Von Maloja nach Segl

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Au Mann, was ist das denn für ein Wetter? Hab ich dieses Kapitel aus Eragon doch bei so schönem Wetter verlassen und nichtmal eine Woche später…: Dunkle Wolken, Regen, Gewitter… Schon die Hinfahrt gestern Abend war fast schon bedrückend, als mich die Albula-Linie der Rhätischen Bahn quer durch enge Schluchten und Täler und durch dunkle Wälder gefahren hat, jedes Tal grau und trüb und abends um sechs schon fast dunkel. Was war wirklich ein Wetter, wo man ein zu Hause haben will, wohin man heimkommen kann. Auf alle Fälle kein Wetter um noch die Hängematte irgendwo aufzuhängen. Schon im Dunkeln und im Gewitter kam ich nass an die Jugendherberge in St. Moritz. Hier war noch ein Bett frei und etwas zu Essen gab's auch noch. Mein zu Hause für heute.

Und am nächsten Morgen hat es immernoch geregnet. Ich wollte eigentlich um sieben aufstehen, hab mich aber nochmal herumgedreht und bis acht Uhr weiter geschlafen, bevor ich zum Frühstück runter ging. Aber auch aus der grossen Fensterwand des Frühstückssaals sah es echt trüb aus. Das hat man davon, wenn man so eine tolle Aussicht über das Tal hat, bei dem Wetter sieht man halt auch das ganze Tal voller Wolken. Nach dem Frühstück hat der Regen zwar aufgehört, aber richtig motiviert war ich nicht. Ich stand im Zimmer, ich hatte wieder ein Vier-Zimmer für mich, schaute aus dem Fenster und wusste nicht so recht… Was soll ich tun? Ich hatte nur eine Nacht gebucht, musste also bald mal raus.

Also dann halt den Rucksack gepackt und zum Bus vor. Fahr ich mal nach Maloja, zum Torre Belvedere, vielleicht sieht die Welt dort ja besser aus. Nach der halben Stunde Busfahrt bin ich noch zur Käserei (Latteria), hab dort zwei Äpfel gekauft und mich für einen Käse beraten lassen, den ich ungekühlt ein paar Tage im Rucksack herum tragen kann. Sie hat mir dann einen empfohlen und gleich ein Stück eingepackt. Leider weiss ich den Namen nicht mehr (ich tippe den Blog am Abend nachträglich). Noch beim Brunnen vorbei, den Rucksack richtig schwer machen und dann bin ich die 12 Minuten zum Torre Belvedere hinauf gestiegen.

Vom Bergell aus kamen Wolken hinauf. Mal rechts am Turm vorbei, mal links vorbei, ein zügiger Wind ging, mal oben herum, mal unten herum. Mal konnte ich die Bergipfel sehen, aber nicht einmal den Fuss des Turms, dann wieder konnte ich unten das Dorf sehen, aber nach oben hin war zu. Und das war zu jeder Minute anders, ziemlich schnell sind die Wolken gezogen.

Mit grosser Geschwindigkeit kamen sie das Bergell hinauf, ritten wie wild, wie ungestüme Hengste, übereinander, untereinander, nebeneinander, überall hin und kreuz und quer. Ein interessantes Schauspiel. Gut, bin ich doch noch hier her gekommen…

Als die Wolken die Sicht nach oben mal wieder freigaben, konnte ich ungefähr die Richtung zum Lägh dal Lunghin sehen, wohin ich eigentlich wollte. Das schöne an dieser Aussicht war, dass ich oben drüber den blauen Hmmel gesehen hab. So dicht kann die Wlkendecke also nicht sein, und von oben sieht dieser ins Tal drückende Nebel sicher auch wieder anders aus. Also habe ich mich auf den Weg gemacht, hinauf zum See.

Gemütlich, mein Rhythmus zwar langsam aber gleichmässig, bin ich hinauf gestiegen. Eine Familie mit kleinen Kindern hab ich überholt, eine einzelne Wanderin hat mich irgendwann überholt, es war doch einiges los hier. Ich hab auch ein Pärchen weiter oben gesehen, die immer den gleichen Abstand zu mir hatten, sie waren etwa gleich schnell wie ich. Und die Aussicht wurde immer beeindruckender. Weisse Wolken, die neben mir den Berg hinauf wabern, wieder zurückfallen, mal den Himmel zeigen und mal das Dorf unten im Tal. Bei jeder Kehre musste ich stehen bleiben um diesem Schauspiel zuzusehen.

Und wie schnell sich das alles bewegt, beeindruckend. Und welche Räumlichkeit da zu erkennen war, wenn Wolkenbänder unter mir durch dieses Tal ziehen und oben schauen die Berge heraus. Wie gross und mächtig dieser Raum dann wirkt, wenn die ganzen grossen Wolken locker dort durch ziehen können, ohne rechts oder links im Tal anzustossen. Dann ging ich wieder ein paar Schritte hinauf, hatte wieder Aussicht nach oben, dann wieder nach unten, mal stand ich mitten in der Wolke, dann hat die Sonne wieder gewärmt, ein ständiges Wechselspiel war das.

Dann hab ich den Mann des Pärchens weiter oben überholt, er hat mich angesprochen und wir haben uns über dieses tolle Wetter unterhalten. Er hat mir erklärt, wie das zustande kommt, wo wie wann welcher Wind welche Wolken wohin treibt; sehr aufschlussreich. An den Mann muss ich mich halten, dachte ich mir, er hat Ahnung von diesem wechselvollem Bergwetter. So sind wir uns unterhaltend gemeinsam nach oben gestiegen, weiter oben hat seine Frau auf uns gewartet. Ich hab sie gefragt, ob der „obere“ Weg nach Sils hinunter machbar wäre. Ja, locker, haben sie gemeint und sie wollten diesen Weg auch gehen. Nur das Wetter war den beiden etwas zu unsicher, es könnte noch Regen geben. Aber da kennt er sich ja aus. In lockerer Gruppe sind wir dann weiter hinauf, bis ich als erster am See ankam.

Der Lägh dal Lungin, auf deutsch Lunghin-See. Der Ursprung des Inn. Wir sind hier in der Schweiz schon ein Wasserschloss und hier in diesem See entspringt der Inn, der mehr als 500 km weiter unten in die Donau fliesst. Und der Pass links oben, der Lunghin-Pass, ist eine dreifache Wasserscheide.

Wasser, was von dort aus nordwärts fliesst, landet im Rhein und damit in der Nordsee, Wasser nach Süden fliesst über den Po in die Adria und Wasser auf unserer Seite fliesst über Inn und Donau ins Schwarze Meer. Ich stand quasi im Mittelpunkt der europäischen Wasserverteilung. Naja, zumindest fast, denn zum Pass hinauf sind wir dann doch nicht.

Das Pärchen kam kurz nach mir an den See und auch gleich zu meinem Rastplatz, an dem ich schon meinen Rucksack abgestellt und meinen Pulli angezogen hab, denn hier oben weht doch ein rauher Wind. Das sei der Nordwind, hat mir der Mann dann erklärt und der sorgt dafür, dass die heraufziehenden Wolken aus dem Bergell wieder zurück gedrängt werden. Und er hat mir erklärt und gezeigt, wo und wie man das sehen kann, wo die Fronten den Winde aufeinander treffen, Wirbel und Strudel bilden, die in den Wolken sichtbar werden, wie die inzwischen grauen Wolken wieder zurück gedrängt werden. So erklärt war das noch interessant, heute hab ich einiges über das Wetter gelernt.

Wir haben kurz Brotzeit am See gemacht, inzwischen kamen dunkel graue Wolken an und der Nordwind hatte keine Lust mehr, sie zurück zu drängen. Ich war froh, hatte ich die Wetter- und Gegend-kundigen um mich herum, denn alleine hätte ich es bei dem See belassen und wäre auf dem selben, bekannten Weg wieder hinunter gegangen. Zu ungewiss war mir das Wetter und der kommende Weg. Und bei Regen eine unbekannte Felswand durchsteigen wollte ich auf eigene Faust auch nicht.

Ich hab gefragt, ob ich mich den beiden anschliessen darf und so sind wir den weiteren Weg gemeinsam gegangen. Jean-Pierre (den Namen kann ich mir merken) und Eli (? bei ihrem Namen bin ich mir nicht mehr sicher) waren sehr nett und wir haben uns über alles Mögliche unterhalten. Es waren spannende Gespräche, die wir geführt haben, der Abstieg ist uns nicht langweilig geworden.

Und immer wenn Jean-Pierre das Wetter beobachtet hat, hat ihm der Kampf zwischen dien Winden gefallen, er hat davon geschwärmt, wie wechselhaft dieses Wetter sein kann und dass es immer wieder aufreissen kann. Die beiden fahren schon seit zwanzig Jahren hier her und sie kennen das Wetter langsam. Und immer wieder hatten wir Glück, dass es wieder aufgerissen hat, wir konnten immer wieder die tolle Aussicht über die Seen geniessen, immer wieder waren wir froh, dass der Nordwind wieder auffrischte und wir hatten richtig Glück mit dem Wetter. Hinter uns, wo wir herkamen, hingen die dunklen Regenwolken in den Bergen, aber sie kamen maximal mit unserem Wandertempo hinter uns her, sie haben uns nie eingeholt.

Und so sind wir uns unterhaltend den ganzen Weg hinunter, durch ein kleines „Seitental“, welches von unten gar nicht erkennbar ist, gewandert, bis wir nach knapp sieben Stunden in Sils unten angekommen sind. Ja, so hab ich mir diese Strecke vorgestellt, das ungefähr war mein Tagesplan. Ich war so froh, hatte ich die beiden Wetterkundigen dabei und Unterhaltung hatte ich noch obendrein. Ein erfolgreicher Wandertag also. Nur hatten wir in Sils gerade den Bus zurück nach St. Moritz verpasst, die eine Stunde Warten haben wir noch mit einem Dorf-Spaziergang verkürzt. Die beiden hatten noch einen Termin und waren etwas spät dran, auf mich hat nur das Abendessen in der Jugendherberge gewartet. Aber pünktlich um acht war ich da und hab auch noch was zum zNacht bekommen.

Den Abend wollte ich dann mit Blog schreiben verbringen, hab mich aber noch ausgiebig mit Phil, meinem Zimmergenossen aus Neuseeland, unterhalten, später kam noch ein Deutscher dazu (hab vergessen nach seinem Namen zu fragen, in der Jugi ist man eh per Du) und so bin ich auch ohne Blog schreiben erst gegen viertel vor eins ins Bett gekommen.

 

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