Endspurt nach Le Puy

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Gestern haben wir schon gemutmasst, dass es über Nacht die Berge überzuckert, so kalt ist es am Abend gewesen. Doch kein Schnee, sondern herrlichstes Wetter erwartet uns beim Aufstehen. Die Sonne scheint, beleuchtet das Grün auf den Vulkanhügeln, in den Tälern liegt noch weisser Nebel, über den wir drüber schauen. Kalt zwar, aber ein herrlicher Blick über die Landschaft. Ich bin wieder im Pilgerzimmer zum Frühstücken, doch so sehr ich die Pilgergemeinschaft gestern Abend gespürt hab, desto mehr war der Morgen wieder von kommerziellen Dingen geprägt.

Meine Bar-Reserven waren mit dem Regenwetter etwas überfordert und bei Le Fritz kann man nicht mit Karte zahlen. Gerhard hat mir angeboten, mir etwas zu leihen, bis wir in zwei Stunden des Wegs zu einem Bankomaten kommen. Aber trotz seiner Hilfe sind wir nur auf 59.- gekommen und 66.- hat meine Rechnung ausgemacht. Das fand Heinz von Le Fritz etwas doof, war etwas im morgendlichen Stress, aber im Endeffekt haben wir eine Lösung gefunden, dass er mir die Rechnung per eMail schickt und ich ihm das Geld überweise. Susanna und Cedric sind während des Verhandelns schon mal los gezogen, sie wollen schnell nach Le Puy kommen. Gerhard hat auch sein Geld wieder genommen (danke nochmal, dass er es mir geliehen hätte) und ist mit seinem verletzten Fuss auch los gezogen. Wir haben uns noch kurz im Dorf getroffen, doch bei der Suche nach dem Jakobsweg haben wir uns aus den Augen verloren. Ich hatte – mit Hilfe meines fliegenden Auges – den Weg gefunden, bin noch langsam geschlendert, wollte noch auf Gerhard warten, aber wir haben uns nicht mehr getroffen. So war ich bald wieder alleine unterwegs.

Das Wetter war schön in der Früh, die Nässe aus den Wäldern stieg auf, bildete Nebelschwaden und Wolken, bisweilen sah es so aus, als würden die Vulkankegel noch rauchen. Eine ganz tolle Stimmung! Doch die Wolken rotteten sich zusammen, ernährten sich vom Nebel aus den Tälern, der auch langsam nach oben stieg, und wie die grossen, satten, nassen Wolken dann oben über den Hügeln hingen, waren sie schon wieder so schwer, dass sie abgeregnet sind.

Aus dem Sonnenschein wurde wieder bewölktes Wetter, das hat bald Überhand gewonnen und mich – ich hatte grad meine Regenklamotten angezogen – mit einem Graupelschauer übergossen. Diesmal richtig Graupel, der hat auf meiner Kleidung und auf meinem Hut richtig Lärm gemacht und an den Händen fast schon weh getan. Doch heute war das wirklich nur ein Schauer, so gross und dunkel die Wolken auch sind, sie sind abgegrenzt und fliegen durch die Landschaft. Bald war wieder der Sonnenschein bei mir.

Ich fand das total spannend, den Wolken zuzuschauen, das war das zweite Ding, was ich aus dieser Gegend hier kenne, die Wolkenformationen. Und so sah ich schon die nächste Regenwolke über dem nächsten Hügel schweben, unten dran der graue Schleier des Regens, aber die Wolken zog nach rechts. Wenn ich langsam genug laufe, erwischt mich dieser Regen nicht 🙂 Und von weiter links kommt auch eine Wolke, wenn ich schnell genug laufe, weht die hinter mir durch. So bin ich durch geschicktes Ausweichen dem Regen entgangen und den Rest des Tages so gut wie trocken geblieben.

St. Julien war noch eine Pause wert, eine schöne Kirche, ein hübsches Dorf, ein gemütlicher Platz um den Rucksack mal abzustellen. Aber wie das so ist, wenn man sein Ziel schon so nah vor Augen hat. Man nimmt sich nicht mehr viel Zeit, irgendwas anzuschauen. Für mich war es auch keine Option mehr, mich noch auf dem Weg aufzuhalten, heute wollte ich auch nicht mehr die Zeit verbummeln, sondern in Le Puy ankommen.

Und der Weg zog sich ein Tal entlang, ich konnte anhand des Geländes und der Zeitangaben schon abschätzen, wo Le Puy liegt. Noch einen Hügel hinauf, dann konnte ich die Stadt schon sehen. Hier oben gibt es eine Weggabelung. Die Pilger des St. Regis wurden direkt runter nach Le Puy geschickt, die Pilger des St. Jakob wurden nach rechts geschickt, mussten noch im grossen Bogen um den Hügel herum, an der Autobahn vorbei, und durchs Industriegebiet hindurch. Ich musste nochmal Rast machen, bis ich dann endlich auch mal in Le Puy ankam. Ich hab so das dumpfe Gefühl, die Pilger des St. Regis wären deutlich schneller in der Stadt gewesen.

Auf der Suche nach der Innenstadt und der Touristeninfo bin ich den Weg entlang gekommen, den Cedric gestern schon der Susanna beschrieben hat. Recht intuitiv also, wenn man in die Stadt kommt. Beim Office de Tourisme haben sie mir ein günstiges Hotel rausgesucht, das liegt sogar unter dem Preisniveau einer Jugendherberge, schon interessant, was man sparen kann, wenn selbst die Duschen nicht auf dem Zimmer sind. (Die Jugendherberge war leider geschlossen, wird zur Zeit komplett renoviert).

Ich hab mein Zimmer bezogen und hab mich aufs Bett fallen lassen. Bin ganz schön k.o. heute. Endlich angekommen in Le Puy. Lang genug hab ich ja gebraucht, aber jetzt bin ich da. Und die Regenzeit ist immer noch nicht vorbei. Ich überlege, ob ich nicht die nächsten Tage schon nach Bastia fahren soll, da wird es zumindest wärmer sein. Aber das Wochenende verbringe ich jetzt erstmal in Le Puy.

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