Regen in Calvi, Umzug nach Île Rousse

Etwas müde bin ich zum Frühstück runter. War doch etwas spät nach dem Konzert gestern. Der Himmel hängt voll grauer Wolken, es regnet und der Wind bläst immer noch. Ich hab im Hotel ausgecheckt, hab mein Paket zur Post gebracht und nach Bastia geschickt und bin zum Bahnhof, die Fahrpläne studieren. Der erste Zug fährt um 6:40, der nächste um 12:20. Also hab ich noch Zeit. In einem Café am Hafen hab ich dem Regen zugesehen und dem Wind, es ist grau und ich muss warten. Ich hab das Gefühl, hier fest zu hängen. Ich kann mich nicht so recht entscheiden, was ich tun will. Nach Bastia? Noch nicht. Nach Ajaccio? Dort komme ich spät abends an, wenn ich hier erst am Mittag weg komme. Unentschlossen stöbere ich durch die Fahrpläne, aber viel gibts nicht zu studieren. Der Öffentliche Verkehr ist hier doch etwas dünn…

Nach zwei Kaffee am Hafen hab ich mich wieder zum Bahnhof begeben und ein Ticket nach Île Rousse gekauft. Der dieselbetriebene Zug wartet schon auf Gleis drei, um halb eins ging's dann los. Als wir die Bucht von Calvi verlassen hatten, war das Wetter auch wieder schöner. Blauer Himmel über blauem Meer, weisse Wolken über weissen Schaumkronen. Passend zu dem bayerisch, was fast überall im Zug gesprochen wird. Zischend und schnaubend poltert die Bahn an der Küste entlang. In den Bergen hängen noch graue Wolken, ich meine sogar mehr Schnee als gestern zu sehen. Kann aber auch sein, dass ich andere Berge sehe. An der dritten Station gebe ich meinen Fensterplatz einem kleinen Jungen frei, die Familie kenne ich schon von der Fähre.

Doch eine Viertelstunde später zeigt sich in Île Rousse der Himmel wieder böse. Die Touristen sind gerade alle aus dem Zug gestiegen und haben sich in einer Schlange in Richtung Innenstadt aufgemacht, als die dunkle Wolke über uns einen heftigen Graupelschauer nieder liess. So schnell konnte ich gar nicht schauen, wie alle wieder zurückgerannt gekommen sind, um im Bahnhofsgebäude Schutz zu suchen. Und der Wind blies heftig, die Graupelkörner sind fast waagerecht geflogen gekommen. Das Vordach des Bahnhofs, unter dem ich dachte, reicht es, mich unter zu stellen, hat keinen Schutz geboten und ich hab die harten Körnchen abbekommen. Gesichtsmassage á la Nature. Drinnen war alles voll, da hätte ich keinen Platz mehr bekommen, also bin ich hinter das Gebäude geflüchtet. Wenigstens mal aus dem Wind heraus, nass war ich eh schon. Doch so schnell der Graupelschauer da war, hat der Wind die Wolke auch wieder weiter geblasen und kurz drauf kam die Sonne wieder raus. Ein wechselhaftes Wetter heute… Inzwischen hatte ich dann auch mal den Regenschutz am Rucksack montiert, der war aber inzwischen schon gar nicht mehr nötig. Also hab ich mich mit meinem Wanderstab auf den Weg gemacht und war so der erste in der Schlange an Touristen in Richtung Stadtzentrum. Hier hat sich der Pulk dann verteilt und ich hab mich auf die Suche nach dem Tourismusbüro gemacht. Bald gefunden stand ich allerdings vor einer verschlossenen Türe. Dann suche ich mir halt selber ein Hotel. Nach einigem Stöbern und so manchem lauten Räuspern über die dreistelligen Preise für den Blick aufs Meer hab ich dann doch noch etwas kleines und günstiges gefunden. Die Dame an der Rezeption hat zwar erst die Karten bzw. die Zimmer neu gemischt, einen Moment bitte, hier etwas durchgestrichen, dort etwas umgetragen, hier mit TippEx drüber, dort etwas mit Textmarker markiert, bis sie mich dann in eine TippEx-Zeile eingetragen hat. So gut das halt geht, wenn der Kugelschreiber sich mit dem noch nicht trockenen Weiss mischt 🙂 Zimmer 345 im dritten Stock. Draussen stürmt es so heftig, ich getrau mich gar nicht, die Rolläden hoch zu machen, durch die Schlitze sehe ich, wie sich die Palmen biegen wie Sprungfedern. Es heult und pfeift, rauscht und klappert. Bei diesem Sturm möchte ich kein 9m2 Tarp aufspannen wollen. Ich fürchte fast, meine spillerigen Alu-Heringe würden das gar nicht halten würden.

Am Nachmittag telefoniere ich noch mit Heinz, wir planen unsere gemeinsame Wanderung nächste Woche, unsere Ausrüstung, besprechen, wer was mitnimmt und freuen uns schon auf den GR20. Er zeigt mir noch ein paar Möglichkeiten, per Bus durch Korsika zu reisen, falls die Bahn nicht ausreichen sollte 😉 Damit hat sich der Horizont meiner Möglichkeiten wieder erweitert, falls ich mal wieder nicht so recht weiss, was ich tun soll.

Am Abend war ich noch am Strand und an der Insel, die vor der Stadt im Meer liegt, die bei Sonnenuntergang rot leuchtet, und der Stadt ihren Namen gegeben hat. Die Wolken haben sich zumindest vom Strand verzogen, nur noch in den Bergen Türmen sie sich, rosa angeleuchtet von der Abendsonne. Das Meer tobt und wirft weiss schäumende Wellen an Land, die Gischt spritzt in alle Richtungen während ein kleiner schwarz-grauer Hund mich auf meinem kleinen Ausflug begleitet.

 

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