Denkmalgrat

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Doch etwas kühl, diese Nacht, als wir aufgestanden sind, war mein Rucksack und mein Hut mit Raureif überzogen. Die Wasserpfützen in der Zeltplane und die Wäsche auf der Leine waren gefroren. Aber die Sonne war schon aufgegangen und hat wärmend ihre Strahlen zu uns geschickt. Heute frühstücken wir mal gemütlich im Lager und lassen erstmal die Sachen trocknen.

Einen Tee in der Sonne, gemütlich die Sachen wieder packen, die Sonne geniessen, heute waren wir lange in unserem Lager. Wir waren aber auch fast alleine, denn viele Wanderer haben die lange Etappe am GR20 gemacht und laufen in neun Stunden gleich zu der Hütte, zu der wir heute kommen.

Elke begleitet uns heute wieder, sie hat ungefähr das selbe Wandertempo wie wir. Es geht so gemütlich weiter wie es gestern aufgehört hat, durch Buchenwälder zur Quelle. Hier tanken wir frisches, kaltes, klares Wasser und weiter geht’s zur Bergerie. Dort kaufen wir wieder Käse und Lonzu, es liegt ein letztes Brot herum, das nehmen wir auch gleich mit. So sind die Rucksäcke wieder voll und wir können die gemütliche Steigung in Angriff nehmen.

Durch idyllische Flusstäler mit saukalten Wasser, in dem sogar Wanderer gebadet haben, über grosse Steine, durch schattige Wälder. Einen grösseren Bach mussten wir überqueren, als ich meinen Wanderstab als Stütze ins Wasser gestellt hatte, schaute grad noch das oberste Stück heraus. Oh, doch etwas tief… Und prompt rutschte ich beim Landen des gewagten Sprungs ab und trat mit dem rechten Fuss ins Wasser. Aber kein Problem, meine Socken hinten am Rucksack sind inzwischen trocken, kann ich also schnell wechseln.

Weiter den Berg hinauf, durch frisch ausschlagende Buchen, hier ist erst seit vier Wochen Frühling, machen wir am oberen Rand des Waldes gemütlich Brotzeit. Wie immer: Frisch aus der Region: Pecurinu und Lonzu und Saussicon und Brot. Herrlich, wir schlemmen uns satt, uns geht’s echt gut.

Dann geht’s hinauf in den Klettergarten. Durch eine Scharte mit ein bisschen Wind kam man auf den Grat. In der Scharte haben wir noch Siegerfotos gemacht, inklusive Hut wegfliegen und dann haben wir uns in den Kletterspass geworfen.

„Messerscharfer Grat“, wie er im Wanderführer beschrieben steht, halte ich zwar etwas übertrieben, aber es war ein schöner Weg, mal rechts am Grat entlang, mal links am Grat entlang. Klettern auf allen Vieren, teilweise mit rückwärts hinunter und mit dem Fuss ertasten, wo der nächste Schritt hin muss.

Rechts waren Wolken, die den Berg hinauf geflogen kamen, links war Wind, der verhindert hat, dass die Wolken über den Grat kommen. Rechts haben die Wolken noch an der Aussicht geübt, links war ein herrlicher Blick über das Taravo Tal. So gross wie das Unterwallis ungefähr, aber über und über mit Wald bewachsen. Nur zwei kleine Dörfer standen mit ihren roten Dächern aus dem Grün heraus, sonst schien das ganz grosse Tal unberührt.

Rechts am Grat gab’s Klettern und Schwitzen, links am Grat gab’s Wind mit Abkühlung. Zwischendrin stand Wacholder mit frischen Beeren und junge Buchen mit frischen, grünen Blättern. Was zum Naschen war also auch da. Noch interessant, dass hier auf 1900 Metern noch Buchen wachsen. In den Alpen wären wir auf dieser Höhe schon bei der Baumgrenze.

So ging der Weg eine Stunde lang durch die Steine und Felsen, eine Kletterpartie nach der anderen, hier balancieren, dort auf blankem Fels seinen Schuhsohlen vertrauen. Hier hat man gesehen, wer seine Wanderschuhe kennt und wer ihnen vertrauen kann. Es gab auch ängstliche Menschen auf dem Weg, die fanden das hier gar nicht toll. Aber mir hat das voll Spass gemacht, ich hab darüber glatt vergessen, wie anstrengend das ist, zumal ich noch den schweren Rucksack ausbalancieren musste.

Irgendwann tauchte dann die Hütte auf, zu der wir heute wollten. Und darunter eine Zeltstadt im Berghang, der aus der Ferne recht steil aussah. Im Wanderführer hiess es, dass hier gute Zeltmöglichkeiten gäbe, was wir uns nicht so ganz vorstellen konnten.

Als wir dann endlich ankamen, durften wir uns einen Zeltplatz frei aussuchen und haben einen halbwegs geraden gefunden. Einen ohne Steine war Illusion, schliesslich sind wir hier im Gebirge auf etwa 1800 Meter. Hier besteht alles aus Geröll. Willkommensbierchen getrunken und Zelt aufgebaut, dann geht’s ans Abendessen.

Wir hatten überlegt, in der Hütte zu essen, damit wir im Warmen essen können, aber nachdem es Nudeln mit Sosse gibt, haben wir beschlossen, dass wir das auch selber kochen können. Dann müssen wir halt früh ins Bett gehen, bevor es hier oben richtig kalt wird. Aber es war schnell richtig kalt. Brr, was haben wir gefroren, was sicher auch an der Anstrengung der Kletterei lag.

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