von Schwarzenburg nach Fribourg

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Es schneit nicht mehr! Die Strassen sind zwar nass und nach einer Nacht unter einer recht dicken Hotel-Bettdecke ist es zwar immer noch kalt, aber der Schneefall hat aufgehört. Grau und nebelig ist es aber noch, ich glaube, ich komme ganz an den Berner Alpen vorbei, ohne sie zu Gesicht zu bekommen. Nach dem Frühstück ging’s gegen acht los.

Eine halbe Stunde ging’s durch verschneite Landschaft zum Sensegraben hinunter. Den heutigen Weg kenne ich schon, bin ihn vor Jahren mal mit Alex gelaufen. Und letztes oder vorletztes Jahr in abgewandelter Form. Ich hab auf der Karte geschaut. Von Tafers aus wird man auf Asphaltstraßen nach Fribourg laufen, vielleicht nehme ich noch den kleinen Abstecher durch die interessante Galtern-Schlucht.

Das Wetter ist ruhig, grau und nebelig zwar, aber es windet nicht und es schneit nicht. Dafür ist es kälter als gestern, ich kann kaum meine Temperatur zwischen Schwitzen und Frieren regeln. Dabei hab ich die selbe Kleidung an wie die letzten Tage auch. Vögel zwitschern vereinzelt und die Sense rauscht, als ich die erste Grenze überschreite. Über die Sodbachbrücke geht es vom Kanton Bern in den Kanton Fribourg, vom deutschen Sprachraum in den französischsprachigen Teil der Schweiz. Hier überwinde ich quasi den Röstigraben. Bon Jour, monde frankophone.

Doch das erste, was mir das Welschland bietet, ist der steile Aufstieg den Sensegraben wieder hinauf. Doch heute kenne ich den Wegverlauf, so hatte ich oben wenigstens was trockenes zum drüber ziehen. Das Wetter ist zu kalt, um verschwitzt herum zu wandern. Aber ab jetzt führt der Weg ja durch fast flaches Land. Das Frühstück setzt sich so langsam, liegt nicht mehr so schwer im Magen. Ist doch noch ein Unterschied, wenn ich erst ein paar Kilometer wandere und dann erst frühstücke.

Oben begrüßt mich der Hl. Jakobus und wünscht mir einen sicheren Weg. Bevor mir wieder kalt wird, ziehe ich weiter, Heitenried entgegen.

Mein GPS Tracker lässt mich von Zeit zu Zeit im Stich. Kaum dass ich eine andere App aufmache, wird Runkeeper beendet. Und wenn ich das nicht mitbekomme, kann es sein, dass ich kilometerweit im Pause-Modus weiter ziehe. Ich sollte echt mal ein neues iPhone haben. Wer also ein iPhone 4S mit 32 GB (oder mehr) günstig abzugeben hat, bitte melden.

Über halb verschneite Felder und matschige Feldwege geht es weiter. In Niedermonten hab ich unfreiwillig geholfen, eine Herde Kühe in den Stall zu treiben. Sie kamen auf der Weide zu mir, als würden sie mich begrüßen wollen. Und wie ich mich mit ihnen so unterhalten habe, kam der Bauer des Wegs und trieb sie alle zusammen. Da stand ich mit meinem Wanderstab grad recht, um sie zum Frühstück in den Stall zu begleiten. Doch reinkommen wollte ich nicht, bin über die Abschrankung quer über den Hof gestiegen und bin weiter meinen eigenen Weg gezogen. Ich hab meine Körpertemperatur wieder im Griff, der Weg führ nur noch leicht bergan und wieder bergab.

Schneller als ich dachte erreichte ich die St. Antonius Kirche in St. Antoni. Stimmt, hier bin ich ja im katholischen Freiburg, hier gibt’s wieder mehr Schmuck und mehr Marienstatuen in den Kirchen. Und mehr Wegkreuze auf den Wegen. Es stand kein Klavier in der Kirche und die Kreuze waren verhängt. Also hab ich nur kurz Pipipause gemacht und bin weiter gezogen.

Als ich noch vor dem Mittag in Tafers angekommen bin, kam sogar die Sonne heraus. Bin fast erschrocken und über meinen eigenen Schatten gestolpert. Ja, das Wetter wird wieder besser. In Tafers an der St. Martin Kirche und der Jakobskapelle hab ich Rast gemacht und etwas gegessen. Heute bin ich schneller unterwegs als ich dachte und das ist gut so, wenn ich beizeiten in Fribourg ankomme.

Den Stempel gabs nicht in der Kirche, sondern in der Sankt Jakobs Kapelle nebenan. An der Frontseite dieser Kapelle war in bunten Bildern die Geschichte des Hühnerwunder gemalt. Diese Geschichte hab ich in den letzten Monaten öfter gehört, sie gehört zum Jakobsweg und wird mir wohl noch öfter begegnen. Aber es drang ganz leise in meine Erinnerung, dass mir schon Alex damals diese Geschichte erzählt hat, als wir hier gewandert sind. Ganz schön lange her, damals habe ich mir vieles nicht vorstellen können, was ich heute mache. Wandern. Draußen übernachten. Jakobsweg. Dafür war Alex ein Katalysator, sie hat mein Wandern „ins Rollen gebracht“, auch wenn es Jahre später erst so richtig „ausgebrochen“ ist.

Ich hole mir also den Pilgerstempel von Tafers in der kleinen Kapelle. An einem Grab davor treffe ich eine ältere Frau bei der Grabpflege. Sie hat frische Blumen gekauft und pflanzt sie ein, sie war mit Gartenhandschuhen und kleiner Schaufel beschäftigt, als sich unsere Wege kreuzten. Wir sprachen kurz übers Wetter, dass grad die Sonne etwas rauskommt, auch wenn sie diesen Winter etwas gefehlt hat. Sie empfiehlt mir, auf dem Weg nach Freiburg die neue Brücke anzuschauen. Die Pfeiler hätten ihr so imponiert, das muss man mal gesehen haben. Ich erkundige mich nach dem Weg durch die Galterenschlucht, wobei sie aber abgewunken hat. Recht schmal der Weg dort, recht rutschig und glatt. Im Sommer ja wunderschön, aber jetzt? Wir wünschen uns noch Frohe Ostern, dann esse ich ein wenig von meiner Brotzeit.

Doch es ist wieder frisch geworden, ohne Bewegung. Nachdem ich ja noch genug Zeit hatte, nach Freiburg sind’s noch knapp eine Stunde, und etwas Kleingeld im Hosensack, hab ich mich nach meiner Brotzeit in ein Café gesetzt, mich und meine Finger aufgewärmt, Blog getippt und einen kleinen Kaffee getrunken.

Mit dem Studium der Karte (naja… Google Earth mit eingeblendeten Jakobswegen) hab ich mich doch gegen den Galterengraben entschieden. Ich gehe lieber über Land, es windet nicht viel, und halte mich an die Wegweiser mit der Muschel. Galterengraben wollte ich eh mal jemandem zeigen, wenn ich also wieder mit Kollegen wandern gehe, dann dort entlang. Ich selber kenne diese Schlucht ja schon. Auch die beiden Damen im Café haben mir von der Schlucht abgeraten. Das Eis hätte die Felsen porös gemacht, es sind schon mehrere Erdrutsche nieder gegangen. Und ich hab’s ja selber gesehen, wie leicht dort die Bäume umfallen. Nein, dann doch lieber den sicheren Weg übers Land.

Als ich mich auf den Feldern mal umschaute, hab ich realisiert, dass der Schnee weg ist. Die Gegend wird wieder grün. Mich dünkt es jetzt auch nicht ganz so kalt wie gestern, aber heute bin ich auch nicht so verschwitzt. Und – ganz wichtig – der Wind schläft heute und bläst nicht wie wild die kalte Luft durcheinander.

Am letzten Wald vor Fribourg traf ich noch auf zwei Ehepaare. Wir haben uns ein wenig unterhalten. Sie haben sich gefreut, dass mich jemand auf dem Weg auf die neue Brücke von Fribourg aufmerksam gemacht hat. Und bereitwillig haben sie mir den Weg dorthin gezeigt. Von diesem letzten Waldstück vor der Stadt geht es bergab nach Freiburg. Falls die Kohle nicht auf dem Konto ist und ich draußen übernachten muss, muss ich wieder mühsam den Berg hinauf. Ob ich gleich hier oben bleiben soll? Nein, die Hoffnung stirbt zuletzt, so langsam sollten meine Finanzberater das mit der Deutschen Großbank ausgehandelt haben. Also wanderte ich auf die Stadt zu.

Die neue Brücke ist noch im Bau, aber die Fadenspann-Pfeiler standen schon. Und einer hatte auch seine Fäden schon gespannt. Ich glaub, dieses Konzept der Brücke haben sie in Frankreich abgeschaut. Schick, modern, passt nicht so recht zur Altstadt, deswegen biegt die Brücke in der Luft auch ab, macht eine Rechtskurve, als hätte sie sich zwischendrin überlegt, doch nicht in die Altstadt zu wollen. Dafür führt die alte, solide, steinerne Zähringerbrücke immer noch hinein zwischen die alten Häuser. Noch durch die Fussgängerzone und bald war ich am Bahnhof. Schneller als ich dachte, heute ging das Wandern recht angenehm.

Ich war auch beim Bankomat. Ernüchternd, aber ich hab es ja schon geahnt. Jetzt kann die Deutsche Bank echt froh sein, dass ich meine Finanzberater die Dinge schaukeln lasse. Ich selber würde schon seit ein paar Wochen im Zwei-Stunden-Takt bei der Hotline anrufen, mein Ticket am Leben erhalten, den Leuten dort klarmachen, dass es mir wichtig ist. Ich würde mein Ticket sowas von eskalieren lassen, bis endlich mal ein Entscheidungsträger sich meinem Problem annimmt. Ich wüsste da mehrere Lösungen. Endlich mal das Geld überweisen. Oder mir einen kostenlosen, zeitlich begrenzten Dispokredit einräumen. Oder was den Finanzhaien und Geldschiebern halt sonst so einfällt. Sollen sie beim ServiceDesk ruhig drei Leute damit beschäftigen, irgendwie mein Problem zu lösen. Aber die Bank scheint nicht zu kapieren, dass ich nicht einfach so mal vier Wochen lang 2000.- oder mehr vorstrecken kann. Sie scheint auch nicht wirklich die Kunden ernst zu nehmen oder warum ist ihnen erst kurz vor versprochener Auszahlung eingefallen, dass das gar nicht so geht? Wir sollten die Bankmitarbeiter alle mal auf eine längere Nullrunde setzen, vielleicht verstehen sie dann die Sorgen ihrer Kunden. Baaa, ich bin etwas stinkig auf die Deutsche Bank. Aber eben, ich überlasse das meinen Finanzberatern. Sollen die sich mit diesen,… diesen… Bänkern herumschlagen…

Aber easy, Geld ist nicht alles, wird auch so irgendwie gehen. Ich hab mich in der Stadt in die Sonne gesetzt. Schön warm. Und hab den Menschen zugeschaut, wie sie durch die Fußgängerzone flanieren. Hab noch das Wasser aus meiner Feldflasche getrunken. Schmeckt immernoch nach Elsbeth’s Tee 🙂

Damit ihr beruhigt sein könnt: ich hab doch noch eine Herberge in Fribourg gefunden. Im Burgerspital 🙂

Ok, dieses Spital ist als Jugendherberge ausgebaut. Und die 30.- für die Übernachtung konnte ich auch noch zusammen kratzen. Hab mein Gepäck abgestellt und bin wieder in die Stadt gegangen. Bis zum Einnachten, dann bin ich zurück zur Jugi, hab geduscht und lag um acht in meinem Bett im 14er Zimmer.

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5 responses to this post.

  1. Posted by Matze on 27. März 2013 at 09:37

    Mei, ist das ein hin & her seit 2 Tagen …rein ‚inne Klamotten, raus aus den Klamotten … und Besserung ist leider (wettermässig) nicht in Sicht.
    Hast Du eigentlich ne kleine Hausapotheke dabei, für den Fall, dass Dich doch mal ein Fieber überrascht?
    Wann gehst Du eigentlich abends i.d.R. „ins Bett“?

    Antworten

    • Hi Matze,
      Ja, das kalte Wetter ist etwas mühsam. Aber eigentlich auch nur, wenn ich verschwitzt bin. Aber das bleibt im Schwarzenburger Land und am Sensegraben nicht aus. Eine Wanderapotheke hab ich zwar mit, allerdings nur gegen Verletzungen, nicht gegen Krankheiten oder kleinere Wehwehchen. Fieber und Erkältung bekomme ich früh genug mit, so wie gestern Abend. Dann ganz schnell eine heiße Dusche nehmen und in ein warmes Bett.
      Ins Bett gehe ich unterschiedlich. Draußen normalerweise mit dem Dunkel werden, gestern ist es etwas später geworden. Hab ja noch Internet ausnutzen und Blog fertig machen wollen.

      Antworten

  2. Posted by Matze on 27. März 2013 at 10:45

    Wolltst Du an Ostern nicht zur Family?
    Wo ist Dein erstes Ziel, bevor Du Deine Reise das erste Mal unterbrichst – Fribourg?!
    Das mit der Deutschen Bank ist ja ein Disaster … hoffentlich findest ne Alternative.
    … übrigens Sodbachbrücke kenn ich auch sehr gut, schon oft mit dem Motorrad, sorry -Töff-, dort unterwegs gewesen … schöne Gegend, eher es wieder flacher wird – am schönsten im Sommer!!! 😉

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  3. Posted by Matze on 28. März 2013 at 08:29

    Gute Nacht & Frohe Ostern!

    Antworten

  4. Posted by denise on 31. März 2013 at 15:48

    Das klingt auf jeden Fall unangenehmer als ein paar Stunden dem Strand entlang zu gehen, um endlich den heiligen Baum und den Süsswassersee zu finden!

    Grüsse aus dem heissen Indien

    Vielleicht finde ich auch noch meine Erleuchtung. Oder so. Sobald ich morgen irgendwo im Dschungel den heiligen Baum finde und nicht irgendwelchen Betrügern zum Opfer falle 😉

    Denise

    Antworten

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