Arztbesuch und Umzug nach Lyon

Drei Tage still sitzen, Fuss hochlegen und kühlen waren sehr langweilig. Es hat die ganze Zeit geregnet, so war das nicht ganz so schlimm, aber mein Tatendrang will weiter. Doch meinem Fuss geht es noch nicht bedeutend besser. Zwar ist die Schwellung des Sprunggelenks zurück gegangen, es ist kein dumpfer, ausstrahlender Schmerz mehr beim Auftreten, dafür kann ich jetzt mit ziemlicher Bestimmtheit sagen, welches dieser vielen Bänder im Fuss weh tut. Und der Schmerz ist ein hellerer, mehr pieksend geworden. Ich sollte immer noch nicht weiter wandern. Nachdem mir die liebe Dame vom Campingplatz nun schon dreimal angeboten hat, mich zum Doktor zu fahren, werde ich das heute mal annehmen.

Mal sehen, was der zu meinem Fuss sagt. Wahrscheinlich darf ich weitere paar Tage nicht wandern, deswegen überlege ich mir, einen Abstecher nach Lyon zu machen. Ist nur die Frage, wie ich dort hin komme…

Heimweh?

Ich hatte jetzt am Wochenende zwar Internet auf dem Campingplatz, aber sonderlich schnell war es nicht. Ich konnte mir die Zeit also nicht mit YouTube Videos oder sonstig bandbreitenintensiven Dingen vertrödeln. Das zweite Buch von meinem Vermieter ist auch nicht so toll, dass ich lange drin gelesen hab. Also hab ich in meinem eigenen Blog vom letzten Jahr gelesen. Wie ich die Via Spluga gewandert bin, wie ich bei den Walsern war, wie ich Susanna und Renate kennen gelernt hab. Und ich wollte dorthin zurück. Das waren so schöne Erlebnisse, so schöne Tage, so schöne Erinnerungen. Als ich dann aus dem Fenster in den hiesigen Regen geschaut hab, hab ich fast ein wenig Heimweh nach der Schweiz bekommen. Abends hab ich mit Freunden telefoniert, das hat mir richtig gut getan und mich wieder etwas getröstet. Aber in der Fremde fest zu sitzen ist nicht schön. Da sitze ich lieber in Bern fest, wo ich meine Freunde hab, wo ich mit ihnen ein Bierchen trinken kann oder ins Kino gehen kann. Hier in St. Maurice ist nicht viel los…

Nachdem mir die netten Damen vom Campingplatz dreimal angeboten haben, mich zur Klinik zu fahren, hab ich es heute mal angenommen. Nach dem Frühstück mit Croissants und Pain au Chocolat hat sie mich dann nach Roussilon gefahren. Bei der Notaufnahme hat sie sich gleich einen Arzt geschnappt, der etwas englisch kann und ich durfte einchecken. Hier kam mir zugute, dass ich eine Adresse in Frankreich habe, die mir von der Swiss Post Box zur Verfügung gestellt wird.

Nach einer halben Stunde im Warteraum durfte ich dann in eines der Behandlungszimmer. Noch ein paar Minuten, dann kam der Arzt. Schon mit dem zweiten Griff hatte er genau diese Stelle gedrückt, die mir weh tut. Au! Verdammt. Genau dort! Naja, jetzt weiß er es wenigstens, aber jetzt tut's mir richtig weh! Dann musste ich beim Röntgen noch etwas warten, dann kam ich in die Apparatur. Zwei große Belichtungsplatten wurden eingeschoben, ich musste mich auf die Standfläche des riesigen Apparates stellen. Der fing dann an, mich rückwärts zu kippen, bis ich auf dem Rücken lag. Die Ärztin rückte meinen Fuss noch etwas zurecht und verschwand hinter der schützenden Wand. An einem alten, flimmernden Schwarz-Weiss-Monitor konnte ich diesen bildgebenden Vorgang dann beobachten. So also sieht mein Fuss von innen aus. Den Fuss auf die andere Seite legen, noch ein Bild. Als das Bild ausgerichtet werden musste, damit der Fuss in der Mitte ist, wurde nicht etwa die Bildplatte verschoben, sondern der gesamte Patiententisch mit dem gesamten Frank drauf. Recht grobe Mechanik, die mich da durch die Gegend geschoben hat, bis mein Fuss wieder mittig auf der Bildplatte war. Und nochmal anders rum drehen, dann noch einmal so rum und einmal so rum. Sechs Röntgenbilder hat sie von meinem Fuss gemacht. Ich hoffte schon, ich könnte die Bilddateien mitnehmen und Euch gleich hier zeigen, aber bei der doch recht alten Technik fürchte ich, dass die Platten jetzt in irgendwelchen Chemikalien geschwenkt, entwickelt und fixiert werden müssen. In der Zeit darf ich wieder auf dem Gang warten. Der Fuss tut immer noch weh, dort, wo der Arzt hineingedrückt hat.

Wow, dann war ich aber erstaunt, als mir schon nach ein paar Minuten die Frau Doktor (die vom Röntgen) dann auf zwei großen 21″ Monitoren meinen Fuss gezeigt hat. Voll digital. Mit Rein- und Rauszoomen und rechts und links verschieben. Grad, dass sie kein 3D Modell erstellt hat. Aber das medizinische: keine Fraktur, nichts außergewöhnliches zu erkennen. Muss doch etwas an den Bändern oder Muskeln sein. Ich konnt's nicht lassen und hab gefragt, ob ich die Grafikdateien bekommen könnte und sie hat sich darauf positiv geäußert. Aber erstmal soll ich wieder auf dem Gang warten.

Doch schon nach ein paar Minuten wurde ich wieder aufgerufen, das geht ja doch Schlag auf Schlag hier. Die Franzosen wissen zwar gar nicht, wie sie meinen Namen aussprechen sollen, deswegen tun sie sich immer gleich entschuldigen, wenn sie ihn lauthals falsch über den Gang gerufen haben. Als nächstes musste ich die Röntgenaufnahme dann bezahlen, knapp € 50.-, per Kreditkarte. Geht ja noch. Statt den Grafikdateien bekomme ich allerdings diese riesigen Abzüge mit. Und ich werde wieder vor zum ersten Arzt geschickt, im Warteraum der Notaufnahme ist inzwischen kein Sitzplatz mehr frei, soviel ist hier los. Wieder warten. Aber wenn ich mir die anderen Patienten so ansehe, dann geht's mir ja richtig gut. Ich weiß auch nicht wirklich, warum mich die Dame vom Camping hier in die Notaufnahme von einem Krankenhaus gebracht hat. Aber hier hat's gleich alles zusammen. Englischsprechende Ärzte, Röntgengeräte, …

Der Arzt hat sich die Röntgenaufnahmen angeguckt, nach Brüchen und Haarrissen gesucht, aber alles für gut befunden. Er hat mir dann eine Sprunggelenkstütze angelegt und mir Ibuprofen und Dafalgan und eine Salbe verschrieben. Aber ich könnte weiter laufen, hat er gemeint. Aber nicht nach seinem Daumendruck genau auf meinen wunden Punkt, hab ich gemeint. Da hat er nur gegrinst 🙂 Dann noch das Rezept für die Apotheke und ich stand wieder in der Patientenaufnahme vorne. Nach dem Bezahlen hab ich noch nach der nächsten Apotheke gefragt und die Sprechstundenhilfen haben sich nicht entscheiden können, wer mir das erklären soll. „Du bist die, die English kann“, hat eine gesagt, dann haben zwei ganz gespannt geguckt, wie mir die dritte auf halb English und halb Französisch erklärt hat. Dann ihr erwartungsvolles Gesicht und sie hat sich riesig gefreut, dass ich das verstanden hab. Das war noch eine lustige Szene, wir alle vier hatten unseren Spass daran.

Bei der Apotheke hab ich dann die Medikamente geholt, bin wieder zum Krankenhaus zurück und hab Mme Jaillon vom Campingplatz anrufen lassen, dass sie mich wieder abholt. Die war ganz erstaunt, dass ich schon bei der Apotheke war und hat mich wieder zum Campingplatz gestellt. Auf der Rückfahrt haben wir gesehen, dass auf den Bergen, die ich auf dem Jakobsweg jetzt erklimmen muss, Schnee liegt. Echt kalt das Wetter hier, hat sie gesagt. Sie hat mir auch erzählt, dass jetzt ein Naturpark kommt und dass ich diesem gar nicht Zelten darf.

Mme Jaillon hat mich nach der Mittagspause zum Bahnhof gefahren, hat auch noch für mich ein Billet organisiert, mir erklärt, wo Gleis B ist und dass in zehn Minuten der Zug kommt. Sehr hilfsbereit, muss ich schon sagen. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass ich mehr Französisch verstehe als sie meint. Und dann kam der Zug, alle Wartenden waren genervt, weil er 40 Minuten Verspätung hat, der mich nach Lyon gebracht hat. Zwar nicht mitten in die Stadt zum Bahnhof Perrache, aber wenigstens nach Part-Dieux, dem TGV Bahnhof, den ich von Genf aus ja schon kennen gelernt hab. Von hier aus noch mit der Metro B und Metro D zum Funiculaire F, mit dem ganz hoch auf den Hügel, mit dem Bus zu den römischen Tempeln und ein Stück zu Fuss und ich war an der Jugendherberge angekommen. Es regnet. Aber vorsichtigen Schrittes und des Rucksacks entledigt mache ich mich an die Erkundung der Stadt.

Ich bin schon ganz durchnässt, als ich unten in der Altstadt ankam. Es ist erst fünf, viel zu früh, um schon was zu Essen zu bekommen. Ich gehe in ein Café, möchte einen Café au lait. Aber auch hier nimmt man das wörtlich. Ein Espresso und ein ebenso kleines Stamperl Milch dazu. Na… Das wärmt mich aber nicht auf. Und nachdem man mir auch gleich nach dem Kaffee die Rechnung serviert, will man mich wohl auch nicht lange hier haben. Immer diese Kleinkonsumenten. Oder weil ich alleine bin? Das nächste Café hat's dann schon etwas besser hinbekommen. Zwar auch die Rechnung gleich mit dem Kaffee präsentiert, aber die Bedienung wollte noch ein Schwätzchen mit mir halten. Aber aufgrund der Sprachdifferenzen sind wir nicht zusammen gekommen. Danach noch ein Häppchen essen und ich bin zurück in die Jugi.

 

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6 responses to this post.

  1. Posted by Matze on 29. April 2013 at 08:58

    Bin mal gespannt was der Doc sagt. Hoffentlich hast noch KV hier in CH!

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  2. Posted by Matze on 30. April 2013 at 07:20

    Ist Lyon rein wegmässig kein Rückschritt, ist ja immer 40km nördlich von St.Maurice?!
    Oder fährst anschliessend wieder zu Deinem letzten Stop mit dem Zug zurück?

    Antworten

    • Fortschritt, Rückschritt, Seitenschritt… Ist doch egal. Wanderferien mit Stadtbesichtigungen 😉
      Ausserdem hab ich hier in der Stadt Besuch 😀

      Antworten

  3. Posted by Matze on 30. April 2013 at 07:21

    Ich habs ja immer gesagt „DAFALGAN“!!! Aber auf mich hört ja keiner … 😦

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