auf nach Lausanne

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Schon erstaunlich, wie weit ein halber Liter Wasser reicht. Diese Nacht als Wärmflasche, beim Lager zusammenpacken noch mal aufgekocht, konnte ich damit mein Poridge machen, meine Brille putzen, Finger und Füsse wärmen, Zähne putzen und abwaschen.

Beim Zusammenpacken hab ich bemerkt, wie nah ich doch am Weg hing, es waren schon einige Hundespaziergänger unterwegs. Ich breche auf Richtung Lausanne. Mein fliegendes Auge meint, in etwa drei Stunden bin ich dort. Der gemütliche schmale Waldweg führte mich hinunter zum Bach, über eine kleine Brücke und wieder die Bachufer hinauf. Aber nicht weit, warm geworden ist mir dabei nicht. Oben stand aber eine kleine Kapelle, vielleicht steht dort ja ein Klavier.

Ich setzte mich in die Kapelle und genoss erstmal die Ruhe. Kein Vogelgezwitscher, kein Bachrauschen, kein Hundegebell. In der Ruhe der Kirchen merke ich erstmal wieviel da draußen so los ist. Hier drinnen knacken nur die Holzbänke und irgendwo hängt eine Uhr mir tickendem Sekundenzeiger. Kein Klavier, aber dafür auf dem Altar ein dicker alter Schinken. Also im Sinne von Buch. Die Bibel halt. Aber ziemlich alt, dick und schwer. Scheint wohl üblich für diese Region zu werden, hab ich nämlich gestern auch schon mal gesehen. Aber beheizt war die Kapelle nicht, also musste ich weiter wandern. In Bewegung bleiben ist eine der wenigen Möglichkeiten, warm zu bekommen.

Durch Wald hindurch, ohne viel Strassen streunte ich das Tal der Bressonne entlang. Ein Brunnen, eine Rast, Wassertanken. Lausanne: eineinhalb Stunden. Plötzlich überschreite ich die Wasserscheide zwischen Nordsee und Mittelmeer. Tcha, sorry, Manu, jetzt kann ich Dir die Ansichtskarten nicht mehr einfach so in einen Bach werfen…

||: Ein Hügel, ein Dorf, eine Umgebungskarte, die mir doch nichts sagt. Ein Wegweiser, ein Pfad, ein Wald. Die Sonne scheint, der Wind rauscht in den hohen Bäumen. Frühling. Schneereste und tiefer Matsch. Und wieder ein Hügel. :||

Der Weg zieht sich, ich komm irgendwie nicht voran. Meine Füsse jammern über das Gewicht vom Rucksack. Hüfte und Schultern merken ihn auch ein bisschen. Ich gehe weiter, mache zwischendrin immer wieder mal Pause. Am letzten Hügel, wenn mir Lausanne zu Füssen liegt, möchte ich Mittag machen. Doch es kommt noch ein Hügel und noch einer.

Im Wald geht’s dann etwas hinunter und plötzlich stehe ich vor der oberen Endstation der Lausanner Metro. Oh, schon in der Stadt? Hier fand ich auch nichts passendes, um Pause zu machen, also gehe ich weiter in die Stadt. Doch anders als ich dachte, führte der Jakobsweg oberhalb der Stadt entlang weiter Richtung Genf.

Durch Wald und Bachläufe, richtig angenehm zu gehen, denn ich hatte mich schon darauf eingestellt, aus Asphalt die Stadt hinunter zum See zu gehen. Angenehm zwar, aber nicht in die Richtung wie ich dachte. Nicht zum See hinunter sondern weiter Richtung Genf.

So geriet der Jakobsweg mit seiner Beschilderung in Konflikt mit meinem fliegenden Auge, welches mich nach links den Hang hinunter zur Jugendherberge führen sollte. An einer grossen Autobrücke hat das fliegende Auge ausgemacht, dass ich hier links abbiegen könnte und trotzdem weiter im Wald laufen kann. Das Argument hat gesiegt, ich hab die Beschilderung mit der Muschel verlassen und hab mich (dummerweise größtenteils auf autoreichen Strassen) zur Jugi begeben. Die liegt fast schon im nächsten Dorf, fast schon nicht mehr in Lausanne.

Dort hab ich nebst einem Zimmer mit WC und Dusche auf dem Gang auch ein Busticket bekommen mit dem ich heute und morgen mit dem ÖV herum fahren kann. Und wenn ich das schon geschenkt bekomme, nutze ich das doch aus und lass mich zur Abwechslung mal mit Bussen und Metro herumfahren.

Aber lange hab ich nicht ausgehalten. Mir ist kalt, ich bin müde. Ich freue mich auf die Dusche heute Abend und lass mich wieder zur Jugi bringen. Ich muss eine Viertel Stunde auf den Bus warten. Der frische Wind vom See klatscht die Plastikplanen an die Baustellenabsprerrung gegenüber. Ich bin ziemlich müde und mir ist so kalt, dass ich mir jetzt nicht vorstellen kann, draußen zu übernachten.

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3 responses to this post.

  1. Posted by Matze on 6. April 2013 at 10:32

    Sprichst Du eigentlich französisch, dass Du Dich mit Spaziergängern, Gassi-Gängern und anderem Weg-Volk so gut unterhalten kannst?
    Die Sprache wirs Dich ja noch ein paar Wochen begleiten, auch auf Korsika … 🙂

    Antworten

    • Nein, noch nicht. Aber die wichtigsten Schlagworte in ihren Frage kenne ich inzwischen 🙂
      Ich hab grad Zeitinventur gemacht… Heut ist Wochenende und ich komme nach Lausanne. Wollen wir uns treffen? Kommendes WoE werd ich wohl schon hinter Genf sein…

      Antworten

  2. Posted by Kleine on 7. April 2013 at 08:27

    Hey Grosser,

    erinnerst du dich als wir klein waren und Briefe oder kleine Zettel an heliumgefüllte Ballons geknotet und dann sie auf ihren unbekannten Weg durch die Welt geschickt haben? Wenn die Postkarte nicht mehr per Wasserpost ankommen kann versuche es doch einfach mal auf diese alte Art.
    Ich bin mir sicher früher oder später wird sie mich erreichen (daran hab ich als Kind schon fest geglaubt) und irgendwie ist das auch viel besser als immer diese klitschnassen Pappdinger aus der Nordsee zu fischen. ;o)

    Liebe Grüße
    Kleine

    Antworten

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