme meinen Rucksack wieder auf die Schultern und versuche mit akrobatischen Verrenkungen, den Poncho über diesen zu ziehen. Dann noch elegant und mit Schwung, einer Drehung um meine eigene Achse, die Bändel hinten herum, unter dem Rucksack hindurch, wieder nach vorne zu bringen, damit ich den Poncho zubinden kann. Ich hab mich um meine eigene Achse gedreht, wie ein Hund, der sich selbst in den Schwanz beißen will 😉 und -boing- mir den Kopf an dem niedrigen Balken angehauen. Hmm, lecker, Spinnweben im Haar… Als ich dann nach diversen Verrenkungen und Drehungen so ungefähr regensicher eingepackt war, kam mich noch eine Hummel im Stall besuchen. Auch für sie nicht so das rechte Wetter. Jetzt war ich richtig gut eingepackt, konnte im strömenden Regen den Aufstieg fortsetzen. So ein tragbares (im Sinne von „wearable“) Poncho-Zelt ist schon was praktisches, vor allem weil ich die Hände reinnehmen kann. Zumindest eine Hand, denn der Wanderstock hatte keinen Platz mehr im Poncho. Na gut, eine nasse Hand draußen und eine trockene Hand drinnen. Die hab ich wie Napoleon in eine Schlaufe gehängt, war auch gemütlich warm da drin. Erst recht beim Aufstieg. Und ich brauche eine trockene Hand für mein iPhone, ich laufe heute wieder nach Karte und nicht nach Wanderweg.

Am Foppbrünneli traf ich ein paar Zeltler, die recht bedröppelt unter ihrem Vordach saßen. Kurz gegrüßt und ich bin weiter gegangen. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung.

Kurz drauf hatte ich eine atemberaubende Sicht über Chur und die dahinter liegenden Berge. Diese bilden ein Tal, in das ich über Chur hinweg hineingeblickt habe. Die Berge rechts und links bilden ein V an dessen unteren Spitze die Stadt liegt. Auf halber Höhe zogen Wolken vorbei, ungefähr auf meiner Augenhöhe. In dem Tal dahinter quollen auch Wolken, die einen schönen Hintergrund zu den vorderen Wolken bildeten und die hinteren Berge verdeckten. Oben drüber lag die „gemeine Wolkendecke“, die sich aber lichtete und etwas Sonnenlicht hindurch scheinen ließ. Das beleuchtete die hinteren Wolken und die vorderen Wolken wurden von hinten angestrahlt. Welch ein Lichtspiel! Und nicht nur das, die Wolken zogen auch noch umher, formten sich immer wieder neu, nahmen immer neue Gestalt an. Und all das über der Stadt Chur, die so kontrastreich künstlich mit ihren Stahlbeton-Hochhäusern das himmlische Spektakel ergänzte.

Der Regen störte mich nicht mehr, er tropfte auf meinen Hut, perlte von meinem Poncho ab, die rechte Hand am Wanderstab ist schon nass, ich konnte nicht nasser werden und hatte Zeit und Muße, dieses Schauspiel anzuschauen.

Irgendwann ließ der Regen dann nach und ich ging weiter. Bis zur nächsten Aussichts-Bank. Hier fesselte mich das Schauspiel nochmal und ich stand nochmal bestimmt eine Viertel Stunde dort oberhalb der Stadt und bestaunte das Licht- und Wolkenspiel, was sich mir dort bot. Es fing wieder an zu regnen und ich ging weiter auf dem Weg, der mich durch ein militärisches Übungsgebiet schickte.

Aber heute waren keine Übungen, so dass ich aus weiter Ferne die großen Kanonen auf dem Schiessplatz unten bei der Stadt bestaunen konnte. Ich kam an einer Höhle vorbei und war mir nicht sicher, ob die natürlich entstanden ist. Dann waren noch einige dieser gelben Plastik-Dinger, die aus ihrer Deckung gedreht werden können und dann mit Maschinengewehren durchsiebt werden. Diese Plastik-Teile waren vielleicht so gross wie ein Oberkörper. Fast unglaublich, dass sie von dort weit unten beschossen werden. Und die Einschusslöcher waren so klein… Aber ich hab ja keine Ahnung davon, ich war froh, dass heute schiessfreier Tag war. Und hab mich wieder mal mit der Frage beschäftigt, ob die rote Jacke oder der grüne Poncho sinnvoller sind.

Hinter dem Militärgelände ging’s dann wieder bergab ins Tal hinunter, an einer schönen flachen Stelle mit Gras und ein paar Bäumen beschloss ich, Rast zu machen. Ich zog meinen Poncho aus und hängte ihn als Dach zwischen die Bäume, spannte ihn noch mit zwei Schnüren ab. Ich hängte meine Hängematte als Sessel auf, zog die Schuhe aus und machte gemütlich Brotzeit. Im Schneidersitz in der Hängematte, mein Teller mit Brot, Wurst und Käse balanciere ich auf dem Schoss.

Der Beutel mit den Lebensmitteln hängt in Griffweite neben mir, so kann in auch bei nassem Wetter und nassem Boden gemütlich Pause machen. Der Regen kommt und geht, meistens tropft es eh noch aus den Bäumen. Zu meiner Rechten blinzelt die Sonne etwas aus den Wolken, ich schaukel gemütlich hin und her, lasse meine Socken trocknen und genieße das Draußen-Sein. Von allen Alternativen, die ich mir für heute überlegt hab, war Wandern immernoch die beste. Alle anderen Möglichkeiten wären geradezu „ins Wasser“ gefallen bei dem Regentag heute.

Nach der Pause hab ich mich wieder für die Regenjacke entschieden, der Poncho als Dach tropft schon durch. Alles ist irgendwie nass geworden, inklusive meiner Hängematte. Aber dank den Auto-Gurten am Baum, die sich nicht mit Nässe vollsaugen, gingen auch alle Knoten wieder auf und mein Lager war ruckzuck wieder im Rucksack verstaut. Dann ging der Weg den steilen Hang nach Felsberg hinunter, mir sind zwei Jogger entgegengekommen, die diesen steilen Berg hinaufjoggen! Für mich wär das ja nix… Aber sie können immerhin noch freundlich grüssen. Hier grüßt eh jeder, mich zumindest. Ein alter Mann kam mir entgegen, er meinte bedauernd, dass hüt de nüt isch mit flüüge, odr? Ich war mir nicht sicher… Fliegen? Wieso fliegen? „Ja“, er greift an meinen Rucksack, „ist das kein Gleitschirm?“ 🙂 Mit dem Regenschutz schaut er nicht mehr eindeutig nach Wanderrucksack aus. Einfach so ein großes, kopfhohes blaues Dings auf dem Rücken.

Ich komme noch an riesigen Felsen vorbei, die hier auf der Wiese rumliegen. Stimmt, vorne war ein Schild wegen Steinschlag, man soll hier schnell durchwandern und ein Aufenthalt würde auf eigene Gefahr erfolgen. Hab ich doch fast ignoriert, aber wie ich diese Felsen hier in der Wiese verstreut sehe, größer als die Bäume, bin ich doch erstaunt, was für Brocken hier runterkommen. Und dann schaue ich auf, weit oben, fast im Nebel, sehe ich die große Felswand, aus der diese Brocken herausbrechen und hinunterkullern. Unter der Felswand wächst nichts mehr, das ist ein einziges großes Trümmerfeld voll mit zerbrochenen Felsen.

Ich beschleunige meinen Schritt und überlege mir, wie das wohl klingen mag, wenn so ein Felsen hier herunterkommt. Kurz drauf bin ich in Felsberg angekommen, welch offensichtlicher Name für diese Ortschaft. Die Strasse vor, über den Rhein und zum Bahnhof, ich muss heute Abend wieder zu Hause sein. Zwei Minuten bei Regen und Wind warten, dann kommt die S-Bahn nach Chur. So ein alter Zug, der hat noch Toiletten mit direkter Entsorgung auf die Schienen. Ich wusste ja nicht, dass er schon in Chur einfährt… Also wenn ihr euch wundert, von wem das Häufchen im Bahnhof Chur ist… Ich war’s 😉

 

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3 responses to this post.

  1. Posted by Matze on 6. Mai 2012 at 15:18

    Ich hätt ja zu gern mal ein Bild mit Selbstaulöser gesehen, wie Du in Deinem Poncho, ähnlich einer Fajita-Rolle, den Berg raufgestapft bist! 🙂

    Antworten

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