ein Tag in Narbonne

War dann doch nichts mit früh aufstehen, ich hab bis um 7 Uhr geschlafen. Ich wundere mich, dass ich locker zehn Stunden schlafen konnte, wovon soll ich den. So müde sein? Naja, kurz auf dem Zimmer gefrühstückt und dann bin ich losgezogen. Ich wohne in der Strasse gleich gegenüber dem Touristenbüro, dahinter ist auch schon der Canal.

Ich schlendere durch die Stadt, im Augenblick ist noch viel Lieferverkehr unterwegs, auch in der Fußgängerzone. Ein Geldtransporter beliefert eine Bank, ein Lastwagen liefert Güter für das Kaufhaus, die Seifenmänner machen die Stadt sauber. Gut, dass der Seifengeruch hier nicht so penetrant ist wie in Avignon. Ein Getränkelaster bringt Fässer, ein Restaurant wird mit Lebensmitteln versorgt. Die Straßenreinigung wuselt mit ihren Elektromobilen über den Rathausplatz und die Stadtangestellten eilen mit dicken Dokumententaschen oder einem kleinen Säckli mit dem Frühstück zur Arbeit. Hier am Rathaus hab ich auch ein freies WLAN gefunden.

Als ich durch die Stadt geschlendert bin, hat es kurzzeitig mal geregnet. Aber das war kein kühlender Regen, sondern eher etwas Dampf in die Luft bringen. Es geht kaum ein Wind, es ist dampfig und ich schwitze vom Nichts-Tun. Das Wetter ist bewölkt, eigentlich bin ich ganz froh, dass es nicht richtig heiß ist, aber wenn mir trotzdem ständig der Schweiß den Rücken hinabläuft… Ein Thermometer an einer Apotheke zeigt 23°C, gar nicht mal zu warm. Aber die Wechselanzeige zeigt auch den 1. Januar und eine falsche Uhrzeit an. Wer weiß, ob das Thermometer richtig funktioniert… Am Bahnhof hab ich endlich einen Geldautomaten gefunden und mich mit Bargeld versorgt.

Nach zwei Stunden war ich auch durch die äußeren Quartiere der Innenstadt gelaufen und wieder am Rathausplatz angekommen. Im Supermarkt hab ich mir eine halb-Liter-Flasche zu Trinken und wieder auffüllen gekauft. Vor dem nächsten Regenschauer bin ich in die Kathedrale geflüchtet. Hier hab ich mich auch gut eine Stunde nochmal aufgehalten, der Regen hatte nachher zwar wieder aufgehört gehabt, aber die Sonne ließ sich immer noch nicht blicken. Dafür fühlte sich das Wetter jetzt nich mehr so dampfig an, jetzt war es richtig angenehm.

Auf der anderen Seite des Kanals geht die Altstadt noch etwas weiter, diesmal hab ich’s auch geschafft, zu Öffnungszeiten in die Markthalle zu gehen. Die Stände hier sind bunt von den angebotenen Waren, Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch, Käse und Wein werden angeboten. Etwa die Hälfte der Stände sind zu kleinen Bars umgebaut, bereiten auch Speisen zu und sind jetzt in der Mittagszeit recht gut besucht. Man trinkt ein Bier oder ein Glas Wein und lässt sich von den kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnen. Nach meinem Mittagessen bin ich ins Hotel und habe Mittagsschlaf gehalten. Ich fühl mich immer noch nicht ganz auf der Höhe, hab auch bestimmt eine Stunde lang geschlafen.

Am Nachmittag möchte ich noch den einen Geocache holen, den Narbonne zu bieten hat. Ein „Multi“, deren drei Aufgaben schnell gelöst waren. Ich wollte erst gar nicht, aber nachdem ich die Ecken schon kannte und heute nochmal dran vorbeigekommen bin, hat sich diese Aufgabe fast schon aufgedrängt.

Doch vorher hat mich meine Nachmittagstour in eine andere Richtung geführt. Ich hatte kein spezielles Ziel, einfach nicht wieder auf den bekannten Wegen durch die Altstadt. Also habe ich den Kanal überquert und bin durch enge Quartiergassen geschlendert, hab Jugendliche mit Kampfhunden gesehen, alte Leute, wie sie an ihren Fenstern sich die Welt da draußen anschauen,

bis ich zur Basilika St.-Paul Serge gekommen bin. Sieht alt aus, mittelalterlich, teilweise baufällig und ein Teil der Kirche ist wirklich eingerüstet. Drinnen gabs neben der hohen Bogen-Decke viel zu bestaunen. Auch hier sind einige kleinere Kapellen um den Chorraum herum angeordnet, mit allerlei Verehrungen einiger Heiliger.

Ich finde ja diese Gemälde so faszinierend, auf denen der Hintergrund dunkel gehalten ist und mit kräftigen, satten, leuchtenden Farben wird die zentrale Szene dargestellt. Zum Beispiel die Szene der Kreuzigung, Jesus am Kreuz, darunter seine Mutter und der Jünger. Der Hintergrund ist tiefgrau, wolkenverhangen, durchaus mit Struktur im Bild, nicht einfach schwarz, die Dunkelheit, die sich stundenlang übers Land legte, als Jesus starb. Und vor dieser Dunkelheit der hell erleuchtete Jesus, wie wenn das Licht des Himmels auf ihn fiele, genauso awie auch auf die anderen beiden. So kontrastreich, so plastisch, so leuchtende Farben. Einfach faszinierend.

Und wie ich so an den Kapellen entlang schlenderte, fing auf ein Mal die Orgel an zu spielen und eine schöne, klare und helle Stimme sang dazu. Es wurde wohl für den nächsten Gottesdienst geprobt, denn zwischendrin wurde unterbrochen, die letzte Strophe nochmal geprobt, und nochmal von vorne… Ich konnte allerdings nicht heraushören, ob das Französisch oder Latein war, was sie gesungen hat.

Nach dieser Kirche kam dann kein Highlight mehr. Ich bin noch den Nachmittag lang durch Narbonne gelaufen, ohne Plan und ohne Ziel. Auf dem Heimweg in die Innenstadt hab ich noch versucht, den Cache zu heben, aber es war recht viel los. Ich hab zwar Koordinaten, dort konnte ich aber nichts finden, mein Französisch ist aber auch nicht gut, wahrscheinlich hab ich’s auch noch falsch verstanden. Danach noch schnell in den Supermarkt, meinen Brotzeitbeutel wieder auffüllen und einen Snack zum Abendessen holen.

Inzwischen sind mehr Menschen als Fahrzeuge auf dem Stadtplatz vor dem Rathaus. Sie sitzen da und unterhalten sich, trinken Kaffee oder Bier, schlecken Eis, Kinder klettern auf der alten Römerstrasse Via Domitia herum, Verliebte knutschen, das Touristenbähnli kommt ums Eck und beendet seine Tour. Die Insassen verstreuen sich in alle Richtungen. Dann fallen wieder ein paar wenige Tropfen Regen, es ist immer noch wolkenverhangen und warm, ich schwitze auch immer noch, selbst wenn ich ohne meinen Rucksack herumlaufe. Das Touristenbähnli packt sein Werbeschild ein und fährt leer wieder weg. Feierabend.

Nach dem Abendessen bin ich nochmal auf den Stadtplatz ins Internet gegangen, wollte die Bilder von heute hochladen. Aber irgendwie ärgert mich mein iPad zur Zeit etwas. Beim Importieren der Photos von iPhone ist es abgestürzt, so hatte ich nicht alle Bilder beisammen, das Hochladen hat ewig gedauert, nach einer dreiviertel Stunde hatte ich gerade mal fünf Bilder online. Und diese dann auch noch doppelt. Ich hätte doch nicht die Entwicklerversion von iOS 6 drauf spielen sollen, wenn ich jetzt ein paar Wochen unterwegs bin. Ich hab’s dann aufgegeben, zumal es wieder zum Regnen anfängt. Ich hoffe nur, dass das iPad nicht noch Bilder verliert in den nächsten Tagen…

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One response to this post.

  1. Posted by Stormrider on 20. Juni 2012 at 07:09

    Hallo Frank, stöbere wieder mal auf Deiner Seite rum, finde Deine Berichte sehr unterhaltsam und spannend 🙂
    weiterhin eine gute Zeit!

    Gruess – Roger

    Antworten

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