Weiter geht’s!

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Ostern ist vorbei, jetzt wird’s Frühling 🙂 Ich bin wieder in Fribourg, hab noch eine Nacht in der Jugi verbracht. Schnell mit drei Schulklassen gefrühstückt, auf dem Markt noch etwas zu Essen gekauft, Rucksack auf den Rücken geschwungen und los geht’s. Richtung Genfer See.

Gestern Abend bin ich noch durch die Stadt geschlendert, hab ein bisschen Sightseeing gemacht und den Jakobsweg gesucht. Auf der Karte hab ich ihn gefunden. Der geht anders um die Stadt herum als in ihn letztes Jahr gesucht hab. Durch die Altstadt, über die Zähringerbrücke Und hinunter zur Saane. Fribourg liegt oben auf einer hohen Sandsteinklippe, die die Saane im Laufe ihrer Zeit hier in die Landschaft gefräst hat. Diese hohe Klippe muss ich hinunter, durch die untere Altstadt und irgendwann auch wieder hinauf. Mir sollte also spätestens in einer Stunde warm sein 🙂 Wobei es gar nicht kalt ist, finde ich. Nur ein bisschen nebelig, aber das hat Potential, besser zu werden.

Also über die Zähringerbrücke, rechts hinunter, über die steile Treppe, die ich gestern schon befürchtet hab, hinauf zu müssen, hinunter zum Berntor, durch die Schmiedegasse und die alte Holzbrücke in die Unterstadt. Bald hatte ich die recht gute Beschilderung mit der gelben Muschel gefunden und hab mich weiter von ihr leiten lassen.

Es gab viel Altstadt zu bestaunen und wie ich wieder auf dem Weg hinauf zum Münster war, ist mir aufgefallen, dass meine Karte eine andere Wegführung als die Schilder zeigt. Also kam ich wieder hinauf, wurde am Münster vorbeigeführt. Und diese Sandsteinklippe ist nicht ohne… Remscheider hätten so ihre Freude an den steilen Strassen hier.

Im Münster konnte ich die Alltagshektik außen vor lassen (es führt rechts und links an der Kirche eine stark befahrene Strasse vorbei, das Münster ist quasi nur eine Verkehrsinsel. Plötzlich machen auch die schweren Holzportale Sinn, da kommt so schnell kein Lärm durch).

Wunderschöne Glasfenster hat das Münster, eine moderne Interpretation der üblichen Geschichten und Darstellungen aus den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Schön anzuschauen, mit viel Witz, mit vielen Dingen, die eben nicht dargestellt werden und mit vielen offenen Fragen. Einen Stempel gabs auch. In meinem Pilgerpass fängt eine neue Seite an, der Stempel aus dem Fribourger Münster kommt als erstes auf die zweite Seite. Wie der Wiederbeginn meiner Reise nach der Osterpause.

DRAUSSEN STAND ICH DANN WIEDER IM MORGENDLICHEN STADTVERKEHR…. (ach so)… von Fribourg und stieg den Schildern folgend genau die selbe Strecke Richtung Bahnhof hinauf, wie ich das jetzt schon ein paar Mal getan hab. Wieder vorbei am Markt, vorbei an der Jugendherberge, zum Bahnhof hinauf, an dem grossen, betongegossesen Loch vorbei, aus dem die Busse aus dem Busbahnhof kommen. Eigentlich der Weg, den ich letztes Jahr und mit meiner Karte für falsch angesehen habe. Aber heute hab ich durchgängig die königsblauen Schilder mit der gelben Muschel gefunden. Und auch die Muschel dient als Richtungsanzeiger. Dort, wo alle Strahlen zusammenlaufen, geht’s nach Santiago. Entsprechend gedreht ist die Muschel auf den Schildern abgebildet. Interessant wird’s dann, wenn die Schilder in zwei verschiedene Richtungen zeigen:

Sogar die Muscheln sind jeweils richtig angeordnet. Hier musste ich meine Unsicherheit, welches denn nun der richtige Weg sei, ablegen. Und verwandeln in die Freiheit, dass jeder Weg gut ist. Ich muss mich also nicht zwischen rechts und links entscheiden, sondern hab die Freiheit, entweder rechts oder links zu gehen. Auch eine interessante Wandlung, wenn man sich den Jakobsweg als „den einen richtigen“ Weg vorstellt. Dass da durchaus noch Variationen drin sind, hab ich ja selber heute früh gelernt.

In Villar Sur Glâne hab ich einen Friedhof mit WC und Brunnen gefunden, dort hab ich Wasser getankt. Weiter hinunter zur Glâne, zur Kapelle St. Appoline. Hier stand auf einer Tafel die Erläuterung zu dieser Heiligen. Ihr wurden die Zähne ausgebrochen und als sie trotzdem Jesus und Gott nicht verleugnete, kam sie auf den Scheiterhaufen.

Bei der Übersetzung hat mir meine Google Brille geholfen. Naja, noch nicht ganz, aber die Cloud-Software „Google Goggles“ hat das Foto von dem Text entgegengenommen, per OCR den Text (als französisch) erkannt und mir übersetzt. Die deutsche Grammatik hat nicht so ganz gepasst, aber die Message kam rüber. Sehr praktisch. Deswegen hab ich Internet in der Hosentasche dabei 🙂

Den Weg vor mir kenne ich schon, ich freu mich auch schon drauf. Den hab ich schön in Erinnerung. An der gemütlich rauschenden Glâne weiter durch noch nicht grüne Natur. Ich halte die Augen offen für Bärlauch, der sollte doch langsam mal raus kommen. Es wird schließlich Frühling 🙂

Doch ich hab mich wieder getäuscht. Der Jakobsweg biegt irgendwann vom Wanderweg ab. Ich kann also nur sagen: die Gegend, durch die ich jetzt komme, kenne ich schon. Der Weg wird ein neuer. Immer für Überraschungen gut 🙂 Es geht Hügel hinauf und Hügel hinunter, es ist fast warm, kaum ein Wind. Ich hab halb so viel Schichten an als letzte Woche, die Wolkendecke ist sichtbar dünner und ab und an scheint die Sonne.

Ich könnte zu einer Abtei abbiegen, das lasse ich, dafür erklimme ich im nächsten Ort den Hügel der Herz-Jesu-Kapelle. Interessanter Stil, Anfang letzten Jahrhunderts erbaut. Noch recht jung also. Sie war verschlossen, den Schlüssel und Pilgerstempel gibt’s bei den Nachbar. Aber ich will nicht bei Müllers klingeln, sondern mache nur kurz Rast und genieße die Aussicht vom Hügel und die Sonne auf dem Rücken.

Dann ging’s weiter, Hügel runter, Hügel wieder rauf, an der Kirche vorbei, wieder Hügel hinunter und Hügel hinauf. Gerade als ich mich beschweren wollte, dass der Jakobsweg auch immer auf die Kirchenhügel führen muss, kam Herbert auf mich zu. Großer Rucksack, Regenhülle drüber, Hut auf, zwei Stöcke… Auch ein Pilger. Aus Bayreuth. Wir haben uns gefreut, uns zu treffen, mit dem gleichen Ziel. Tausende Kilometer entfernt. Als wir uns von unseren Strecken erzählten, kam mir der Jakobsweg wie eine lange Schnur vor. Herbert wollte gerade einkehren, mal sehen, ob er ein Häppchen zum Mittagessen findet.

Aber ich wollte weiter in meinen Gedanken abhängen, über die grünen Wiesen der Hügel laufen, den blauen Himmel mit den weißen Wolken dran und die Sonne genießen. Also haben wir uns mit „Bis die Tage“ verabschiedet. Er wird mich wohl bei meiner Mittagspause einholen. Er gab mir noch seine Pilger-Visitenkarte. Ich hab sie (frecherweise) abgelehnt, mir aber ein Foto davon gemacht. Das Papier wird sich in den nächsten Tagen in irgendwelchen Taschen verlieren, darauf ist kein Verlass. Meine Photos sind in der Cloud gesichert. Ich überleg mir jetzt aber, wie ich die Kontakte sortieren soll, die ich jetzt so knüpfe. Die einen wollen eine Visitenkarte aus Santiago, andere wollen ab und zu mal ein Mail. Oder ein facebook Update.

Ich kann die Ärmel hochkrempeln, so warm ist es. Selbst in dem schönen Wald, durch den ich gekommen bin. Hab eine Hütte mit Feuerstelle entdeckt, mit prall gefülltem Holzvorrat. Weiter hinten eine Schwitzhütte aus Ästen mit eigener Feuerstelle für die heißen Steine. Und noch weiter im Wald ein dritte Feuerstelle.

Ein paar taugliche Bäume drumrum, da könnte ich die Hängematte hier… Und das Dach so gegen den leichten Wind… Aber nein, es ist erst Mittag, noch brauche ich keinen Lagerplatz.

Nach dem Wald ein Bach, an seinem Hang eine gemütliche Bank in der Sonne mit Blick auf die Brücke. Sieht einladend aus für eine Mittagspause. Gemütlich einen Apfel gegessen, die Füsse gelüftet und gewartet, ob mich Herbert vielleicht einholt. Hat er aber nicht.

Irgendwann am Nachmittag hatte ich an einer Straßenkreuzung plötzlich das Gefühl, schonmal hier gewesen zu sein. Die Anordnung der paar Häuser, der Hof dort rechts, dieser räumliche Eindruck passte in meine Erinnerung. Ich bin wieder auf dem Weg, den ich schon mal gegangen bin. Ich hab allerdings schon länger keinen Wegweiser mit Muschel mehr gesehen. Immer nur die gelben. Aber auch die führten mich zwei Dörfer weiter wieder hinauf zur Kirche, und das ist generell eine gute Idee auf dem Jakobsweg. Und siehe da, bei der Kirche angekommen, war die Muschel auch wieder zu sehen.

Die Sicht ist auch besser geworden seit letzter Woche. In die Richtug, in der die Alpen liegen müssten, kann ich heute sogar die übernächsten Hügel sehen. Die sind sogar noch schneebedeckt. Ich wander hier wohl wieder an der Grenze zum Frühling entlang 🙂 Die Bauer sprühen ihren Fäkalienüberschuss aus der Milch- und Fleischproduktion auf ihre Felder. Lecker… Daran sollte ich denken, wenn ich irgendwo Wasser suche. 😉 Apropos Suchen: ich hab immer noch kein Bärlauch gefunden. Alles Grün am Waldboden beschränkt sich auf Moose und Farne und ein paar übrig gebliebene Brombeerblätter. Aber alles ist „herbstgrün“, ein wenig gedämpft und blass. Kein frisches, helles, junges Grün zu entdecken…

Der Nachmittag war wie ein typischer Wandernachmittag. Es geht stundenlang gegen die Nachmittagssonne auf Asphaltstraßen entlang über grüne Wiesen. Heute hatte ich viel Sonne, es wird doch Frühling. Nach sieben Stunden hatte ich keine Lust mehr zu laufen und hab mich drangemacht, einen Lagerplatz zu finden.

Ich musste mich entscheiden zwischen einen kleinen Auenwäldchen am Bach unten und den häufig gestreuten Wäldchen auf den Kuppen. Ich entschied mich gegen den Bach, das könnte noch feucht werden. Ich hab mir ein Wäldchen ausgesucht und bin den Hügel hinauf gestiegen. Nach drei Möglichkeiten hab ich mich endlich für einen Platz entscheiden können.

Hängematte neben einen abgesägten Baumstumpf, darauf kann ich dann kochen. Vom Weg weit genug ins Unterholz, sehen sollte man mich nicht so leicht. Im Wald drin, hier kommt der Wind nicht rein. Ich spanne mir noch mein Dach über den Kopf, erst offen, damit ich noch Aussicht hab, danach geschlossen gegen den Wind. Dann ging’s ans Kochen. Erstmal Wasser kochen, einen Tee aufgießen, mit dem Rest Reis kochen. Den auf die Seite stellen und fertig quellen lassen, in der Zwischenzeit etwas Fenchel andünsten. Danach alles vermengen und heiß in einer Schale servieren. Ich esse nicht gern aus meinem Topf. Er ist unbequem zu halten und wärmt meine Finger nicht. Die Schale schon. Nach dem Essen, es war schon fast dunkel, war ich aufgewärmt und hab meinen Schlafsack angezogen, damit die Wärme auch bei mir bleibt. Wasser und Brenner stehen bereit, wenn ich eine Wärmflasche brauchen sollte. Dann noch den Blog fertig getippt und der Abend war gelaufen. Gute Nacht.

 

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3 responses to this post.

  1. Posted by Alex on 6. April 2013 at 19:28

    Dr bärlouch isch itz scho recht gross!

    Antworten

  2. Posted by Alex on 9. April 2013 at 19:57

    Hm das ghöreni itz grad ds erste mau…. Aber ja ha chli recherchiert u es isch eso, d knolle isch aber so chli dasde me zyt bruchsch zum usgrabe aus öpis anders….Muesch vorauem luege dasde se nid mite maiglöggli verwechslisch aber die hei längi stile, isch auso eigendlech kes problem 😉

    Antworten

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