mit Internet weiter ins Unbekannte

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Um diese ominöse RIB für ein mobiles Internet zu bekommen, bin ich heute morgen zur Credit Agricole gegangen und wollte ein Konto eröffnen. Ich stand also da, mit Rucksack und Wanderstab und hab dem Bänker erklärt, dass ich eine RIB brauche. Und er meinte, dazu muss ich ein Konto haben.

Also, machen wir ein Konto. Wo leben sie? Unterwegs, auf dem Camino. Wir können kein Konto ohne Adresse machen. Ok, ich hab eine Adresse, aber ich bin nie dort. Arbeiten Sie? Nein. Haben Sie ein Einkommen? Nein. Wofür brauchen Sie das Konto? Damit ich Internet bezahlen kann. Aber wir wollen doch lieber eine „working relationship“ mit unseren Kunden. Und dann hat er mir erzählt, dass diese RIB nichts anderes ist als die IBAN und Swift von meinem Konto. Ach so… Ja, diese Daten hab ich ja von meiner Deutschen Bank… Nachdem ich alle benötigten Dokumente zusammengetragen habe, könnte mir der Bänker einen Termin zur Kontoeröffnung irgendwann nächste Woche geben. Da hab ich dankend abgelehnt und gesagt, dass ich bin dahin schon viel weiter sein werde. Aber mit diesen Dokumenten könnte ich ja dann dort ein Konto eröffnen.

Ich machte mich also auf den Weg, die drei Kilometer wieder aus dem Ort heraus, über die Autostrassen und über die Autobahn drüber, ich wollte zum Phone House im Centre Commercial zurück. Ich war noch nicht ganz aus dem Dorf heraus, da wartet schon jemand auf mich und erklärt mir, dass der Jakobsweg wo anders herginge. Und er würde mich schnell dorthin fahren. Ich konnte ihm nicht erklären, dass ich zum Einkaufszentrum wollte, und so hat er mich kurzerhand an der Kirche in Neydens abgesetzt. Dort, wo ich gestern Mittag angekommen bin und am Campingplatz nach einem Bankomaten gefragt hab. Sehr zuvorkommend, aber hier wollte ich doch noch gar nicht hin… Soll ich nochmal zurück? Oder drauf hoffen, dass die nächsten Dörfer Telefon-Shops haben? Ich beschließe, doch nochmal zum Einkaufszentrum zu gehen. Lieber heute Internet als morgen nicht einkaufen können und am Montag irgendwo anders schauen müssen.

Im Phone House war nur der Mitarbeiter da, der nur Französisch spricht. Aber ich konnte ihm klarmachen, was ich brauche und sofort zog er ein „Le Clé“ Angebot auf der Schublade. Kostet 50.- Und das ist heutzutage kein USB Dongle mehr, wie ich erwartet habe, sondern ein MiFi, ein kleines Kästchen, welches GSM entgegen nimmt und per WLAN an iPhone und iPad weiter gibt. Er hat mir das registriert und eingerichtet, mit dem iPhone verbunden und testgesurft. Sieht gut aus, geht also doch ohne RIB und ohne französischem Konto. Ich hab mich gefreut und bin erstmal einen Kaffee trinken gegangen. Blog aktualisieren, Strecke nachgucken, online sein halt. Aber irgendwie hat das noch so seine Macke. Meine eigene Webseite ging nicht auf, Google Translateur funktionierte nicht, Google Earth gab nur eine Fehlermeldung und die WordPress App konnte auch nicht aktualisieren. Ich hab natürlich gleich an die Einschränkungen der Provider gedacht und bin wieder in den Laden. Cette Internet est limitée. Nö, isses nich: die kleine Box booten, mein Telefon booten und siehe da, es geht wieder. Ok, also Blog aktualisieren. Ging wieder nicht… Nochmal booten. Dann ging’s mal wieder… doch nicht. Sehr wackelige Angelegenheit. Ich also nochmal zurück in den Laden, inzwischen war der english sprechende Kollege auch da. Er guckt sich das Problem an, bootet das kleine Kästchen, bootet mein iPhone, bekommts aber selber nicht ans Laufen. Der Filialleiter war inzwischen auch da, so haben sie sich das Problem zu dritt angeschaut. Plötzlich kamen sie auf die Idee, dass ich mal wieder Traffic aufladen müsste. In der Zwischenzeit hatte ich eine englische Erste-Schritte-Anleitung gefunden, in der beschrieben war, dass mit dem kleinen Kästchen (für 50.-) auch 100 MB mit dabei waren. Man könnte also sofort lossurfen 😉 Nur dass bei meinem iPhone auf Entzug 100 MB gar nichts sind, die waren in der Test- und Ausprobierphase schon verbraucht. Also hab ich nochmal 20.- bezahlt für 2 GB im Monat und die Verkäufer haben für mich bei der Hotline angerufen. Zwei Menüs, eine Dame auf Französisch, nochmal zwei Menüs und eine Warteschlange, ein Mann auf Französisch und eine längere Warteschleife später waren die 20.- auf meinem Account gutgeschrieben. War ich froh, dass die für mich dort angerufen haben.

Inzwischen ist es Mittag geworden und ich bin immer noch drinnen im Einkaufszentrum. Ich trinke noch einen Kaffee und sehe, dass draußen die Sonne scheint. Die paar Wolken am Jura sehen viel freundlicher aus als gestern, also raus aus diesem Konsumtempel weiter den Muscheln nach.

Nach Neydens ging es recht steil den Berg hinauf, so steil, dass Winterausrüstung und Schneeketten Pflicht sind 🙂 Ich war aber froh um meine Sommerkleidung, ich kann locker kurzärmlig laufen. Zwischendrin eine kleine Kapelle, in der ich wieder „auf den Weg“ kommen konnte. Hier lag ein Pilgerbuch aus, in dem ich Herberts Spuren entdeckt hab. Drei Tage Vorsprung hat er.

Und weiter hinauf. Im nächsten Dorf wurde an einem Haus Trinkwasser angeboten, man dürfe sich selber bedienen. Ein Angebot, welches ich gerne annehme. 500 Meter Höhe, weiter steigend. Bald war ich auf einer Kuppe und konnte die Senke von Genf überblicken, die Stadt und ihre Wasserfontäne, die Berge des Jura im Hintergrund, oben noch verschneit, gegen den blauen Himmel.

Beaumont mit der Jakobsstatue an der Kirche, 700 Meter. Ich weiß, dass ich auf etwa 1000 Meter hinauf muss. Das ist ein herrlicher Frühlingstag, Sonnenschein, frische, saftige grüne Wiesen, fröhliche Menschen, die in ihren Gärten arbeiten. Einer verbreitet sogar den leckeren Duft von Gegrilltem im Dorf. Ja, der Frühling ist da. Es geht ein bisschen ein Wind, der kühlt mich bei meinen Steigungen. Und plötzlich wundere ich mich, wie ich vor ein paar Stunden noch hin und her überlegen konnte, ob ich aufbrechen sollte. Als ich noch gefangen war im Konsumtempel und die Sonne nur durch die Fenster sehen konnte. Hier draußen kann ich die Sonne nicht nur sehen, sondern auch spüren, wie sie wärmt, sehen, wie sie die Pflanzen aus dem Winterschlaf weckt, riechen, wie die ersten Blumen blühen und mich ganz von ihr umfangen lassen, wie sie meine Stimmung deutlich anhebt. Ein neuer Aufbruch, ein unbekanntes Land, so frisch, freundlich und hell, es saugt mich quasi den Weg entlang. Ich bin aufgeregt, was noch alles vor mir liegt, was ich noch alles erleben darf.

Auf dem Hügel von St. Blaise, wo der Friedhof mit dem Handymasten ist, hatte ich dann einen tollen Ausblick auf das Neuland, was vor mir liegt. Weit schweift mein Blick und ich bekomme das Gefühl, die Welt liegt mir zu Füssen.

Doch es geht wieder hinunter, zum Col du Mont Sion, dahinter wieder hoch. Und einen tollen Ausblick auf Genf und den See.

Ich mag langsam nicht mehr und suche mir eine Schlafstelle. Nach einigem Stöbern durch Nutzwald und belassenem Wald bin ich fündig geworden. Etwas unterhalb der Geländekante, damit der Wind über mich hinweg weht.

Noch in der Abendsonne hänge ich die Matte auf, baumel ein wenig, bevor ich Essen koche. Heute gibt’s Kartoffelpü. Reh mit Bär. Lauch. Viel Bärlauch, war richtig scharf. Ich glaub, ich hab ne ordentliche Fahne. Mit der hab ich dann meine Isomatte aufgeblasen 🙂 Ich denke, gegen Vampire bin ich diese Nacht gefeit. Danach noch einen Tee, dann ab in den Schlafsack, um die Wärme bei mir zu behalten. Dank Internet konnte ich noch Fotos sortieren und hochladen und war noch vor dem Dunkelwerden fertig. Zwischendrin kam noch ein Reh gesprungen, hat mich aber früh genug gesehen und konnte einen Bogen um mich herum machen.

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2 responses to this post.

  1. Posted by Alex on 13. April 2013 at 19:27

    Hm was hesch du da fürnes chästli kouft??? Wer das öpis für mi weni is usland ga??

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    • In dieses Kästchen kommt eine SIM Karte (mit Datentarif) und per WLAN können dann mehrere Geräte diese mobilen Daten nutzen.

      In der Schweiz hatte ich nur eine SIM Karte und ich hab die immer wechseln müssen zwischen iPad und iPhone. Das war ein bisschen frickelig, vor allem mit der Grobmotorik einer Waldübernachtung.

      Nach dem ersten Verbinden kennen meine iGadgets das WLAN und verbinden sich automatisch, wenn ich das Kästchen einschalte. Allerdings braucht’s e chli Batterie, gestern Abend beim Hochladen von 50 Fotos bei mittelmäßigem Handyempfang war der Akku nachher leer. Wird aber per (standard) MicroUSB geladen, passt also auch ein meine Solarzelle oder an den Zigarettenanzünder.

      Antworten

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