Bern Kiesen

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Heute geht es los. Das Wetter ist viel besser als gestern, es ist nicht all zu kalt, zwar bedeckt, aber in den verschneiten Bergen kommt schon die Sonne durch. Auf nach Thun.

Vom Jahn aus bin ich über die Kleine Schanze zum Münster gelaufen. Auf dem Weg hatte ich schon mein erstes Gespräch über meine Reise. Und schon die ersten Glückwunsche für auf den Weg. Über den Bundesplatz am Bundeshaus vorbei und durch die Gassen der Berner Altstadt bin ich auf das Kopfsteinpflaster des Münsterplatzes gelangt. Doch im linken Eingang stand ein Schild, dass das Münster erst um 12°° öffnet. Hmm. Jetzt ist acht…

Ich bin einmal drumherum, aber alle Türen waren verschlossen. Ohne Stempel losziehen? Ohne den ersten Stempel, mit dem ich meinen Start in Bern dokumentieren wollte? Nein. Ich hab eine Telefonnummer des Pfarramtes gefunden und dort angerufen. Die sehr hilfsbereite Dame, die sogar schon im Büro war, konnte mir leider auch keinen Stempel geben. Aber sie erkundigt sich und ruft mich zurück. Wow. Keine fünf Minuten später bekomme ich dann den Rückruf. Sie hat den Sigrist aufgeboten. Und noch während sie mir das erzählt, winkt der Sigrist auch schon am offenen Eingang. Das ging ja fix 🙂

Ich durfte mich im Münster umsehen und hab mir dann im Büro des Sigrist den ersten Stempel in meinen Pilgerpass drücken lassen. Am Ausgang gab es mit einem Händeschütteln Alles Gute und Gottes Segen mit auf die Reise. Als ich mich noch kurz auf der Münsterplattform aufgehalten habe, kam sogar die Sonne ein bisschen durch die Wolken. Ja, so ein Start gefällt mir 😀

Mit Berns einzigartiger Senkeltram bin ich dann hinunter zur Aare gefahren.

Ein letzter Blick zum Bundeshaus hinauf und dann bin ich los gegangen. Die Aare aufwärts. Am Tierpark vorbei an den Wildsau Frischlingen und den Pelikanen, hinein in den Auenwald der Aare. Noch nicht viel Grün hier. Dafür wird in Muri gebaut, Ufer befestigt, neue Brücken über Nebenarme der Aare gebaut.

An der alten Auguetbrücke hab ich einen Brunnen gefunden und mein Trinkwasser aufgefüllt. Das Wetter wechselt zwischen leicht sonnig, bewölkt, trocken und leichtem Regen mit ab und zu etwas frischem Wind. Ich hab den Faserpelz und die Regenjacke griffbereit am Rucksack hängen, so kann ich schnell wechseln. Ich laufe im langärmligen T-Shirt, wenns kühl wird noch den Faserpelz drüber, wenns regnet oder der Wind auffrischt, statt dessen die Regenjacke. Und wenn’s kalt werden sollte, kann ich Faserpelz und Windstopper gleichzeitig anziehen; Mütze, Handschuhe und Regenhut hängen griffbereit am Gürtel.

Es ist schön, wieder mit meinem Wanderstab unterwegs zu sein. Seine glattgegriffene Rinde schmeichelt meinen Fingern, wenn ich ihn trage, ich erkenne ihn an seiner Form, an seinen Rundungen. Meine Finger finden automatisch die Griffmulde und die Stelle, an dem ich ihn waagerecht trage. Und ich mag seinem Ton, wenn ihn auf einen harten Stein aufsetze. Oder wenn ich ihn auf den Waldboden stelle. Er hat seinen ganz eigenen Klang. So marschiert er neben mir her, drei Schritte langsamer als ich. Immer im selben Takt. Dabei schwingt er in meinen Fingern vor und zurück, wie ein Metronom. Er gibt mir Halt in rutschigen Passagen oder lässt sich schön waagerecht neben her tragen. Er hat ein Astloch genau in der Mitte, wenn ich meinen Mittelfinger in dieses Astloch lege, balanciert er sich fast selbst aus und ich kann ihn mit dem einen Finger tragen. Zeigefinger und Ringfinger helfen manchmal bei der Balance. Fast so, als würde er neben mir her schweben 🙂

Zur Mittagspause hab ich ein schönes Stück Ufer gefunden, mit einem Baum und einer Bank drunter. Die Sonne kam langsam raus, der Himmel wurde immer blauer. Ich hab meine Schuhe und Socken ausgezogen und bin in die Aare gestiegen. Recht frisch… Am Schwimmbad war 6° angeschrieben. Nach dem Fußbad frische Socken angezogen, die Füße wurden recht schnell auch wieder warm. Ich hab mir eine Portion Nudeln gemacht, als verspäteten Brunch. Mir fällt auf, ich war gar nicht einkaufen. Nichtmal Obst hab ich dabei… Beim Kochen und Essen frischte der Wind auf, war recht kühl. Hatte Faserpelz und Windstopper gleichzeitig an. Und Mütze und Handschuhe an. Aber es war fast schon sonnig.

Beim weiteren Weg lief ich über den Waldweg durch die Auen. Schön weich und angenehm zu laufen, mal ein paar Wurzeln, mal ein paar Steine. Die Autobahn kommt näher, ich höre die Autos vorbei rauschen und die Lastwagen singen mit ihren Reifen das Lied der Strasse.

Die Sonne kommt raus, am Nachmittag ist es richtig schönes Wetter geworden. Eine Bank am Fluss lädt mich zu einem Sonnenbad ein. Mein Rucksack ist schwer, ich mache öfter Pausen, um meine Schultern und Beine zu entlasten. Er ist nicht zu schwer. Dafür, dass ich alles dabei habe. Meine ganze Habe. Aber ich bin es noch nicht wieder gewöhnt, meinen Rucksack zu tragen. Wo ich doch fast vier Monate auf dem Snowboard stand. Ich bin froh, habe ich die gusseiserne Pfanne bei Jahn gelassen.

So schön, in der Sonne zu sitzen, schön warm. Die Vögel zwitschern, der Fluss rauscht. Leise im Hintergrund rauscht die Autobahn. Angenehm. Ich laufe weiter. Ich komme deutlich langsamer voran, als ich dachte. Ich plane meinen Nachmittag und Abend.

Nach fünf Stunden und 20 Kilometern mag ich nicht mehr. Die Sonne scheint noch warm vom Himmel, ihrem Stand zur Folge habe ich noch zwei Stunden Licht. Ich komme an ein paar Felsen am Fluss, stelle meinen Rucksack ab und setze mich in die Sonne. Genug für heute. Ich suche mir Bäume im passenden Abstand. Hier macht der Uferweg einen Bogen in den Wald, um eine Feuerstelle herum. Hier kann ich mein Tarp so aufbauen, dass man mir vom Weg auch nicht reinsehen kann. Wind frischt auf, ich spanne meinen Poncho noch als Windschutz auf. Als ich bei den letzten Befestigungen bin, steigert sich der Wind und bläst mir heftig in das Tarp. Also durfte ich einem Hering hinterher springen, hab ihn in der fortgeschrittenen Dunkelheit nicht mehr gefunden, versuche die Ecke vom Dach mit meinem Rucksack zu beschweren, da kommt mir mein Windschutz in den Rücken geflogen. Also auch den nochmal aufspannen, jetzt heißt es, im Dunkeln all die Knoten zu machen. Gut habe ich das oft genug geübt. Es regnet zudem noch, der Wind bläst mir die kalten Tropfen um die Ohren und die klammen Finger. Und trotzdem schaffe ich es, die ganze Abspannerei recht wind-stabil hinzubekommen. Und als ich fertig war, legte sich der Wind auch wieder. Als hätte er mich testen wollen… Inzwischen war es dunkel geworden und ich war recht k.o. Ich hab meine Hängematte unters Dach gehängt und bin in den Schlafsack gekrochen. Es ist nasskalt, aber mein Schlafsack wird mich warm halten. Die Klamotten sind wasserdicht eingepackt, den Faserpelz hab ich zum zusätzlichen Wärmen um die Hüften gebunden.

 

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