Tag in Thun

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Am Rathausplatz kommt Leben auf, Menschen gehen vorbei, die Stadtreinigung fährt mit den kleinen Elektromobilen rum. Ich wache auf im Zunfthaus zu Metzgern. Packe gemütlich meine sieben Sachen und breche um neun auf. Zum See vor, auf eine sonnengeflutete Bank. Ein herrlicher Morgen, blauer Himmel, die Sonne scheint. Ich mache es mir auf der Bank gemütlich und lese den Alchimisten fertig. Spannende Geschichte. Zwischendrin war ich bei der Bank, es ist wohl immer noch nicht der 21., zumindest hat die Deutsche Bank mein Geld noch nicht überwiesen. Kurzer Kassensturz, ok für einen Kaffee reichts noch. Draußen vor dem Café, wieder in der Sonne, sitze ich und lese die letzten Seiten von dem Buch. Und da kam auch schon Alex angesprungen. Wir hatten uns zum Kaffee verabredet und bei der Gelegenheit hab ich ihre Bücher zurückgegeben, die ich schon ein paar Tage mit mir herum trage. Kann ich endlich den wasserfesten Sack wieder für meine Wäsche nutzen 🙂 Wir haben uns angeregt unterhalten, Geschichten erzählt und uns gefreut, dass es endlich wieder wärmer wird. Beim Abschied habe ich noch kurz Yuck getroffen. Immernoch der selbe. Nur etwas grau geworden 🙂

Alex musste wieder los, meine Aufgabe in Thun war erfüllt. Ich konnte weiterziehen. Aber morgen ist Samstag, da hab ich mit Mat und Kat abgemacht. Und ich bin schon zu weit gelaufen, als dass ich zu Fuß beiihnen vorbei schauen kann. Also werde ich mit dem Zug hinfahren. Und der fährt in Thun. Wär also doof, wenn ich jetzt schon weiter nach Amsoldingen gehe und morgen früh die Strecke wieder nach Thun laufen müsste. Und wie ich mir das so überlegte und mich etwas über das Finanzdebakel der Deutschen Bank geärgert hatte, kam ein junger Mann auf meine Bank. Ob ich auf Reisen bin, woher und wohin und über Politik haben wir geredet. Aber auch er hatte nicht wirklich eine neue Idee für mich.

Also bin ich gegen halb fünf mal aus der Stadt gezogen. Kein Geld mehr, also muss ich draußen schlafen. Und dafür muss ich etwas raus aus der Stadt. Am See entlang. Eine Stunde etwa, dann ging die Sonne hinter der Stockhornkette unter. Interessantes Gefühl, wenn man bei Sonnenuntergang noch nicht weiß, wo man schläft.

Die Berge wurden von den letzten Strahlen rosarot eingefärbt. Ich hatte ein tolles Panorama vor mir. Ich kam ein eine größere Ansammlung Bäume, zwischen drin Wiese, am Seeufer zwei Feuerstellen. Sieht ja schonmal einladend aus. Eine Baumgruppe mit Sichtschutz zum Weg mit zwei Stämmen, die meine Hängematte tragen können. Ich geh noch etwas weiter, finde noch eine andere interessante Stelle, direkt am Wasser, aber nicht so sichtgeschützt.

Noch ein paar hundert Meter weiter stand ich dann schon im schilfbewachsenen Moor. Weit draußen steht ein Beobachtungsturm, viereckig und robust, ein ordentliches Dach drüber. Das wär doch was zum Übernachten. Fast im See inmitten von Schilf. Aber der nicht offizielle Weg dorthin führt durch Naturschutzgebiet, von daher hab ich’s sein lassen. Ich bin wieder zur ersten Stelle an den Strand, hab meinen Rucksack in die Baumgruppe gestellt. Als erstes wollte ich Feuer machen, solange ich noch Brennholz sammeln kann. War recht einfach, denn an Schweizer Feuerstellen hat’s meistens Holz. Und mit meinem Hobo brauch ich auch gar nicht viel, um einen halben Liter Wasser zu kochen. Am Feuer konnte ich mich warm halten, mir kam es nach diesem schönen Tag eh nicht kalt vor.

Der Tee war fertig, die Nacht hereingebrochen, der Mond aufgegangen. Er tauchte die ganze Umgebung in sein leichtes, fahles Licht. Das Bergpanorama vor mir, hinter dem See, löste sich langsam im Dunkelblau der Nacht auf. Oh ja, solche Abende machen echt Spass. Allein schon wegen der Aussicht beim Zähneputzen!

In der sichtgeschützten Baumgruppe war es inzwischen ziemlich dunkel, der Mond kam dort kaum rein mit seinem Licht. Aber ich hatte die Stämme ja schon bei Helligkeit inspiziert, ich wusste auch, wo ich die Matte abspannen will. Und nachdem ich alle Knoten auch blind kann, brauchte ich nicht einmal Licht, um mein Lager aufzubauen. Das Dach spare ich mir, es sieht nicht nach Regen aus. Und wenn doch, ist es griffbereit am Rucksack. Isomatte und Schlafsack rein, Klamotten in den wasserdichten Sack. Hier am See wird es bestimmt ungemütlich feucht diese Nacht.

Ich war schon am Einschlafen, als mir bewusst wurde, dass heute Freitag Abend ist. Es kamen ein paar krakeelende Jungs durch den Stadtpark gestolpert. Sie waren laut geng, quer durch den Park konnte ich verfolgen, wo sie gerade sind. Und die haben auch nicht in die Bäume geguckt, ich glaub, die waren ganz froh, den Kiesweg im Mondlicht erkennen zu können. Nur zwei Jungs hatten sich von der Gruppe getrennt (oder gehörten gar nicht dazu), die mussten mal hinter einen Baum. Und steuerten direkt in meine Richtung. „Der wird mir jetzt doch nicht vor’s Bett schiffen“, dachte ich. Und wie einer der beiden knapp zwei Meter neben mir und meiner Hängematte stehen blieb, war er schon weit in meine Privatsphäre eingedrungen, dass es unhöflich gewesen wäre, nicht zu grüssen.. Ich hab ihm freundlich einen schönen Abend gewünscht. Das hat den armen Mann so fürchterlich erschreckt, dass er gleich wieder verschwunden ist. Fast hätte ich lachen müssen, aber dann tat er mir leid. Erschrecken, das wollte ich eigentlich nicht. Mir kam erst hinterher in den Sinn, dass er mich gar nicht gesehen hat.

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