Krauchthal Ittigen

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Nach der Arbeit musste ich einfach noch den schönen Spätsommernachmittag nutzen. Die Sonne lacht herrlich wärmend vom Himmel und ich habe mich über Hindelbank auf den Weg nach Krauchthal gemacht. Von hier aus wollte ich das Krauchthal bis Bolligen laufen, eine kleine Wanderung „in der Nähe“. In Krauchthal angekommen, fiel mir als erstes die Chrüzflue auf, dieser markante steile Sandsteinfelsen mit dem Pavillon oben drauf, den ich bei der letzten Wanderung hier so rot in der Abendsonne habe leuchten sehen.

Als ich die steile Flue hochgeklettert bin, durch den warmen Herbstwald mit raschelnden Blättern am Boden, und über uralte Stufen, die in den Sandstein gehauen wurden, am Pavillon angekommen bin, hatte ich eine herrliche Aussicht über den Ort Krauchthal und die Täler, die hier weggehen. Das Lindental, welches ich von der anderen Seite schon kenne mit dem Thorberg auf der linken Seite, das Krauchthal Richtung Hueb und weiter hinter nach Bolligen, im Hintergrund der Bantiger und die Nachmittagssonne, die noch hoch am Himmel steht. Unten im Dorf herrscht emsiges Treiben, die Vorbereitungen für den Herbst laufen in vollen Zügen. Da werden Schafe geschoren, Kühe gemolken, Kürbisse ausgeschnitten, …

  

Nach dem Genuss der Aussicht bin ich die Flue wieder hinunter und habe mich in meine Richtung aufgemacht. Die Wege rascheln, der Wald wird langsam wieder bunt, es fängt an, nach Herbst zu Schmöcke. Ich laufe der Abendsonne entgegen, der Wegweiser nach Ittigen zeigt 2,5 Stunden, das wird heute ein gemütlicher Spaziergang. Wie ich unter dem Torberg war, das Schloss und die Strafanstalt von weit unten bewundert habe, wurde mit bewusst, dass ich im Lindental bin. Dieses kannte ich ja schon aus der anderen Richtung, aber hier wollte ich heute gar nicht her… Gut hab ich das noch schnell gemerkt und auf der Karte verifiziert, ich hatte aus dem Büro mein iPad dabei, so dass ich nur einen kleinen Umweg machen musste, der mich nicht lang der Strasse entlang ins andere Tal führte. Dort angekommen, fand ich den kleinen, geteerten, ruhigen Weg, der nur von Velofahrern und Spaziergängern genutzt wird. Hier ging es weiter Richtung Geristein, hier ist eine Burgruine, die ich besuchen wollte.

Also weiter der Sonne entgegen, die Pferde grasen gemütlich auf ihrer Koppel, die Kühe bimmeln mit ihren Glocken. Irgendwie sind sie aufgebracht, denn sie muhen wie wild durcheinander, in einer Lautstärke, dass es durch das ganze Tal hallt. Ihre Wiese ist auch schon sehr abgefressen, wohingegen die Kälber auf der Weide nebendran noch in vollem Grün liegen. Die Kälber haben auch nichts zu beanstanden.

In der Hueb bin ich dann links abgebogen und hab das Krauchthal in Richtung Banniger verlassen. Vorbei an der Industrie, die’s hier hat und an der Sodflue, vorbei an der Gaststätte Laufenbad. Hier ist man tief im Wald, der Bach macht die Umgebung feucht, die Sonne ist schon hinter den Hügeln verschwunden. Ich stelle mir vor, hier springt gleich ein Räuber aus dem Unterholz und ich Prinz werde überfallen. Ganz schön romantisch, diese Vorstellung, aber ich habe ja mein Schild mit dem heiligen Apfel dabei, was soll mir schon passieren. (höre dazu auch Der Räuber und der Prinz). An der Brätlistelle vorbei geht’s an den Aufstieg am Ende des Thales, zum Hinderhus hinauf. Der Weg hier ist idyllisch, grasbewachsen und führt an alten, knorrigen Bäumen vorbei, immer bergan, an einer freien Stelle des steilen Sandstein entlang, mit einer abendlichen Aussicht zur Vorderen Jucke. Weiter den Hoher hinauf, man erwartet die Strasse gar nicht, so sehr abgelegen, nach hinten ins Tal und auch noch den Hügel hoch wie es hier liegt… Dafür werde ich oben erwartet, von den kleinen Kälbchen, die ihren Kopf neugierig durchs Gitter strecken und mich den Berg hinaufschnauufen sehen.

  

  

Verlaufen:

Keine Burg, keine Ruine. Keine Wegweiser. Und in meiner Richtung ein Abgrund.

Wald, Bäume, Unterholz.

Ein Eichhörchen. Da, ein Holzstapel, eine Andeutung von einem Weg.

Eine leere Bierdose.

Weiter vorne ein Wegweiser. Puh. Zur Ruine wieder zurück?

Ich bin wieder am Wegweiser von vorhin.

Wo ist die Ruine Geristein? Sollten doch nur 5 Minuten sein?

Den selben Kreis noch mal, nur enger.

Es wird kühl. Wo ist die Abendsonne?

Dort, ein versteckter Weg. Hier hinein? Nein,

schon wieder diese Bierdose…

Dort, ein verwachsener Pfad, sehe ich dahinten einen alten Hohlweg?

Es ist sumpfig als ich mich diesen entlang bewege. Hätte ich doch nur meine Wanderschuhe an.

Ich komme auf ein Plateau, aber Mauerreste der Burg sehe ich immer noch nicht.

 

 

Ich gebe auf, bin jetzt bestimmt eine Dreiviertel Stunde durch den Wald gelaufen und habe die Ruine Geristein gesucht. Ich hab windige und weniger windige Stellen gefunden, an denen ich die Hängematte aufhängen könnte, bin mit meinen MBTs ohne Weg durch den Wald und das Unterholz gestogglet. Inzwischen fängt es zu dämmern an und ich bin noch mindestens eine Stunde von Ittigen entfernt. Also zurück durch den Sumpf, der Wanderweg lag doch in dieser Richtung? Als ich den breiten Wanderweg wieder gefunden habe, ging es noch weiter bergan, oben kam ich dann in den Genuss der Abendsonne, die ihre letzten Strahlen kräftig orange-rot in den Wald schickt. So bekam ich auch noch die Abendsonne ins Gesicht und die Schmach der nicht gefundenen Burg war bald wieder vorüber. Durch eine steile hohle Gasse ging es durch den Geristeinwald hinunter, ein Wanderer auf seinem Drahtesel hat mich überholt. Der Drahtesel war deutlich geländegängiger als ich, mich hat’s auf den Po gesetzt, als ich ihm ausgewichen bin.

  

Plötzlich war ich auf einer Lichtung, aus dem Wald heraus und konnte im Abendrot über Bolligen, Ittigen, Bern und den Gurten blicken, Wolken schwebten darüber und wurden an ihren oberen Spitzen noch von der untergegangenen Abendsonne beleuchtet. Von hier aus ging es dann durch Bantigen, rechts ab Richtung Flugbrunnen, der Weg, auf dem ich mich schon mal verlaufen hatte. Aber es war noch hell genug, dass ich den Abzweig im Wald noch gefunden habe, der direkt und steil nach Flugbrunnen hinunter geht. Weiter nach Bolligen, als die S-Bahn dann noch 20 Minuten Zeit hatte, bin ich auch noch weiter nach Ittigen gelaufen. Kaum hab ich mich auf das letzte Stück des Wegs gemacht, überholte mich auch schon die S-Bahn. ??? Ich dachte, ich hätte noch 20 Minuten? Aber dann kam noch eine, die mich wieder in die Stadt gebracht hat.

  

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