Regentanz im Gebirge

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Um halb sieben sind wir aufgestanden. Und kaum kamen wir von den sanitären Anlagen zurück, hat es angefangen zu regnen. Gerade jetzt, als wir Zelt und Rucksäcke gepackt haben. Mein Rucksack war recht schnell recht nass, ich hab mein Tarp vermisst… Pitschnass sind wir zum Bahnhof in Corte, haben mit einem heissen Café au lait und einem Pain au chocolat gefrühstückt.

Zwei Fahrkarten nach Vizzavona, der Elke zum Abschied gewunken, dann sind Heinz und ich wieder in die Berge gefahren. Schon auf halber Strecke kam die Sonne wieder raus, aber das hat nicht lange vorgehalten. Schon in Vizzavona war es wieder bewölkt und wirklich warm war es auch nicht, als wir los gelaufen sind.

Naja, das wird noch, bald wird die Sonne rauskommen, so haben wir uns noch Mut und Hoffnung gemacht auf dem Weg zu den Cascades des Anglais. Dort fliesst der Bach über mehrere riesige Granitfelsen, bildet Wasserfälle und Rutschen, Becken und Badegumpen, rauscht und spritzt, fliesst tosend Richtung Tal.

Falls es mal warm sein sollte, kann man hier wunderbar baden gehen und planschen, von den grossen Felsbrocken in die Becken springen und sich in Wasserfällen duschen und sich den Rücken massieren lassen.

Wir allerdings konnten froh sein, dass es gerade nicht regnete und so keine Gefahr für die Kamera bestand, als Heinz ein paar Tests mit der Belichtungszeit gemacht hat. Doch schon das Rumstehen war etwas kühl, so haben wir uns nicht lange aufgehalten. Heinz wollte noch sein braunes Brillenetui wieder finden, aber statt dessen hat er die Objektivabdeckung der Kamera auch noch verloren. Ist wohl nicht so sein Platz.

Der wiederum kam dann wieder oben, dort wo die kleine Brücke über den Wasserfall führt, wo der Picknickplatz am Bach ist. Inzwischen hat es wieder angefangen zu regnen, was uns aber nicht sonderlich gestört hat. Wir waren von heute früh eh noch nass, so langsam kennen wir das Gefühl und wenn wir bergauf steigen, dann wird uns schon warm.

Uns war noch nicht nach Pause machen, deswegen sind wir weiter bergauf gestapft, über Felsen, die mit der Nässe rutschig wurden, durch Erlengestrüpp, dessen schwarzen Äste und Zweige uns bei jedem Schritt festhalten wollten, über Schneefelder, die bei jeden Schritt eingebrochen sind. Das war anstrengend, ständig sind wir ausgerutscht, abgerutscht, haben fast jeden Schritt korrigieren müssen, und es regnet und regnet und regnet. Langsam aber sicher haben wir uns in die Regenwolke empor gearbeitet, dort drinnen war es genauso nass und gesehen haben wir bald auch nichts mehr.

In Regenklamotten vermummte Bergsteiger kamen uns entgegen, haben von Regen, Regen und Schneefeldern erzählt, unsere bange Frage, ob oben vielleicht die Sonne scheine, musste jeder verneinen. So langsam schwand unsere Hoffnung, dass bald die Sonne heraus kommt, es wurde nasser und nasser, inzwischen fing auch der Wind an, kalt um den Berg zu blasen und die gemessenen 6 °C fühlten sich noch kälter an. (Es gibt tatsächlich Wanderer, die ein Thermometer am Mann tragen). Wir überlegten einmal, was wir machen sollten. Umkehren? Weiter hinauf? Wie weit sind wir denn schon? Hälfte? Hmm. Weiter gehen.

Und es regnete und regnete, der Wind war kalt, wir haben kaum etwas gesehen, ständig glitt der Schuh vom nassen Felsen und wieder kamen zwei Wanderer entgegen. Nein, das Wetter wird nicht besser, es regnet bis oben hinauf und bald kommen auch noch mühsame Schneefelder. Ein zweites Mal haben wir überlegt. Und sind zu dem Schluss gekommen, dass es besser wäre, umzukehren. Selbst wenn wir auf der Hütte auf knapp 2000 Meter ankommen würden, unser Zelt ist pitschnass, unsere Klamotten sind pitschnass, wir selber auch, wäre sicher keine angenehme Nacht in dieser Höhe geworden.

Also haben wir uns auf den Rückweg gemacht. Über diese rutschigen Felsen hinunter, diesen nassen Regen von oben, diesen kalten Wind von der Seite. Drei einhalb Stunden Aufstieg wieder hinunter, im Nebel der Regenwolke um uns herum. Ausgerutscht, hingefallen, aufgefangen, aufgerappelt, weiter hinunter, es war kalt, die Finger haben gefroren.

Nach sechs Stunden Wanderung hatten wir endlich mal etwas Ruhe, eine Pause zu machen, um etwas zu essen. Der Regen hat mal kurz inne gehalten, damit wir etwas Brot und Käse und Coppa essen konnten, aber uns war immernoch saukalt. Deswegen sind wir auch bald wieder aufgebrochen, dem Bahnhof von Vizzavona entgegen. Die paar Ausflügler, die mit leichtem Gepäck und leichtem Schuhwerk zu den Cascaden wollten, haben wir so gut es geht ignoriert.

Wieder auf dem Campingplatz in Corte angekommen (hier hat die Sonne geschienen), hat uns Elke Willkommen geheissen und wir haben alle unsere Sachen auf die Leine gehängt. Inklusive Rucksack. Und haben erstmal eine heisse Dusche genommen, um wieder warm zu werden. Danach haben wir noch gemütlich zu dritt gekocht, es gab Tomatensalat und Reis mit Gemüse. Und zuletzt einen warmen Schlafsack im immernoch nassen Zelt.

 

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One response to this post.

  1. Posted by Werner Steidl on 10. Juni 2013 at 17:53

    Wer mit Heinz Urlaub macht,der hat mit Sicherheit RREEGGEENN
    Einer der das kennt !!

    Antworten

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