La Chaux-de-Fonds St. Imier

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Um sieben war ich wach. Als ich den Kehricht vors Haus gestellt hab, war es noch dunkel, kalt und feucht. Ja, der Herbst ist da. Und ich kann von Glück sagen, regnet es aktuell nicht. Irgendwie hab ich die schönen Herbsttage heuer verpasst… Ich hab meinen Rucksack gepackt und wollte in den Jura. Aber dieses dunkelkaltfeuchte da draußen hat mich nicht wirklich angemacht. Außerdem war ich noch müde und so hab ich beschlossen, mich nochmal hinzulegen.

Als ich wieder aufgewacht bin, war es schon wieder Mittag. Was in mir braucht denn zur Zeit so viel Schlaf? Schon die letzte Woche hätte ich fast nur schlafen können. Vielleicht liegt das ja an meiner einsetzenden Herbst-Krise… Ich hab dann den Rucksack geschnappt und bin nach La Chaux-de-Font gefahren. Auf dem Weg durch die schönen Jura-Täler hab ich auf einem Berg Raureif gesehen. Alles war fein überzuckert mit Weiss. Nein, ich muss mich geirrt haben, das sind bestimmt graue Felsen zwischen den Bäumen. Doch als ich daran vorbeigefahren wurde, war ich mir immer sicherer, das war wirklich gereiftes Weiss. Und das noch am Mittag. Jetzt kann ich mir ja vorstellen, wie kalt es nachts werden muss. Kaum hab ich mich fertig gewundert, kam ein Bild von Mai-Britt, auf der Kleinen Scheidegg liegen schon 10 Zentimeter Schnee. Der Winter ist wirklich im Anmarsch.

In La Chaux-de-Fonds angekommen, waren es nur drei Grad, es war grau und trüb, die Wolken hingen tief, von der Sonne keine Spur zu sehen. Ich machte mich auf den Weg, rechts zum Bahnhof raus, durch die Hochhaussiedlung den Berg hinauf. auch hier gibt es eine Eisenbahn, die in der Stadt auf der Strasse fährt. Das hab ich letztens im Puschlav auch schon gesehen.

Und als ich aus der Stadt heraus war, stand ich auf diesen typischen Weiden des Jura, durch vermooste Steinmauern und einzelne Bäume eingefasst. Mit den Wegen, die nicht wirklich erkennbar sind, an denen man gut zielen muss, wohin der Wegweiser quer über die Wiese zeigt und ob in dieser Verlängerung wieder eine gelbe Markierung ist. Es roch nach Winter, ich musste an Schnee denken und an unseren Finnland-Urlaub Anfang Jahr.

Ich stapfte durch matschige Wiesen, zwischen vielen jungen Kühen hindurch und hing meinen Gedanken nach. Snowboarden oder Pilgern? Pilgern im Winter wird genauso eine Herausforderung an die Ausrüstung stellen wie im Sommer. Und mit Hängematte wird das erst recht nicht gehen. Im Winter werde ich definitiv von Herberge zu Herberge gehen müssen, was wahrscheinlich etwas teurer wird.

Es ging über die sanften Hügel des Jura, immer ein bisschen bergauf in Richtung Mont Soleil. Quer über die grünen schmatzenden Wiesen, die Kühe haben den Kopf gehoben, als ich vorbei kam, sich aber nicht durch mich stören lassen. Eine Kuh hinter einem Zaun hat irgendwie mit einem Strauch versucht, sich an der Stirn zu kratzen, hat nicht ganz geklappt.

Am Telegrafenmasten hat sie's dann nochmal versucht, aber mehr als lustige Verrenkungen hat das wohl nicht gebracht. Ich hab ihr angeboten, dass ich ihr helfen würde, aber sie hat mich nicht recht verstanden. Und über den Stromzaun steigen wollte ich deswegen auch nicht.

Bald hab ich Schafe getroffen, braune und schwarze, als sie mich neben ihrer recht kleinen Weide entdeckt haben, sie sie ganz erschreckt ein paar Schritte weggelaufen und haben sich vorsichtig zu mir umgedreht. Die Hälfte von ihnen haben dabei zu pinkeln angefangen. Bin ich so schrecklich anzuschauen, dass sie grad es Angst-Bisi müesse mache?

Und weiter hinauf, langsam aber stetig, ein Stückchen über die Strasse, dann wieder auf Feldwegen. Vorbei an einer Auberge mitten in der Pampa, allerdings heute geschlossen. Ich hab Schilder mit Hufeisen und Richtugspfeilen gesehen, das hat mich an unseren Urlaub mit dem Planwagen erinnert. Das war auch fast in dieser Gegend hier. Und das war auch recht frisch in der Nacht, obwohl wir dort im Stroh geschlafen haben. Dann kam ich an Pferden vorbei, aber deren Koppel war so groß, dass die mich gar nicht mitbekommen haben.

Und wieder Kühe. Und Schwarze Kühe. Und dann mal eine Allee aus Kastanienbäumen, die zu einem Hof hinführen. Große, ausladende Kastanienbäume, uralt, fast wie in bayerischen Biergärten. Alle in einer Reihe, nein, in zwei Reihen mit dem Kiesweg mittendrin. Der war über und über mit heruntergefallenen Kastanien und deren Fruchthülsen übersät, ich konnte kaum einen Schritt tun, ohne auf eine Kastanie zu treten. Ganz schön wackelige Angelegenheit.

Und das Schönste an dieser Allee war die Mauer an der Seite, die Begrenzung der Wiese nebenan. Gemauert aus den hier typischen Steinen und schon so alt, dass sie über und über mit saftig grünem und weichem Moos bewachsen war. Diese Allee führte mich zu dem Hof, auf dem fleißig gehämmert und geklopf und gesägt wurde.

An diesem Lärm wieder vorbei hab ich die ersten Windräder gesehen. Und das Schönste: die Wolken machten auf und ließen die Sonne durch. Strahlend Grün wurde das Gras plötzlich, viel heller, viel freundlicher. Hab ich's doch noch geschafft, einen schönen Herbsttag zu erwischen.

Bald konnte ich den Chasseral sehen, den höchsten Berg in der Gegend mit seiner markanten Antennenanlage oben drauf. Auch er war weiß gezuckert, wie ein erster Hauch Schnee, der sich drauf festgesetzt hat. Es wird wirklich bald Winter. Doch ich hatte um mich herum immer mehr blauen Himmel und die wärmende Sonne im Rücken.

Ich kam zur Pferdezucht „Mont Soleil“ mit vielen Koppeln und Ställen und vielen Pferden, die so herumstanden. Interessanterweise kein einziges Auto und kein Mensch zu sehen. Wohl auch Montags Ruhetag, wie die Auberge vorher. Ich dachte, das sei erst in Frankreich üblich, dass Montags alles zu hat. Haben zumindest die Pilger geschrieben, deren Geschichten und Blogs ich gelesen hab.

Noch eine Stunde bis St. Imier, ja das war dann eine gemütliche Nachmittagsrunde. Noch etwas weiter über abendsonne-geflutete Wiesen, durch den einen oder ändern Zaun hindurch, wieder zielen, wohin der Wegweiser zeigt und gaaanz hinten in der Ferne, am anderen Ende wieder Wiese stand dann der nächste Wegweise. Dazwischen läuft man einfach auf der Wiese, muss drauf achten, dass man keine Maulwurfhügel durch die Gegend kickt oder in die Fusstapfen der Kühe steigt. Einmal bin ich umgeknickt, aber so weich wie der Boden ist, was das nicht schlimm.

Dann ging der Weg rechts hinunter in das Tal, zu dem ich schon eine ganze Weile oben parallel laufe. Dort unten ist St. Imier (auf deutsch St. Immer). Durch den Buchenwald mit seinem herrlich brauenden Herbstlaub über diese typisch jurassischen Steine. Herrlich, ich mag diese Gegend sehr.

Leider hat das Buchenlaub nicht geraschelt beim Hindurchlaufen, es war alles nass und feucht. Da musste ich ganz schön aufpassen, dass ich nicht ausrutsche und mich auf diese Steine setze. Unten angekommen hat das Dorf noch im kräftigen Orange der Abendsonne gebadet, die umliegenden dunkelgrauen Wolken haben einen starken Kontrast dazu abgegeben. Und danach einer Viertelstunde durch die Stadt schlendern kam dann der Zug nach Hause zurück. Und es ist schon wieder dunkel.

 

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