en course á Corse

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Es gibt zwei Seiten am Hafenbecken in Nizza und ich hab gestern Abend noch geschaut, auf welche Seite ich zur Fähre komme. Denn in der Früh mit dem Rucksack nochmal ganz um den Hafen herumlaufen zu müssen, wollte ich vermeiden. Mit Markus hab ich gestern nochmal auf Google Earth nachgeschaut und dort sah es tatsächlich so aus, als ob ich doch auf die andere Seite müsste. Ich war wieder verunsichert. Und Markus sollte Recht behalten…

 

Aber es fuhr ein kleiner Bus, der mich dann ganz um den Hafen herum auf die richtige Seite gebracht hat. Hier musste ich dann durch die Security Kontrolle, wo mein Gepäck geröntgt wurde. Der Beamte dort meinte, mit etwas grossen Augen, dass dort ein Messer drin sei; ein grosses Messer! (Ja, mein Outdoor-Messer zum Holz schnitzen). Das darf ich aber auf dem Schiff nicht verwenden! Ich hab gelacht und gesagt, dass ich das gar nicht auf dem Schiff benutzen will. Dann hat er mich durch gelassen. Weiter zum Büro der Corsica Ferries, ein Ticket kaufen und mit diesem durfte ich dann auf die Fähre. Ganz unten im Keller kommt man rein, auch als Fussgänger, und nach dem ersten Schwung Leute war der Lift defekt. Alles drücken und anfordern half nichts, laut Anzeige tat er keine Fahrt mehr. Egal, dachte ich, gibt sicher auch eine Treppe. Acht Stockwerke hab ich mich hinauf gearbeitet, bis in die verlassene Skybar. Dort hab ich meinen Rucksack abgestellt und bin losgezogen, das Schiff zu erkunden. Durch die Türe hinaus ins Freie, Treppe runter, nach hinten, noch eine Treppe runter auf das Deck mit dem Swimmingpool, rechts ums Eck, hier konnte man das Einschiffen der Fahrzeuge und den Hafen von Nizza sehen.

Wieder hinein, an den Kabinen vorbei, Treppe hinauf, ums Eck, noch eine Treppe rauf, nochmal Kabinen, am Ende von dem langen Gang war noch ein kleines Treppenhaus. Ein Stock höher und noch eine Tür und ich stand über dem Bug im Freien. Hier konnte ich sehen, dass gerade die Nase zu gemacht wurde. Das Boarding war wohl abgeschlossen, bald geht es los! Wie aufregend!

Zehn Minuten zu früh ging dann ein Zittern durch das ganze grosse Schiff, die Diesel wurden angelassen und langsam aber sicher steuerte die Fähre rückwärts aus dem Hafen. Die Aufregung der Passagiere war überall zu spüren. Es geht los! Auf in die Ferien! Mit einer eleganten Wendung war das Schiff dann aus dem Hafen heraus und steuerte auf die offene See zu, auf nach Korsika. Die Motoren gaben alles, das Kielwasser sprudelte wie ein Whirlpool, Volldampf voraus.

Im siebenten Deck gibt’s ein Selfservice Restaurant mit reichhaltigem Frühstück für 6€50 mit Kaffee, Orangensaft, Joghurt, Brot, Croissant, Butter und Marmelade. Und mit Blick aufs Meer. Danach hab ich mir einen Platz auf dem Sonnendeck geschnappt. Musik wird gespielt, es gibt eine Bar, an der ich noch einen Kaffee geholt hab. Das Meer ist ruhig, die Sonne glitzert auf dem Wasser, Nizza und die Berge, die verschneiten Alpen im Hintergrund verschwinden langsam am Horizont. Das flache weite Meer liegt vor uns, eine leichte Brise weht mir durchs Haar und ich lass mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Die Maschinen stampfen ihren Takt, das ganz Schiff vibriert leise und schaukelt ein bisschen in den kleinen Wellen. Entspannend. Herrlich, einfach herrlich. Und wie flach das Meer ist, ganz etwas anderes als die Vulkanberge der Auvergne 🙂

Plötzlich ein Knall an der Bar, ein Sektkorken fliegt durch die Luft. Party! Der Korken hat sich wohl selber gelöst, denn alle Umstehenden, inklusive mir, haben ganz verwundert geguckt 😀

Ich hab nach springenden Delfinen Ausschau gehalten, hab aber keine gesehen. Auch keine Wale. Aber auch kaum Schiffe, eines mal gaaaanz weit hinten am Horizont. Nur das azurblaue Meer, soweit das Auge reicht und darüber der blaue Himmel, getupft mit ein paar weissen Wölkchen. Und das Schäumen des Kielwassers, die Fähre pflügt sich unaufhaltsam Korsika entgegen.

Nach dem entspannten Sonnenbad neben dem Pool (in dem man nicht tauchen darf) rief der Schiffskoch zum Mittagessen auf Deck 6. Diesem Ruf bin ich gefolgt und hab mir gebackene Calamari und andere Meeresfrüchte schmecken lassen. Mit ein paar Tropfen ausgedrückter Zitrone drüber und Pommes dazu. Ich bin am Meer! Das ist schon etwas anderes als Linsenwurst mit Linsen 😉 Dazu ein Glas Weisswein. Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön *sing* 🙂 Cool, ich bin voll in Urlaubsstimmung, ich freue mich auf Korsika. Mit frohem Lachen im Gesicht stehe ich wieder an der Reling und geniesse diese Weite, dieses Blau, diesen Wind, diese Sonne, diese Reise, diese Freiheit. Ich stehe wieder vorne, über dem Bug, und könnte das Meer und die Welt umarmen.

Ja, das Leben ist schon eins der Schönsten 🙂

Mit dem Meer muss ich an Manu denken *wink*. Ich hab immer noch keinen Luftballonverkäufer gefunden. Ob die Ansichtskarte auch ankommt, wenn ich sie ins Mittelmeer einwerfe? Die müsste sich durch die Meerenge bei Gibraltar durchzwängen, an Tarifa vorbei und dann mit dem Golfstrom nach Norden getragen werden. Durch den Golf von Biskaya, an der Dune de la Pylat vorbei, durch den englischen Kanal, an der schwanzlosen-Katzeninsel vorbei, an der Bretagne und an der Normandie vorbei, durch die Nordsee, bis sie bei Brunsbüttel an Land geworfen wird. Wenn ich mir das so überlege, dann sollte ich zumindest wasserfeste Tinte verwenden 😉

Dann plötzlich, ich hatte mich für den Kaffe auf das inzwischen freie Sonnendeck begeben (:)): Eine Möve. Und es brauchte kein Krähennest, im zu erkennen: Land in Sicht! Am Horizont wird das Cap Corse sichtbar. Ganz fein, ganz pastellig, tauchen die Berge von Korsika am Horizont auf. Bald sind wir da.

Auf der Suche nach der Skybar, wo mein Rucksack und Wanderstab stehen sollten, hab ich noch eine andere Bar entdeckt. Mit Tanzfläche und Flügel drin. Und für den Flügel war sogar eigens eine Pianistin abgestellt. Naja, sie sass zwar, aber abgesetzt wär auch das falsche Wort. Ich weiss nicht, ob sie schon die ganze Überfahrt spielt, aber wenn ich mir so die anwesenden Gäste ansehe, dann muss das ein recht undankbarer Job sein. Keiner hat getanzt, ok, es war auch nicht so recht Tanzmusik, die aus dem Klavier gequollen ist. Für mich hat es eher den Eindruck gemacht wie Kaufhausmusik, damit man das Stampfen der Motoren nicht ständig in den Ohren hat. Und als die Töne mal verstummt waren, wohl war grad ein Stück zu Ende, hat auch keiner geklatscht. Die Leute haben sich eher unterhalten, aber eher sind sie teilnahmslos herum gesessen oder haben auf den Couchen der Bar geschlafen. Ein neuer Schwall an aneinander gereihten Tönen und die Pianistin hat sich recht Mühe gegeben, ihre Mimik hatte etwas von Empathie für ihre Musik. Aber wenn keiner der Anwesenden das würdigt. Ich weiss nicht… Barpianist wär nichts für mich, wenn man da so wenig Feedback bekommt. Da spiele ich lieber alleine für mich in einer Kirche, wenn ich kalte Finger hab. Ich wollte allerdings auch kein Aufsehen erregen mit meinem Beifall, deswegen blieb meine Bewunderung für die fleissigen Finger auf dem Flügel stumm. Ich hab allerdings auch kein Problem mit den stampfenden Schiffsmotoren, die uns immer näher an die Berge brachten und so bin ich auf das Deck über dem Bug und hab der Einfahrt in den Hafen von Calvi geharrt. Das Rauschen des Windes und der Wellen haben eh besser zu dem Spektakel gepasst als Klavierklänge.

Bei der Einfahrt in dieses türkisfarbene Wasser des Hafens von Calvi wurde dann feierliche klassische Musik auf dem Schiff gespielt, als schon eine Delegation korsischer Polizisten am Hafen wartete. Die Zitadelle zog langsam vorbei, als die Fähre rückwärts einparkte.

Dann kan der grosse Run auf Korsika, alle wollten aus dem Schiff heraus und die Insel erkunden. Nach den Fahrzeugen durften dann endlich auch wir Fussgänger an Land. Ich hatte vorher schon geschaut, wo sie Touristeninfo ist und bin direkt dorthin gegangen. Erstmal eine Unterkunft finden und mein Gepäck abstellen. Und Kleider wechseln, wenn hier ist es deutlich wärmer als auf dem Schiff, zumal die frische Seebrise nicht mehr da war. In der Information riet man mir, alle Campingplätze und Hotels anzurufen und zu fragen, ob sie noch etwas frei hätten. Hmm. Dafür bin ich doch hier? Ausserdem hab ich gar kein Telefon… also griff die Mitarbeiterin etwas missmutig zum Hörer. Doch die Campingplätze bieten wohl nur grossräumige Bungalows an, sie sagte mir, das sei zu umständlich, wenn ich alleine bin, ich solle lieber ein Hotel zu nehmen, das sei günstiger. Es ward auch eines gefunden, ein günstiges, etwas ausserhalb von Calvi, aber am Meer gelegen. Ich hab auf den Balkon mit Seeblick verzichtet und damit vier Euro pro Nacht gespart.

Mein erster Eindruck von den Korsen? Nee, nicht jetzt… Wahrscheinlich war ich etwas zu ungeduldig, was mir gleich entsprechend entgegen schlug. So bin ich, ohne meinen schweren Rucksack und in leichterer Kleidung nochmal zur Touristeninfo und wollte mich nach Wanderkarten in Richtung Calvi erkundigen. Ich hab dieses Mal auch eine andere Mitarbeiterin gefragt, aber trotzdem, die Menschen haben mir einen etwas stoffeligen und ungeduldigen Eindruck gemacht. Ich hab nur ein Verzeichnis aller Touristischen Informationen bekommen und wurde auf die kostenpflichtigen Broschüren über die Rundwanderungen in der Gegend verwiesen. Nach Bastia wandern? Das ist nicht mehr unsere Gegend. Basta. Und ich hab geglaubt, die Franzosen seien stoffelig. Die Korsen überbieten das noch, aber davor hat man mich in Frankreich ja schon gewarnt. Etwas enttäuscht bin ich durch die Stadt geschlendert, selbst die Autofahrer sind hier noch frecher als auf dem Festland. Ich hatte das Gefühl, man will mich hier nicht haben. Wenn ich nicht mit der Kreditkarte winke und den Eindruck mache, dass ich viel Geld auf der Insel lasse… Und dann komme ich als Wanderer und sage auch noch, dass ich möglichst wenig Geld ausgeben will. Big failure. Im Casino Supermarkt hab ich mir etwas zu essen gekauft und bin auf mein Hotelzimmer. Internet gibts auch keins. Toller Einstieg.

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2 responses to this post.

  1. Posted by Susanne Stein on 24. Mai 2013 at 06:24

    Hallo Frank!
    Wir machen im Juli einen Wanderurlaub im Bergell usw und sind so auf Deine Blogseite mit dem Wasserfall bei Soglio gelangt…Du schreibst sehr kurzweilig und lustig- könntest alles in einem Buch zusammenfassen! Wir wünschen Dir schöne Ferien auf Korsika und werden bestimmt mal wieder reinschauen, was Du so erlebst…Und vielen Dank für Deinen Hinweis auf die Bibel-App.! So was hatten wir schon lang für unsere iPods gesucht! Wir wünschen Dir Gottes Segen für Deine Reisen und viele Grüsse von
    Susanne und Andreas aus der Nähe von München

    Antworten

  2. Posted by Heinz Steidl on 24. Mai 2013 at 09:53

    Hallo Frank,

    lass Dich von den Korsen nicht unterkriegen, es gibt auch freundliche !
    Übrigens, in der Nähe von Calvi gibt es einen Campingplatz „La Pinede“,
    wo Du bestimmt günstig unterkommen kannst. Da gibt es auch große Bäume
    für Deine Hängematte und Internet gibts auch.

    Heinz

    Antworten

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