von Conca hinauf

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In der Morgendämmerung wacht der Campingplatz auf. Ssssssssip, sssssüp, ssssssssip, überall werden Reissverschlüsse aufgemacht und verschlafene Gesichter schauen aus den Zelten. Es ist viel los hier, wir sind längst nich die einzigen Wanderer. Die Mücken sind noch nicht aufgestanden, aber wir wollten nicht auf sie warten, sondern brechen gegen halb sieben auf.

Wir sind nicht die ersten Wanderer auf dem Weg, aber durch geschickte Navigation konnten wir uns bald an die Spitze setzen (pssst, unter uns: wir sind heimlich den weiss-roten Markierungen gefolgt. Gut, dass ich das jetzt monatelang geübt hab). Und das erste Stück war steil! Uff. Was waren wir froh, dass wir noch im Schatten des Berges gelaufen sind. Aber jeder Aufstieg wir mit einer Aussicht belohnt. Als wir die Reiseflughöhe erreicht hatten, konnten wir unter uns ganz klein den Kirchturm von Conca aus dem dichten Gebüsch ragen sehen. Weit schweift unser Blick über die Macchia, über die Hügel und das Meer, die Landschaft, die uns in der Morgensonne zu Füssen liegt.

Nach zwei Stunden haben wir einen schönen Platz gefunden zum Frühstücken. Etwas abseits vom Weg auf ein paar Steinen im Schatten und vor allem: ohne Mücken. Und mit einer herrlichen Aussicht auf die rotbraunen Felsnadeln der Umgebung, auf die Macchia und die Kiefernwälder, auf den Blauen Himmel und die Wanderer, die vorbei gingen. Doch wir sassen versteckt und konnten still und heimlich beobachten und zuhören, was die Deutschen Wanderer sich so auf dem Weg erzählen. Dann war es wieder still, der Geigerzähler von meinem Blog Tippen am iPhone auch wieder verstummt, und wir haben die Vögel zwitschern gehört, die Hummeln und Bienen sammeln fleissig den Macchia Honig und leise rauscht der leichte Wind in den Kiefern. Die Gruppe Franzosen hat man schon weit vorher gehört, aber keiner hat uns durch die Büsche durch gesehen. Wenn wir die alle hätten grüssen müssen, so wie die beiden Deutschen, die etwas weiter vorne direkt am Weg gefrühstückt haben. Nur ein Korse hat uns entdeckt und uns ein Bun Giornu zugerufen.

Nach dem Frühstück haben wir unsere Rucksäcke wieder geschultert. Meiner ist schon etwas leichter, etwas Brennsprit, den wir verbraucht haben, ein paar Haferflocken weniger, etwas Marmelade aus dem Glas und einen Liter Wasser weniger. Ich wusste schon, warum ich den Proviant und den Brennstoff mittrage 😉

Der Weg führte hinauf und hinunter durch bizarre Felsen und interessante Steine. An einem Bachlauf waren zwei Becken, in denen man baden kann, etwas weiter drüber fliesst der Bach als Wasserrutschbahn in eines dieser Becken. Zwei Päärchen haben sich dort in Badehosen vergnügt, doch wir wollten erstmal etwas Strecke machen.

Zumal es jetzt streitig und relativ steil bergauf ging, jetzt am Vormittag und gegen Mittag haben wir Höhe gemacht. Auf über 1000 Meter müssen wir hinauf und zwischendrin war es echt anstrengend.

Doch in einem Kiefernwald wurden wir mit einer Quelle belohnt, hier konnten wir wieder Wasser tanken und uns erfrischen. Als wir ankamen, brach gerade eine Vierergruppe Wanderer wieder auf, mit uns war ein Pärchen da, sie haben grad Brotzeit gemacht, es kam eine Vierergruppe an Joggern den Weg entgegen, mit nichts ausser zwei Litern Wasser auf dem Rücken. Die tun sich ja leicht, wenn sie kein Gepäck mittragen müssen…

Als Heinz und ich wieder aufgebrochen sind, kam grad ein neuer Schwung von bestimmt sechs oder mehr Wanderern an, es ist doch ziemlich etwas los hier.

Und weiter bergauf, jetzt nicht mehr ganz so steil und als wir oben waren, wandelte sich die Landschaft wieder. Die Felsen waren nich mehr rot, sie waren nicht mehr spitz und nadelig, sondern mehr rundgewaschen und löchriger. Mehr Tafonifelsen.

Und diese Aussicht am Pass, rund um uns herum schroffe Berge mit grüner Macchia drauf und Kiefern, vor uns liegt schon die Bavella Gruppe. Wir suchen uns einen gemütlichen Platz auf diesen Granitfelsen im Schatten der Mittagswolken und machen Brotzeit. Brot, Wurst, Käse, Apfel, alles noch da und so lassen wir es uns schmecken, während wie die Aussicht geniessen. Füsse befreien und entspannen, zurücklehnen und auf den Felsen bequem machen, Augen zu und etwas dösen. Hier hört man keinen Motorenlärm, nur die Fliegen summen um uns herum und ab und zu hört man mal einen Vogel.

Nachher ging’s über einen Pass und wir konnten wieder das Meer sehen. Leider gab’s kein Internet, trotz Sichtnähe von Ghisonaccia. Hier ging’s erstmal ziemlich steil hinunter, schade um die ganzen Höhenmeter, die wir am Vormittag hinauf geklettert sind.

Über den nächsten Pass hinüber änderte sich die Landschaft wieder. Exotische, unglaublich bizarre Felsen stehen in der Gegen herum, wie für einen Comic gemalt, gross, eindrücklich, mitten in der grünen Macchia und sonnenbeschienen. Ich kam aus dem Staunen kaum mehr heraus, vor allem als diese phantastischen roten Felsen von der Sonne angeschienen wurden und im Hintergrund braute sich im nächsten Tal dunkel drohend Gewitterwolken zusammen.

Auf unserem Weg durch diese faszinierende Landschaft kam auch ständig Donner von rechts, bis eine halbe Stunde später das Gewitter auch schon wieder vorbei war. Ein schöner lichter Lariccio-Kieferwald lag noch vor uns, ein letzter Anstieg und wir hatten nach sechs Stunden Wandern endlich die Hütte Paliri erreicht.

Direkt unter dem berühmten Loch im Berg, dem Trou de la Bombe. Leider hat’s die Sonne nicht mehr geschafft, uns durch dieses Loch zu scheinen, auch wenn sie nach dem Abendessen noch stundenlang die umliegenden Berge in diverse Rottöne getaucht hat. Doch wir waren zu müde, um das Farb-, Licht- und Schattenspektakel zu Ende anzuschauen, wir sind recht früh in unseren Schlafsäcken verschwunden.

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