gemütlich durch Wald

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Auch die Nacht bei der Prati Hütte war gar nicht so kalt. Und die Sturmverspannung hätten wir auch nicht gebraucht, es war eine recht ruhige Nacht. Im allgemeinen Gewusel auf dem Biwak-Platz haben auch wir drei unsere Zelte und Rucksäcke gepackt. Noch schnell Brot und Zeit eingekauft, meinen Rucksack wieder aufgefüllt, Wasser auch, und los geht’s.

Elke voran (wir sind eh schneller), wir hinterher, zum Grat hinauf. Nach zehn Minuten fanden wir Elke mit ihrem Garmin GPS in der Hand und einem Fragezeichen im Gesicht. Hier lang? Woher wir gekommen sind? Nee, kann nicht sein. Also zurück zur Hütte und den anderen Grat hinauf.

Von dort aus hatten wir einen tollen Ausblick auf die verschneiten Berge im Norden, für uns leider nicht ganz so toll, denn der Schnee verhindert ein paar Etappen des nördlichen Teils des GR20. Mit dieser Aussicht ging es dann steil bergab in den Wald hinein. Buchen und Kiefern, Schatten und Vogelgezwitscher und Bächlein, die rauschen.

Wir trafen auf eine geführte Jugendgruppe, die „freiwillig“ den GR20 mit orangenen Pfeilen markierten und mit rot-weissen Faltterbandern einige Stellen absperrten. Seinerzeitigen wohl eine Wanderung für den nächsten Tag vor, denn die Markierung des GR 20 war eigentlich ausreichend. Zumindest für uns Wanderer. Und sie waren auch nicht da, um an den fraglichen Stellen genauere Markierungen in rot-weiss anzubringen. Deswegen sind wir einmal falsch abgebogen, aber mit solch einer Bestimmtheit, dass die Jugendgruppe gleich hinter uns her einen orangenen Pfeil in unsere Richtung auf einen Stein gesprüht hat. Erst dann haben sie bemerkt, das wir uns nicht mehr sicher waren, wir suchten den Wald nach der richtigen Markierung ab, fanden sie auch schnell und waren wieder auf dem richtigen Weg. Der Stein mit dem orangen Pfeil in die falsche Richtung liess sich aber dummerweise nicht drehen, also mussten sie den Pfeil irgendwie wieder unkenntlich machen, durchstreichen, mit noch mehr Farbe 😉
Nach diversen Bächen und Flüsschen, einmal sogar mit einer Brücke, ging es ein paar Serpentinen steil bergauf, wir konnten uns nicht vorstellen, ob die Jugendgruppe diesen Aufstieg freiwillig machen würde. Da müsste man schon mit einer grossen Belohnung arbeiten, um sie zu motivieren 🙂 Oben trafen wir auf viele Wanderer, die dort Rast machten, aber wir wollten und nicht dazu gesellen. Wir laufen noch eine Stunde.
Plötzlich sahen wir einen schwarzen Stier, der etwas rechts vom Weg im Wald stand. Wir haben ihn dort stehen lassen, uns nicht viel weiter dabei gedacht. Kurz drauf kam ein weisser Stier entgegen, auf dem Weg, denn auch für ihn war der Weg einfacher zu laufen. Wir haben ihn vorbei gelassen, wir wollten uns nicht mit ihm anlegen. Er ist zu dem schwarzen Stier hin, die beiden haben irgendwas zusammen gemuht, wie wir aus der Entfernung vernehmen konnten. Dann kam der weisse wieder zurück, hinter uns her. Und mit vier Beinen ist er schneller als wir und er hatte uns bald eingeholt. Wir wussten nicht so recht, was er denn wollte, denn als er so hinter uns her trottete, muhte er beständig vor sich hin, fast wie ein Mantra, was er vor sich hin murmelt. Er kam immer näher und irgendwann war er bei mir hinten angelangt. Vielleicht will er ja nur vorbei? dachten wir uns und machten Platz. Da hatte er auch schon zum Überholen angesetzt, ging etwas durch die Büsche, vor Heinz wieder auf den Weg und trottete eine ganze Weile vor uns her. Durch den Wald über den angenehmen Weg, durch die vielen Bäche hindurch, die hier den Berg hinunter fliessen. Ob er uns den Weg weisen will? Beim nächsten Fluss haben wir diese Idee wieder aufgegeben, denn der Stier lief schnurstracks durchs tiefe Wasser, er wusste genau, wo er hintreten kann und wo er nicht von den Fluten mit gerissen wird. Als danach auch wir diesen Bach erfolgreich über Wunden hatten, sahen wir, dass auch der Schwarze Stier hinter uns war, wir liessen auch ihn überholen, um keinen Ärger zu machen.

Schon einige interessante Begegnung mit diesen Tieren. Aber sie waren schneller als wir uns bald hatten wir sie aus den Augen verloren. Weiter ging es durch den schattigen Wald, auf einer Höhe am Hang entlang, gemütlich zu Wandern und wir kreuzten viele Bäche. Breite, tiefe Bäche. Bei einem Bach war das Wasser zu reissend, dass es mir den Wanderstab aus der Hand gerissen hatte, als ich die Tiefe messen wollte. Huch, da schwamm er davon, mein Wanderstab. Ich gab Heinz, der etwas weiter unten am Bach stand, ein Zeichen, er ist sofort gesprungen, Beinen treuen Begleiter zu retten. Aber der hat sich im Wasser wohl gefühlt, gedreht und gewendet, hat sich treiben lassen und hing gerade an einem Stein fest. So konnte ich dann Fotoapparat und Rucksack ablegen und mit langem Arm meinen Stab wieder bergen. So war er auch mal wieder frisch gewaschen und nach dem kleinen Schreck ging es wieder weiter.

In einer Felsgruppe machten wir noch Brotzeit, von dort aus konnten wir schon den Skilift sehen, an dessen Talstation unsere Hütte liegt. Doch die Sonne war verschwunden, es brauten sich dunkle Wolken zusammen. Nach der Brotzeit hab ich sicherheitshalber meinen Regenschutz über den Rucksack gestülpt, sicher ist sicher. Und nach diesem Frühjahr darf man ja auch etwas vorsichtiger sein. Da, ein Regentropfen, es fängt schon an. Ein Donner über uns, aha, doch ein Gewitter. Es vorerst blieb es bei einigen Tropfen. Dafür ging es nun steil den Berg hinauf und bei den nächsten Tropfen war ich mir nicht sicher, ob das mein Schweiss oder der Regen war. Wahrscheinlich mein Schweiss, denn das Gewitter verzog sich ein Tal weiter, grummelte und donnerte dort vor sich hin und bei uns kam wieder die Sonne raus. Mitten im steilen Aufstieg. Es war bestimmt mein Schwitzen, was da tropfte.

An der Talstation angekommen, suchten wir uns eine der kleinen, halbwegs ebenen Parzellen auf dem terrassierten Bivak-Platz aus, Bauten unse Zelt aus und setzten uns mit einem verdienten Bierchen und der dazugehörigen Aussicht in den Abend. Vor uns die Berge und die östliche Küste der Insel, wir konnten sogar das Meer sehen. Ein paar weisse Wolken quollen aus dem Tal hinauf, rechts hinten hing das dunkle Gewitter und irgendwo dazwischen entstand ein wunderschöner Regenbogen.

Da sassen wir, mit dieser herrlichen Aussicht auf den Bierbänken, der Hund der Hütte stattete uns einen Besuch ab, wir hatten Handy- und Internetempfang, telefonierten mit Markus für unser Treffen morgen und tranken genüsslich unser Bier. Danach ging es unter die Dusche, die war zwar kalt, ab inzwischen hab ich mich daran gewöhnt, damit ich zum Essen frisch bin. Heute kochen wir ausnahmsweise mal nicht selber. Es gibt auch ausnahmsweise mal nicht Nudeln mit Sosse und so gönnten wir uns ein Hüttenmenü. Das bestand aus korsischer Gemüsesuppe, Polenta aus Mais und Polenta aus Kastanienmehl mit Rindfleisch und einem Stück Kastanienkuchen zum Dessert. Und einer Unterhaltung auf Holländisch nach links und auf Französisch nach rechts. Es ging (unter anderem) ums Wetter. Samstag bewölkt, Sonntag Regen in ganz Korsika, Montag wieder schönes Wetter mit 24°.

 

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