Nathan

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Nach dem Aufräumen des Wohnmobils und dem Einpacken meiner frischen Wäsche, inzwischen kann ich die Wintersachen ganz unten in den Rucksack packen, und sechs voller Akkus bin ich weiter gezogen.

Noch ein Abstecher zur Kirche, aber die war leider zu. Es geht an der Rhône entlang, erst über Kieswege, dann über einen schmalen Trampelpfad durch den ruhigen Auenwald. Ein Schild macht mich drauf aufmerksam, dass ich durch den größten Pappelhain Europas laufe. Ich nasche ein bisschen Bärlauch und ein paar Brombeerblätter. Eine laute Autobrücke muss passiert werden, dann tauche ich wieder ein in das Vogelgezwitscher. Und auch heute wieder klopft ein Specht.

Bei der ersten Blogging Pause holt mich Peter vom Chiemsee ein. Auch auf dem Jakobsweg, auch er hat eine Muschel am Rucksack. Er rastet kurz, wir unterhalten uns und auf meine Frage, ob wir ein Stück gemeinsam laufen wollen, meinte er, dass er aber nicht langsam laufen kann. Also fühle ich mich angespornt, mit ihm Schritt zu halten. An der Rhône entlang, flach am Wasser, ging das auch ganz gut. Er ist zwar spürbar schneller als ich, aber ich hab zwei Stunden mithalten können und wir haben uns auf bayerisch unterhalten. Also er bayerisch und ich deutsch. Des g’herd ma fei ned, dass i vo Minga bin. Peter macht deutlich mehr Kilometer am Tag als ich, er ist deutlich schneller unterwegs. Und auch ihm ist gestern ein Hund „zugelaufen“, er ist ihn aber schon nach einer Stunde wieder los geworden. Wir unterhalten uns über dies und das, was spezielles ist mir nicht in Erinnerung geblieben. Außer, dass er sich beschwert hat, wie teuer doch die Schweiz ist.

In Chanaz, dem Ausflugsziel mit Böötchenfahren und Kaffee trinken, ging der Weg weg von der gemütlich flachen Rhône und stieg ziemlich den Berg hinauf. Ein Weg war so weit überflutet, das war schon ein mittlerer Bach, Peter wollte außen herum gehen. Ich war mir da nicht so sicher und bin einfach durchs Wasser hinauf.

Peter kam außen rum nicht weiter und musste dann über einen Stacheldrahtzaun klettern. Etwas mehr Anstrengung, als einfach im Wasser zu laufen. Dabei hat er doch auch gute Lowa Schuhe an… An einer kleinen Kapelle, die gröbste Steigung war geschafft, hab ich Pause machen wollen und wir haben uns verabschiedet. Er will heute noch bis Yennes. Und ich weiß gar nich so recht, was jetzt vor mir liegt. Aber das ist ja das Schöne für mich, unterwegs zu sein.

Mein Internet ist leer, es geht nichts mehr, kein Blog aktualisieren, kein Karte stöbern, kein fliegendes Auge. Ich muss wohl wieder zu einem Orange-Laden. Aber den gibt’s wahrscheinlich erst wieder in einem größeren Dorf.

Ich war noch nicht fertig mit meiner Pause, da kam Nathan an. Ein junger Mann aus Annecy, voll bepackt mit seinem Rucksack, auch 19 kg schwer, auch ausgerüstet mit Outdoor Equipment. Er spricht etwas English und so konnten wir uns unterhalten. Über essbare Pflanzen, über draußen übernachten und viele andere Dinge. Zwar wussten wir von den Pflanzen jeweils nur den französischen und deutschen Namen, aber mit viel Gesten und Erklärungen sind wir immer weiter gekommen. Nathan geht den Camino „auch nur“ wegen der guten Beschilderung, auch wenn er eine Karte mit dabei hat. Wir gingen gemeinsam weiter, etwas langsam zwar, denn Nathan war schon etwas k.o. Aber für einen Übernachtungsplatz zu suchen war es mir noch zu früh am Tag.

Wir zogen plaudernd über die Hügel, erfreuten uns an der Sonne, an der schönen Landschaft und haben uns recht gut amüsiert. Wir fanden einen Bienenschwarm auf dem Weg und er hat mir erklärt, wieso Bienen manchmal ein neues zuhause suchen. Wir haben uns die touristischen Schilder angesehen, den französischen Text und dann die deutsche Übersetzung. In einem Dorf hat er es übernommen, nach Wasser zu fragen. Voll betankt war es ihm langsam zu viel zum Laufen, er ist erst seit einer Woche unterwegs. Also haben wir gesucht und gestöbert, Plätze ausfindig gemacht und doch weiter geschaut, bis wir an den Hängen der Rhône einen schönen Platz gefunden haben.

Eine von Büschen überdachte Stelle zum Schlafen und unsere „Veranda“ mit Ausblick über den Fluss und die verstreuten Dörfer, auf der wir ein Feuer gemacht haben. Nathan hat ein Loch gegraben, er hat sogar eine Schaufel dabei, ich hab inzwischen Feuerholz gesammelt. Gemütlich am Feuer sitzend haben wir dann gekocht. Nathan hatte Mehl dabei, so hat er Brot (eigentlich Bannock) auf dem Feuer gebacken und er hatte eine Saussisson dabei, ich hab Nudeln zum Abendessen beigesteuert. Und wir redeten und redeten und lachten viel, halb englisch und halb französisch, er hat mir seine selbst genähten Säckchen für Reis und sonstige Utensilien gezeigt, er hat mir einige Dinge des Draussenseins beibringen können. Nebst dem Versuch, mir etwas französisch beizubringen. Wir haben uns echt gut verstanden. Unsere Kochsets, die wir mit uns herumtragen haben gezeigt, wie sehr die Franzosen das Kochen lieben und wie wenig es mir bedeutet. Sein Kochset ist deutlich grösser und auch spürbar schwerer als meins. Unsere Unterhaltung ging über Bio-Produkte und Gentechnik, über natürliches Essen und wie man sich im Wald verhält. Nathan hat sich „entschuldigt“, dass er nach dem Kochen und Essen gleich wieder aufräumt, er sei ein „Perfektionist“. Aber eigentlich wollte er nur alle seine Sachen beisammen haben, um zu wissen, wo sie sind. Wir haben gemeinsam gelacht, als ich das dann auch so gemacht habe. Ja, wenn man draußen ist, muss man auf seine sieben Sachen achten, denn irgendetwas liegen lassen und vergessen wäre schon doof.

Als es dann dunkel war, haben wir uns in unsere Schlafsäcke verkrochen und haben geschlafen. Leise rauscht ein Bach in der Nähe, irgendwo entfernt bellt noch ein Hund, der Mond scheint durchs Geäst über uns. Ich hab mich gefreut, einen Gleichgesinnten zu treffen, jemanden, der auch „zu viel“ als Pilger herumträgt und dafür draußen übernachtet. So jemanden zu treffen hatte ich mir vor ein paar Tagen noch gewünscht, heute ist der Wunsch in Erfüllung gegangen.

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