Halbinsel La Revellata

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Nach dem Abendessen, als die grösste Hitze des Tages vorbei war und die Sonne noch hoch genug über dem Horizont stand, hab ich mich auf einen Abendspaziergang begeben. Nach der Seefahrt wollte ich noch etwas laufen. Gleich beim Hotel fängt ein kleiner Wanderweg an, der bis zum Leuchtturm auf der Halbinsel La Revellata führt. Eine Stunde hin und eine zurück, das sollte noch bei Tageslicht zu schaffen sein. Zur Sicherheit nehme ich aber meine Taschenlampe mit.

Auf dem Weg treffe ich ein älteres Ehepaar, sie erwidern meinen Gruss sehr freundlich. Ein paar Jogger kommen mir entgegen, auch sie grüssen freundlich, selbst die, die Musik in den Ohren haben. So unfreundlich sind die Menschen hier doch nicht… Der Weg führt mich durch dichte Vegetation, es duftet herrlich. Auch den Geruch von Meer und Salz nehme ich jetzt erst bewusst war. Es riecht nach Urlaub. Ein schöner Abend am Meer, tiefstehende Abendsonne, ich muss an Zypern denken und wandere oberhalb des Meeres entlang.

Felsen ragen ins Meer, ich komme an einer Ruine vorbei, als ich auch schon auf der Halbinsel bin. Eine Familie hält mich an, fragt mich nach dem Weg zum Strand. Schulterzuckend versuche ich ihnen zu erklären, dass ich auch eben erst angekommen bin. Aber ich hab ja eine Karte auf dem iPad dabei, die halte ich ihnen unter die Nase. Ob sie darauf etwas erkennen können? Ja. Anhand der Strassen und der Umrisse der Insel konnten sie sagen, wo der gesuchte Strand ist und damit auch erkennen, dass sie schon zu weit gelaufen sind. Ein herzliches Dankeschön und einen Schönen Abend wünschen sie mir. Die Leute können doch sehr freundlich sein. 🙂 Sie bringen mir noch einen Vokabel bei: Leuchtturm heisst auf Französisch Tour de la Course. Eigentlich einleuchtend, wenn man es mal weiss.

Die Sonne senkt sich langsam hinter die Halbinsel, während ich dem leichten Auf und Ab des Weges folge, die abendrotbeleuchtete Zitadelle von Calvi ragt rechts von mir ins Meer. Tief orange leuchtet die Stadt vor den Bergen, die selbst jetzt noch Schnee oben drauf haben. Es kommen noch ein paar Jogger vorbei, schnaufend aber trotzdem freundlich grüssend, ich lasse eine Strandbar links liegen und komme an ein paar kleinen Buchten vorbei. In einer liegt ein Boot vor Anker, es will wohl hier die Nacht verbringen. Kann ich verstehen, bei dieser Aussicht über Calvi und die Berge.

Durch die „sensible und schützenswerte“ Vegetation wandere ich weiter, immer dem Leuchtturm entgegen. Ich kenne all die Pflanzen hier gar nicht, ausser dieser grossen Agave, aus der Tequila gemacht wird. Eine streckt ihren Phallus in die Luft, hier kann man gut erkennen, dass Agaven zu den Spargelgewächsen gehört, andere haben schon geblüht und die überdimensionalen Fruchtstände stehen wie schiefe Bäume in der Gegend. Nach der Blüte stirbt die Pflanze ab, die Blätter vertrocknen und machen wieder neuen Pflanzen Platz.

Doch nicht nur die Agaven stehen hier rum, sondern auch viele andere Blumen und Pflanzen in Hülle und Fülle. Diese und jene, die einen und die anderen, ich kenne sie maximal vom Sehen, aber benennen kann ich sie nicht. Nur Geranien hab ich noch als solche erkannt, zum ersten Mal, dass ich sie in freier Wildbahn wachsen sehe.

Es wird auf der Schattenseite der Halbinsel schon kühl, als ich am einzigen Ferienhaus vorbeikomme und den Aufstieg zum Leuchtturm mache. Pünktlich zum Sonnenuntergang bin ich oben und kann so die letzten Strahlen der Sonne noch geniessen. Calvi liegt inzwischen auch im Schatten der Halbinsel und in den Bergen tauchen ein paar Wolken auf. Die letzten Gipfel leuchten orange, bis auch sie in der blauen Dämmung des Abends verschwinden. Ich hab mich mit Schauen und Gucken und Fotografieren etwas aufgehalten, ich hab etwas mehr als eine Stunde gebraucht.

Nun aber, ohne Sonne, mache ich mich auf den Rückweg. Diesmal nicht über den kleinen Weg durch die dichte Vegetation, sondern über den Fahrweg. Gut dass ich meine Karte dabei hab, denn am Ende müsste ich einen Berg hinauf, um auf der Strasse wieder hinunter nach Calvi zu kommen. Das spare ich mir und biege kurz vorher wieder auf den kleinen Weg hinunter zum Meer, an der Strandbar vorbei und durch die Büsche wieder zum Hotel zurück. Inzwischen ist es dunkel geworden, der Fast-Vollmond scheint zwar hell, aber zwischen den Büschen war ich doch froh, dass ich meine Taschenlampe dabei hatte.

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2 responses to this post.

  1. Posted by Matze on 24. Mai 2013 at 11:31

    „…die grösste Hitze des Tages…“ – hier in CH gibts grad Kälterekorde, morgen Schneefall bis runter auf 800m und 3 Grad Celsius nachts.

    Antworten

    • Oh. Echt? Ja, aber… Es ist doch schon Sommer?
      Da bleibt nur eins: Werft Eure und meine Fotos von Südfrankreich und Korsika auf die GBA, dann wird die Stimmung im OCC auch wieder etwas wärmer 😉

      Antworten

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