träwweling wis Deutsche Bahn

Gestern Abend hatten wir uns noch über die Deutsche Bahn unterhalten. Und über ihre Eigenheiten und Pannen. Und heute, auf meinem Weg in die Schweiz zurück, hatte ich dann mal den Blick dafür.

Mit Heinz hatten ich eine Verbindung von Remscheid nach Genf heraus gesucht. Zuerst der Schienenersatzverkehr, weil die Müngstener Brücke wieder gesperrt ist, dann Umsteigen in Solingen und Köln, weiter über Mannheim nach Basel und weiter durch die Schweiz. Den Schienenersatzverkehr hat Sonja übernommen, damit nicht meine Reise schon an der ersten Unsicherheit scheitert. Der Zug von Solingen Mitte nach Solingen Hbf war pünktlich, dort hatte ich zwanzig Minuten Aufenthalt. Ich hab’s nicht eilig, da kommt so ein zeitlicher Puffer manchmal ganz gelegen. In Solingen stand dann der ICE nach Basel angeschrieben und ich hab ganz verwundert geguckt, warum ich denn noch in Köln umsteigen müsste. Es stand auch angeschrieben, dass der Zug heute in anderer Wagenkombination unterwegs sei. Allerdings stand nicht angeschrieben, ich welcher Kombination, so dass es bei Einfahrt ein wenig hektisches Gerenne gab. Nicht für mich, denn ich reserviere ja keinen Sitzplatz mehr. Irgendwo in der zweiten Klasse bin ich dann eingestiegen und fand eine defekte Türe mit dem entsprechenden Schild dran, dort hab ich erst einmal meinen Rucksack abgestellt. Kurz drauf kam der Schaffner, bliebt in meiner Nähe stehen und hat erst zehn Minuten ungeduldig warten müssen, bis sein mobiler Computer wieder lief. Der hatte wohl eine Macke und musste erstmal neu gestartet werden. Doch noch rechtzeitig vor Köln konnte er mein Ticket scannen und er zeigte sich genauso verwundert wie ich, wieso ich nach Basel denn noch in Köln umsteigen müsste. „Aber wir fahren doch auch nach Basel… Hmm. Komischer Computer“ meinte er und stempelte mein Online Ticket genau dort, wo der Platz für den Zangenabdruck vorgesehen war. Nachdem sein Computer auch wieder funktionierte, suchte mir der sehr freundliche Zugbegleiter auch gleich die Ankunft in Basel heraus. Eine Stunde früher als das Internet mir heraus gesucht hatte. So durfte ich im schnellen ICE mitfahren, obwohl ich eine Fahrkarte für den langsameren EuroCity hatte. Deswegen war die auch 20.- Euro billiger 🙂 Schnäppchen gemacht 🙂
In Köln versuchten einige hektische Fahrgäste, „meine“ defekte Türe zu öffnen. Wie wild haben sie außen auf den Knöpfen herumgedrückt, bevor sie etwas genervt eine Tür weiter gegangen sind. Das gelbe Schild im Fenster der Tür haben sie nicht gesehen und beachtet. Aber die Leute gucken auch nicht wirklich. Die zwei WCs, die in „meinem“ Eingangsbereich waren, hatten auch beide ein gelbes Schild mitten auf der Türe, die waren auch beide defekt. Und die Menschen stürzen sich auf die Tür, greifen die Klinke, aber sie geht nicht auf. Das kennt man ja, also stellen sie sich etwas auf die Seite, um zu warten, bis das WC wieder frei ist. Das gelbe Schild haben sie nicht gesehen, darauf mussten sie erst hingewiesen werden. Mehrere Menschen. Ich hab mich gewundert, wie wenig die Leute schauen.

Ich hab’s mir in meiner defekten Türe gemütlich gemacht, mein Schlafsack als bequemes Sitzkissen genutzt und ein Buch geschnappt. In Frankfurt kam dann eine Durchsage, dass die Wagen 301 und 302 defekt seien. Welche auch immer das waren und was auch immer das jetzt bedeuten sollte. Außer einer Verzögerung der Abfahrt. Im Bahnhof Frankfurt hieß es dann, dass sie wohl den hinteren Teil des Zuges (es war die hintere Hälfte) evakuieren müssten. Ui, dann wurde es eng im verbliebenen vorderen Zugteil. Aus meinem Sitzplatz wurde dann ein Stehplatz und es drängten sich viele Menschen mit vielen Koffern in den Eingangsbereich. Viele Business-Gäste, die nach dem Flieger in Frankfurt jetzt den modernen ICE der Deutschen Bahn benutzten. Ich musste einer tschechischen Delegation fast ins Notebook gucken, denn zum Umblättern vom Buch war kaum noch Platz. Das sind effiziente Sparmaßnahmen, wenn man die Fahrgäste von zwei Zuglängen auf eine komprimiert. Da kam dann keiner mehr durch bei all den Leuten und Koffern. Dabei haben einige Fahrgäste sich mühsam den Waggon entlang gekämpft, um zum WC zu kommen, standen dann aber vor der verschlossenen Türe mit dem gelben Schild dran. Nich einen Wagen weiter…

Aber das ging glücklicherweise nur bis Mannheim so, dort stiegen dann die meisten wieder aus und ich konnte mich wieder hinsetzen. Inzwischen hatten wir zwanzig Minuten Verspätung, was aber keiner spezieller Erwähnung im Zug bedurfte. Es wurden in Mannheim und Karlsruhe einfach die Anschlusszüge durchgesagt.

Und nach jeder Abfahrt kam natürlich der Hinweis auf den gastronomischen Service an Bord, der auch bald in Form von vier getragenen Kaffee bis zu jedem Platz kam. Drei Wagen weiter vorne hab ich auch noch eine funktionierende Toilette gefunden.

Mit einer viertel Stunde Verspätung war ich dann immer noch eine Dreiviertel Stunde früher in der Schweiz als geplant. Alles wird gut.

Frei nach den Wise Guys: Sänk ju for träwweling wis Deutsche Bahn.

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One response to this post.

  1. Posted by Matze on 3. April 2013 at 08:20

    Sänk ju for träwweling wis Deutsche Bahn – geil! besser hätt ich’s auch nicht sagen können!
    apropos Dütsche: … das journalistische Sommerloch kommt bei 20min jetzt schon im April: http://www.20min.ch/schweiz/news/story/-Wir-haben-resigniert–27308432

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