Busfahrt nach Bonifacio

Alles ist vorbereitet, Geld abgehoben, Taschen gepackt, es kann los gehen. Alles ist in der Nähe, das Büro für die Fahrkarten fast neben dem Hotel, der Bus keine hundert Meter weiter. Schon praktisch, wenn alles zentral in der Innenstadt ist. Nur ein kleines Problem zeichnete sich heute früh noch ab: Der Bus nach Porto Vecchio fährt um 8:30 aber der Ticketschalter öffnet erst um 8:30, das könnte knapp werden. Aber nachdem Öffnungszeiten hier recht dynamisch sind, konnte ich schon früher ins Büro und ein Billet kaufen und hatte noch genug Zeit, zum Bus zu schlendern. Gefrühstückt hab ich auch noch, ein recht entspannter Morgen also.

Pünktlich ging es dann los, die Küste entlang Richtung Süden. Im Hafen liegt noch die grosse gelbe Fähre. Ich klappe meine Rückenlehne nach hinten, fläz' mich gemütlich in den Sitz am Fenster und geniesse die Fahrt. Ich guck mir die Landschaft an, die Berge im Hintergrund, schau aufs Meer oder döse etwas vor mich hin, lese ein bisschen und guck wieder aus dem Fenster.

Bei Ghisonaccia gab's einen Stau wegen einer Baustelle. So langsam schmilzt die halbe Stunde Umsteigezeit in Porto Vecchio dahin, aber was soll man sich auf halber Strecke darüber ärgern? Ich lese weiter und so lang kommt mir der Stau gar nicht vor. Zwischendrin halten wir an der einen oder anderen Haltestelle an, der Fahrer liefert ein Paket ab oder nimmt eins entgegen, Leute steigen ein und aus. Den Stop in Ste. Lucie kenne ich ja schon, hier steigen nur zwei Wanderer aus. Recht wenig, dafür, dass doch recht viele mit Rucksack unterwegs sind. Aber auch ich bleibe hier sitzen und warte, bis der Bus in Porto Vecchio ankommt.

Eine Stunde später als erwartet fahren wir auf dem Gare Routiere ein, der Bus nach Bonifacio ist längst weg, meint der Busfahrer bedauernd und entschuldigend. Ist ja nicht so schlimm, in vier Stunden fährt ja schon der nächste. Ich schnappe meinen Rucksack und meine Reisetasche und suche mir einen Platz im Schatten. Es ist Mittag und der Bus war angenehm kühl, jetzt spürt man die Mittagssonne erst recht. In einem Café am Hafen stelle ich meine Bagage ab und bestelle mir Wasser und einen Kaffee.

Ich stöbere so durch die Karte, doch, ein Crêpe gönne ich mir jetzt auch. Wow, was hab ich gestaunt, ich wusste gar nicht, dass man ein Crêpe so füllen kann mit frischen Früchten und mit Eiskugeln und Sahne, das Ganze dann kunstvoll zusammenfalten und mit Haarnadeln zusammenstecken kann. 🙂 Das war meine Entschädigung, dass ich hier erstmal gestrandet bin. Dummerweise mit Gepäck, das will ich nicht quer durch die Stadt schleifen. Und die Touristeninfo ist auch oben in der Altstadt. Ich bleibe erstmal am Hafen sitzen, nippe an meinem Kaffee und beobachte die Boote und die Autos, die Urlauber, die hier flanieren und freue mich, dass im kühlen Schatten auch noch etwas Wind weht.

Nachdem ich stundenlang an meinem Kaffee genippt und dazu kostenloses Wasser getrunken habe, viele Seiten in meinem Buch gelesen und viele Gäste hab kommen, Eis essen und wieder gehen gesehen habe, bin ich um vier zur Bushaltestelle gegangen. Halb fünf sollte laut Plan ein Bus nach Bonifacio fahren. Noch ein paar Minuten warten. Noch ein paar Minuten länger warten. Und noch ein paar. Ein Bus fuhr vor, aber das war nicht der richtige, dessen Chauffeur hat mich auf halb fünf verwiesen. Mein Deuten auf den Plan und die Uhrzeit 16:30 hat er schulterzuckend kommentiert, dass der wohl nicht käme, wenn er nicht schon da wäre. Also noch eine Stunde warten, vielleicht kommt der Bus um halb sechs ja. Also hab ich wieder mein Buch geschnappt und weiter gelesen. Gut, dass hier grosse Eukalyptus-Bäume stehen, die werfen wenigstens etwas Schatten. Um fünf fuhr dann ein Kleinbus vor, juhu, das ist der nach Bonifacio. Gepäck eingeladen, Ticket beim Fahrer gekauft und dann durfte ich drinnen warten, bis es halb sechs Uhr wird. Irgendwie vermisse ich den Öffentlichen Verkehr in der Schweiz… Aber jetzt komme ich wenigstens noch nach Bonifacio.

Nach einer halben Stunde angekommen, bin ich die hundert Meter auf der Strasse zurück zum Campingplatz gelaufen. Dort hab ich gefragt, ob noch ein Platz frei ist. Und endlich hat mal jemand gleich gewusst, was eine Hängematte ist. Sonst haben mich die Franzosen dumm angeguckt, wenn ich nach einem Platz mit zwei Bäumen wollte für l'hamac. Und es heisst wirklich so, ich dachte schon, dass ich das falsche Wort verwende. Nein, hier ist das kein Problem, hat die Chefin gesagt, kostet genauso viel wie ein Zelt. Eine Person, ein Zelt, macht neun Euro nochwas pro Nacht. Chefin hat gleich Laetitia losgeschickt, mir den Platz 17 zu zeigen, die ist dann vor gegangen, um mir den Platz einzuweisen. Die Zelte sind auf Terassen verteilt, mit Stufen zu erreichen, dort, wo die Fahrzeuge nicht hin kommen. An den Sanitäranlagen vorbei, die erste Treppe hoch, dann die zweite noch, erster Platz auf dieser Terasse. Ziemlich eng hier, aber die Bäume haben einen guten Abstand und ich konnte meine Hängematte schön aufhängen. Nachdem hier alle meine Nachbarn durchlaufen, hab ich das Tarp noch als Sichtschutz abgespannt, meine offene Seite zeigt die Terassen hinunter. Ich hab einen tollen Überblick über den Platz und kann den Nachbarn unter mir direkt in ihren Kofferraum schauen, aus dem sie leben. Neben mir sind zwei junge Leute mit kleinem Zelt, sie sitzen im Schneidersitz davor und kniffeln, während ich gemütlich schaukelnd die Füsse baumeln lasse. Ich glaub, ich bin der Hingucker auf dem Platz, ich fühle mich doch etwas beobachtet. Aber macht nichts, ich kann die Hängematte ja auch noch anders herum drehen und mein Fliegennetz über mir aufspannen, damit kann mir keiner richtig reingucken.

Als mein Lager fertig aufgehängt war, bin ich noch kurz vor zum Hafen gelaufen, ist fast um die Ecke, dort gibt es einen kleinen Supermarkt, in dem ich mir mein Abendessen und Brotzeit eingekauft habe. Gross durch den Hafen stöbern wollte ich noch nicht, dafür ist mir noch etwas zu warm, ich bin lieber zum Campingplatz zurück und hab zu Abend gegessen. Gab kalte Küche heute, Salat mit Brot, ein paar Tomaten und ein Pietra dazu. Die zwei jungen nebenan haben auch schon ihren Trangia-Kocher angeschmissen, die unter mir schnippeln ihre Zucchini und kochen mit einem fauchenden Gaskocher. Es geht schon eng zu hier auf dem Campingplatz. Fast als könnte man zum Nachbarn rüberpieksen und ihm das Essen vom Teller klauen. Aber das stört mich nicht. Ich finde das cool, dass ich hier mit meiner Hängematte schaukeln kann und hab mit meinem Tarp auch ein bisschen das Gefühl von Privatsphäre. Internet gibts auch, allerdings reicht das nicht bis zu meinem Platz hinauf. Gras gibts nicht, der Platz besteht aus hartem Sand, kein Problem für meinen Hering, aber der Nachbar konnte das Nudelwasser nicht einfach so ausschütten, sondern musste an mir vorbei zu den Waschbecken hinunter. Ein Glas Pesto reinmischen und fertig ist ihr Abendessen. Die unter mir mischen sich schon mehr Gemüse zusammen und kochen auch mit einer richtigen Pfanne; wer mit dem Auto unterwegs ist, muss halt nicht ganz so auf Gewicht achten wie die Wanderer. Die Campingplatz-Katze streunt umher und guckt in die verschiedenen Töpfe, nachdem auch jeder auf dem Boden kocht, ist das kein Problem für sie. Aber naschen tut sie nirgends, wohl nicht ihr Geschmack dabei…

 

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One response to this post.

  1. Posted by Mama on 19. Juni 2013 at 07:38

    Hallo Frank,
    wie geht´s jetzt weiter?? Willst Du noch immer den Jacobsweg zu Ende machen??
    Viele Grüße Mama und Papa

    Antworten

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