die verlorene Quelle

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Der Morgen war gar nicht so kalt als wir gedacht hatten. Es war auch gar nicht feucht, alle Sachen waren trocken, ausser dem Handtuch, was ich extra in den Rucksack reingetan hab. Und dabei war auch diese Nacht sternenklar. Gaaaanz viele Sterne zu sehen, der korsische Nachthimmel ist einfach faszinierend, da kann man glatt vergessen, warum man eigentlich aufgestanden ist. Nur leider hatten wir diese Nacht ein Gefälle im Zelt, ich bin immer den Hang hinunter gerutscht und konnte nicht gut schlafen.

Nach dem Aufstehen und Wasser fassen an der Hütte führte uns der Weg weiter hinauf. Die morgendliche Aufwärmrunde, bis man wieder auf Betriebstemperatur ist 🙂 Oben angekommen, mit weitem Blick über das grosse Tal und die Berge drumherum, bis zum Monte Inducine (dem wir einen Abstecher ohne Rucksack gewidmet haben),

ja bis zu den Türmen der Bavella konnten wir schauen. Da kommt doch einiges Strecke zusammen, wenn man ein paar Tage unterwegs ist… Die Sonne scheint, unter uns fliegen die Wolken übers Meer und durch die Täler. Hier oben hab ich doch tatsächlich mal etwas Internet gefunden, so konnte ich endlich mal die Entwürfe der vergangenen Tage hochladen, damit Freunde und Familie uns nicht für verschollen halten. Sah wohl auffällig aus, wie ich mit Telefon und Internet in der Hand auf dem Felsen dass, es kamen zwei Franzosen vorbei und fragten gleich, ob hier ein bisschen Empfang wäre. Und gleich drauf haben auch sie die Telefone rausgezogen und ihre Anrufe erledigt.

Der Weg ging weiter, quasi als Fortführung vom Denkmalgrat gestern, durch grosse Granitfelsen, es gab wieder Kletterstellen und die Aussicht nach beiden Seiten. Sogar das Meer bei Ghisonacchia konnten wir sehen, trotzdem sich dort die Wolken tummelten.

Der Abstieg zu den beiden Pässen ging durch Buchenwälder und durch Wolken, beides zusammen brachte stellenweise eine echt mystische Stimmung hervor. Aber schade, dass wir die erkletterten Höhenmeter hier wieder vernichten, aber hier unten ist die einzige Quelle auf der gesamten heutigen Etappe. Der Wanderführer spricht eine „Wasserwarnung“ aus, denn Korsika ist ja sooo trocken 😉 Wir jedenfalls hatten nie Probleme, an Wasser zu kommen. Aber sicher ist sicher, die Quelle nehmen wir mit und nachdem wir eh grad knapp drei Stunden unterwegs waren, haben wir auch gleich auf der Sitzgruppe hier Frühstück gemacht.

Aber die Quelle war schwer zu finden. Heinz ist nachher nochmal los, denn aufgeben wollten wir dann auch nicht, während Elke schonmal vor gegangen ist. Sie ist etwas langsamer, wir werden sie bald einholen, sagt sie. Doch nach einer halben Stunde kam Heinz mit den leeren Wassersäcken zurück. Die Quelle war nicht zu finden. Oh. Hmm. Na dann, müssen wir den Nachmittag ohne Wasser auskommen…

Nach dem Pass kam der zweite Pass und dann ging’s wieder bergauf. Wieder die Verlängerung des Denkmalgrats, die selben Granitsteine, das selbe Tal auf der linken Seite und die selben Wolken auf der rechten Seite. Und: wieder Klettern 😀 Etwas hinauf, etwas hinunter, ums Eck, auf die andere Seite, wieder hinauf, Elke überholt, wieder ums Eck, wieder etwas hinunter. Zwischendurch haben wir zwei Deutsche getroffen, in einer Notsituation, die Frau war erschöpft, am Ende ihrer Kräfte, dehydriert und musste mit dem Heli geborgen werden. Ihr Mann hat sie weithin sichtbar mit der silber/goldenen Rettungsfolie eingewickelt und wir hörten auch schon stundenlang einen Helikopter kreisen. Aber das war nicht ihrer, hat er gemeint. Und tatsächlich, ein anderer Heli ist später direkt zu ihnen hin geflogen. Wir konnten nicht viel helfen, Wasser hatten sie noch und Handyempfang haben wir auch nicht mehr als sie. So sind wir weiter gezogen und hofften, dass sie bald gerettet werden.

Wir haben noch eine gemütliche Stelle gefunden und Brotzeit gemacht, Schinken und Salami aufgeschnitten und Käse, dazu Brot, gerade als die Tafel gedeckt war, kam auch Elke wieder an und gesellte sich zu uns. Leider ist dann die Sonne verschwunden, so dass wir das restliche Stück unter dem Gipfel entlang hinunter bis zur Hütte dann im Schatten gegangen sind. Inzwischen wurde unser rationiertes Wasser auch leer, aber an der Hütte gibt es eine Quelle. Hier können wir wieder auftanken.

Es ist windig hier oben auf der Ebene, heute haben wir auch gleich die Sturmverspannung ans Zelt gemacht. Aber immer wieder kommt die Sonne heraus, vielleicht reichts ja noch, dass die durchgewaschene Wäsche trocknet.

Plötzlich geht eine Stampede über den Platz, drei Pferde galoppieren zwischen den Zelten her. Was wollten die denn? Jeder hat aus seinem Zelt geguckt und sich fragend angeschaut. Aber diese Tierwelt gehört mit zu den Hochebenen Korsikas. Sind wir mal froh, dass keine Rotte Schweine durch die Zelte pflügt…

Zum Abendessen in der Hütte gab’s Nudeln mit Sosse. Aber das können wir auch selber. Inklusive Schinken zur Vorspeise und Käse als Dessert. Also haben wir wieder selber gekocht. Aber die Vorräte sind schon fast wieder alle aufgebraucht, (mein Rucksack wird schön leicht morgen), wir sollten mal wieder einkaufen gehen. Der Abend wurde schnell kalt hier oben auf 1800 Meter, trotz Fleecepulli und Windbreaker. Wir haben uns recht bald in die Schlafsäcke verkrochen, schliesslich gab auch die weisse fluffige Wolkendecke den Blick nicht mehr aufs Meer frei.

Heinz war noch wach genug, um gegen zehn doch noch die Lichter der Küste zu sehen. Aber er hat leider kein Foto davon gemacht…

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