Reise nach Narbonne

Nach etwas Aufräumen zu Hause und einer Stippvisite in der alten Arbeit, (ich musste meinen Wanderstab von Heinz abholen), bin ich mittags zum Bahnhof Bern gefahren und habe mir ein Bahnticket nach Narbonne gekauft.

Der „Schweizer Computer“ hat mir zwar eine Strecke mit Monpellier herausgesucht, aber am Bahnhof fand der „Französische Computer“ diese Verbindung gar nicht. Der Mann am Schalter hat mir dann eine Strecke mit Umsteigen in Nîmes herausgesucht, ich werde aber das Gefühl nicht los, dass das zum einen die selbe Strecke ist und zum anderen auch noch die gleichen Züge.

Auf nach Genf. In dem warmen Zug am Lac Leman entlang bin ich eingenickt und hätte fast das Aussteigen verpasst. Wär aber nicht schlimm gewesen, bis zum Genfer Flughafen gilt mein GA und Zeit habe ich auch genug. Eineinhalb Stunden in Genf, ich bin am See entlang geschlendert, hab im englischen Garten etwas Schatten gesucht und noch eine Glace geschleckt.

Und tatsächlich, der TGV, der mich von Genf nach Nîmes bringt, fährt weiter bis Montpellier. Aber jetzt habe ich die Platzreservierungen bis/ab Nîmes, kommt eh‘ auf’s Selbe raus. Und es ist ein TGV, der von Genf aus fährt, nicht erst ein Bummelzug nach Lyon, wie letztes Mal. Ich weiß aber nicht, ob er schneller in Lyon war, denn ich hab wieder geschlafen. Hinter Lyon hat er aber dann Gas gegeben und seine Grand Vitesse gezeigt. Knapp eine Stunde später war er dann auch schon in Nîmes. So wie die Dursagen im Zug geklungen haben, scheint heute einiges nicht ganz planmäßig oder so wie sonst zu laufen. Reisende nach Toulouse müssen heute in Nîmes umsteigen, nach Perpignan geht’s über Montpellier. Gut war der Zug viel früher als ich erwartet habe, in Nîmes. Ich hab schon befürchtet, ich muss wirklich innerhalb von sechs Minuten mich durch den fremden Bahnhof zurechtfinden. Aber selbst das wäre gegangen, auch wenn ich nicht eine viertel Stunde Zeit gehabt hätte. Denn dieser Bahnhof besteht nur aus drei Gleisen. Ich glaube, das ist wieder einer der Bahnhöfe, die extra für den TGV gebaut wurden, ähnlich dem TGV Bahnhof außerhalb von Avignon. Was ich hier in Frankreich auch praktisch finde, sind die allgegenwärtigen Zugstandsanzeiger. Ich muss in Wagen 8, an dieser Anzeige kann ich schon vorher sehen, dass ich auf dem Perron in Sektor T muss. Das erspart mir (bzw. den anderen Fahrgästen auch) den Stress, beim Einfahren des Zuges die Wagennummern zu verfolgen und dann plötzlich das Rennen anfangen zu müssen. Im Eingangsbereich des Zuges gibt es dann Hinweise, welche Sitznummern oben und unten sind, welche rechts abbiegen oder links. Ich finde, so geht das Einsteigen und Platz-Suchen viel angenehmer. Allerdings realisieren auch die Franzosen scheinbar nicht, dass auch Leute aussteigen wollen. Sie bilden eine Traube um die Türe und wundern sich dann, wenn sie den Aussteigenden Platz machen müssen. Aber darüber amüsiere ich mich ja schon in der Schweiz.

Dann ging es weiter, die letzten eineinhalb Stunden nach Narbonne. Wieder ein doppelstöckiger TGV, diesmal ist mein Sitzplatz oben, so kann ich noch besser übers Meer schauen. Ich sitze allerdings auf der falschen Zugseite, mal sehen, ob noch etwas anderes frei ist. Ja, tatsächlich, zwar nicht in Fahrtrichtung, aber dafür auf der Meer-Seite. Der Zug fährt allerdings nich direkt am Meer entlang, sondern „auf Sichtweite“ durchs Hinterland, durch Weinfelder und durch kleine Dörfer.

Die weißen Betonbauten von La Grande Motte konnte ich aber auch vom Zug aus sehen. Nächster Halt war Montpellier, ich bin also immer noch richtig und wenn ich mir den Reisevorschlag vom „Schweizer Computer“ so anschaue, lag er gar nicht so falsch… Bei Sète fährt die Bahn dann direkt am Meer entlang. Ich hab große Schiffe gesehen, Fischerboote, Hafenanlagen und diese großen Möven, die es hier hat. Jetzt ging’s zwischen Meer und Lagune weiter, rechts Wasser und links Wasser.

Und dann bin ich in Narbonne. Ein Mönch in brauner Kutte steht an der Tür, durch die ich aussteige; aber er wartet nicht auf mich. Es riecht nach Meer. Es ist warm, die Sonne versteckt sich allerdings schon hinter ein paar Abendwolken. Halb acht. Mal sehen, ob ich eine Übernachtungsmöglichkeit finde.

Das ging schnell. Mitten in der Stadt, quasi im Hinterhof der Kathedrale, habe ich ein kleines, billiges Hotel gefunden. 31€ die Nacht, ohne WC, aber mit Dusche auf dem Zimmer. Erklärungen und Erläuterungen, welcher Schlüssel wofür, usw. gabs auf englisch. Ich hab mal zwei Nächte gebucht, ich hab das Gefühl, ich muss mich vor der Wanderung erst noch akklimatisieren. Ich schwitze nur vom durch die Stadt schlendern. Für den Fall, dass ich übermorgen früh los möchte (ja, will ich), soll ich das Haus wieder abschließen und den Schlüssel in den Briefkasten werfen. Dann stieg ich in den dritten Stock, um mein Zimmer No. 24 zu suchen. Mich erwartet ein relativ großer Raum, zwei Fenster, ein zugemauerter Kamin, ein großes Bett und ein Tisch mit Stuhl.

Das Badezimmer ist groß, es hat sogar ein Bédé (wie schreibt man das?), und dass die Toilette fehlt, ist zumindest kein Platzproblem. Wenn ich den Fluchtplan so anschaue, hab ich scheinbar auch noch das grösste Zimmer auf der Etage. Ich reiss‘ erstmal die Fenster auf, damit etwas kühlere und weniger stickige Luft reinkommt. Dann inspizier ich mal die Toiletten, wenn ich sie denn finde. Den Gang wieder vor ins Treppenhaus, dort links, den schmalen dunklen Gang an den anderen Zimmern vorbei und nochmal links. War natürlich prompt besetzt…

Ich hab noch zu Abend gegessen, aus meinem Brotzeit-Sack, noch kurz geduscht und war noch vor neun im Schlafsack. Ich bin den ganzen Tag schon müde, ich weiß zwar nicht, wovon… Auf der Toilette auf dem Gang war ich inzwischen auch. Kein Kommentar.

 

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