Trans Sils

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Die kühle Nacht im warmen Schlafsack war recht angenehm. Ich hab zwar immer nur häppchenweise geschlafen, hab mich von den Lichtern im Tal verwirren lassen, gegen halb zwei war ein Reh in meiner Nähe und hat sich beschwert, aber gegen Morgen hab ich ziemlich gut geschlafen. Allein das Herauskriechen aus dem warmen Schlafsack fiel mir etwas schwer. Auf 1700 Meter Höhe ist es doch recht frisch.

Aber ich bin gleich in meine Klamotten gesprungen, hab Wasser aufgesetzt und mein Lager abgebaut. Danach war mir auch wieder warm. Gemütlich mein Poridge gelöffelt und meinen Kakao geschlürft, als der Specht anfing, die verschiedenen Bäume zu testen. Etwa eine Stunde nach dem Aufstehen bin ich los gezogen, die Strecke hab ich gestern Abend noch angeschaut: etwa 200 Höhenmeter noch hinauf, da müsste ich Wasser finden und dann hinunter zum See.

Und dann war ich oben auf der Alp da Traun. Geschafft. Was ein Ausblick! Die Wolken ziehen über die Berge hinweg, drüben am Vorderrhein eine dichtere Wolkendecke, aber hier, am Hinterrhein sind es einzelne Wolken. Und sie fliegen sichtbar schnell, man muss keine Zeitrafferaufnahme machen. Genauso schnell zieht aus das Wechselspiel von Licht und Schatten über den Heinzensberg. Von hier oben sieht er noch größer aus, von unten sieht man nur die Hälfte. Piz Beverin sonnt sich in der Morgensonne, Thusis erlebt auch gerade seinen Sonnenaufgang.

Der Wind dreht noch etwas, jetzt kommt er mehr von rechts als von hinter mir. Aber egal, aus beiden Richtungen wird er wohl ein paar mehr Wolken mitbringen. In Flims drüben (ich bin deutlich höher) geht auch gerade die Sonne auf. Wenn ich so auf Augenhöhe mit dem Flimserstein bin, zwar ein paar Kilometer weit weg, sieht er auch noch imposanter, noch grösser aus. Ich kann jetzt die Abbruchkante des Flimser Bergsturzes von oben betrachten. Unglaublich, wie groß der war. Vor mir, hinter dem Heinzensberg kann ich das Safiental sehen, hier hinein kam der Felssturz, zwei Kilometer weit und hat die Rabiusa erstmal gestaut. Jetzt hab ich den richtigen Blickwinkel und auch die Wander-Erfahrung, dass ich diese zwei Kilometer abschätzen kann.

Der Wind hat schon wieder etwas gedreht, jetzt kommen die Wolken von rechts vor mir. Und dort ist meistenteils blauer Himmel. Wird schon gut kommen, das Wetter heute. Ich sitze noch weiter staunend da, morgens um halb acht, auf der Alp da Traun. Einfach ein Traum.

Wasser habe ich gefunden, dann steige ich wieder hinab. Im kalten Schatten von Fulhorn und Fulenberg, wieder hinein in den Wald. Ich hab neben meinem Faserpelz sogar die Mütze aufgezogen, so kühl ist es. Und wenn ich Handschuhe dabei hätte, würde ich die auch gerne anziehen.

Na Super, jetzt bin ich zu früh abgebogen. Der Weg ging im engen Zick-Zack, uh steil durch nassen Wiesen hinunter und brachte mich auf eine Forststrasse, die nach Trans zurück führt. Ich bin einen Hügel zu früh hinuntergeklettert. Jetzt stehe ich wieder an der Stelle, wo ich mir gestern Abend den Übernachtungsplatz gesucht hab, oberhalb des Ferienlagers. Ok, dann halt doch durch Trans.

Aber der morgendliche Abstecher auf die Alp hinauf hat sich gelohnt. Ich hab jetzt wieder Wasser und eine tolle Aussicht hatte ich auch. Jetzt mach ich meinen Weg halt wieder ganz „unten herum“, durchs Tal, an den vielen Burgen vorbei. Wie ich's ja eigentlich auch geplant hatte. Auf dem Weg hat mein iPad im Rucksack immer wieder mal eine Mail weggeschickt, meine Bilder von gestern hochgeladen. Jedesmal, wenn wieder 3G verfügbar war, ging eine Mail raus und damit auch der Klang, der dabei abgespielt wird. Gut zu wissen, dass mein iPad auch arbeitet, wenn ich es durch die Gegend trage.

Dann kam ich in eine Herde Kälber. Hei, waren die aufdringlich. Alle auf einmal kamen sie angerannt, haben aber immer einen Meter Abstand zu mir gehalten. Als ich dann mal stehen geblieben bin, haben sie sich fast nicht getraut, ganz zu mir zu kommen. Das war schon ein Gruppending, gemeinsam haben sie sich dann getraut und mich mit der Nase angestupst. Oder an mir geknabbert, ganz vorsichtig. Oder mich abgeschleckt, das habe ich ja erwartet. Bis zum Weidezaun konnten sie mir noch folgen, dann war ich wieder alleine unterwegs.

Durch das stille Dorf Trans hindurch habe ich von dort aus den „oberen“ Wanderweg gefunden, der mich auf halber Höhe auf den nächsten Hügel bringt. Und von dort aus geht's zum See hinunter, wie heute früh geplant. Doch der Weg war eine asphaltierte Strasse mit Verkehr, ständig musste ich zur Seite stehen.

Hat keinen Spass gemacht und ging auch noch recht steil bergauf. Bei einer Alp bin ich einfach über die Wiese, anstatt dem Wanderweg weiter hinauf zu folgen. Und hab auch prompt die Alp-Wirte getroffen und mich mit ihnen ein paar Takte unterhalten, woher ich komme, wohin ich will. „Was? Draußen übernachtet? Nicht kalt gehabt? Und en Kaffee hän sie gha?“ mit einer einladenden Kopfbewegung in die Stube. Aber ich hab dankend abgelehnt, mich noch nach dem Wetter erkundigt und bin auf dem „Hinterausgang“ der Alp auf die andere Seite gekommen, wo es zum See hinunter geht.

Von dort an ging es immer bergab. Recht steil bergab. Auf einer Forststrasse, zwar besser als unwegsames Gelände, aber mit der Zeit auch recht mühsam. Und wie lang sich der Weg gezogen hat, noch eine Kehre, und noch eine, und noch eine, sonst wär es definitiv zu steil gewesen.

Ich kam an Sauerklee vorbei und an Walderdbeeren, die schon größtenteils reif waren. So pickte und pflückte ich mir mein zweites Frühstück, so langsam bekomme ich nämlich wieder Hunger. Endlich an der Talsohle angelangt, kam ich ins Dorf Dusch.

Dort hab in zwei Frauen beim Ratsch gestört und gefragt, ob sie ein Dorf-Lädeli haben. Sie haben gelacht und nach Paspels, das größere Dorf nebenan, gezeigt. Doch, Moment, auf dem Weg gäbe es ein Bauernhof-Laden, da könnte ich mich versorgen. Ob's dort Brot hat, wussten sie nicht, aber Wurst und Käse werde ich dort finden. Und Bier hat's, haben sie gemeint, zur Erfrischung 🙂 Ich hab das Lädeli auf dem nächsten Bauerhof dann gefunden, hab mich mit Wurst und Käse bedient, das Geld in die Kasse gelegt und bin nach Paspels weiter. Dort hat's einen kleinen Denner, aber nur mit riesigem Brot. Familiengrösse, viel zu viel für meinen Rucksack. Also zwei Brötchen gekauft und dann ab an den See.

Mittagspause am Canovasee. Wie ich es mal geplant hatte. Der Weg hierhin sollte zwar etwas anders aussehen, aber macht ja nichts.

Und wie ich nach fünf Stunden Wandern endlich am See angekommen bin, wollte der Typ mit seinem Auto noch Eitritt haben. Dass ich dafür auch noch Umkleiden und Duschen bekomme, konnte ich nicht sehen, die sind etwas im Wald versteckt. Also hab ich halt Eintritt bezahlt, bin in die Badehose gesprungen und hab mich in die warmen Fluten des Sees gestürzt. Ah, tut das gut. 🙂 23 Grad ist das Wasser, der See aber auch recht klein. Nach dem Schwimmen bin ich mit meinem halben Liter Wasser zur einzig offiziellen Feuerstelle der Gemeinde, der Aufseher hatte schon eingeheizt, und hab mein Wasser dort gekocht. Damit konnte ich dann z'Mittag essen und hab danach ausgeruht, mein Blog getippt, auf der Karte den nächsten Weg angeschaut.

Aber die Wolken kamen einfach nicht vor die Sonne, es war die ganze Zeit schönes Wetter und mir war viel zu warm. Deswegen hab ich mich in den Schatten verzogen. Aus dem Ausruhen ist tatsächlich ein Mittagsschlaf geworden, ich hab bestimmt eine Stunde geschlafen. Danach war's zwar immer noch zu warm, aber ich wollte weiter. Beim Aufbruch haben mich noch zwei Frauen aufgehalten, wir haben uns übers Wandern unterhalten und wo ich jetzt entlang müsste, um nach Sils zu kommen. Weniger als zwei Stunden hat sie gemeint. Naja, mal sehen.

Der Nachmittag war recht heiß, kaum Wind und die zwei Stunden haben sich ziemlich gezogen. Ich hab die ganzen Burgen und Schlösser verpasst, nur in Scharans habe ich mal aufgeblickt, weil mir die vielen alten Holzhäuser aufgefallen sind. Dort gibts auch einen großen Dorfbrunnen, ein Becken, doppelt so groß wie diese blauen Garten-Planschbecken. Und darin tobten zwei Jungs in Badehose, Taucherbrille und Wasserball. Ich hab mich weiter nach Sils geschleppt, auf die Carschenna wollte ich nicht mehr hoch. Aber sonst in der Umgebung ist alles bebaut und bewohnt, nichts mit ruhigen Waldstücken. Also habe ich mir ein günstiges Hotel gesucht und in einem richtigen Bett geschlafen.

 

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