Viamala hinunter

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Mit der Dämmerung stehe ich langsam auf. Es ist immer noch bewölkt, aber es regnet nicht. Nach dem Zusammenpacken meines Lagers mache ich mich an den Aufstieg zum nächsten Wanderweg, ich möchte nicht wieder durch den Hof hinunter, wo ich gestern hoch gestiegen bin. Am Wanderweg angekommen, mach ich erstmal Frühstuckspause.

Doch mit Feuerholz ist heute nichts, ich finde kein trockenes Holz, nichtmal die untersten Äste der Nadelbäume sind trocken. Also muss meine Brennpaste herhalten. Nur da ist schon wieder so viel Rost drin, dass sie auch mehr gelb als blau ist. Na, hoffentlich reicht das noch für einen halben Liter Wasser…

Ach ja… so eine heiße Schoggi am Morgen ist schon was feines. Muntert mich gleich wieder auf, denn das Wetter kann nicht viel zu meiner Aufmunterung beitragen. Die Wolken hängen tief und schwer auf meiner Höhe in den Hängen, ich kann kaum was von den umliegenden Bergen sehen. Aber es regnet nicht, das ist wichtig und in der Viamala kann man eh nicht weit sehen. Heute möchte ich diesen „anderen“ Weg durch die Viamala zurück nach Thusis laufen und von dort aus wieder nach Bern fahren. Ich hab gestern mit meinen Wanderfreunden noch geschaut, sie müssten von Bern aus dreieinhalb Stunden zu mir fahren. Und auch wieder zurück, macht sieben Stunden Fahrt. Nur für einen Wandertag ist das wirklich zu viel. Also haben wir beschlossen, morgen am Gantrisch zu wandern. Und so komme ich mal wieder nach Bern, ich müsste auch Heinz und Sylvia wieder mal besuchen.

Während mein Haferbrei quillt und ich meinen Kakao schlürfe hab ich noch meine Bilder von gestern beschriftet. Mein iPad hat auch diese Nacht Bild für Bild hochgeladen, heute früh waren sie schon alle online. Ich find das schon cool in der Schweiz. Irgendwo in den Bergen, widriges Wetter in einem Stall abwarten, aber Internet ist verfügbar. Swisscom hat schon ein gut ausgebautes Netz.

Nach dem Frühstück noch schnell Zähneputzen, dann gehts wieder hinunter nach Reischen. Hinunter 🙂 die Belohnung für gestern. Und nicht so steil, wie es hinauf ging, also hab ich länger was davon. Ich hab mir überlegt, ob ich einen Abstecher zur weltberühmten Kirche St. Martin in Zillis machen soll, aber das hebe ich mir auf für später mal. Zum einen will ich heute früh in Thusis sein, damit ich noch dreieinhalb Stunden nach Bern fahren kann, andererseits möchte ich mir dieses Highlight aufsparen für den Start nächste Woche.

Und dann ging's wieder runter. Ganz hinunter bis zum Rhein. Dem grünen Rhein. Wie er sich durch unzählige Felsbrocken schlängelt, rechts vorbei, links vorbei, da ein Strudel, dort eine Welle. Vorbei an diesen hohen grauen Felswänden, morsch, bröckelig, der ganze Fuss der Felswand ist ein einziger Schutthaufen. Auf der Strasse entlang ging's bis zum Campingplatz Rania. Hier sind auch die meisten Plätze fest vermietet und entsprechend die Wohnwagen mit Holzverschlägen „gesichert“ und zu kleinen und größeren Hütten umgebaut.

Hier begebe ich mich über zwei Steinbrücken auf die linke Rheinseite und folge dort dem Wanderweg am Fluss entlang. Es geht durch bauchhohes, triefnasses Gras, schon nach hundert Metern ist meine Hose total durchnässt. Doch bald führt der Wanderweg weg vom Fluss steil bergauf. Höher noch als die Brücke der Autostrasse, die hier das Tal überquert.

Und diese Autobrücke ist so hoch, dass ich sie gestern vom Fluss aus nicht aufs Bild bekommen habe. Recht anstrengend der Aufstieg. Aber dafür ist es bewölkt, nicht heiß und es weht ein kühlender Wind das Tal entlang. Und der Weg führt immer weiter nach oben, durchquert einen Tobel, führt noch weiter hoch. An vielen Stellen ist es rutschig von der Nässe, ich muss ganz schön aufpassen.

Dann stehe ich vor einer riesigen Felswand, grauer, massiver Fels, senkrecht abfallend, so steil, dass sich kaum Pflanzen drauf halten können. Ganz schön eindrücklich. Und dann sehe ich eine Tür mitten im Fels, das offene Ende eines Stollens. Hat hier das Militär etwa einen Einrichtung im Berg?

Danach gehts wieder abwärts, genauso steil, genauso nass und genauso rutschig. Das üppige Gras wuchert über den Trampelpfad, ein Ausrutschen liegt hier nicht drin, wohin sonst sollte man seinen Ausgleichsschritt machen? Aber zur Belohnung gibt's frische Himbeeren, frisch vom Busch. Mmh, schön süß.

Und dann bin ich da, im touristischen „Mittelteil“, dem engsten Teil der Schlucht. Um kurz nach neun, knapp zwei Stunden nach dem Frühstück. Gestern kam mir das Stück länger vor, und da bin ich nicht mal „oben herum“ gegangen. Ich lese mir die Informationstafeln des zweiten Raumes durch, die hab ich mir gestern extra aufgespart. Eine Handvoll Touristen sind da, alle dick in Regenkleidung eingepackt. Dabei regnet es gar nicht. Als ich weiter ziehe, binde ich meinen Faserpelz sogar wieder an den Rucksack. Gut, ich werde auch gleich wieder ins Schwitzen kommen. In der Schlucht unten krakeelen ein paar Cottbusser, versuchen sich in Jodeln, wahrscheinlich wollen sie das Echo testen.

Das kommende steile Stück kenne ich schon von gestern, da gibt es außer der Strasse keinen anderen Weg. Motiviert mich nicht gerade, aber was soll's…

Hmm, ging eigentlich noch. Gut, in meiner heutigen Richtung war's mehr steil abwärts als aufwärts, deswegen hatte ich den Streckenabschnitt beschwerlicher in Erinnerung. Heute dafür in rutschig-nass, auch nicht ohne. Aber nach einer viertel Stunde war ich an der Brücke mit dem Hinweis zum Besen-Beizli, hier überquere ich den Hinterrhein wieder auf seine Linke Seite und laufe Richtung Rongellen.

Auf der Asphaltstraße gehts Richtung Thusis vor, ich treffen einen alten Mann mit altem Hund, mit dem ich mich doch noch recht lange unterhalte. Wird kommen an einem Schild vor bei „Achtung Steinschlag“ mit einem weiteren Schild unten drunter „Wandern auf eigene Gefahr“. Ich frage den Mann, was das soll und er erklärt mir, dass im kommenden Teil der Strasse oft Steine runterfallen und entsprechend auf der Strasse liegen.

Als ich dann dort vorbei komme, sehe ich, was er meinte. Die Leitplanke ist überall beschädigt, überall liegen Trümmer und Splitter herum, dieser Abschnitt scheint tatsächlich sehr gefährlich zu sein.

Und auf der gegenüberliegenden Seite sind diese großen, senkrechten, zerklüfteten Felswände unterhalb des Wanderwegs von Carschenna in die Schlucht. Imposant, fast schon dramatisch diese riesige Felswand. Und ganz vorne steht sie Felsnase von Hohen Ratien. Von hier unten sieht die Burg noch unbezwingbarer aus.

Gegen Mittag erreiche ich Thusis nach ca. vier Stunden Wanderung. Ich hab noch etwas Kleines zu Mittag gegessen, deswegen meinen Zug verpasst. Aber nur eine Stunde später fährt schon der nächste Richtung Chur, Zürich und Bern.

 

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