von Thun nach Westen

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Grau und nebelig zeigt sich der Morgen. Gar nicht richtig hell. Ich hab lange geschlafen, im Zunfthaus zu Metzgern. Gestern noch Mat und Kat einen Besuch abgestattet. Heute geht es weiter. Von Thun nach Westen.

Den Morgen habe ich unfreiwillig noch mit Wäsche verbracht. Mir ist das Rei aus der Tube gelaufen. Zumindest mein „Kulturbeutel“ war ziemlich durchsetzt mit Waschmittel. Und der Beutel besteht aus einem Netz, das lässt Waschmittel auch nach draußen. Gut dass ich Kleidung und Essenssachen noch in ihren eigenen Säcken habe, so hält sich so ein Malheur in Grenzen. Nur mein Trinkbecher hat auch etwas abbekommen, der hat den Rest des Tages nach Waschmittel geschmeckt.

Kalt und feucht kam mir der Morgen vor. Keine Berge zu sehen, kein Alpenpanorama, nichtmal die Stockhornkette ist zu sehen. Alles grau. Als ich am Bahnhof und am Hafen vorbeikam, stach grad ein Schiff in See. Ich war noch nicht ganz an meiner vorgestrigen Schlafstelle vorbei gekommen, schon war das Schiff im Nebel Richtung Hilterfingen verschwunden. Grau das Wasser des Thuner See, grau der Himmel, der sich darin spiegelt.

Ich komm nicht so recht vom Fleck. Mache ein paar Pausen, raffe mich wieder auf. Ein Jogger kam mir entgegen, hat gegrinst und mich mit „Ultreia. En guete Wäg“ begrüsst. Ein paar Schritte weiter hab ich dann auch die Jakobsmuschel auf den Wegweisern entdeckt. Noch versteckt sie sich ein bisschen neben der grossen 4 vom Schweizer Fernwandernetz, aber die gelben Wegweiser tun ihr Übriges. Als ich im Gwatt angekommen bin, ging’s bergauf. Direkt gerade hinauf, keine Serpentinen. Zur Strättligburg hinauf und ins Glütschbachtal wieder hinunter. Unter der Autobahn her und den Zwieselberg hinauf, auch wieder senkrecht. Danach hatte ich alle Kombinationen von Frieren, kaltem Wind und Schwitzen ausprobiert. Aber meine Kleidung macht mit, sie hält mich schön warm, wenn ich’s brauche.

Gegen Mittag war ich in Amsoldingen. Die Kirche, an der ich schon zweimal war. Immer wieder faszinierend der Kirchenraum. Und er war sogar geheizt 🙂 Hab schon überlegt, ob man hier übernachten könnte. Hab auf meinem iPad in aller Ruhe (wörtlich) den weiteren Weg angeschaut. Jetzt geht’s ins Stockental.

In Blumenstein hab ich kurz den Weg verloren, aber es standen an der nächsten Kreuzung schon Reiter und Jogger parat, die ich fragen konnte. Und schon hatte ich wieder ein kleines Gespräch am Straßenrand. Der Jogger wollte mich einladen „einen ordentlichen Schluck zu trinken“ (wie auch immer er das gemeit hat), aber er bekommt gleich Besuch. Ein ander Mal… Er hat mir noch den rechten Weg erklärt, zur Brücke hinunter und rechts. Dort steht dann wieder die Beschilderung.

Kurz drauf konnte ich im Nebel schon den Wald an der Gürbe erkennen. Das hatte ich so als Tagesziel gesetzt. Vielleicht schaff ich’s ja bis Wattenwil weiter. Oder in Niederstocken gibt’s ein „Schlafen im Stroh“. Für 25.- inkl. Frühstück. Auch sonst wurden die Herbergen hier in der Nähe ausreichend beworben. Wenn auch nur in schlecht laminierten Din-A4 Blättern an die Bäume getackert, aber immerhin wird einem Wanderer bewusst, dass es hier ein paar Herbergen gibt.

Grau blieb das Wetter den ganzen Tag über. Mal wars kühl, dass ich den Faserpelz angezogen hab, mal hab ich wieder geschwitzt, dass ich in drei Lagen T-Shirts gehen konnte, mal wehte ein kalter Wind, dass ich die Regenjacke gebraucht hab, manchmal war auch alles zusammen, dass ich alles gleichzeitig und dazu noch die Regenhose anhatte. Aber ich hab genug Schichten Kleidung dabei, ich kann mich immer wieder wärmen. Und ich hätte sogar noch eine Schicht im Rucksack, die ich noch anlegen könnte. Ich mache mir mehr Sorgen um die Kälte, wenn ich nicht mehr laufe, sondern im Lager still sitze. Ich mache mir Gedanken, wie ich das Tarp anders, schmaler und geschlossener aufspannen kann, ich überlege, ob ich überhaupt draußen schlafen soll oder mir eine Herberge suchen soll. Ich entscheide mich für draußen.

Ich komme zum Wald, der die Gürbe umgibt, dort wo sie Richtung Wattenwil abbiegt. Hier bin ich schonmal hinauf zur Wasserscheide gelaufen. Ich schlendere durch den Wald, suche einen Platz zum Hängen. Trockener Waldboden, schön eben, drumherum ein paar Bäume fürs Dach und die Hängematte, das Ganze halbwegs gerade und nicht allzu nah am Weg. Den Platz hatte ich auch bald gefunden, hab mich nieder gelassen, den Platz genauer untersucht. Da fiel mir auf, dass hier ein Wildwechsel her führt, dem wollte ich mich nicht in den Weg hängen. Zumal ich anhand von gefundenen Ausscheidungen darauf schließen kann, dass hier auch Tiere entlang gehen. Es war noch einige Zeit hell, ich musste mich also nicht beeilen mit dem Dach. Ich war auch weit genug vom Weg weg, dass mich nicht gleich jeder sehen wird. Das Dach hab ich heute „viereckig“ statt „diagonal“ aufgespannt, heute hab ich eine Ridgeline für das Dack benutzt, damit reißt der Wind nicht so direkt an den Anspannpunkten des Tarp. Hinter mir, zum Weg und zum Wind hin, hab ich’s ziemlich steil zum Boden abgespannt. So kommt der Wind auch nicht an bzw. über die Hängematte. Auf der anderen Seite hab ich das Dach fast waagerecht abgespannt, wo kein Baum in der Nähe war, hat mein Wanderstab herhalten müssen. So hatte ich auf einer Seite Aussicht in den Wald und war auf der anderen Seite vor Wind und Blicken geschützt. Hängematte zwischen die Bäume gehängt, Isomatte und Schlafsack hinein, das Lager war fertig. Dann fing es zu Regnen an. Recht leicht nur, aber mit neun Quadratmetern Dach hört man auch den ganz leisen Regen. Und er hörte sich so fein und spitz, fast ein wenig knisternd an, könnte Null grad sein, dass der Regen grad so in Schnee übergeht. Aber das macht gar nichts, ich hatte inzwischen alles im Trockenen. Jetzt kam der Kocher dran, er durfte mir jetzt einen halben Liter Wasser kochen. Daraus habe ich einen Tee getrunken und den Rest in meine Feldflasche getan. Sie wandert als Wärmflasche in den Schlafsack. Und wie ich so in der Hängmatte saß und auf das Wasserkochen wartete, wurde es schon kalt. Dieses kalt, wenn man nur rumsitzt und die Bewegung vom Lager-Aufbauen nicht mehr wärmt. Ich hab überlegt, ob ich mehr „Schutzschichten“ anziehe oder ob ich mich gleich ausziehe und in den Schlafsack begebe. Hab mich für letztes entschieden, denn ich will heute eh nicht mehr viel machen. Feuerholz werd ich schwerlich finden, außerdem darf ich hier eh kein Feuer machen. Dafür muss heute mein Spritkocher her herhalten. Der stand halb unter mir, den konnte ich bequem im Liegen aus der Matte heraus bedienen. Ich lag im Schlafsack, ein Arm draussen, der nochmal Wasser gekocht und in die Feldflasche umgefüllt hat. Mein Trinkbecher schmeckt immer noch nach Waschmittel, ich hab mich dafür entschieden, den Teebeutel gleich in die Flasche zu hängen. Dann wärme ich mich halt mit Fencheltee. Und kann ab und zu einen Schluck aus meiner Wärmflasche nehmen.

Kaum lag ich bequem in der schaukelnden Matte, hatte warm im Schlafsack und auch die Nase bedeckt, wurde ich müde. Ich bin recht schnell eingeschlafen, hab noch nicht einmal meinen GPS Track beendet, geschweige denn, den Blog aktualisiert. Mit der Wärmflasche hatte ich es kuschelig warm mit Sicht auf den dämmernden Wald. Und kurz drauf war ich eingeschlafen.

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One response to this post.

  1. Posted by Werner Steidl on 22. Mai 2013 at 16:46

    Hallo Frank ? wann sind die Absätze schiefgelaufen ?
    Grüe von OMA und OPA aus dem Glashaus 11

    Antworten

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