kurzer Tag im Regen

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Die Nacht war windig, ständig haben die Bäume gerauscht, teilweise haben sie sogar so geschwankt, dass ich in meiner Hängematte mit ihnen gewackelt hab. Aber mein Dach hat gehalten und mir ist auch kein Ast auf den Kopf gefallen. Morgens, ich hatte grad die Augen offen, fing es zu regnen an. Ein nochmal anderes Rauschen. Und aus der tollen Fernsicht von meinem Schlafplatz aus hab ich nur die wolkenverhangenen Hügel und Wälder um mich herum gesehen. Jetzt aufstehen? Bei dem Regen? Ich mag noch nicht… und hab mich in meinem kuschelig warmen Schlafsack nochmal umgedreht.

Und es regnet und regnet, ich hatte immer noch keine Lust, aufzustehen, hab mir mein Buch geschnappt und gelesen. Hier sieht mich keiner hängen, unten am Jakobsweg, auf den ich schauen konnte, kam auch niemand vorbei, also musste ich mein Versteck noch nicht aufgeben. So hab ich noch stundenlang gelesen und mich gefreut, dass ich unter meinem Dach im Trockenen war. Gut, dass ich es gestern Abend doch noch aufgespannt hab.

Gegen Mittag wollte ich dann doch mal aufstehen, die ganze Zeit in der Hängematte abhängen ist dann doch etwas langweilig, selbst wenn man ein spannendes Buch hat. Die grauen Wolken wurden etwas lichter, es wurde etwas heller und der Regen hat etwas nachgelassen. Mein Lager zusammen gepackt, zwar nass, aber was soll’s. Und mit nassen Fingern war der Wind doch recht frisch, ich hab doch glatt meine Handschuhe nochmal ganz unten aus dem Rucksack gekramt. Aber bergauf und bergab ist mir wieder warm geworden, ich muss langsam laufen, damit ich in meiner Regenkleidung nicht zu viel schwitze. Doch das war leichter gesagt, als getan. Die Anstiege doch recht steil, hab ich mich irgendwann entschieden, dass ich mehr schwitze, als es regnet und meine Regensachen an den Rucksack geklemmt.

Am nächsten Anstieg, ich stand grad im Wald und war am Verschnaufen, kam Susanna hinauf gestapft. Sie ist aus Winterthur und aus allen drei Sprachen die sie spricht, haben wir uns recht schnell auf Deutsch geeinigt. Also Schweizerdeutsch. Mir ihr hab ich mich gut unterhalten, gemeinsam sind wir weiter gelaufen. Zwar viel schneller, als ich eigentlich wollte, aber das Gespräch wollte ich nicht missen. Susanna ist viel schneller unterwegs, hat aber auch längst nicht so viel Gepäck dabei als ich. Die hat ihre Unterkunft in Montfaucon gebucht, wo wir am Nachmittag ankamen. Ich war irgendwie voll neben der Zeit. Das graue Wetter lässt mich den Stand der Sonne nicht sehen, ich bin erst am Mittag losgelaufen, so war ich ganz erstaunt, dass es schon vier Uhr war, als wir in die Touristeninfo gegangen sind. Susanna durfte an deren Computern ihre Mails checken und ich hab mir die Übernachtungsmöglichkeiten in der Umgebung erklären lassen. Noch vier Stunden wandern bis zum nächsten Campingplatz oder mich bei Regen in den Wald schlagen, oder ein Hotel hier im Ort.

Susanna und ich sind noch einen Kaffee trinken gegangen, als ich mich entschieden hab. Heute bleib ich hier, Sachen trocknen. Nochmal bei der Touristeninfo hat mich die Dame dort einquartiert, wo auch Susanna übernachtet. „Bis nachher“ haben wir uns verabschiedet, als sie schonmal ins Hotel ist und ich noch in den Supermarkt gegangen bin. Ich hab noch etwas Wurst und Käse gekauft und hab mich dann auf den Dorfplatz gesetzt und den Leuten zugeschaut. Mit der Aussicht auf ein überdachtes Bett mit Dusche konnte ich die kühle Grauheit hier im Dorf etwas ruhiger betrachten. Eigentlich sollte ich Wasser tanken und mir einen Platz im Wald suchen, dort auch bald im Schlafsack verschwinden, damit meine Wärme bei mir bleibt. Aber mit dem Hotel im Hinterkopf konnte ich noch gemütlich im Dorf sitzen und gucken, bis ich dann auch ins Hotel gegangen bin.

Dort konnte ich dann mich und meine Kleider waschen, mein Tarp im Nebengebäude zum Trocknen aufhängen und um halb acht gab’s Abendessen. Das Pilgermenü heute: Gemüsesuppe, gegrillte Forelle, Käseplatte und ein Dessert. Mit Übernachtung und Frühstück zum Pilger-Sonderpreis von 48.- Euro. Ich fand das sehr angenehm, Susanna als Tischbegleitung zu haben, endlich mal wieder fliessend Schweizerdeutsch hören. Wir haben uns lange unterhalten, uns zum Essen eine Flasche Wein geteilt und einiges zu erzählen gehabt. Ob ich sie in meinem Blog erwähnen werde, und dass wir ein Tete-a-tete bei Kerzenschein hatten? 🙂 Klaro, ausser, sie hat was dagegen. (aber dann könnte ich ja immer noch den Namen ändern 😉 ) Gegen zehn haben wir uns auf unsere Zimmer aufgeteilt. Morgen soll es immernoch regnen. Aber es sind nur noch zwei Tage bis Le Puy, zumindest für Susanna, die dort ihr letztes Stück vom Jakobsweg geschafft hat und am Wochenende wieder nach Hause fährt. Ich hab mir das Höhenprofil der nächsten beiden Tage in ihrem Wanderführer angeschaut, es geht nochmal auf 1300 Meter hinauf. Das wird nochmal streng, selbst für Susanna, die es inzwischen gewöhnt ist, dreissig oder mehr Kilometer am Tag zu laufen. Ich glaub, ich lasse mir da etwas mehr Zeit.

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