die Sonne lacht wieder

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Mein Internet ist wieder aufgeladen, mein Paket ist auf dem Weg nach Le Puy, ich hab ausgeschlafen und gefrühstückt, mein Fuss ist wieder etwas besser. Die kleine Krise von gestern ist überstanden. Die Sonne lacht wieder und der Frank lacht auch wieder.

Doch, ich bin ein klein wenig stolz auf mich, denn bei der Auswahl des Zielortes meines Pakets hab ich festgestellt, dass ich tatsächlich schon auf halbem Weg nach Le Puy bin. Das tut mir gut, meine Strecken in „überschaubare“ Abschnitte zu teilen, damit kann ich mich viel besser motivieren, als einfach so ins Unbekannte zu laufen. Und das Wetter ist natürlich auch ein wichtiger Faktor, Sonne hebt meine Stimmung sehr.

Heute nehme ich mir vor, jede Bank, die ich finde, für eine Pause zu nutzen. Und nicht mehr sechs Stunden am Stück zu gehen und dann genervt sein. So zum Beispiel die eine Bank oben auf dem Hügelzug, auf dem ich das Tal entlanglaufe, neben dem Friedhof, neben der kleine Kapelle, neben dem kleinen Dorf.

Eine kleine Rast, ein paar Zeilen Blog, dann kommt der Herbergsvater der kleinen Pilgerunterkunft heraus und spricht mich an. Er kommt immer heraus, um die kleine Glocke in der kleinen Kapelle zu läuten. Immer um zwölf Uhr Mittags. Wie jetzt. Klein, hell, beinahe schon zierlich, klingt die Glocke und verkündet den Mittag. So plus-minus, denn sie war etwas spät dran, weil der Glöckner noch im Gespräch mit mir vertieft war. Aber das macht nichts, viel wichtiger ist, dass Mittag ist, die Sonne scheint und man die Aussicht über das Tal genießen kann. Nach dem Läuten kam der Mann nochmal zu mir und erzählt mir seine Geschichte, als er den Camino mit seiner Tochter gegangen ist. Und welche glücklichen Fügungen ihnen dabei passiert sind. Er schenkt mir noch einen kräftigen, herzlichen, warmen Händedruck zum Abschied und wünscht mit einen Buon Camino.

Gemütlich geht es den Hügelzug ganz hinauf und darüber hinweg, wieder hinunter in das Tal auf der anderen Seite. Heute ist der Weg wirklich angenehm zu laufen, nicht steil, nicht steinig, meistens ein Feldweg mit einem saftigen Streifen Gras in der Mitte. Ein voller Bach rauscht und glucksert durch die Wiesen, er hat viel zu tun, all das Wasser voran zu bringen. Der Raps fängt an zu blühen, Löwenzahn steht überall herum, ich bin umgeben von Gelb. Die Sonne am Himmel, ein paar weiße Wolken.

Die nächste Bank finde ich am Sportgelände des nächsten Dorfes. Und nicht nur eine, hier stehen gleich eine ganze Menge herum. Na, die werde ich nicht alle nutzen für eine Pause, da reicht mir eine. Ein Schluck Wasser, ein Apfel, ein spannendes Fussballspiel der Jugendmannschaft, Sonne im Gesicht und Gras zwischen den Zehen. Heute gönne ich meinem Fuss öfter mal eine Pause. Ein paar Kommentare auf meinem Blog beantworten, das tut gut, wieder in Kontakt mich Euch zu sein 🙂

Langsamen Schrittes bin ich dann durch das Tal gewandert, durch Rapsfelder und frisch gepflügte Felder. Schön langsam, damit mein Fuss sich nicht wieder beschwert. Auf der anderen Seite des Tals musste ich wieder einen Höhenzug erklimmen und oben im Dorf angekommen, hab ich wieder eine Bank gefunden. Mit Ausblick. Ausblick über die Höhenzüge, über das Tal, welches ich heute durchwandert bin.

Mit Internet kann ich auch mein fliegendes Auge wieder benutzen und das hat mir gezeigt, dass auf der anderen Seite des Dorfes ein größerer Wald liegt. Also noch eine halbe Stunde weiter und dann einen Schlafplatz suchen.

Ich hatte wieder die Qual der Wahl. Auf der Wiese, Richtung Morgensonne und mit Ausblick auf den See dort unten? Oder lieber hier im Wald, nee, zu viele Brombeeren. Langsam suchend bin ich weiter durch den Wald und als die Schilder die Zuständigkeit der nächsten Gemeinde angekündigt haben, hatte ich „meinen“ Wald gefunden. Eine Mischung aus Kastanien, Buchen und Birken, der Boden nur mit trockenem Laub bedeckt und hin und wieder einer Kastanie. Etwas abseits vom Weg hab ich mir zwei Bäume ausgesucht und Hängematte aufgehängt. Beim Testen fiel mir wieder auf, warum die ich Hängematte mit mir herum trage. Sanft schaukelnd hing ich in der Abendsonne, konnte die Füsse hochlegen und mich dem Wald hingeben. Ruhig werden, eins werden mit dem Wald. Ihn spüren, ob ich hier hängen darf. Ein leichter Wind geht, aber hier unten kaum spürbar, ich sehe nur die Kronen der dünnen Bäume oben im Wind schwanken. Hoffentlich kommt kein größerer Sturm, nicht, dass so ein Baum noch abbricht. Es ist erstaunlich ruhig hier. Keine Vögel, nur ganz entfernt mal ein Zwitschern. Wieso gibt’s hier keine Vögel? Wenn ich mich an den Abend an der Jägerhütte auf dem Mont Tournier erinnere, dort war deutlich mehr los.

Und als ich so in den Wald lausche und mich ganz ruhig verhalte, durch die Bäume die Gegen inspiziere, da sehe ich zwischen den Bäumen hindurch, in etwa hundert Metern, eine Jacke. Was ein Schreck! Was macht die Jacke dort im Wald? Und sie bewegt sich auch noch! Aber ich höre keine Schritte auf dem trockenen Laub… Als ich mich etwas beruhigt hatte, hab ich meinen Wanderstab geschnappt und bin zu dieser Jacke hin gegangen. Sie hängt dort nur am Baum, kein Mensch drin. Uff. Schreck lass nach. Aber trotzdem komisch, warum mitten im Wald eine Jacke hängt. Vorne am Weg würd‘ mir das ja noch einleuchten… Aber egal, ich find auch keine sonstigen komischen Spuren. Ich kehre zu meinem Lager zurück und mache mir etwas zu Essen. Mist, ich hab vergessen, Wasser aufzufüllen, heute heissts wieder, sparsam sein.

Nach dem Essen klettere ich in meinen Schlafsack und schau den Bodentieren noch etwas zu. Ein paar Ameisen, ein paar Fliegen, ein paar Spinnen wuseln umher. Hier gibt’s sogar Spring-Spinnen. Hüpf, hüpf. Lustig anzuschauen.

 

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8 responses to this post.

  1. Posted by Matze on 23. April 2013 at 11:46

    Also, hier kommt ein Aufsteller: Das Wetter (zumindest in CH) wird von Tag zu Tag besser und so wird es auch im Rest des westl. Europa sein!
    Das bedeutet draussen schlafen, Geld sparen & die Natur geniessen!
    Le Puy-en-Velay … 140km und 2:17:00 … wenn man mit dem Auto fahren würde, für Dich wohl eher ca. 5 bis 6 Tage, oder?!
    Schon Deinen Fuss und der Tip mit dem Ibuprofen ist sehr gut … Dafalgan bietet sich hier an, kaum Nebenwirkungen und gut entzündugshemmend. Hat Kat sogar als einziges Medikament während der Schwangerschaft nehmen dürfen.
    Geht Deine Reise auch via Toulouse?

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    • 🙂 jaa das Wetter wird wieder besser. Fünf bis sechs Tage bis Le Puy würden die normalen Pilger veranschlagen. Aber ich bin langsamer unterwegs. Aber kein Problem, die französische Post behält mein Paket 15 Tage, bevor es „zurück geschickt“ wird. Nach Le Puy. 😀
      Toulouse? Nein, diesmal nicht. Aber ich hätte zwischen La Frette und La Côte abbiegen können auf diesen „Weg der Jakobspilger“. Hab ein Foto von dem Abzweig gemacht, dieses Blechdings mit den Jakobsmuscheln in zwei Richtungen

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    • Geld sparen? Hatte ich das erwähnt? Aber stimmt schon, ob Pilgerherberge oder Hotel, eine Nacht drinnen übernachten kostet mich jedesmal bestimmt 50.- € Da kommt mir das Mehr an Gepäck und der kommende Weg durch viel Wald schon entgegen 🙂

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  2. Posted by Peter on 23. April 2013 at 13:37

    Hey Frank, beruhigend zu lesen, dass Du wieder fit bist. Du hast die Sonne mitgenommen, hier ist April Wetter. Bietet sich aber auch zum Wandern an. Wenn Du mal ein Care-Paket brauchst :-), rechtzeitig bestellen, Frankreich ist weit weg 🙂
    Alles Jute vom Päsche

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  3. Posted by Matze on 24. April 2013 at 08:49

    Zeig mal Deine geplante Route bis nach Spanien auf nem Map bitte.

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    • Auf meiner Homepage, rechte Spalte, da gibt’s „Jakobswege in Google Earth“. Das sind Links zu KML Dateien auf Dropbox, die kannst Du auch kopieren und bei maps.google.com ins Suchfeld eintragen.
      Aktuell bin ich auf der Via Gebennensis, danach kommt Via Podiensis in Frankreich und Camino Frances in Spanien.

      Ist es das, was Du gesucht hast?

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  4. Posted by Matze on 25. April 2013 at 07:41

    Ja, danke!

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