Rundwanderung zur Sega-Hütte

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Zum Abschluss von Heinz‘ Wanderferien machen wir uns heute auf eine zwei-Tages-Tour von Corte zur Sega-Hütte auf. Ohne GPS-Track, mein Telefon lebt immer noch nicht… Nochmal eine Nacht in den Bergen zelten, noch einmal diesen herrlichen Sternenhimmel bestaunen, noch einmal in einer Bergerie lecker Käse kaufen. Und auf der Sega-Hütte kann man gut essen, heisst es, deswegen lassen wir Kocher und Co. auf dem Campingplatz. Elke lässt ihr Zelt hier stehen, dort haben wir alle Sachen verstaut, die nicht mitkommen. Und morgen kehren wir wieder hierhin, zu Cheffe, zurück, um dann am Samstag gemütlich nach Bastia zu fahren.

Elke begleitet uns wieder, sie will in der Sega-Hütte übernachten und mit leichtem Gepäck mitwandern. Also ohne Zelt, Schlafsack, Isomatte. Nur ich hab, bis auf den Brennstoff, alles dabei, Brotzeit für zwei Tage, Brot, Schinken, Wurst, Äpfel, Käse. Ich werde also mit leichtem Gepäck wieder zurück kommen 🙂

Der Aufstieg durch das Restonica-Tal lief die ersten acht Kilometer über die Strasse. Über diese Strasse mit den engen Kurven, mit den kniehohen Mauern und den steilen Abgründen, die wir gestern mit dem Cheffe hinaufgeheizt sind. Wir haben uns entschieden, diesen Aufstieg am Anfang der Tour zu machen, denn in der Früh sind weniger Autos unterwegs als am Nachmittag. Und wenn, dann Einheimische, die Hupen (statt bremsen) anstatt Holländer, die in den Bergen etwas unsicherer fahren.

Und so ging’s hinauf und hinauf, das wild-romantische Restonica-Tal zog in Zeitlupe an uns vorüber. Zu Fuss hat man viel mehr Zeit zum Schauen, zum Entdecken, zum Staunen. Wie war das? „Nur wo Du zu Fuss warst, bist Du auch wirklich gewesen“ (J.W.v.Goethe) Und so zogen die steil aufragenden Felstürme, die bizarren Zinnen mit den wilden Laricio-Kiefern langsam an uns vorbei, als wir höher und höre hinauf stiegen. Das eine oder andere Auto überholte uns, aber insgesamt war wirklich wenig Verkehr.

Nach zwei Kilometern kam die Touristen-Info für dieses Tal, Elke und ich haben unser Französisch zusammengelegt und die Unterhaltung mit der jungen Frau dort geführt. Der Weg zur Sega-Hütte im Tavignano-Tal? Zu Fuss oder mit dem Auto? Hmm? Auto? Mit unseren Rucksäcken? Ne, ne, zu Fuss. Aber der Weg war eh klar. Kurz vor der Brücke, wo die Restonica auf die andere Strassenseite wechselt 😉 geht der Wanderweg rechts hinauf. Ok, das hätte unsere Karte auch gesagt. Und weiter die Strasse hinauf, die Sonne scheint, es ist warm, der Schweiss läuft mir durchs Gesicht.

Doch bald kam eine Quelle mit frischem, klarem Wasser, hier konnten wir uns erfrischen, kühlen und unsere Wasservorräte austauschen. Das warm gewordene, abgestandene Wasser in den Trinkschläuchen weg tun und durch klares, kaltes Wasser ersetzen. Wobei das „alte“ Wasser auch Quellwasser war, oben von der Quelle am Melo-See; wir sind ganz schön verwöhnt…

Am umgefallenen Schild zweigte dann der orange markierte Wanderweg von der Strasse ab und führte in steilen Serpentinen den Berg hinauf. Zweieinhalb Stunden bergauf. Die Sonne schob sich immer höher und höher, immer mehr gegen Mittag zu. Und wir konnten schon sehen, wie hoch dieses wilde und steile Restonica Tal hinauf geht. Aber wir machten uns an den Aufstieg, was sind schon 1200 Höhenmeter? Die steilen Zinnen gegenüber im Tal wurden immer kleiner, die hohen Berge gegenüber, mit dem Monte Rotondo kamen immer mehr auf Augenhöhe und die Restonica unten im Tal wurde immer kleiner und ihr Rauschen immer leiser.

Warm war es, steil war es, und es zog sich. Wie lange doch zweieinhalb Stunden sein können, aber Heinz hat eine gute Gabe, sich und andere zu motivieren. So beschloss er zwischendrin, dass jetzt der Endspurt käme, also nochmal durchatmen, Zähne zusammen beissen, noch einmal alles geben und die letzten Meter hinauf.

Oben auf der Ebene d’Alzu angekommen, mit einer herrlichen Aussicht über das grade erklommene Tal, fast von Corte bis fast zum Melo-See, erwartete uns ein wild muhender Bulle, der mit seinem mächtigen Körper einen mächtigen Resonanzraum bildet und damit seine Kühe zusammen rief. Sein Schreien fand in den umliegenden Berge ein grandioses Echo. Wir aber hatten nur einen Blick für einen Schattenplatz, an dem wir Brotzeit machen wollten. Die Bergerie d’Capellacio bot uns Schatten an und zudem noch ein grandioses Panorama,

vom Monte Tafunato über Paglia Orba und die Grand Barrière mit dem Monte Cinto bis hin zum Capo Bianco und Monte Padro. Davor, in sanft geschwungenen Hügeln die Bergeries Coletta und die „Partyhütte“ d’Alzu. Einzelne Mittagswolken schwebten über den Bergen im blauen Himmel, einfach herrlich, hier gemütlich Brotzeit zu machen.

Danach ging es wieder hinunter, an Kühen und Kälbern vorbei, durch Kiefernwald und durch Granitgeröll, vierhundert Höhenmeter bis zur Refuge de la Sega. Hier war kaum etwas los, als wir uns für Zelt und Zimmer, für Abendessen und Frühstück angemeldet haben. Zwei Zelte standen draussen, drinnen bekam Elke ein „Einzelzimmer“, in dem sie sich eines von sechs Betten aussuchen konnte.

Und erstmal unter die Dusche. Elke durfte drinnen warm duschen (wie langweilig), während wir Biwakierer den frischen Bergbach als Dusche bekamen (wie erfrischend). Um sieben gab’s dann Abendessen, inzwischen hatten sich noch fünf andere Gäste eingefunden und wir wurden alle an einem langen Tisch verteilt. Und dann hat der Küchenchef aufgeboten: einen grossen Topf mit korsischer Suppe, in der so richtig was drin war: Speck, Haxe vom Wildschwein, viel Kohl und Gemüse, Karotten und Bohnen und Kräuter der Macchia. Zwei Teller voll und wir waren kaum fertig, kam die Vorspeise: ein Riesen-Berg Pasta mit Tomaten-Sosse, der französische Tisch-Nachbar hat uns bei dem Anblick unserer Schüssel „Bon Courage“ gewünscht 😉 Bis seine Portion kam, da konnten wir uns revanchieren. Und noch als wir mit der Pasta beschäftigt waren, kam der Hauptgang: Linsen mit Wursteinlage, das war das leckerste am ganzen Abendessen. Welch ein Gedicht! Nach dem Apfelkompott zum Dessert spendierte der Hüttenwart noch einen Myrthen-Likör, mit dem wir unsere vollen Mägen beruhigen sollten.

Wir drei haben uns danach noch ein Gute-Nacht-Bier mitgenommen und uns in der Umgebung die Füsse vertreten. Der Tavignano-Bach kommt hier zwischen den Felsen hervor, bildet einen kleinen See, eine Badegumpe, fliesst über ein paar Steine lebhaft weiter, durch die steile Schlucht, die von der Brücke überspannt wird in eine andere Gumpe und weiter hinunter. Hier haben wir uns noch gemütlich ans Ufer gesetzt und den Abend ausklingen lassen.

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One response to this post.

  1. Posted by Werner Steidl on 13. Juni 2013 at 17:55

    Hallo ihr Zwei _ wir wünschen Euch einen erfolgreichen Auf und Abstieg .
    Gutes Wetter für den Rest der Wanderferien – Ich beneide Euch und freue
    mich trotzdem über den erfolreichen Abschluß

    Vater und Opa mit Oma aus dem Glashaus !“

    Antworten

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