Internet- und Schnupfen-Pause in Genf

Mein Kopf brummt, ich muss die ganze Zeit schnäuzen und husten, meine Erkältung ist ausgebrochen. Ich schleppe mich zum Frühstück hinunter, ein Kaffe, ein Orangensaft, ein Croissant und ein Brötchen. Danach geh ich wieder ins Hotelzimmer, mach die „Bitte nicht stören“ Lampe an und leg' mich wieder hin. Ich hab Internet im Hotel, so kann ich einige Sachen im Bett erledigen. Blog nachschreiben, Bilder verarbeiten und in den Blog ziehen, meinen Mailserver aufräumen, der war voll und wollte keine Mails mehr empfangen. Eine Handvoll Wäsche waschen und zum Trocknen aufhängen.

 

Mittags hab ich mich angezogen, damit ich überhaupt mal rauskomme, und bin zum Starbucks. Und hab weiter gearbeitet, administrative Dinge im Blog erledigt, mein Finanzdesaster mal aufgerollt und Rechnungen bezahlt.

 

Gegen Abend bin ich noch durch die Stadt gestrolcht, hab mir ein Eis gekauft, um den Husten zu kühlen und dem Strassenmusikanten mit seinem Klavier zu gehört. Eine Kleinigkeit gegessen und recht früh wieder ins Hotel. Warme Dusche und ab ins Bett. Ich fühl mich nicht danach, dass ich morgen weiter ziehen kann. Morgen früh mal sehen, ob ich im Hotel verlängern kann.

 

Was ich dann auch gemacht hab. Es ist schon besser geworden, aber ich sollte noch einen Tag im Warmen verbringen. Meine nächste Route geht hinauf auf knapp 1000 Meter und wenn ich mir den Jura hier so ansehe, dann hat er recht viel Schnee liegen. Und der Wetterbericht sagt noch Regen bis zum Wochenende voraus. Ich werde durch viel Wald kommen und will auch draussen übernachten.

 

Ich hab heute über Monikas Prophezeiung nachgedacht. Ich will gar nicht die Hängematte nach Hause schicken. Nein, die will ich dabei haben, damit ich bequem schaukelnd in der Natur übernachten kann. Es wird Zeit, dass es wärmer wird, geb ich ja zu, aber deswegen immer und nur in Herbergen? Nein, das macht mir einen recht abhängigen Eindruck.

Man muss sich jeden Tag drum kümmern, meistens in der Früh telefonieren. Auf Französisch, wenn man nicht grad jemanden findet, der das für einen übernimmt. Und dann hat man's abgemacht und wird erwartet, man muss dann an dem Tag dort erscheinen (oder halt wieder absagen). Dann hat man nach einem anstrengenden Tag noch Abendprogramm, duschen, umziehen, zum Apero erscheinen und zum Abendessen auch noch einen Guten Eindruck machen. Da lob' ich mir doch die Freiheit, dort zu übernachten, wo ich grad keinen Bock mehr hab zu laufen. Oder wo es grad schön ist. Allerdings werd ich damit langsamer als die anderen Pilger sein, denn ich brauche abends etwas Zeit, mein Lager (vielleicht noch im Hellen) aufzubauen. Die anderen Pilger können dann noch laufen bis in die Puppen und sich in ein gemachtes Bett legen. Um der Monika allerdings etwas zuzustimmen, kann ich mir durchaus vorstellen, dass ich meinen grossen Schlafsack irgendwann loswerden will. Allerdings werd ich ihn wohl in Korsika brauchen, also wird er maximal zwischengelagert.

 

Und Blog aufhören? Ich verstehe Monika's Argumentation, dass man den Weg für sich geht. Und gar nicht jemandem mitteilen kann, was man dort erlebt. „Den Weg“ kann man nicht jemandem erklären, der ihn nicht selber geht. Das leuchtet mir ein, ist für mich aber kein Hinderungsgrund. Ich will Euch auch nicht „meinen Weg“ erklären, der sowieso so persönlich ist, dass er hier nur für mich verschlüsselt geschrieben steht, aber ich kann doch eine nette Geschichte drumherum erzählen. Die beiden Pilger gestern Abend konnten sich nicht vorstellen, eine Leserschaft zu haben, der ich eine Geschichte erzählen mag. Ihre Kommunikation erschien mir reduziert auf ab und zu mal nach Hause zu telefonieren. Deswegen konnten sie auch nicht verstehen, warum Strom trotz draussen übernachten noch so wichtig ist für mich. Ich weiss aber auch, dass ich auf meinen Wanderungen von einer Einstellung „erzählen wollen“ (bloggen) in eine Einstellung „erleben lassen“ wechseln kann. Es gibt Tage, an denen passiert so viel interessantes, dass ich darüber nicht mehr ans Bloggen denke, weil ich mitten drin (statt nur dabei) in meinem Leben stehe. Aber selbst diese Zeiten gehen vorüber und werden wieder ruhiger und ich hab wieder das Bedürfnis, Euch davon zu erzählen. Ich glaub also nicht, dass ich in zehn bis fünfzehn Tagen das Bloggen aufgeben werde. Es wird eher passieren, dass ich öfter einen Tag Pause mache, um meine Akkus mal wieder laden zu können und die Einträge nach zu schreiben. Und Hey, ich ab Zeit. Ich muss nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort sein. Weder Tag für Tag noch am Ende meines Urlaubs. (Erst am Ende von meinem Geld) 🙂

 

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One response to this post.

  1. Posted by Monika on 11. April 2013 at 20:25

    You are right.You have to walk on your own boots and make your own decisions. Thank you for everything and Buen Camino.

    Antworten

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