von der Sega-Hütte zurück zu Cheffe

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Was für ein Sternenhimmel! Obwohl wir von Bäumen umgeben waren und ich nur einen Teil des Himmels sehen konnte, stand ich fasziniert da und hab ganz viele Sterne gesehen. Ich glaub, in diesem kleinen Ausschnitt hab ich so viele Sterne gesehen wie in einer „normalen“ Sternennacht am ganzen Himmel. Und die Milchstrasse war zu erkennen, so schön kenne ich die nur von den Bildern der ESA.

(Foto zur Veranschaulichung aus dem Internet geklaut, nicht selber gemacht)

Ganz fasziniert hab ich nach oben geschaut; wofür bin ich eigentlich aufgestanden? Ach ja stimmt… Ich dreh‘ mich zum Busch um (ich wollte nicht den fiesen Felsen zum WC hinaufklettern) und guck ganz verwundert: Die Sterne leuchten auch im Busch weiter! Nein, Moment, sie fliegen herum, das sind Glühwürmchen! Aber ich hab mich dann doch wieder ins Zelt verkrochen, um noch ein paar Stunden zu schlafen, schliesslich steht heute noch eine kleine Wanderung an.

Um viertel vor acht sind wir wach geworden, um acht Uhr gab’s Frühstück. Der Hüttenwirt hat einen gebrochenen Fuss, deswegen hat er nach der morgendlichen Begrüssung nur lässig auf den Tisch gezeigt, wo das „Frühstücksbüffet“ aufgebaut war. Eine Keks-Schachtel mit Knäckebrot (ohne Knack, es war schon lätschert), eine Keks-Schachtel mit Zwieback, eine Keks-Schachtel mit diesen trockenen Brot-Schiffchen, eine mit dem „Gewürz-Brot“, was wir eher als Kuchen ansehen würden. Fast alle sind beim Bestreichen mit Butter zerbrochen, aber dafür tunkt man sie ja in den Milchkaffee, den es dazu gab. Aber ich will mich nicht beschweren, es gab genug und zum Nachnehmen, satt geworden sind wir dicke und Kaffee gab’s auch genug. Als die Kanne noch nicht leer war, wurden wir sogar aufgefordert, doch die letzte Schale auch noch zu nehmen. Danach gab’s noch Bilder gucken beim Chef, der wegen seinem gebrochenen Fuss nicht aufstehen konnte (und wenn er es doch tat, hat er sich auf einen umgedrehten Besen als Krücke gestützt), Elke durfte noch mit ihm flirten (als wir das Zelt abgebaut haben) und sich auf seiner Foto-Wand verewigen, wir haben sie dann gerettet und sind losgezogen, das Tavignano-Tal hinunter Richtung Corte.

Auch dieses Tal bizarr, steil, felsig, kühn, der Weg am Abgrund, durch Wald, still, warm, duftend, kühl am Bach, leicht bergauf und wieder hinunter, ein paar Serpentinen, alle schön gearbeitet, in den Alpen würde man Säumerweg sagen, an verbrannten, zerbrochenen Baumstämmen vorbei, drunter her, über Felsen, unter Felsen, neben Felsen, eine Aussicht, bei der dank der steil abfallenden Klippe das Gesichtsfeld deutlich nach unten erweitert wird. Diese Stille, das Zwitschern der Vögel, das Glucksern der kleinen Bäche, das Rauschen des grossen Tavignano Baches ganz weit da unten.

Der Weg ging sich fast von selbst, kaum eine Anstrengung, aber auch nicht so, dass man gucken und gehen gleichzeitig hätte machen können. So standen wir manches Mal in dieser Kulisse und staunten, bewunderten, deuteten und spielten Sommer-Sonne-Freiluft-Felsen-Theater, wohl wissend, dass kein Foto auch nur annähernd etwas davon darstellen könnte.

Langsam arbeitete sich der Weg nach unten, zum Bach hin, zu seinen riesigen Felsbrocken, alle rund geschliffen, weiss gewaschen, nebendran und mittendrin in diesem grünen Wasser, wenn es gerade mal nicht irgendwo herunterschäumte, hell in der Sonne strahlend, teils im Schatten der Bäume, Buchten und Becken bildend, die zum Baden einladen.

An der Brücke mittendrin waren wir ganz am Bach, setzten Rucksäcke ab und zogen Schuhe und Kleider aus und Badesachen an und wagten uns in den kühlen Bach, der ein paar hundert Meter weiter oben noch Schnee war. So grün, so klar, so quirlig, so sauber, soo kalt 🙂

Doch die Felsen, grosse und kleine, luden zum Trocknen ein, zum Hinlegen und zum Dösen. Mittagspause am Gebirgsbach. An jedem Stein rauscht und murmelt er, fliesst und strömt vorbei, jede einzelne Stelle erzählt eine Geschichte und alles zusammen geben dieses Rauschen; das Fliessen hat einen Rhythmus und jeder Stein, an dem sich der Fluss verändert, klingt und rauscht in diesem Rhythmus. Dann ein grosses Becken, das Wasser wird ruhig, fast ohne Wellen und tief genug zum Schwimmen, genauso kalt, aber wie ein See, bevor es nur Minuten später zwischen den nächsten Steinen wieder Schwung aufnimmt und mit Glucksern und Schäumen weiter hinunter, um die Kurve, um die nächsten Felsen, weiterfliesst, um in der nächsten Badegumpe zu landen.

Während unserer Mittagspause kamen immer mehr Menschen in diesen Vergnügungspark, rasteten am Ufer, zogen ihre Schuhe und Hosen aus, wagten sich ins Wasser, genossen die Sonne und den Schatten und diesen Bach.

Uns zog es aber weiter, das Tal hinunter, nach Corte, zu „unserem“ Campingplatz, wo Elkes Zelt auf uns wartet. Tiefer und tiefer kommen wir, Corte liegt auf 400 Metern, wärmer und wärmer ist es geworden, dichter und dichter die Vegetation, die erste Hitzewelle Korsikas rollt an. Uff.

Genug trinken, mein Wasserschlauch schon leer, die Feldflasche schon am Gürtel, soviel trinken, dass ich trotz Schwitzen noch hinter einen Busch musste, just in diesem Moment hatte Heinz den winzig kleinen Weg gefunden, der uns schneller nach Corte bringen sollte. Gut haben die beiden auf mich gewartet, bis ich hinter dem Busch wieder hervorkam, sonst wäre ich glatt an dieser Abzweigung vorbei gelaufen. Über Steinterassen und durch dichtes Gestrüpp führte uns Heinz, an verfallenen Hütten vorbei, in denen sogar noch das Kochgeschirr stand, ich glaub, er hat die geheimen Wege der Restistance gekannt, mich hätte nicht gewundert, wenn Pascal Paoli plötzlich vor uns gestanden hätte. Aber diese Zeiten sind vorbei, deswegen alles zugewuchert und unten am Bach angekommen, waren Badeshort-bekleidete Jugendliche ausgelassen im Wasser am Planschen. Hier unten, aus dem Dickicht wurde langsam Wald, im Schatten, haben wir noch einmal gerastet und etwas gegessen. Den Rest Brot, etwas Coppa, zwei Äpfel, mehr war nicht mehr da. Mein Wasser auch schon fast leer getrunken, so kam ich mit leichtem Gepäck in Corte an. Nur ein Glas Marmelade hab ich noch dabei, sonst ist der Proviantbeutel leer.

Im Internet haben wir die Fugtickets für Heinz organisiert und ihn eingecheckt, in der Campingplatz-Rezeption bei Frau Cheffe die Boardingpässe ausgedruckt und dadurch morgen drei Stunden gespart, noch eine Waschmaschine Wäsche angeschmissen, damit Heinz frisch duftend nach Hause kommt, konnten wir einkaufen gehen für das letzte grosse Drei-Gänge-Camping-Menü.

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One response to this post.

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