ab in den Süden

Regen in Le Puy. Immer noch. Bzw. schon wieder. Gestern war es zwar zwischendrin mal sonnig, aber die Gesamtwetterlage hat sich noch nicht viel verbessert. Und es ist kühl hier, ich laufe die ganze Zeit im Pulli rum. Deswegen hab ich gestern Fahr- und Fährpläne studiert, Züge und Busse rausgesucht. Ich wollte eigentlich noch zu den Schluchten der Ardéche, dort gibt es einen Wanderweg durch imposante Schluchten und steinernen Bögen, mit Übernachtung auf zwei Biwak-Plätzen. Die Werbeprospekte der Gegend sahen echt interessant aus. Allerdings muss man auf der Wanderung zwei Furten durch die Ardèche überqueren und das darf man nur, wenn das Wasser maximal kniehoch ist. Das Tourismusbüro konnte leider nicht mehr herausfinden, aber ich befürchte, dass der Fluss nach all dem Regen deutlich mehr Wasser hat. Das ist mir zu unsicher, um die Tagesreise mit Bahn und Bus in dieses etwas abgelegene Gebiet zu machen.

Also hab ich nochmal alle Internetseiten kontaktiert, mir einen Weg in den Süden heraus gesucht. Ich mach mich heute auf den Weg Richtung Korsika. Dort ist zwar auch Regen angesagt, aber immerhin doppelt so warm wie hier.

Folgendermassen sieht mein Plan aus: mit dem Zug von Le Puy nach Lyon,

dort kurz in den Appleshop springen, ich muss noch ein kleines Zubehör haben, dann weiter mit dem TGV über Aix-en-Provence nach Nizza

und weiter mit der Fähre nach Calvi auf Kosika.

Dort soll ich dann morgen gegen Mittag ankommen. Frankreich ist doch etwas grösser, man ist doch immer ein paar Stunden unterwegs, selbst mit dem Wuuusch-TGV 🙂

Im Bummelzug von Le Puy nach St. Etienne hab ich zwei Schüler aus Ulm getroffen, die gerade von einer Städtepartnerschaftsfeier weiter fuhren. So hatte ich gute Unterhaltung auf der Fahrt, bis ich in St. Etienne in den TGV nach Lyon umgestiegen bin. Die zwei hatten nur den TER gebucht, mussten noch ein paar Minuten länger warten, bis sie nach Lyon kommen. Umtauschen oder Zug wechseln ging leider nicht, TGV ist etwas anderes als TGV. Es zählt wohl nicht nur die Strecke, sondern auch, wie schnell man unterwegs ist. In Frankreich weiss man vorher nie, auf welches Gleis man muss, das wird in jedem Bahnhof wohl erst kurz vor der Einfahrt des Zuges entschieden. Aber mein TGV stand gleich gegenüber, die zwei jungen Leute mussten noch etwas herumsuchen. Aber sie können ja Französisch 🙂

In Lyon kenne ich den Weg vom Bahnhof zum Apple Shop ja schon. Nein, ich hab mir kein neues iPad gekauft, auch wenn ich gerne eins hätte. Ich muss noch Platz schaffen, bevor Heinz mit seiner Spiegelreflex Kamera ankommt, damit ich diese grossen Bilder verarbeiten kann. Ich hab mir nur ein Adapter gekauft, damit ich seine SD Karten lesen kann. Der freundliche Verkäufer im blauen T-Shirt wollte noch meinen Namen wissen, und nachdem ich die Franzosen ja schon kenne, dass sie mit diesem Namen nicht viel anfangen können, hab ich ihn selber getippt. Er liest ihn und erzählt mir gleich, dass das doch ein berühmter deutscher Verlag sei? Er ist begeistert von den Fotobüchern aus diesem Verlag. Doch einen Franzosen getroffen, der unseren Namen schreiben könnte :). Am Schluss hat er noch ein Spässchen gemacht: Ob ich eine Tasche möchte. Ich hab auf meinen Rucksack gedeutet und gelacht 🙂 Danke, aber ich hab es Säckli dabei…

Richtung Aix-en-Provence wurde es immer weniger bewölkt, immer mehr blauer Himmel kam hervor, das Wetter wurde immer besser. Ich genoss die Fahrt im TGV, staunte, wie die Landschaft vorbei zischte und hab etwas gelesen. Eineinhalb Stunden lang mit 300 Sachen durch Frankreich brausen. Nicht ganz, denn in Avignon sind wir kurz auf der Strecke gestanden, aus Sicherheitsgründen, wie es hiess. Es ging aber bald schon weiter. Plötzlich ich sind einige Leute aufgestanden und haben sich in den Gang gestellt, vorne beim Gepäck, bei den Ausgängen. Ich hab mich noch gewundert, aber wahrscheinlich kommen wir bald in Aix an. Es kam allerdings noch keine Durchsage, keine Ankündigung des nächsten Halt. Und immer mehr Menschen standen im Gang herum, keine Chance mehr, auf Toilette zu kommen. Ich hab keine Ahnung, warum die sich so früh anstellen. Mit zehn Minuten Verspätung kamen wir dann in Aix-en-Provence an, war aber nicht dramatisch, denn es bleiben immer noch fünf Minuten zum Umsteigen Zeit. Und wenn das auch einer dieser TGV Bahnhöfe ist, dass wird der eh nur aus zwei Gleisen bestehen, da sollte man sich nicht weit verlaufen können. (Ein TGV Bahnhof hat vier Gleise, die beiden in der Mitte sind für die Züge da, die nicht anhalten, sondern mit 300 Sachen durchbrausen). Doch die Sache entspannte sich noch mehr, denn der nächste Zug Richtung Nizza hat 30 Minuten Verspätung, also überhaupt keine Hektik. Wegen Schwierigkeiten bei der „Preparation de Train“, hiess es. Vielen Dank für Ihr Verständnis. 😉

In Marseilles waren die Wolken dann ganz verschwunden, blauer Himmel soweit ich aus meinem Zugfenster sehen konnte. Jaaa, das macht mehr Spass als ständig tief fliegende graue Regenwolken zu sehen. Kurz drauf ist der Zug dann auf die Küstenstrecke abgebogen und fährt am Meer entlang! Dunkelblau. Azur. Was für eine Freude, am Meer zu sein. Wie weit der Blick schweifen kann. Vereinzelte weisse Schaumkronen zeugen vom Wind, der wohl über das Wasser streicht. Ich sitze im Zug und drücke mir die Nase am Fenster platt, ich freu‘ mich so, hier zu sein, ich kann mich kaum satt sehen. Gut, dass der Zug noch eineinhalb Stunden fährt bis Nizza 🙂

In Toulon gab’s einen kurzen Halt, ich hab mich kurz gefragt, warum ich nicht hier aussteige und mit der Fähre nach Korsika fahre. Aber ich kann mich nicht mehr erinnern, so viele verschiedene Verbindungen und Kombinationen hab ich gestern durchgespielt und angeschaut. Fahren hier nur die Nachtlinien und ich wollte am Tag auf dem Meer sein? Oder fährt von hier keine Fähre nach Calvi? Ich kanns nicht mehr sagen. Dabei fällt mir wieder ein, dass ich eh nur einen Weg gehen kann und es ist leider so, dass ich tausend andere Möglichkeiten links liegen lassen muss. Das ist mir beim Wandern auch schon aufgefallen. Wie gross ist doch die Welt und wie klein sind wir selber, wie soll man dabei alles sehen, entdecken, und angucken? Wir bewegen uns immer nur in einem winzig kleinen Streifen durch unsere Welt. Und so viel würde rechts und links davon noch auf Entdeckung warten…

An roten Felsen vorbei mit grünen Büschen drauf, weisse Möven darüber, blaues Wasser daneben, goldene Sonne am Himmel. Endlich ist die Welt mal wieder bunt. Durch diese tolle Landschaft hab ich mich fast die ganze Côte d’Azur entlang fahren lassen. Ich kam in Cannes vorbei, dicke Luxusjachten liegen hier vor Anker, in Antibes und Frejus, mal wieder am Meer entlang. Ein paar Flugzeuge sinken in die Bucht, der Flughafen von Nizza kann nicht mehr weit sein. Als der Zug dann dort war, hab ich das mal ausprobiert: ich hab mich viel zu früh an den Ausgang gestellt. Aber ich seh‘ den Vorteil nicht. Man kann nicht mehr aus dem Agentur gucken, man muss stehen, und schneller im Bahnhof ist man auch nicht. Ausserdem versucht die Abteiltüre einen immer einzuklemmen. Aber das ist nicht das Unsinnigste, was man in den Zügen machen kann. Es ist tatsächlich üblich, dass die Leute erst einsteigen wollen, wenn die Türen aufgehen. Und ich bin in Fernverkehrszügen unterwegs, entsprechend hat jeder einen Koffer oder ähnlich sperriges dabei. Dass die Leute aussteigen wollen, kommt scheinbar vielen nicht in den Sinn und entsprechend gibt es Reibereien und Engpässe. Wenn es dann doch jemand geschafft hat, aus dem Zug zu steigen, dann steht er inmitten der Traube der wartenden Einsteigenden und findet keinen Ausweg, wird aber von hinten geschoben. Das ist ein Geschiebe und Gedränge und ich frag mich, warum den Menschen nicht auffällt, wie ineffizient und nervraubend das ist. Ne ne ne, das muss echt effizienter gehen.

Mit einem kleineren Zug ging’s dann noch nach „nebenan“, in den Stadtteil in dem der Hafen liegt. Hier hab ich mir dann eine Bleibe gesucht und bin noch zum Hafen vor, um zu sehen, wo morgen die Fähre ablegt.

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3 responses to this post.

  1. Posted by Matze on 21. Mai 2013 at 07:47

    Was ist eigentlich aus Deinem deponierten Postpaket in Le Puy geworden?
    Viel Spass auf dem Weg nach Korsika.
    Da unten in Montpellier ist bis Ende der Woche schönes Wetter, bleib doch dort für ne Woche. 🙂

    Antworten

    • Das Paket war noch da. Mit einem Foto dieses „Schweizer-Post-gelben“ Pakets konnte man mir das auch schnell heraussuchen. Ich hab nichtmal einen Rüffel bekommen, dass ich so lange überzogen habe. Es hat zwar etwas gelitten, aber mit genug Klebeband hälts noch ne Weile.
      Jetzt hab ich’s unterm Arm, fahre nach Calvi und schicke es von dort aus nach Bastia. 🙂 Postlagernd ist schon eine praktische Sache 😀
      Paket in Le Puy

      Antworten

  2. Posted by Heinz Steidl on 22. Mai 2013 at 09:03

    Hey Frank,

    halte mal die Nase in den Wind. Korsika kann man schon lange vor Ankunft riechen.
    Das ist der würzige Duft der Macchia.

    Gute Reise
    Heinz

    Antworten

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